Ballacks Verletzung : Boateng in Welt und Bild

Michael Ballacks Knöchel ist kaputt, und Journalisten beschwören eine Katastrophe. Warum Kevin-Prince Boateng nicht die neue Aschewolke ist. Eine Glosse
"Ghetto-Kind" und ein "Unbezähmbarer" soll er sein: Kevin-Prince Boateng © I. Kington/AFP/Getty Images

Inzwischen dürfte, das ist die gute Nachricht, nahezu jeder Deutsche wissen, was ein Syndesmoseband ist . Für alle, die keine Zeitung lesen und nur zufällig hier hereingeklickt haben: Herzlich Willkommen, das Syndesmoseband hält Schien- und Wadenbein zusammen. Normalerweise nimmt man selten Notiz von dessen unauffälliger aber nicht unbedeutender Existenz. Doch in den vergangenen Tagen haben sich in Redaktionen sämtliche Hobbybundestrainer und Freizeitorthopäden um das von Michael Ballack versammelt und geseufzt: Syndesmoseband kaputt, WM auch.

Sodann folgten unzählige Artikel. Manche waren flehende Gesuche und verzweifelte Fragen an den Fußballgott, der vermutlich derzeit in irgendeiner fernen Galaxie Einkaufswagen zusammenschiebt. Die meisten aber knöpften sich den Schuldigen in einem Tonfall vor, gemischt aus Aktenzeichen XY , Barbara Salesch und Sozialarbeiterprosa. Vom "Ghetto-Kind" ( Die Welt ) Kevin-Prince Boateng konnte man lesen, vom " Unbezähmbaren " ( Tagesspiegel ), und wer richtig Blut und Eisen wollte, bekam es zuverlässig von Bilds Franz-Josef Wagner. Seine tägliche Kolumne schloss mit dem Satz: "Immer sind es die Arschlöcher, die alles zerstören." Wie so oft hinterlassen einen Wagners Worte in Denkerpose, aus der man in diesem Fall nach ein paar grüblerischen Minuten aufspringt und ruft: Ja, aber was hat denn den Kreta-Urlaub vor vier Wochen versaut!

Das hatte mit Arsch wenig zu tun, höchstens auf Hessisch, wo der phonetische Hüpfer von Arsch zu Asche auch mit lädiertem Syndesmoseband zu bewältigen ist. Aber wer wird denn eine Wolke beschimpfen. Und selbst zum eigentlichen Ascheloch Eyjafjallajökull hatten wir ja schnell eine beinahe kumpelhafte Beziehung aufgebaut. Auch weil wir seinen Namen so putzig fanden, der vermutlich ähnliche Aufregung im Kreißsaal auslösen würde wie Kevin-Prince. Das schier Unmögliche wäre hiermit bewiesen, nämlich dass Franz-Josef Wagner Unrecht hat.

Wer nach dieser Erkenntnis noch kurz bleiben möchte und obendrein kulturinteressiert ist: Die Aschewolke kommt auf die Bühne! Eine österreichische Theatergruppe möchte das Stück Viele guten Dinge kommen aus Reykjavi k aufführen, eine Nachbearbeitung eines Dramas von Josef Maria Krasanovsky, der in Österreich schon weltberühmt ist. Am 10. Juni ist Premiere, einen Tag vor Beginn der WM! Vielleicht könnte sich der DFB daran ein Beispiel nehmen und seinerseits über eine Aufführung des Knöchel-Theaters nachdenken. Als vorläufiges Aufgebot möchten wir Jan-Josef Liefers in der Rolle des Michael Ballack ins Rennen schicken und Moritz Bleibtreu als Kevin-Prince Boateng, weil Bleibtreu nunmal immer die Bösen spielt. Andere Vorschläge, auch für die Besetzung Franz-Josef Wagners, nehmen wir von nun an in den Leserkommentaren entgegen. Aber bitte nicht ausfallend werden.

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Kommentare

17 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Die perfekte Besetzung für Franz-Josef Wagner

Wer mir am besten geeignet scheint ist Julius Streicher.
Da Wagners und Streichers Kolumnen obendrein den gleichen Intellekt und offensichtlich auch den gleichen politischen Hintergrund haben, sehe ich niemanden der perfekter für die Rolle des Franz-Josef wäre.
Nur blöd, das Julius Streicher zur Zeit unabkömmlich ist, ich meine gehört zu haben, er wäre irgendwie in Nürnberg hängen geblieben?!

Geistermannschaft

bei dem ganzen tralala über micheal ballack scheint man die mannschaft völlig zu vergessen. ja man könnte fast denken das die mannnschaft ohne ballack völlig ausserstande sei überhaupt auch nur ein spiel zu gewinnen. ballack hier und ballack da und ohne ballack kein Weltmeister. aber böse zungen behaupten, das dort auf sizilien tatsächlich noch andere spieler rumrennen die auch irgendwie mit dem ball umgehen können ja sogar ohne ballack tore geschossen und spiele gewonnen haben. ich halte das in dieser zeit zwar für ein gerücht, aber wir werden ja sehen.
schade das der rest des teams so wenig wert ist ohne ballack....na ja, vielleicht klappt es dann ja mit der em in 2 jahren und einem neuen spielführer der dann den status eines bllacks inne hat. aber .......oh gott. was machen wir dann nur wenn der sich auch verletzt. mein rat? am besten nur noch spiele oder tuniere spielen bei denen dann auch alle voll einsatzfähig sind, ansonsten einfach mal lassen. hätte ja dann eh keinen zweck, so schlecht wie wir ohne spielführer von einem ballackschem format sind.

Boateng in der Zeit

Ist ja interessant, wie genau die Zeitredaktion sich die Headlines der anderen Anbieter durchliest. Dabei scheint sie gleichzeit den Zeit-Dossier-Artikel über Boateng, der in der letzten Printausgabe erschienen ist, zu ignorieren.

Wer Sozialarbeitersprache verstehen will, sollte sich den Dossier-Artikel der Zeit durchlesen - dort wird Boateng als von allen missverstandener, guter Junge dargestellt. Nach dem Motto, es waren mal wieder die anderen Schuld.

Die Zeit sollte ruhig mal selbstkritisch sein und sich nicht all zu sehr über die anderen mokieren.

Abgesehen davon, halte ich eine Gegendarstellung zu Ballacks Sichtweise für absolut fair. Also, die Zeit kann doch Kevin-Prince Boateng mal das Wort anbieten.