Irrwitz der Woche AusGEZahlt und dann?

Auf die GEZ kommen vielleicht neue Aufgaben zu. Mark Spörrle empfiehlt das Aufspüren von Hunden – oder Schwarzbetern.

Zwei Hunde schauen aus dem Autofenster. Könnte ihre Verfolgung eine neue Aufgabe für die GEZ sein?

Zwei Hunde schauen aus dem Autofenster. Könnte ihre Verfolgung eine neue Aufgabe für die GEZ sein?

Verfassungsrechtler Paul Kirchhof spielt mit dem Feuer. Er möchte eine Institution abschaffen, die unzählige Deutsche in blinder Wut vereint hat wie keine zweite: Die Gebühreneinzugszentrale GEZ ("schon GEZahlt?"). Geht es nach Kirchhof, sollen wir ab 2013 nicht mehr jeden Fernseher, jedes alte Autoradio, jeden wie auch immer gearteten "Computer" mit dem man "Rundfunk" empfangen kann, einzeln anmelden müssen. Statt dessen soll jeder Haushalt eine fixe Summe zahlen. Und Schluss.

Wohl auch mit der GEZ und ihren Methoden. Ein- für allemal. Gut so? Nein, uns allen wird etwas fehlen.

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Weniger die Kopfgeldjäger selber, die in Lederjacke oder Trenchcoat unangemeldet an der Wohnungstür klingeln. Die sich beim ersten Mal mit einiger Geistesgegenwart ( " Nein, ich bin mein Bruder!") zwar zynisch grinsend abwimmeln lassen. Aber dann wiederkommen, zu unterschiedlichsten Tages- und Abendzeiten, machmal auch zusammen mit dem Pizzaboten, Gerüchten zufolge sogar als Pizzabote selbst. Die behaupteten, sie seien Beamte und dürften in die Wohnung. Oder sie machten eine Umfrage über Fernsehgewohnheiten für irgendein Institut und wollten fragen, wie denn Kerner gestern gewesen sei, gut, wirklich, jaaah?, "okay, zahlen Sie drei Jahre nach oder nur vier?".

Mark Spörrle
Mark Spörrle ist ZEIT-Redakteur und schreibt satirische Geschichten über den  ; .

Mark Spörrle ist ZEIT-Redakteur und schreibt satirische Geschichten über den ; .

Nein, für viele von uns haben diese ausgekochten Kerle etwas ähnlich Identitätsstiftendes wie die Stasi für DDR-Bürger. Internetforen geben Tipps, wie man sie sich vom Leib hält, jedenfalls bis zum nächsten hastigen Umzug – "Briefkasten nicht leeren, Licht auslassen, nicht husten, und Vorsicht: Sie durchwühlen den Müll...". Wie man ihre Peilwagen überlistet, die durch die Straßen patrouillieren (es gibt keine – behauptet die GEZ verdächtig beharrlich...). Andere Foren beschäftigen sich damit, ob man von der GEZ Schadensersatz verlangen kann dafür, dass man seinen teuren Fernseher nach dem Auftauchen eines mutmaßlichen Peilwagens voller Panik aus dem Fenster warf.

Feindbilder sind rar geworden in unserer Gesellschaft, und die wenigen, die es sonst noch gibt, die Banker, die Griechen, die labilen Familienpolitiker, die klingeln nicht bei uns. Sie schicken auch keine hochherrschaftlichen Gebührenrechnungen, die man noch im Treppenhaus zu Konfetti zerfetzt oder bei "Bye-bye-GEZ"-Parties gemeinsam bespuckt und verbrennt. (Das Geld überweisen kann man auch noch, wenn die Mahnung kommt.) Diese Solidarität gegen einen klaren gemeinsamen Feind, einen, der für das, was doch nachweislich Tag für Tag völlig umsonst im Fernsehen kommt hinterfotzig auch noch Geld verlangt, hat weite Teile unserer Bevölkerung stärker zusammengeschweißt als sämtliche Formen der Steuerhinterziehung.

Leser-Kommentare
  1. Ich habe in meinem Blog http://lust-und-frust.blo... die rechtlichen und historischen Hintergründe behandelt. Leider ist der Text zu lang um ihn hier einzustellen...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    und komme zu dem Schluss, dass Sie den Sack "GEZ" schlagen und den Esel "Öffentlich Rechtlicher Rundfunk" meinen. Diese Tendenz gibt es schon seit 1960, als die Springerpresse mit den Attacken auf den ÖR-Rundfunk begann.
    Nachdem wir auch privaten Rundfunk haben, können wir vergleichen und erschrecken. Die Privaten haben das Programmniveau heruntergezogen. Der Privatrundfunk ist zur reinen CD-Abspielstation verkommen und der Unterschied zwischen Antenne Brandenburg, -Niedersachsen, -Hessen, -Bayern ihren Geschwistern besteht nur darin, die immer gleichen Titel in unterschiedlicher Reihenfolge ab zu dudeln. Das Fernsehen ist noch schrecklicher, die absolute Niveaulosigkeit. Es fehlen nur noch Sendungen wie "Mein Schwiegersohn schläft nicht mit mir, was mache ich falsch?"
    Leider wirkt sich das auch auf den ÖR-Rundfunk aus, weshalb ich dafür plädiere den Privatfunk abzuschaffen.
    Und wenn der ÖR-Rundfunk auch noch die Werbung abschaffen würde, zahlte ich auch gern noch höhere Gebühren!
    PS. In den 50er und 60er Jahren gab es weder im NDR- noch im WDR-Hörfunk Werbung. Das waren noch schöne Zeiten.

    und komme zu dem Schluss, dass Sie den Sack "GEZ" schlagen und den Esel "Öffentlich Rechtlicher Rundfunk" meinen. Diese Tendenz gibt es schon seit 1960, als die Springerpresse mit den Attacken auf den ÖR-Rundfunk begann.
    Nachdem wir auch privaten Rundfunk haben, können wir vergleichen und erschrecken. Die Privaten haben das Programmniveau heruntergezogen. Der Privatrundfunk ist zur reinen CD-Abspielstation verkommen und der Unterschied zwischen Antenne Brandenburg, -Niedersachsen, -Hessen, -Bayern ihren Geschwistern besteht nur darin, die immer gleichen Titel in unterschiedlicher Reihenfolge ab zu dudeln. Das Fernsehen ist noch schrecklicher, die absolute Niveaulosigkeit. Es fehlen nur noch Sendungen wie "Mein Schwiegersohn schläft nicht mit mir, was mache ich falsch?"
    Leider wirkt sich das auch auf den ÖR-Rundfunk aus, weshalb ich dafür plädiere den Privatfunk abzuschaffen.
    Und wenn der ÖR-Rundfunk auch noch die Werbung abschaffen würde, zahlte ich auch gern noch höhere Gebühren!
    PS. In den 50er und 60er Jahren gab es weder im NDR- noch im WDR-Hörfunk Werbung. Das waren noch schöne Zeiten.

  2. Der Artikel ist ja recht spaßig. Der "Irrwitz" darin ist nicht zu übersehen...

    Aber wäre es nicht ebenso relevant, einmal die Frage nach dem "Macht-Vakuum" zu stellen, das ein Wegfall der GEZ tatsächlich real hinterlässt? Welche Personen und Kreise sind längst damit beschäftigt, dieses Vakuum präventiv durch flankierende Maßnahmen wie vermeintlich seriöse Gutachten zu füllen?

    Scharfzüngiger journalistischer Sarkasmus allein ist - so nett er sich auch liest - leider nicht zielführend, wenn es darum geht, die realen Gefahren für unsere (Medien-)Demokratie, die durch die Verflechtung von Politik und Fernsehanstalten entstehen, jener "unwissenden Masse" von Bürgern nahezubringen, die sich mit ihrer Rolle als ohnmächtiger Konsument und Knecht fremder Interessen selbst längst abgefunden haben.

    Wem ist damit geholfen, wenn sich einige wenige "Kenner der Medien" gegenseitig auf die Schenkel klopfen? Ist das letztlich nicht nur selbst ein Ausdruck der eigenen längst akzepierten Ohnmacht vor den Verantwortlichen in Politik und den "Anstalten" von ARD und ZDF?

  3. Bereits Anfang Dez. 2009 sahen Pläne für eine Neuregulierung vor, daß auch Internetnutzer die volle GEZ Gebühr bezahlen sollen. Meine damaligen Einlassungen scheinen sich zu bestätigen, wobei ich nach wie vor die Betrachtung nicht allein auf diesen Punkt fixiert sehe.
    Die Verbreitung von Medieninhalten, die dem Gelderwerb dienen, wird ausschließlich digital sein. Denn nur die digitale Verbreitung kann beim Nutzer dessen “Berechtigung” zum Empfang abfragen. Die Vorbereitungen dafür haben längst begonnen. Das sog. Überallfernsehen (DVB-T) ist ein Schritt dahin. Wenn die lückenlose Flächendeckung erreicht ist, werden die Empfangsgeräte so eingestellt sein, daß nur bezahlter Inhalt empfangbar ist. Die Modalität ähnelt der beim Pay-TV. Die Ö/R werden sich dann scheinheilig nach und nach ihrem per Verfassung definierten Auftrag angleichen und Inhalte, die dann diesem nicht mehr zwingend zugeordnet werden können, kostenpflichtig als Option anbieten. Die Quote ist dann Grundlage bei der Entscheidung, welche “Goldesel” abgekoppelt werden. Argumentiert wird damit, das jeder die Wahl bei den sogenannten Zusatzangeboten hat, die jetzt noch dem Bildungsauftrag zugeordnet werden und gerade noch zur Rechtfertigung für die Gebührenhöhe dienen. Verkauft wird uns “Sehern” dies mit dem Umstand, daß nicht mehr jeder für alles im Rundumschlag zahlen muss. Nur Blauäugige hoffen im Gegenzug auf eine angepasste, sprich niedrigere Grundgebühr.
    Fortsetzung Wie kapitalisiert man den Bildungsauftrag? #2

  4. Der durch die von politischer Seite argumentierte “Mehrwert”, allein motiviert durch den gewollt zusätzlichen Griff an unsere Geldbörse, wird aus genau dem Inhalt bestehen, der jetzt schon zur werbewirksamen Sendezeit serviert wird. Olympia und sonstige Großsportereignisse von allgemeinem Interesse bleiben dann der zahlungswilligen oder/und finanzkräftigen Klientel vorenthalten. Das fördert dann die Geselligkeit wie anno dazumal, als sich 1954 Fußball Deutschland vor den wenigen Fernsehempfängern versammelte. Die Entwicklung der Gebührenstruktur wird durch diesen Umstand eine haushaltsbezogene sein. Die GEZ wird überflüssig, bzw. zur Verwaltung der Zahlungseingänge, zwangseingezogen wie bei der Kfz.-Steuer, umfunktioniert. Irgendjemand muss ja die codierten Personal Multimedia-Cards versenden. Die Personal Multimedia-Card wird natürlich auch dazu genutzt, ihre Sehgewohnheiten zu speichern. Damit TED ganz genau Bescheid weiss und ihnen 100%ig das richtige Programm anbieten kann.
    Der Printbereich wird ein ähnliches Modell präferieren. Dies erfordert Umdenken und ganz neue Allianzen. Und so absurd es sich jetzt auch anhört. Das oben geschilderte Szenario kann ein gemeinsames sein. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die großen Verlage, kaum noch durch Zeitungsverkäufe in der jetzigen Form überlebensfähig, sich der Digitalisierung der Haushalte in der Ö/R Form anschließen werden.
    Fortsetzung Wie kapitalisiert man den Bildungsauftrag? #3

  5. In einer anderen Konstellation wurde dies vor kurzem noch vom Kartellamt abgelehnt (Fusion Springer/ProSiebenSat.1). Für mich ist jetzt schon sicher, das dies dann in entsprechenden Artikeln als für uns positiv und nützlich begleitet, und weil es der Macht insgesamt dient, selbstredend genehmigt wird. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sind sie wieder in einem Boot, die Politik und die “freie Presse”. Und jeder der beiden Kombattanten wird den Einfluss des Anderen negieren. Eine wirklich unabhängige Berichterstattung wird daraus resultierend im Wesentlichen noch eingeschränkter sein als heute. In diesem Zusammenhang darf ob der derzeitigen und zu erwartenden “Meinungsvielfalt” die Frage gestellt werden, ob es noch ARD und ZDF geben muss, oder ob nicht aus offensichtlich wirtschaftlichen Gründen ein “Apparat” genügt. Ich fürchte, die Entwicklung wird, welche auch immer, nicht am Willen der Bevölkerung, sondern am Wollen der Mächtigen ausgerichtet und dem Geschachere der Politik orientiert sein. Momentan ernüchtert ob meiner eigenen Befürchtungen, erwarte ich jedoch mit Spannung die daraus resultierende gesellschaftliche Bewegung. Ich hoffe, es gibt eine.

    http://www.bundeskartella...

  6. es geht ja um eine nicht mehr zeitgemäße Institution. Der eine beschwert sich über das Rentnerfernsehen, der andere dass Alt- und Spät-68er sich da gut bezahlte Pöstchen gesichert haben und in den Nachrichten etwas einseitige Positionen verbreiten. Und natürlich gibt es da noch einige weitere Varianten ...

    ARD und ZDF sind als alimentierte Institutionen alt und sehr teuer geworden. Selbst wenn man wohlwollend ist, ist es schwer zu sehen, wie das Gebotene über 8 Milliarden (!) Gebühren pro Jahr rechtfertigen soll. Ein beträchtlicher Teil der Gebühren geht zum Beispiel inzwischen für Zusatzpensionen drauf. (Ist es böse, wenn ich jetzt "Hallo Griechenland" sage?) Das Geld könnte wesentlich besser genutzt werden und durch das Internet wird sowohl die Unterhaltungskomponente, wie auch die Nachrichtenkomponente von ARD und ZDF immer unwichtiger.
    Trotzdem wollen die Sender noch mehr Geld, darum geht es hier. Da in Deutschland die Zahl der angemeldeten Fernseher zurückgeht, wollen die Sender, dass einfach jeder zahlen muss. Das Prinzip "Zwangskunde" ist ein Traum für jede Institution. Die mutlosen Politiker schrecken einmal mehr davor zurück, hier Nägel mit Köpfen zu machen und die Sender gesund zu schrumpfen und Teile zu privatisieren.
    (In Frankreich hat sich TF1 einfach selbst unabhängig erklärt.)

    Die Deutschen hätten dann 8 Milliarden mehr zur Verfügung, und könnten den Inlandskonsum ankurbeln!

    Gruß

    MehrDemokratie

    • evu
    • 09.05.2010 um 5:51 Uhr

    und hier gibt es mehrere sender die meines erachtens wesentlich mehr und bessere filme (die, die man auf arte erwartet, nicht den amerikanischen muell) und dokus senden.

    ich weiss wirklich nicht warum es eine extragebuehr geben muss (wahrscheinlich ist es eine ABM). das kann man von steuern bezahlen oder mit werbung finanzieren. die GEZ ist eine zumutung und gehoert komplett abgeschafft.

    gruesse aus dem viel entspannteren australien wo sich sowas wie die GEZ inspekteure niemand gefallen lassen wuerde.

    • tsss
    • 09.05.2010 um 8:52 Uhr

    Persönlich:
    Seit Jahrzehnten kann ich mich gut ohne das "Informationsangebot" der öffentlich grässlichen und der privaten Sender informieren. Die gesparte Gebühr ist ein Bonus der mir zukünftig wohl, ohne Einspruchsmöglichkeit, entzogen wird.
    Politisch:
    Man kann hoffen das "die Politik" durch die zusätzlichen Mittel, die zweifellos generiert werden, ein Gegengewicht zum Privaten Kommerz orientierten Angebot schaffen möchte; um den eigenen, politischen Einfluss zu stärken. Muss man aber nicht.
    Bildungspolitisch:
    Der Bildungsauftrag an die Parteien (GG) sieht nicht vor diese Auftrag von den Bildungsempfängern zusätzlich bezahlen zu lassen.
    Alternativ:
    ..sollten die Mittel aus Steuergeldern kommen und gedeckelt werden. Viel wichtiger ist aber die Niveau Anpassung nach unten (der heiligen Quote [private Werbegelder] wegen) umzukehren um tatsächlich ein Informationsmedium zu werden das seinen Namen verdient. Schlage folgende als Grundwerte vor: Transparenz
    Unabhängigkeit
    Weltoffenheit
    Klare Sprache
    Gründliche Recherche
    Anspruch an Anspruch, Orientierung an höchster Qualität.

    PS Quoten: Sinus Milieus dringend überarbeiten. Hochwertige Dokumentationen und Unterhaltung gibt es auf diesem Planeten auch. Einfach ein paar überflüssige "Mörder finden, Wer hintergeht wen Soaps" streichen und in Synchronisierung investieren.

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