Jüdische Parade Ein Zeichen für Toleranz
Die erste jüdische Parade seit Kriegsende ist durch Berlin gezogen – mit dem Straßenfest will die jüdische Gemeinde für Toleranz und Frieden werben.
© Sean Gallup/Getty Images News

Rund 1500 Menschen feiern in Berlin das jüdische Lag BaOmer-Fest
Am Eingang des jüdischen Straßenfestes ist eine lange Schlange. Jeder Besucher muss sich anstellen – aber nicht für Eintrittskarten, sondern für die Sicherheitskontrolle, wie am Flughafen, nur unter freiem Himmel. Der erste Sicherheitsbeamte fordert die Besucher auf, ihre Wertgegenstände in ein kleines Körbchen zu legen. Dann können sie durch den Metalldetektor gehen. Der zweite Security-Mann kontrolliert die Taschen.
"Es ist traurig, aber Normalität, dass sie sich so abschotten müssen", sagt eine Saarländerin, die zu dem Fest gekommen ist. Sie war schon sechs Mal in Israel und bezeichnet sich selbst als eine "Freundin der Juden". Leider würden solche Anlässe häufig für Anschläge genutzt, sagt sie.
Der Rabbiner Yehuda Teichtal, einer der Organisatoren, erklärt, dass das heutige Fest auf das Lag baOmer-Fest zurückgeht. Dieser Halbfeiertag erinnert unter anderem an den Aufstand gegen die Römer im Jahr 135. Vor 2000 Jahren endete in Israel außerdem eine große Plage, die viele Menschenleben gekostet hat. Grund für die Plage sei gewesen, dass die Menschen nicht genug Respekt füreinander hatten, erklärte Teichtal. Und dafür wollen sie mit dem Straßenfest werben – für mehr Toleranz und Frieden.
Begonnen hatte das Fest mit einer Parade. Rund 1500 Menschen begleiteten drei geschmückte Wagen, deren Fahrt vor dem Eingang des Straßenfestes endete. Unterstützt wurde die Parade von mehr als 20 jüdischen Organisationen, Institutionen und Vereinen sowie von der israelischen Botschaft. Ähnliche Paraden gibt es in London, New York und Paris.
"Wissen bringt Toleranz", sagte Teichtal weiter. Das ist auch ein Grund, weswegen er Amerika 1996 verlassen hat. Ein Rabbiner hatte ihm erklärt, dass man Deutschland nicht ignorieren könne. Er solle hingehen und die jüdische Gemeinde aufbauen. Nie zu vergessen, sei wichtig. Aber wichtig sei auch die Gegenwart. Und diese zeigt, dass das jüdisches Leben in Deutschland heute aktiver denn je blühe, hieß es von der Gemeinde.
Inzwischen zählt die Jüdische Gemeinde in Berlin nach eigenen Angaben mehr als 11.000 Menschen zu ihren Mitgliedern und ist damit die größte in Deutschland. Das jüdische Leben in Berlin wachse enorm, sagte auch der Rabbiner Teichtal. Insbesondere bei den jungen Menschen. Dass sei auch der Grund, weswegen sie jetzt dieses Straßenfest veranstalten.
Im Vordergrund des Festes stehen eindeutig die Kinder. Es gibt eine Hüpfburg, mehrere Karussells, Clowns und eine eigene Kinder-Bühne. Die älteren fühlen sich fast überflüssig, wie zwei Damen scherzhaft sagten.
Unter den Organisationen, die sich mit ihren Informationsständen an das erwachsene Publikum richtete, war neben der Jüdischen Zeitung auch die Vereinigte Israel Aktion. Udi Lehavi sammelte an diesem Stand Spenden, mit dem in Israel soziale Projekte gefördert werden sollen. "Toleranz bedeutet für mich, die Menschen so zu akzeptieren wie sie sind" sagte er. "Allerdings mit einer Einschränkung. Sie sollen mich auch so akzeptieren, wie ich bin."
Die Konflikte, die Israelis und Palästinenser in ihrer Heimat haben und die Gefahr, die auch von Rechtsradikalen in Deutschland ausgeht, lassen sich auch an diesem Tag nicht wegfeiern. Die Wünsche der Besucher sind fast alle gleich: Sie wollen, dass es möglich ist, ein jüdisches Straßenfest zu veranstalten, ohne durch eine Sicherheitsschleuse zu müssen. Und sie hoffen, dass jüdische Einrichtungen künftig nicht mehr so viel Polizeischutz brauchen, wie bisher.
- Datum 02.05.2010 - 21:42 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 19
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Herr Teichtal: "Bitte nicht schon wieder ein Zeichen setzen - bald sieht man vor lauter Zeichen den Sinn dahinter nicht mehr".
Berlin hat zwar kein Geld, aber macht nichts: früher love parade, heute jüdisches TingelTangel, morgen die Zeugen Jehovas, dann ein katholischer Priestermarathon und danach evtl. noch sudetendeutsche Ritterspiele.
Irgendwie kann ich das natürlich auch etwas verstehen. Eine Reihe von Menschen haben nicht viel zu beißen, andere schmeißen das Geld der Steuerzahler zum Fenster hinaus und stehen der Machtlust der Finanzgurus paralysiert gegenüber.
Warum zu dieser bunten und triebigen Welt nicht auch ein bißchen Straßentanz.
Die Freiheit in einer Demokratie zeigt sich am besten in der Freiheit, die sie Minderheiten gewährt.
Ob sich da erwachsene Leute nun in Hüpfburgen vergnügen oder mit schlauen Transparentsprüchen durch die Straßen laufen, ist doch piepegal.
Hauptsache Spaß macht's und wir haben uns mal ein bißchen breit gemacht.
Es ist schon ein wenig erstaunlich, dass ein jüdisches Straßenfest in Berlin nicht ohne Sicherheitsschleuse auskommt. Ich frage mich, wie groß die tatsächliche Gefahr gewesen ist und wie viele potentielle Anti-Semiten durch die Sicherheitsvorkehrungen aufgehalten wurden, das Fest zu stören.
Meiner Meinung nach gehört zu Toleranz auch Vertrauen und es zeigt kein bisschen Vertrauen, wenn man ein Straßenfest mit Sicherheitsschleusen absichert. Die Botschaft die man daraus lesen KANN ist: "Wir leben zwar hier, trauen unseren Mitmenschen aber eigentlich nicht zu friedlich mit uns zu leben, die Deutschen sind eben (immernoch) alle Nazis".
[...]
Ich möchte damit bei Leibe nich alle Menschen jüdischen Glaubens über einen Kamm scheren (nicht jeder Jude ist gleich Zionist, das ist mir klar) sondern lediglich auf die Problematik und die Ambivalenz der o.g. Begriffe in diesem Kontext aufmerksam machen.
Das Ganze hat für mich einfach zuviel Lehrmeister-Charakter: WIR erzählen EUCH mal was von Toleranz und Frieden. Doch eigentlich steckt dahinter eher Segregation als Toleranz...
Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke. Die Redaktion/vn
Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde mittlerweile gekürzt. Die Redaktion/vn
...Israel sich als Staat der Juden (und nur dieser) bezeichnet.
"Jude zu sein, heisst in erster Linie, in einer bestimmten Art und Weise an Gott zu glauben, möchte ich als Christ für jede Verfehlung eines anderen Christen zur Verantwortung gezogen werden?"
Nein, aber jeder aufgeklärte zivilisierte Jude sollte den jüdischen Staat auf die Missstände aufmerksam machen! UND eben nicht feiern und so tun als ob in Palästina die Menschen nicht in Käfigen gehalten werden!
Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde mittlerweile gekürzt. Die Redaktion/vn
...Israel sich als Staat der Juden (und nur dieser) bezeichnet.
"Jude zu sein, heisst in erster Linie, in einer bestimmten Art und Weise an Gott zu glauben, möchte ich als Christ für jede Verfehlung eines anderen Christen zur Verantwortung gezogen werden?"
Nein, aber jeder aufgeklärte zivilisierte Jude sollte den jüdischen Staat auf die Missstände aufmerksam machen! UND eben nicht feiern und so tun als ob in Palästina die Menschen nicht in Käfigen gehalten werden!
Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde mittlerweile gekürzt. Die Redaktion/vn
...Israel sich als Staat der Juden (und nur dieser) bezeichnet.
"Jude zu sein, heisst in erster Linie, in einer bestimmten Art und Weise an Gott zu glauben, möchte ich als Christ für jede Verfehlung eines anderen Christen zur Verantwortung gezogen werden?"
Nein, aber jeder aufgeklärte zivilisierte Jude sollte den jüdischen Staat auf die Missstände aufmerksam machen! UND eben nicht feiern und so tun als ob in Palästina die Menschen nicht in Käfigen gehalten werden!
Vermischen Sie jetzt nicht ein wenig Religionszugehörigkeit und Staatsangehörigkeit. Israel ist ein Staat, die Politik wird ausgeführt durch staatliche Institutionen, der israelische Staatsbürger in seiner Gesamtheit trägt das Ganze.
Das ist so wie bei jedem anderen Land auch.
Warum soll nun ein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens für die Politik eines Landes verantwortlich sein, dessen Staatsangehörigkeit er gar nicht hat. Und das gilt auch für Franzosen, Engländer, Amerikaner und für alle andern jüdischen Glaubens.
Wenn ein Jude nicht die israelische Staatsbürgerschaft hat, ist er auch nicht verantwortlich für die Politik Israels, Wie auch?
Vermischen Sie jetzt nicht ein wenig Religionszugehörigkeit und Staatsangehörigkeit. Israel ist ein Staat, die Politik wird ausgeführt durch staatliche Institutionen, der israelische Staatsbürger in seiner Gesamtheit trägt das Ganze.
Das ist so wie bei jedem anderen Land auch.
Warum soll nun ein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens für die Politik eines Landes verantwortlich sein, dessen Staatsangehörigkeit er gar nicht hat. Und das gilt auch für Franzosen, Engländer, Amerikaner und für alle andern jüdischen Glaubens.
Wenn ein Jude nicht die israelische Staatsbürgerschaft hat, ist er auch nicht verantwortlich für die Politik Israels, Wie auch?
...sich für Friede und Toleranz einzusetzen! Hinter diesem Vorwurf könnte tatsächlich antisemitische Argumentation stecken, obwohl ich hier niemanden beschuldigen will. Ich weiß nicht was ein Jude der in Berlin lebt mit den Zionisten in Israel zu tun hat...lasst sie doch feiern!
Vermischen Sie jetzt nicht ein wenig Religionszugehörigkeit und Staatsangehörigkeit. Israel ist ein Staat, die Politik wird ausgeführt durch staatliche Institutionen, der israelische Staatsbürger in seiner Gesamtheit trägt das Ganze.
Das ist so wie bei jedem anderen Land auch.
Warum soll nun ein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens für die Politik eines Landes verantwortlich sein, dessen Staatsangehörigkeit er gar nicht hat. Und das gilt auch für Franzosen, Engländer, Amerikaner und für alle andern jüdischen Glaubens.
Wenn ein Jude nicht die israelische Staatsbürgerschaft hat, ist er auch nicht verantwortlich für die Politik Israels, Wie auch?
In der Tat wird wird es, auch nach der Definition der European Union Agency for Fundamental Rights als antisemitisch eingestuft, wenn man einzelne Juden für die Taten anderer, auch Israelis, verantwortlich macht. Dann kann man auch jeden israelischen Christen, Muslim oder Drusen dafür verantwortlich machen. Wie absurd.
Auch wenn jemand die deutsche Staatsbügerschaft hat, ist er nicht für die Politik Deutschlands verantwortlich zu machen. Auf diese absurde Idee würde auch niemand kommen. Hagbard Celine und dieser Sharif zeigen in ihren unmöglichen Statements antisemitische Tendenzen.
An beide Herren: Thema verfehlt, sechs, diese den Artikel.
In der Tat wird wird es, auch nach der Definition der European Union Agency for Fundamental Rights als antisemitisch eingestuft, wenn man einzelne Juden für die Taten anderer, auch Israelis, verantwortlich macht. Dann kann man auch jeden israelischen Christen, Muslim oder Drusen dafür verantwortlich machen. Wie absurd.
Auch wenn jemand die deutsche Staatsbügerschaft hat, ist er nicht für die Politik Deutschlands verantwortlich zu machen. Auf diese absurde Idee würde auch niemand kommen. Hagbard Celine und dieser Sharif zeigen in ihren unmöglichen Statements antisemitische Tendenzen.
An beide Herren: Thema verfehlt, sechs, diese den Artikel.
In der Tat wird wird es, auch nach der Definition der European Union Agency for Fundamental Rights als antisemitisch eingestuft, wenn man einzelne Juden für die Taten anderer, auch Israelis, verantwortlich macht. Dann kann man auch jeden israelischen Christen, Muslim oder Drusen dafür verantwortlich machen. Wie absurd.
Auch wenn jemand die deutsche Staatsbügerschaft hat, ist er nicht für die Politik Deutschlands verantwortlich zu machen. Auf diese absurde Idee würde auch niemand kommen. Hagbard Celine und dieser Sharif zeigen in ihren unmöglichen Statements antisemitische Tendenzen.
An beide Herren: Thema verfehlt, sechs, diese den Artikel.
Ich fasse es einfach nicht...
Wie soll man sich bitte mit Leuten auf differenziere Weise unterhalten, wenn sie sofort eine solche Keule auspacken? Wieso beschimpfen sie mich nicht gleich als "Nazi"?
Der eigentliche Kern meines Kommentars war nicht, die in Deutschland lebenden Juden für Taten des israelischen Staates verantwortliche machen zu wollen sondern vielmehr auf die Ambivalenz der zentralen Begriffe hinzuweisen.
In Berlin werden jede Menge Straßenfeste gefeiert, die ohne Sicherheitsschleusen auskommen. Woher kommt also dieses gesteigerte Sicherheitsbedürfnis? Aus der Geschichte? Wenn ja, dann wäre diese Schlussfolgerung wohl alles andere als tolerant oder friedlich, vielmehr würde es doch ganz klar bedeuten: "EUCH Deutschen trauen WIR Juden nicht". Und das wäre eine ganz klare Form von Segregation.
Und der Bezug zu Isreal geht nicht primär von mir aus, sondern eher von dem Mann auf dem Photo, der die israelische Flagge in die Kamera hält... Auch wenn Israel als jüdischer Staat konstituiert wurde, ist klar, dass sich nicht jeder Mensch jüdischen Glaubens damit identifiziert. Wer sich aber mit Israel identifiziert muss auch auf sachliche Art und Weise Kritik an deren Politik (die zweifelsohne berechtigt ist) vertragen können (und darf gerne sachlich darauf antworten) ohne gleich die Nazi/Antisemiten-Keule auszupacken.
Fazit: Ich mache also keine Einzelpersonen für die Taten eines Staates verantwortlich ergo war es falsch von Ihnen mich als Antisemiten zu bezeichnen.
Ich fasse es einfach nicht...
Wie soll man sich bitte mit Leuten auf differenziere Weise unterhalten, wenn sie sofort eine solche Keule auspacken? Wieso beschimpfen sie mich nicht gleich als "Nazi"?
Der eigentliche Kern meines Kommentars war nicht, die in Deutschland lebenden Juden für Taten des israelischen Staates verantwortliche machen zu wollen sondern vielmehr auf die Ambivalenz der zentralen Begriffe hinzuweisen.
In Berlin werden jede Menge Straßenfeste gefeiert, die ohne Sicherheitsschleusen auskommen. Woher kommt also dieses gesteigerte Sicherheitsbedürfnis? Aus der Geschichte? Wenn ja, dann wäre diese Schlussfolgerung wohl alles andere als tolerant oder friedlich, vielmehr würde es doch ganz klar bedeuten: "EUCH Deutschen trauen WIR Juden nicht". Und das wäre eine ganz klare Form von Segregation.
Und der Bezug zu Isreal geht nicht primär von mir aus, sondern eher von dem Mann auf dem Photo, der die israelische Flagge in die Kamera hält... Auch wenn Israel als jüdischer Staat konstituiert wurde, ist klar, dass sich nicht jeder Mensch jüdischen Glaubens damit identifiziert. Wer sich aber mit Israel identifiziert muss auch auf sachliche Art und Weise Kritik an deren Politik (die zweifelsohne berechtigt ist) vertragen können (und darf gerne sachlich darauf antworten) ohne gleich die Nazi/Antisemiten-Keule auszupacken.
Fazit: Ich mache also keine Einzelpersonen für die Taten eines Staates verantwortlich ergo war es falsch von Ihnen mich als Antisemiten zu bezeichnen.
sollte es heißen.
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