Song Contest 2010 Lena – ein Konsensmädel sondergleichen
Deutschland repräsentiert sich mit Lena Meyer-Landrut auf die opportunste Weise. Denn die Deutschen sehnen sich nach einem neuen Selbstbild und nach mehr Menschlichkeit.
Schon mit dem Namen fängt es gut an. Lena ist seit einigen Jahren einer der beliebtesten weiblichen Vornamen in Deutschland. Meyer-Landrut – das klingt sehr deutsch und nach jedermann. Die vielen Tausend Meyers können sich besonders angesprochen fühlen. Und dann auch noch dieses "Land" – da rockt das Herz der deutschen Provinz.
Vom Namen zur Person: In Zeiten der Krise und der negativen Schlagzeilen fehlt es den Deutschen an einer positiven Identifikationsfigur. Einst prestigeträchtige Berufe wie der des Bankiers oder Politikers haben erhebliche Sympathie– und Vertrauensverluste hinnehmen müssen. In diesen sozial "kalten" Zeiten taucht, wie einst "das Wunder von Bern", "das Wunder von Oslo" auf: Eine junge "frisch und natürlich" wirkende Frau, keine Demonstrantin, keine wütende Studentin, keine frustriert oder verbissen wirkende Vertreterin der "Generation–Praktikum" und kein vom Kampf ums Gewicht gezeichnetes Klum–Möchtegernmodel – ein Wunder, das es so etwas hier in einer krisengeschüttelten Zeit überhaupt noch gibt.
Eine junge, hübsche, fröhlich wirkende Frau, die, unberührt von den rauen Seiten des Musikbusiness, der Unterhaltungsindustrie und des Kommerz, mitreißend von der Liebe singt – auf solch einem Satelliten, in solch einem Paralleluniversum wollten sich die Deutschen gefühlsmäßig schon lange verorten. Lena scheint ein bisschen den "besseren" Deutschen zu verkörpern: Jung, optimistisch, lustig und frech (aber nur ein bisschen), aus gutem und intaktem Hause, moralisch einwandfrei, da unverdorben durch Money, Business & Politics (es hieß mal durch Sex, Drugs & Rock ’n Roll), mit Abitur. Anders als die DSDS–Anwärter aus der Unterschicht ist sie nicht ausschließlich erpicht auf Erfolg in einer Castingshow.
© Daniel Sannum Lauten/AFP/Getty Images

Lena Meyer-Landrut gewinnt den Eurovision Song Contest 2010 im schwarzen Kleidchen, fast im Aschenputtel-Look
Lena personifiziert den nonkonformistischen Konformismus, der im gegenwärtigen Deutschland hoch im Kurs steht: Ein bisschen "anders" möchte jeder sein, aber doch kein Außenseiter.
Die Deutschen, kinderarm und ständig in Sorge ob der Überalterung ihrer Gesellschaft, haben in einer jungen Frau, die eher wie ein Mädchen wirkt, ihr Wunsch– und Konsensbild gefunden. In Zeiten der Wirtschafts– und Wertekrise neigt man zu Eskapismen, und Selbstinfantilisierung ist eine ihrer Formen.
1982, auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs, kurz vor der Stationierung der Pershing–II–Rakten, war es die siebzehnjährige Nicole, die mit Ein bisschen Frieden siegte – heute die neunzehnjährige Lena mit ihrem nett–rockigen Liebessong. Hübsch und harmlos klingende Frauenzeitschriften– oder Jugendbuchnamen wie Nicole und Lena rekurrieren nicht nur auf den jeweiligen Zeitgeist, sondern immer auch auf die Privatwelt (in der man sich nur beim Vornamen anredet) und auf weiche Werte, auf Kuscheln und Cocooning.
Sie verweisen eben gerade nicht auf die Welt der Börsenkurse, politischen Querelen und schlechten Nachrichten. Die weibliche – oder auch kindliche – Satellitensphäre, oft genug ausgespart vom täglichen Kapitalgeschäft, stets ein bisschen auf der Nebenspur, muss den ramponierten Gefühlshaushalt der Nation ausgleichen.
Und jetzt hat Lena den Deutschen einen besonderen Gefallen getan: Deutschland erlebt gerade die schwierigste Zeit in der EU seit Langem. Griechen und Franzosen, und nicht nur sie, kritisierten die deutsche Wirtschaftspolitik fundamental. Schon wurde von verschiedenen Euro–Zonen gemunkelt. Einst waren es der Mauerfall und die deutsche Einheit, die die EU in ihrer gegenwärtigen Konfiguration überhaupt erst ermöglicht haben – ein wenig ist Deutschland die Geburtsnation der erweiterten EU.
Doch im Zuge der Wirtschaftskrise und einiger gravierender Fehlentscheidungen der schwarz–gelben Regierung mutierte das Kernland der EU, zumindest aus Sicht einiger Mitgliedsstaaten, zum EU–Zerstörer. Das Klischee der Deutschen als gefühlsarme, kühl–effiziente Geschäftspartner (wir sprechen lieber von deutschen Tugenden) besteht seit eh und je und wurde in den letzten Monaten nicht gerade dementiert.
Und jetzt das: In Oslo liefert Deutschland Europa den schönsten (Export–)Schlager, spricht die Herzen der Menschen von Island bis Zypern an – wer hätte das gedacht? Einen besseren Zeitpunkt für einen deutschen "Sieg" hätte es nicht geben können. Kein Wunder, dass die sonst wenig schlagerbegeisterte Angela Merkel Klein–Lena überschwänglich gratulierte. Denn Deutschland repräsentiert sich mit ihr auf die derzeit denkbar opportunste Weise: Ein scheues, nettes Mädchen tritt da auf die Bühne – in schwarzem Kleidchen, fast im Aschenputtel–Look im Vergleich zu den Kostümierungen manch anderer Sänger und Sängerinnen.
Keine kalte Marlene–Diva erhebt die Stimme, keine "kühle Blonde" oder "blonde Deutsche" – vielleicht noch mit Westerwellscher Arroganz und Größenwahn –, sondern eine Brünette, die von ihrem Aussehen her beinahe aus jedem europäischen Land hätte stammen können. Ein Konsensmädel sondergleichen, eine junge, friedfertige, niedliche Deutsche, vor der niemand Angst haben muss.
Paradoxerweise ist es gerade ihr Dilettantismus, der Lena zum Sieg verholfen hat: Spontane Bewegungen zur Musik statt ausgeklügelte Bühnenshow, ein Ton darf auch mal knapp daneben sein (es gab vom Stimmvolumen und der Technik bessere Sänger in Oslo als Lena) – kurz: Authentizität statt perfektem Tanz und Gesang in Zeiten, in denen viele sich offenbar nach mehr "Menschlichkeit" sehnen – und die Deutschen nach einem anderen Selbstbild.
Mit dem Ausgang des 55. European Song Contest ist Deutschland nicht mehr einsamer Satellit im europäischen Sympathie–Orbit, sondern zumindest für einen Moment Zentralgestirn. Und für die Deutschen hat, wenn nicht meteorologisch, so doch gefühlt, endlich der Sommer begonnen.
- Datum 31.05.2010 - 11:36 Uhr
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Vielleicht wird sie aber auch einfach deshalb so gefeiert...weil sie den Grand Prix gewonnen hat?
@Dodge this: Richtig. Aber diese Überfrachtung des Ereignisses ist eben Teil des Hypes, auch als natürliche Gegenreaktion.
Wir anderen halten es mit Stefan Raab und Lena, erstmal mitfreuen und auf eigene Art mitgefeiert haben und wenn der Song gefällt, anhören und sich dran freuen. Vielleicht dabei an die eigene Liebe denken. Thats life and not more than this.
Good Luck Lena. Werde was Du heute grade bist ;-)
Und an den Autor des Artikels: zum Verständnis des Erfolges hilft es eher zu Verstehen, wie Stefan Raab arbeitet. Dann ist das einzig sensationelle an dem Erfolg, dass wir diesmal selbst nicht dran geglaubt haben. Aber daran ist wieder Stefan Raab selbst schuld, und auch das hatte er richitg gemacht.
PS: Interessant war dieses Jahr doch eher, dass fast alle Beiträge ins Rennen geschickt haben, die hochprofessionell und qualitativ ziemlich gut waren. Was nicht bedeutet, dass mir auch genauso viel gefallen hat ;-) Lag das auch an den Norwegern und ihrer hoch professionellen Präsentation? An eine so moderne und zeitgemäße Eurovision-Show kann ich mich nicht zurückerinnern (siehe z. B. den Youtube-Kanal).
Auch die Website des NDR war ausgezeichnet gemacht (z. B. Teilnehmer-Übersicht mit TV-Videos).
@Dodge this: Richtig. Aber diese Überfrachtung des Ereignisses ist eben Teil des Hypes, auch als natürliche Gegenreaktion.
Wir anderen halten es mit Stefan Raab und Lena, erstmal mitfreuen und auf eigene Art mitgefeiert haben und wenn der Song gefällt, anhören und sich dran freuen. Vielleicht dabei an die eigene Liebe denken. Thats life and not more than this.
Good Luck Lena. Werde was Du heute grade bist ;-)
Und an den Autor des Artikels: zum Verständnis des Erfolges hilft es eher zu Verstehen, wie Stefan Raab arbeitet. Dann ist das einzig sensationelle an dem Erfolg, dass wir diesmal selbst nicht dran geglaubt haben. Aber daran ist wieder Stefan Raab selbst schuld, und auch das hatte er richitg gemacht.
PS: Interessant war dieses Jahr doch eher, dass fast alle Beiträge ins Rennen geschickt haben, die hochprofessionell und qualitativ ziemlich gut waren. Was nicht bedeutet, dass mir auch genauso viel gefallen hat ;-) Lag das auch an den Norwegern und ihrer hoch professionellen Präsentation? An eine so moderne und zeitgemäße Eurovision-Show kann ich mich nicht zurückerinnern (siehe z. B. den Youtube-Kanal).
Auch die Website des NDR war ausgezeichnet gemacht (z. B. Teilnehmer-Übersicht mit TV-Videos).
Tanja Dückers
Ich habe noch nie so einen seichten Artikel gelesen. Frau Meyer-Landrut ist ein Geschöpf der Medienindustrie, die sicherlich alles ist: Nur nicht authentisch, weil wir über sie bis heute schlicht nichts erfahren haben. Wie will man also wissen wie sie in Wirklichkeit ist? Ehrgeizig, ohne Zweifel, wenn sie sich schon als Minderjährige bei Constantin als Laiendarstellerin bewirbt und auch entsprechend eingesetzt worden ist. Frau Dückers projeziert in dieses Mediengeschöpf ähnlich wie ein Fan ihre Erwartungen, nur dass im letzteren Fall zumeist keine gesellschaftspolitischen Klischees, sondern die libidinöse Komponente entscheidend ist. Frau Dückers transportiert Vorurteile, die das gesamte Casting ausmachten, und am Ende, wenig erstaunlich, zu dem gleichen Ergebnis führten wie bei DSDS. Dass es hier nämlich nicht um Musik oder künstlerische Qualität ging, sondern um die Produktion eines Stars - nur halt ein Star, der, so sagte das Stefan Raab schon im September 2009 auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit der ARD, niemanden ausschließt und auch den bürgerlichen Teil des modernen Deutschland anspricht. Das ist optimal gelungen mit dem "scheuen, netten Mädchen" mit Abitur, die auch noch aus "gutem, intaktem Hause" stammt, im Gegensatz zum white trash bei DSDS. Frau Dückers ist aber nur repräsentativ für einen Medienhype, vor allem im Feuilleton, der komplett den Verstand verloren zu haben scheint.
Es tut mir leid , aber Sie haben nichts verstanden.Es geht bei allem um das Gesamtkunstwerk , d.h.ein guter Song ,vorgetragen von einem nichtssagenden Künstler fällt durch.Hier ist ein guten Song vorgetragen von einer charmanten jungen Frau mit Ausstrahlung .So soll es sein.Wenn Ihnen das nicht gefällt , kein Problem.Mir gefällt's und vielen in Europa anscheinend auch.Lassen Sie uns dch die Freude .Oder ist es Neid????
Es tut mir leid , aber Sie haben nichts verstanden.Es geht bei allem um das Gesamtkunstwerk , d.h.ein guter Song ,vorgetragen von einem nichtssagenden Künstler fällt durch.Hier ist ein guten Song vorgetragen von einer charmanten jungen Frau mit Ausstrahlung .So soll es sein.Wenn Ihnen das nicht gefällt , kein Problem.Mir gefällt's und vielen in Europa anscheinend auch.Lassen Sie uns dch die Freude .Oder ist es Neid????
Es ist ein Songcontest, keine landesweite Therapiesitzung.
Ein Konsensmädel schreibt hier einen durchaus lockeren und ironischen Artikel. Umso bemerkenswerter sind die Ausrutscher,
sobald die Interessenpolitik gestreift wird.
Kostprobe:
"Doch im Zuge der Wirtschaftskrise und einiger gravierender Fehlentscheidungen der schwarz–gelben Regierung mutierte das Kernland der EU, zumindest aus Sicht einiger Mitgliedsstaaten, zum EU–Zerstörer."
Ich reagiere auf Polemik polemisch:
Mädel, davon verstehtst Du wahrscheinlich zu wenig.
Schwarzes Kleid, dunkler Lippenstft, Zuttelfrisur und eher eigenartiges rumgezuckel auf der Bühne, also wenn dass das neue Idol Deutschlands werden soll. Na, danke!
Klar schon mal ein Schritt besser von Tokio Hotel. Aber Politiker fordern ja schon das Bundesverdienstkreuz!
Von 'ein bisschen Frieden' zu 'Satellite'!?!
Wann kommt eine Zeitung mit großem Aufmacher raus?
WIR SIND LENA !
Wann kommt eine Zeitung mit großem Aufmacher raus?
WIR SIND LENA !
Nein, ein Prophet bin ich nun wahrlich nicht. Aber ich prophezeie mal, dass viele im März oder April 2011 geborenen Mädchen "Lena" getauft werden.
Der Hype um die Siegerin des Eurovision Song Contests, Lena Meyer-Landrut, ist ungebrochen. Alle großen Fernsehsender haben diesen Sieg zum Anlass genommen, Sondersendungen von der Ankunft der deutschen Siegerin in Deutschland zu übertragen.
Der CDU-Abgeordnete Philipp Mißfelder (das ist der Politiker, der einst forderte: "Ich halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen") forderte gar das Bundesverdienstkreuz für Lena und Stefan Raab. Bloß gut, dass Lena erst süße 19 Jahre alt ist...
Sogar der deutsche Bundespräsident Horst Köhler fieberte mit. "Meine Frau und auch meine Tochter haben mich mit ihrer Begeisterung für Lena förmlich angesteckt. Und natürlich habe ich mitgefiebert, bis zum Schluss. Ihr Auftritt war einzigartig, frisch und authentisch", formulierte Köhler.
Lediglich Ralph Siegel (1982 Sieger mit Nicoles Titel "Ein bisschen Frieden") wollte oder konnte sich nicht so recht freuen: "Es handelt sich ja um einen reinen Komponisten- und Texter-Wettbewerb - und deshalb sei er nach wie vor der einzige deutsche Komponist, der diesen Grand-Prix-Wettbewerb gewonnen habe. 'Satellite' sei aber ein dänisch-amerikanischer Song!".
Wie gesagt, ich bin kein Prophet, aber ich geben Ihnen Brief und Siegel: Lena und Raab werden feiern!. Ganz Deutschland macht Party...
Es tut mir leid , aber Sie haben nichts verstanden.Es geht bei allem um das Gesamtkunstwerk , d.h.ein guter Song ,vorgetragen von einem nichtssagenden Künstler fällt durch.Hier ist ein guten Song vorgetragen von einer charmanten jungen Frau mit Ausstrahlung .So soll es sein.Wenn Ihnen das nicht gefällt , kein Problem.Mir gefällt's und vielen in Europa anscheinend auch.Lassen Sie uns dch die Freude .Oder ist es Neid????
Berniebär
Kann schon sein. Nur hier ging es nicht um Frau Meyer-Landruts Auftritt beim Wettbewerb, sondern um den Artikel von Frau Dückers. Wo, bitte schön, wurde bei Frau Dückers so argumentiert wie von Ihnen? Dann wäre der Artikel wohl ziemlich kurz geworden oder sie hätte eine rein fachlich-musikalsiche Bewertung abgeben müssen - was wohl nicht in ihrer Kernkompetenz liegt. Na ja, und die Frage nach dem Neid finde ich schon komisch.
Natürlich gebe ich Ihnen recht.Es wird sehr viel hineininterpretiert in den Sieg.Das sollte man vermeiden.Aber dass Lena eine optimistische Jugend vertritt und damit endlich den ewig nörgelnden Journalisten einmal klar macht , wie die Jugend wirklich ist , denn auch ich kenne viele fleißige ,nette , charmante , freundliche , junge Menschen , sodaß mir um die Zukunft Deutschlands nicht bange ist.Lena gibt uns Älteren (6o)Hoffnung , dass die Jugend der Zukunft unseres Landes gewachsen ist , sodass wir als Rentner später eine gute Lebensbasis behalten können.Neid bleibt ofmals die Basis für Kritik.Daher hatte ich es erwähnt(Sorry).
Berniebär
Kann schon sein. Nur hier ging es nicht um Frau Meyer-Landruts Auftritt beim Wettbewerb, sondern um den Artikel von Frau Dückers. Wo, bitte schön, wurde bei Frau Dückers so argumentiert wie von Ihnen? Dann wäre der Artikel wohl ziemlich kurz geworden oder sie hätte eine rein fachlich-musikalsiche Bewertung abgeben müssen - was wohl nicht in ihrer Kernkompetenz liegt. Na ja, und die Frage nach dem Neid finde ich schon komisch.
Natürlich gebe ich Ihnen recht.Es wird sehr viel hineininterpretiert in den Sieg.Das sollte man vermeiden.Aber dass Lena eine optimistische Jugend vertritt und damit endlich den ewig nörgelnden Journalisten einmal klar macht , wie die Jugend wirklich ist , denn auch ich kenne viele fleißige ,nette , charmante , freundliche , junge Menschen , sodaß mir um die Zukunft Deutschlands nicht bange ist.Lena gibt uns Älteren (6o)Hoffnung , dass die Jugend der Zukunft unseres Landes gewachsen ist , sodass wir als Rentner später eine gute Lebensbasis behalten können.Neid bleibt ofmals die Basis für Kritik.Daher hatte ich es erwähnt(Sorry).
Es mag gewiß positiv stimmen, dass mit Lena nicht der absolute, hundertprozentige und hirnverbrannte mainstream in das Zentrum der Medien rückt, sondern eher das geringere Übel im Sinne eines Personenkultes (im Hinblick auf die kommende WM wird sich diese Logik leider jedoch wieder wenden).
Dennoch zeigt uns das ganze eine entscheidende Strukturkomponente menschlicher Gesellschaften: egal ob man Personenkult und Elitarismus mag, in Krisenzeiten kommen Gesellschaften nicht ohne aus. Nun gut, könnte man sagen, es gibt tatsächlich gewisse Personen, die bisweilen einen "Kult" verdienen, gefeiert werden dürfen - auch nach allen rationalen und ethischen Maßstäben: große Staatsmänner etwa, die für Frieden in der Welt sorgen (Wunschdenken?), Wissenschaftler, die bahnbrechende Erfindungen machen, Künstler und Literaturen, die grenzenlose virtuelle und fiktive Welten schaffen und den Geist des Menschen bereichern. Nur was macht man, wenn diese fehlen? Oder aber, wenn der Durchschnittsintellekt auf DSDS-Niveau ist? Dann können Personenkulte ins Groteske abdriften: wie in Argentinien, einer krisengeschüttelten und psychologisch sehr instabilen Gesellschaft, die zu Ehren eines Fußballers sogar eine Kirche (die "maradonianische Kirche") errichtet oder Rußland, ein größtenteils armes und konfliktreiches Land, welches einen Massenmörder namens Stalin auch heute noch feiert. Krisen bringen deshalb stets den "Narrenkönig" auf den Plan. Dann doch lieber Lena.
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