Golf von Mexiko BP zufrieden mit Verlauf der Operation Schlamm

Der Mineralölkonzern BP zeigt sich vorsichtig optimistisch: Der jüngste Versuch, das Öl-Leck im Golf von Mexiko zu schließen, sei möglicherweise erfolgreich gewesen.

Der britische Energiekonzern BP kommt bei seinem neuen Versuch zur Abdichtung des Öl-Lecks im Golf von Mexiko nach eigener Einschätzung voran. Auf den Videobildern sehe es so aus, als ob nur noch Bohrschlamm und kein Öl mehr aus dem beschädigten Bohrloch ausströme, sagte BP-Einsatzleiter Doug Suttles auf einer Pressekonferenz in Louisiana. 

Natur in Gefahr

Anfangs hieß es noch, dass aus den Lecks unter der explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon nach Schätzungen des Ölkonzerns BP und der Behörden täglich rund 5000 Barrel Öl schießen würden. Das sind knapp 800.000 Liter der zähen schwarzen Masse. Mittlerweile hat die US-Regierung ihre Schätzung deutlich nach oben korrigiert. Sie liegt nun zwischen 35.000 und 60.000 Barrel pro Tag. Das wären bis zu 9,5 Millionen Liter. Seit Wochen weisen Forscher auf entsprechende Mengen hin.

Bedroht ist nicht nur die Küstenregion des amerikanischen Bundesstaates Louisiana, wo das Öl bereits auf Land getroffen ist. Nach Angaben der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOOA) kommt es auch zu Auswirkungen für Tiere und Pflanzen entlang der Küsten der Nachbarstaaten Mississippi, Alabama und Florida. Derzeit schätzt NOOA, dass allein in Louisiana zehn Tierschutzgebiete betroffen sind.

Die Sumpflandschaften in der Region sind artenreiche Ökosysteme, die fast 40 Prozent der Feuchtgebiete der USA ausmachen.

Meerestiere

Louisianas Ministerium für Natur und Fischerei sieht 445 Fischarten, 45 Säugetierarten, 32 Amphibienarten und 134 Vogelarten unmittelbar durch den wabernden Ölteppich in Gefahr.

Meeressäuger, wie die Delfinart Großer Tümmler oder der Pottwall können sich im klebrigen Öl verfangen, wenn sie zum Luftholen auftauchen. Der Karibik-Manati, eine bereits gefährdete Seekuhart, wandert entlang der Golfküste in warme Gewässer.

Auch einige Schildkrötenarten könnten unter dem Öl leiden. Gerade beginnt die Zeit, in der sie ihre Eier an den Stränden ablegen und auf Futtersuche sind.

Einige Umweltschützer fürchten sogar, dass der Alligator Schwierigkeiten bekommen könnte, im brackigen Mündungsgebiet des Mississippi-Delta Nahrung zu finden. Viele Fischarten, die auf seinem Speiseplan stehen, könnten vom Öl eingefangen werden.

Vögel

Eine Vielzahl an Vogelarten lebt und zieht an der Golfküste entlang, um hier Eier zu legen, Nester zu hüten und nach Futter zu suchen. Allein an der Küste Louisianas zählt man rund fünf Millionen Zugvögel in den Sumpfgebieten.

Kommen die Vögel mit Öl in Verbindung und verkleben sich ihre Flügel, können die Tiere weder Wasser abweisen noch Luft aufnehmen. In der Folge können sie ihre Körpertemperatur nicht mehr regulieren und unterkühlen.

Der offizielle Vogel des Staates Louisiana, der Braunpelikan, hat gerade angefangen auf den Sandinseln, die parallel zur Küstenlinie verlaufen, zu brüten. Weitere rund hundert Zugvögelarten, darunter Schwalben, Ammern und Waldsänger, legen derzeit einen Zwischenstopp in der Region ein.

Hinzu kommen zahlreiche Vogelarten, die an den Stränden nisten.

Pflanzen

Besonders die weitverbreiteten Mangrovenwälder an der Küste des Golfs von Mexiko reagieren sehr empfindlich auf eine Ölverschmutzung. Sie sterben ab, sobald das Öl ihre Luftöffnungen in den Wurzeln verklebt.

Dies ist nicht nur ein ökologisches Problem. Die Mangroven spielen auch eine wichtige Rolle im Küstenschutz. Gerade in der Region vor Louisianas Küste kommt es immer wieder zu starken Hurrikans. Die Mangroven bieten als eine Art natürliche Barriere Schutz für das gesamte Mississippi-Delta.

Künftige Stürme könnten größere Schäden anrichten, weil Mangroven nur langsam nachwachsen.

Fischerei

Der Golf von Mexiko ist der einzige Ort, an dem der Blauflossenthun im Westatlantik seine Laichgründe hat. Die Laichzeit hat gerade begonnen und die Meerestiere sind ohnehin eine gefährdete Art. Ihre Eier schwimmen an der Wasseroberfläche und auch die Larven bleiben in den oberen Wasserschichten, die direkt vom Öl verseucht sind.

Auch der Menaden, eine Heringsart, ist direkt vom Öl betroffen. Die Fische ziehen ihre Nahrung aus dem Wasser, indem sie es filtern. So kann das Öl direkt in ihren Organismus gelangen.

In den Gewässern vor der US-Küste leben zudem riesige Mengen Austern, Krabben, Muscheln und weitere Fische.

Noch geht die örtliche Industrie zwar nicht von einem dramatischen Einfluss auf die Fischereibetriebe aus. Dennoch geht die Furcht um. Einige Krabbenfischer haben bereits BP, Transocean und die anderen an dem Bohrvorhaben beteiligten Konzerne Halliburton sowie Cameron wegen Fahrlässigkeit verklagt.

Gewissheit habe man aber noch nicht, da das ausströmende Material nicht aufgefangen werden könne. "Wir wissen erst, dass wir erfolgreich waren, wenn nichts mehr fließt", sagte der BP-Manager rund sechs Stunden nach Beginn des jüngsten Versuchs, das Öl-Leck zu schließen. Konzernchef Tony Hayward hatte kurz zuvor erklärt, bislang funktioniere alles nach Plan. Ob das sogenannte Top-Kill -Verfahren erfolgreich sei, werde sich aber erst in den nächsten 24 Stunden (Donnerstagabend MEZ) herausstellen, fügte er hinzu. Die Erfolgschancen stünden weiter bei 60 bis 70 Prozent. Sollte die Operation fehlschlagen, gebe es weitere Optionen, den Ölfluss zu stoppen. Dazu zähle, am Bohrloch ein weiteres Sicherheitsventil auf dem bereits existierende zu installieren.

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Seit Mittwoch wird mit Hilfe von Unterwasser-Robotern schwerer Schlamm unter Hochdruck in das Bohrloch in 1600 Meter Tiefe gepumpt. Anschließend soll es dann mit Zement versiegelt werden. Der Ölmulti war bei seinen Versuchen, das Bohrloch zu schließen, immer wieder gescheitert. Unter anderem sollte eine riesige Metallglocke die Quelle versiegeln, aus der seit der Explosion der Bohrinsel Deepwater Horizon vor fünf Wochen täglich Hunderttausende Liter Öl ausströmen. Im US-Bundesstaat Louisiana sind inzwischen über 160 Kilometer Küste von einem Ölfilm überzogen.

Leser-Kommentare
  1. Mal gute Nachrichten vom Bohrloch. Ich hoffe mal das der Versuch klept und man das Loch dicht kriegt. Das Öl Problem ist ja schon gross genug.

    Es wird sich nun zeigen müssen ob sich der Schlamm auch so fest setzen kann das er kleinere Risse schliesen kann und den Zementstöpsel genu festigkeit geben um den druk stendzuhalten. Aber for allen dürften sich die Arbeiter freuen das endlich was geklapt hat.

  2. "Wir wissen erst, dass wir erfolgreich waren, wenn nichts mehr fliest"

    Netter Rechtschreibfehler an dieser Stelle. Ja, das Loch im Meeresgrund zuzuFLIESEN, wäre natürlich auch eine Alternative, wenn es mit dem Schlamm, mit der russ. Atombombe und mit Obamas Kaugummi nicht klappen sollte.

    Hoffentlich kriegen sie das Leck noch abgedichtet, bevor unsere Badestrände an der Nordseee von der Schlacke heimgesucht werden. Der Atlantik ist zwar groß.... aber wir sprechen über BP und die US- amerikanische Regierung!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Hallo liebe Schreiber,

    wie groß ist die Gefahr, das der Nordatlantikstrom (Golfstrom) das Erdöl zu uns transportiert oder ist es völlig abwegig ?

    Gruß

    Hallo liebe Schreiber,

    wie groß ist die Gefahr, das der Nordatlantikstrom (Golfstrom) das Erdöl zu uns transportiert oder ist es völlig abwegig ?

    Gruß

    • dodi.d
    • 27.05.2010 um 9:24 Uhr

    Folgen der Katastrophe:
    Es besteht die exzellente Möglichkeit jetzt günstig an die "Transocean" Aktie heranzukommen. Die steigt seit gestern immerhin wieder.

    • alkyl
    • 27.05.2010 um 10:19 Uhr

    Da Corexit genau für den Zweck hergestellt wird, für den es jetzt benutzt wird, ist das nicht wirklich überraschend.

    Antwort auf
  3. bin ich es auch!!
    Huldigt diesen selbstlosen Einsatz des Unternehmens!

    Ich hoffe die Jungs werden ordentlich zur Kasse gebeten. Wobei dann sicher bald die Meldung kommt, dass der Sprit leider wieder mehr kosten wird - da sich die Öli's jetzt anders versichern müssen...
    Mir persönlich gibt es viel zu wenig Wind um diese Katastrophe. Beim Flussüberschwemmungen oder Vulkanausbrüchen wirdn Hermann gemacht - aber sobald was im Meer passiert, triffts Niemanden(direkt).
    Ich bin gespannt auf die Folgen.

  4. Hallo liebe Schreiber,

    wie groß ist die Gefahr, das der Nordatlantikstrom (Golfstrom) das Erdöl zu uns transportiert oder ist es völlig abwegig ?

    Gruß

  5. Sehr geehrte Autoren, seit Tagen liest man das BP das Bohrloch mit Zement schließen möchte, aber bisher hat niemand erklärt wie so etwas genau funktionieren soll. Zement muss doch trocknen um ihn zu härten? Könnten Sie daher bitte in einem Ihren nächsten Artikel das Verfahren ausführlicher schildern?

    Besten Dank und herzlichen Gruß

    Jörn Steinz
    http://www.24h-in-hamburg...

  6. ist immer noch offen. Klein ist relativ. Aber trotzdem: Großartige Leistung, wenn das große wenigstens zu ist. Die Techniker können schon 'ne Menge. Die Fehler sind von den Managern gemacht worden : wie so oft für die schnelle Mark.

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