Ölpest im Golf von Mexiko Verzweiflung, Hoffnung, Teilerfolge
Auch vier Wochen nach Explosion der Bohrinsel vor der US-Küste lassen sich die Folgen der Katastrophe nicht genau voraussagen. Von C. Marschall, Washington
© Hans Deryk/Reuters

Der Ölfilm hat im Golf von Mexiko die Küste erreicht
Zuversicht und Verzweiflung wechseln am Golf von Mexiko fast ebenso rasch wie Ebbe und Flut. Vier Wochen sind inzwischen vergangen seit der Explosion auf der Bohrinsel Deepwater Horizon am 20. April. Am Sonntag wendete sich die Stimmung wieder auf Hoffnung.
Es gelang, ein etwa zehn Zentimeter dickes Absaugrohr in das größte Leck in der geborstenen ehemaligen Steigleitung in 1500 Meter Tiefe einzuführen. Durch dieses Rohr wird ein Teil des dort austretenden Gemischs aus Rohöl, Gas und Meerwasser an die Wasseroberfläche gebracht. Auf einem Spezialschiff werden die Komponenten getrennt: Das Gas wird abgefackelt und das Öl in Barken umgepumpt. Auch am Montag hielten diese Bemühungen an.
- Natur in Gefahr
-
Anfangs hieß es noch, dass aus den Lecks unter der explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon nach Schätzungen des Ölkonzerns BP und der Behörden täglich rund 5000 Barrel Öl schießen würden. Das sind knapp 800.000 Liter der zähen schwarzen Masse. Mittlerweile hat die US-Regierung ihre Schätzung deutlich nach oben korrigiert. Sie liegt nun zwischen 35.000 und 60.000 Barrel pro Tag. Das wären bis zu 9,5 Millionen Liter. Seit Wochen weisen Forscher auf entsprechende Mengen hin.
Bedroht ist nicht nur die Küstenregion des amerikanischen Bundesstaates Louisiana, wo das Öl bereits auf Land getroffen ist. Nach Angaben der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOOA) kommt es auch zu Auswirkungen für Tiere und Pflanzen entlang der Küsten der Nachbarstaaten Mississippi, Alabama und Florida. Derzeit schätzt NOOA, dass allein in Louisiana zehn Tierschutzgebiete betroffen sind.
Die Sumpflandschaften in der Region sind artenreiche Ökosysteme, die fast 40 Prozent der Feuchtgebiete der USA ausmachen.
- Meerestiere
-
Louisianas Ministerium für Natur und Fischerei sieht 445 Fischarten, 45 Säugetierarten, 32 Amphibienarten und 134 Vogelarten unmittelbar durch den wabernden Ölteppich in Gefahr.
Meeressäuger, wie die Delfinart Großer Tümmler oder der Pottwall können sich im klebrigen Öl verfangen, wenn sie zum Luftholen auftauchen. Der Karibik-Manati, eine bereits gefährdete Seekuhart, wandert entlang der Golfküste in warme Gewässer.
Auch einige Schildkrötenarten könnten unter dem Öl leiden. Gerade beginnt die Zeit, in der sie ihre Eier an den Stränden ablegen und auf Futtersuche sind.
Einige Umweltschützer fürchten sogar, dass der Alligator Schwierigkeiten bekommen könnte, im brackigen Mündungsgebiet des Mississippi-Delta Nahrung zu finden. Viele Fischarten, die auf seinem Speiseplan stehen, könnten vom Öl eingefangen werden.
- Vögel
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Eine Vielzahl an Vogelarten lebt und zieht an der Golfküste entlang, um hier Eier zu legen, Nester zu hüten und nach Futter zu suchen. Allein an der Küste Louisianas zählt man rund fünf Millionen Zugvögel in den Sumpfgebieten.
Der offizielle Vogel des Staates Louisiana, der Braunpelikan, hat gerade angefangen auf den Sandinseln, die parallel zur Küstenlinie verlaufen, zu brüten. Weitere rund hundert Zugvögelarten, darunter Schwalben, Ammern und Waldsänger, legen derzeit einen Zwischenstopp in der Region ein.
Hinzu kommen zahlreiche Vogelarten, die an den Stränden nisten.
- Pflanzen
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Besonders die weitverbreiteten Mangrovenwälder an der Küste des Golfs von Mexiko reagieren sehr empfindlich auf eine Ölverschmutzung. Sie sterben ab, sobald das Öl ihre Luftöffnungen in den Wurzeln verklebt.
Dies ist nicht nur ein ökologisches Problem. Die Mangroven spielen auch eine wichtige Rolle im Küstenschutz. Gerade in der Region vor Louisianas Küste kommt es immer wieder zu starken Hurrikans. Die Mangroven bieten als eine Art natürliche Barriere Schutz für das gesamte Mississippi-Delta.
Künftige Stürme könnten größere Schäden anrichten, weil Mangroven nur langsam nachwachsen.
- Fischerei
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Der Golf von Mexiko ist der einzige Ort, an dem der Blauflossenthun im Westatlantik seine Laichgründe hat. Die Laichzeit hat gerade begonnen und die Meerestiere sind ohnehin eine gefährdete Art. Ihre Eier schwimmen an der Wasseroberfläche und auch die Larven bleiben in den oberen Wasserschichten, die direkt vom Öl verseucht sind.
Auch der Menaden, eine Heringsart, ist direkt vom Öl betroffen. Die Fische ziehen ihre Nahrung aus dem Wasser, indem sie es filtern. So kann das Öl direkt in ihren Organismus gelangen.
In den Gewässern vor der US-Küste leben zudem riesige Mengen Austern, Krabben, Muscheln und weitere Fische.
Noch geht die örtliche Industrie zwar nicht von einem dramatischen Einfluss auf die Fischereibetriebe aus. Dennoch geht die Furcht um. Einige Krabbenfischer haben bereits BP, Transocean und die anderen an dem Bohrvorhaben beteiligten Konzerne Halliburton sowie Cameron wegen Fahrlässigkeit verklagt.
Bisher kann BP freilich nicht sagen, wie viel Prozent des austretenden Öls auf diese Weise eingefangen werden. Die Erfolgsmeldungen mischen sich mit skeptischeren Berichten , in denen die neue Methode mit dem Trinken durch einen Strohhalm verglichen wird – während neue Flüssigkeit nachsprudelt. Heimatschutzministerin Janet Napolitano sagt: "Die Technik ist keine Lösung für das Problem. Wir wissen noch nicht, wie erfolgreich der Versuch ist." Der BP-Manager Andrew Gowers gestand ein: "Es treten weiter beträchtliche Mengen Öl aus."
Am Freitag und Samstag hatte Amerika die umgekehrte Stimmungswende erlebt. Die Bedrückung wuchs. Experten hatten Unterwasseraufnahmen von den Lecks im ursprünglichen Leitungssystem, das beim Untergang der Ölplattform gebrochen und auf den Meeresboden gesunken war, genutzt, um die Menge des austretenden Öls genauer zu schätzen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass das Volumen größer ist als bisher angenommen – und damit auch die Bedrohung der Natur, der Meerestiere, der Strände und der Existenzgrundlage der Menschen an der Küste von Louisiana, Mississippi und Alabama, die vom Meer leben.
- Datum 18.05.2010 - 11:18 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Ich gebe gerne zu, dass ich von Ölförderung nicht mehr Ahnung habe, als ein Schaf vom Pullover stricken. Aber wenn sich Rohre in die zerborstenen Steigleitungen einführen lassen, dann müssten sich doch auch ein dehnbarer Druckbehälter einführen lassen, ähnlich einem aufblasbaren Katheter oder Ballon.
In der Medizin werden solche Methoden schon ewig angewendet und sogar die eigene Branche dichtet auf diese Weise reparaturbedürftige Pipelines ab.
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es so schwierig sein soll ein paar Löcher zu stopfen, auch wenn sie 1500 Meter unter der Meeresoberfläche liegen.
Und was würde uns das helfen? So zynisch das auch sein mag, aber wir brauchen nur zu warten und wir werden die Folgen sehen!
Im Übrigen muss ich dem Vorredner zustimmen, es ist jammervoll, wie hilflos die "Supertechnologie" doch agiert.
Mehr Schein als Sein.
Nach Zusammenfassung aller verfügbaren Informationen der vergangenen Wochen seit Bekanntgabe dieses Desasters und dem Versuch einer möglichst objektiven Analyse der Fakten bzgl. der Ölaustrittsstellen unter Berücksichtigung kurzfristig, weltweit verfügbarer Möglichkeiten des Maschinenbaus komme ich leider zu dem frustrierenden Ergebnis, dass hier nicht versucht wurde schnellst möglich die Austrittslöcher unwiederuflich zu schließen sondern, mit nicht absehbaren Folgen für das Ökosystem, immer noch an einer Lösung gebastelt wird die vorhandenen Löcher für die Förderung NOCH ZU NUTZEN!
Man müsste ja neue bohren…
Wenn man sich ansieht, wie anscheinend ganze Stäbe von Ingenieuren und "Fachleuten" in den USA einen Rohrkrepierer (wie passend...) nach dem nächsten zünden, bei dem Versuch, ein Loch in einer Leitung zu stopfen, kann man erahnen, wie es um die amerikanische Technologie im allgemeinen bestellt ist.
Meine Anfrage auf der von BP verlinkten Kontaktseite, man möge mir doch bitte eine e-Mail-Adresse zur Übermittlung eines Vorschlages für ein System zum Auffangen des Öls mitteilen, blieb bislang unbeantwortet. Stattdessen stellen BP und ihre Subs Fotos von ordentlich zupackenden, amerikanischen Arbeitern und von ein paar gesäuberten Vögeln ein. Mir erscheint das nur als hilfloser Versuch, der Welt zu zeigen, dass man sich kümmere, und dass etwas passiert.
Natürlich ist es deutlich schwieriger, ein derartiges Leck in 1500m Tiefe abzudichten, als einen tropfenden Gartenschlauch zu reparieren. Es gibt aber genug technische Mittel und Wege, ein solches Leck relativ kurzfristig zu schließen.
Die Frage ist nur, ob man das denn auch wirklich will; siehe Kommentar 3, letzter Satz!
Sie schreiben: "kann man erahnen, wie es um die amerikanische Technologie im allgemeinen bestellt ist."
Sie scheinen nicht zu wissen, daß BP für Britisch Petroleum steht, [...]
Gerd, Chicago
Achten Sie bitte auf eine höfliche Wortwahl. Danke. Die Redaktion/sh
Sie schreiben: "kann man erahnen, wie es um die amerikanische Technologie im allgemeinen bestellt ist."
Sie scheinen nicht zu wissen, daß BP für Britisch Petroleum steht, [...]
Gerd, Chicago
Achten Sie bitte auf eine höfliche Wortwahl. Danke. Die Redaktion/sh
weil ein sich Katheter beim Aufbalsen die kilometerlange Ölseule (träge Masse) verzögern würde und damit einer enormen Kraft entgegen wirken müsste (man mit einem Seil oder Draht aber schlecht schieben kann)
Außderdem muß ein in das Rohr eingeführter Schlauch oder eine Snur entgegen der Kräfte aus der Druckdiffenz von Ölfeld zu Meeresboden (Druckdifferenz * Fläche... [z.B. 90 bar * 100 000 (N/m²)/bar * pi * (0,1 m)²/4 = ca. 70 000 N = 7 tonnen * Erdbeschleunigung] und zusätzlich den Reibkräften der ausströmenden Ölseule an der Mantelfläche (sozusagen dem Gegenwind... ähm Gegenöl) entgegenwirken können.
Wenn es tatsächlich gelungen ist ein 10 cm dickes Rohr in die Bohrung einzuführen (ich befürchte aber es ist nur vor der Öffnung und nicht im Rohr), dann könnte man auch eine SPRENGSCHNUR einführen (oder entsprechende US-Böller). Die Länge der Schnur wäre dann durch die Reibkräfte (das Gegenöl) begrenzt.
Je länger die Sprengschnur ist umso sicherer ist das Loch verschlossen.
Zusätzlich dazu bra
(z.B. Sprengschnur einführen)
Es sollte möglich sein, das ohnehin defekte Standrohr halbwegs sauber abzutrennen (automatische, am Rohr befestigte Säge; Sprengschnur/ Schneidladung; Brennelektrode; Abschneiden durch Induktionsring; etc.), um dann eine Vorrichtung über das freie Rohrende zu setzen, die das Stahlrohr dichtquetscht. Eine solche Vorrichtung bestünde aus einem stabilen Rahmen und einer, im Rahmen geführten, vorne beidseitig angeschrägten Stahlzunge, die über eine entsprechende Hydraulik oder durch eine Sprengladung auf das Rohr gepresst wird. Alternativ könnte die Stahlzunge auch als Klinge ausgebildet sein, die dann das Rohr abschneidet und es gleichzeitig verschließt.
Um die ach-so-wertvolle Ölbohrung nach dem Verschließen noch nutzen zu können, müsste vor dem Ansetzen der Verschlussvorrichtung ein Kupplungsring mit seitlichem Anschluss auf das Rohr geschoben werden. Nach dem Verschließen des Lecks würde der Ring dann mit dem Rohr verschweißt, und im seitlichen Anschluss würde das Standrohr angebohrt werden. Leitung dran, und weiter gehts!
So, liebe Ingenieure der BP, das war eine meiner Ideen, jetzt seid Ihr aber mal dran...
Ja oder stromaufwärts des Lecks am freien Rohrende eine seitliche Bohrung vornehmen, durch die eine Drahttrosse in das Rohr gesteckt wird.... Wenn das Ende der Drahttrosse dann aus dem Leck herausgepühlt wird, (strömungstechnisch günstig geformten) Pfropfen drann festmachen und diesen dann samt Trosse wieder gegen den Strom bis in das Leck ziehen.
Dann würde die Träge Ölseule langsam abgebremst, wodurch deren Massenträgheit weniger Kraft entwickelt.
Ja oder stromaufwärts des Lecks am freien Rohrende eine seitliche Bohrung vornehmen, durch die eine Drahttrosse in das Rohr gesteckt wird.... Wenn das Ende der Drahttrosse dann aus dem Leck herausgepühlt wird, (strömungstechnisch günstig geformten) Pfropfen drann festmachen und diesen dann samt Trosse wieder gegen den Strom bis in das Leck ziehen.
Dann würde die Träge Ölseule langsam abgebremst, wodurch deren Massenträgheit weniger Kraft entwickelt.
Ja oder stromaufwärts des Lecks am freien Rohrende eine seitliche Bohrung vornehmen, durch die eine Drahttrosse in das Rohr gesteckt wird.... Wenn das Ende der Drahttrosse dann aus dem Leck herausgepühlt wird, (strömungstechnisch günstig geformten) Pfropfen drann festmachen und diesen dann samt Trosse wieder gegen den Strom bis in das Leck ziehen.
Dann würde die Träge Ölseule langsam abgebremst, wodurch deren Massenträgheit weniger Kraft entwickelt.
Auch wenn diese Lösungen noch nicht bis ins letzte durchkonstruiert sind, und wir Außenstehende die ganz genauen Umstände vor Ort nicht kennen, stimmt es mich nachdenklich bis traurig, dass die Techniker und Ingenieure der beteiligten Unternehmen sowie "die intellektuelle Lokomotive dieses Landes" (US-Energieminister Steven Chu über das Expertenteam, das die Regierung ins BP-Haupquartier in Houston geschickt hat) auch vier Wochen nach dem Untergang der Bohrinsel anscheinend keine sinnige Lösung präsentieren können.
Wäre der Hintergrund nicht so ernst, könnte man sich über das hilflose Reagieren der Beteiligten und über den beginnenden Prozess der gegenseitigen Schuldzuweisungen und Rücktrittsforderungen amüsieren. Kann man aber leider nicht.
Auch wenn diese Lösungen noch nicht bis ins letzte durchkonstruiert sind, und wir Außenstehende die ganz genauen Umstände vor Ort nicht kennen, stimmt es mich nachdenklich bis traurig, dass die Techniker und Ingenieure der beteiligten Unternehmen sowie "die intellektuelle Lokomotive dieses Landes" (US-Energieminister Steven Chu über das Expertenteam, das die Regierung ins BP-Haupquartier in Houston geschickt hat) auch vier Wochen nach dem Untergang der Bohrinsel anscheinend keine sinnige Lösung präsentieren können.
Wäre der Hintergrund nicht so ernst, könnte man sich über das hilflose Reagieren der Beteiligten und über den beginnenden Prozess der gegenseitigen Schuldzuweisungen und Rücktrittsforderungen amüsieren. Kann man aber leider nicht.
Auch wenn diese Lösungen noch nicht bis ins letzte durchkonstruiert sind, und wir Außenstehende die ganz genauen Umstände vor Ort nicht kennen, stimmt es mich nachdenklich bis traurig, dass die Techniker und Ingenieure der beteiligten Unternehmen sowie "die intellektuelle Lokomotive dieses Landes" (US-Energieminister Steven Chu über das Expertenteam, das die Regierung ins BP-Haupquartier in Houston geschickt hat) auch vier Wochen nach dem Untergang der Bohrinsel anscheinend keine sinnige Lösung präsentieren können.
Wäre der Hintergrund nicht so ernst, könnte man sich über das hilflose Reagieren der Beteiligten und über den beginnenden Prozess der gegenseitigen Schuldzuweisungen und Rücktrittsforderungen amüsieren. Kann man aber leider nicht.
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