Ölpest im Golf von Mexiko Verzweiflung, Hoffnung, Teilerfolge
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Das beherrschende Thema in den USA

Die Ölpest im Golf ist auch nach einem Monat das beherrschende politische Thema in den USA. Heerscharen von Journalisten und Ölexperten versorgen die Öffentlichkeit rund um die Uhr mit Neuigkeiten und Analysen. Doch trotz der Informationsflut ist das verlässliche Wissen, was sich da seit vier Wochen in 1500 Meter Tiefe abspielt und was die Folgen sein werden, begrenzt geblieben.

Zu den befürchteten weiträumigen Verseuchungen an der Küste ist es bislang nicht gekommen. Wissenschaftler entdeckten nun aber große Ölschwaden unter Wasser . Sie seien bis zu 16 Kilometer lang, sechs Kilometer breit und rund 100 Meter hoch. Der Sauerstoffgehalt in der Nähe liege etwa 30 Prozent unter den Normalwerten. Auch das kann zu einer Bedrohung für Tiere und Pflanzen werden.

Ölkatastrophen: "Exxon Valdez" 1989

Um das empfindliche Ökosystem an der Südküste des US-Bundesstaates Alaska für Jahre nachhaltig zu schädigen, reichten im März 1989 knapp 40.000 Tonnen Rohöl aus dem verunglückten Tanker Exxon Valdez.

Im Prince-William-Sund kam es damals zur bislang größten Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA.2400 Kilometer Küste wurden verunreinigt. Hunderttausende Seevögel starben, auch Otter, Robben und Grauwale verendeten.

Trotz aufwendiger Reinigungsarbeiten hat sich das Gebiet nur oberflächlich erholt. Die niedrigen Temperaturen verzögern den biologischen Abbau des Öls. Vor allem in den Uferzonen lagern noch immer Reste der "schwarzen Pest".

Viele Tierarten leiden bis heute unter der Katastrophe.

"Amoco Cadiz" 1978

Zur folgenschwersten Ölkatastrophe in Europa kam es im März 1978, als der Supertanker Amoco Cadiz an der französischen Atlantikküstenördlich von Brest auf Grund lief.

Im Sturm zerbrach der Koloss, und mehr als 223.000 Tonnen leichtes Rohöl verpesteten Strände und Felsen der Bretagne auf einer Länge von 360 Kilometern. Wochenlang schaufelten Tausende Freiwillige und Soldaten das Öl in Plastiktüten und schrubbten verschmierte Felsen.

In einem Ölteppich von der Größe des Saarlands starben Vögel, Fische und Muscheln. Die Austernbänke wurden für Jahre zerstört, der Tourismus zunächst schwer beeinträchtigt. Günstige Strömungen, hohe Wellen und die vielen Freiwilligen verhinderten ein Desaster.

Schon 1979 lockte die Bretagne wieder Urlauber an saubere Strände, doch nach Schätzungen von Experten lagen ein Jahr nach dem Unglück noch immer 40.000 Tonnen Öl auf dem Meeresgrund.

"Pallas" 1998

Als der Holzfrachter Pallas im Herbst 1998 an der Nordseeküste vor Amrum strandete, starben 16.000 Seevögel.

Verantwortlich waren 100 Tonnen Schweröl, die aus dem Schiff geflossen waren.

Die weiteren Rettungspläne von BP sehen nun einen erneuten Versuch vor, das Bohrloch von oben mit einem Stöpsel zu verschließen. Das werde bis zu zehn Tage dauern. Falls diese Bemühungen misslingen, bleibe als Alternative eine Entlastungsbohrung schräg von der Seite in den ursprünglichen Förderschacht. Die komplizierte Prozedur kann mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Die Regierung Obama hat mittlerweile acht parallele Untersuchungen eingeleitet. Sie gehen unterschiedlichen Fragen nach, unter anderem: Wie kam es zu dem Unglück? Wurden die Umweltschutzauflagen eingehalten, als BP die Bohrgenehmigung erhielt? Wie lässt sich verhindern, dass sich ein solches Unglück wiederholt? Müssen Gesetze und Sicherheitsbestimmungen verändert werden? Manche Abgeordnete verlangen nun, Barack Obama solle eine präsidiale Untersuchungskommission mit einem unabhängigen Ermittler an der Spitze einrichten.

 
Leser-Kommentare
  1. Ich gebe gerne zu, dass ich von Ölförderung nicht mehr Ahnung habe, als ein Schaf vom Pullover stricken. Aber wenn sich Rohre in die zerborstenen Steigleitungen einführen lassen, dann müssten sich doch auch ein dehnbarer Druckbehälter einführen lassen, ähnlich einem aufblasbaren Katheter oder Ballon.
    In der Medizin werden solche Methoden schon ewig angewendet und sogar die eigene Branche dichtet auf diese Weise reparaturbedürftige Pipelines ab.
    Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es so schwierig sein soll ein paar Löcher zu stopfen, auch wenn sie 1500 Meter unter der Meeresoberfläche liegen.

  2. Und was würde uns das helfen? So zynisch das auch sein mag, aber wir brauchen nur zu warten und wir werden die Folgen sehen!
    Im Übrigen muss ich dem Vorredner zustimmen, es ist jammervoll, wie hilflos die "Supertechnologie" doch agiert.
    Mehr Schein als Sein.

  3. Nach Zusammenfassung aller verfügbaren Informationen der vergangenen Wochen seit Bekanntgabe dieses Desasters und dem Versuch einer möglichst objektiven Analyse der Fakten bzgl. der Ölaustrittsstellen unter Berücksichtigung kurzfristig, weltweit verfügbarer Möglichkeiten des Maschinenbaus komme ich leider zu dem frustrierenden Ergebnis, dass hier nicht versucht wurde schnellst möglich die Austrittslöcher unwiederuflich zu schließen sondern, mit nicht absehbaren Folgen für das Ökosystem, immer noch an einer Lösung gebastelt wird die vorhandenen Löcher für die Förderung NOCH ZU NUTZEN!

    Man müsste ja neue bohren…

  4. Wenn man sich ansieht, wie anscheinend ganze Stäbe von Ingenieuren und "Fachleuten" in den USA einen Rohrkrepierer (wie passend...) nach dem nächsten zünden, bei dem Versuch, ein Loch in einer Leitung zu stopfen, kann man erahnen, wie es um die amerikanische Technologie im allgemeinen bestellt ist.
    Meine Anfrage auf der von BP verlinkten Kontaktseite, man möge mir doch bitte eine e-Mail-Adresse zur Übermittlung eines Vorschlages für ein System zum Auffangen des Öls mitteilen, blieb bislang unbeantwortet. Stattdessen stellen BP und ihre Subs Fotos von ordentlich zupackenden, amerikanischen Arbeitern und von ein paar gesäuberten Vögeln ein. Mir erscheint das nur als hilfloser Versuch, der Welt zu zeigen, dass man sich kümmere, und dass etwas passiert.
    Natürlich ist es deutlich schwieriger, ein derartiges Leck in 1500m Tiefe abzudichten, als einen tropfenden Gartenschlauch zu reparieren. Es gibt aber genug technische Mittel und Wege, ein solches Leck relativ kurzfristig zu schließen.
    Die Frage ist nur, ob man das denn auch wirklich will; siehe Kommentar 3, letzter Satz!

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    • GBHPG
    • 21.05.2010 um 2:26 Uhr

    Sie schreiben: "kann man erahnen, wie es um die amerikanische Technologie im allgemeinen bestellt ist."

    Sie scheinen nicht zu wissen, daß BP für Britisch Petroleum steht, [...]

    Gerd, Chicago

    Achten Sie bitte auf eine höfliche Wortwahl. Danke. Die Redaktion/sh

    • GBHPG
    • 21.05.2010 um 2:26 Uhr

    Sie schreiben: "kann man erahnen, wie es um die amerikanische Technologie im allgemeinen bestellt ist."

    Sie scheinen nicht zu wissen, daß BP für Britisch Petroleum steht, [...]

    Gerd, Chicago

    Achten Sie bitte auf eine höfliche Wortwahl. Danke. Die Redaktion/sh

    • BPisst
    • 18.05.2010 um 20:14 Uhr

    weil ein sich Katheter beim Aufbalsen die kilometerlange Ölseule (träge Masse) verzögern würde und damit einer enormen Kraft entgegen wirken müsste (man mit einem Seil oder Draht aber schlecht schieben kann)

    Außderdem muß ein in das Rohr eingeführter Schlauch oder eine Snur entgegen der Kräfte aus der Druckdiffenz von Ölfeld zu Meeresboden (Druckdifferenz * Fläche... [z.B. 90 bar * 100 000 (N/m²)/bar * pi * (0,1 m)²/4 = ca. 70 000 N = 7 tonnen * Erdbeschleunigung] und zusätzlich den Reibkräften der ausströmenden Ölseule an der Mantelfläche (sozusagen dem Gegenwind... ähm Gegenöl) entgegenwirken können.

    Wenn es tatsächlich gelungen ist ein 10 cm dickes Rohr in die Bohrung einzuführen (ich befürchte aber es ist nur vor der Öffnung und nicht im Rohr), dann könnte man auch eine SPRENGSCHNUR einführen (oder entsprechende US-Böller). Die Länge der Schnur wäre dann durch die Reibkräfte (das Gegenöl) begrenzt.

    Je länger die Sprengschnur ist umso sicherer ist das Loch verschlossen.

    Zusätzlich dazu bra

    (z.B. Sprengschnur einführen)

  5. Es sollte möglich sein, das ohnehin defekte Standrohr halbwegs sauber abzutrennen (automatische, am Rohr befestigte Säge; Sprengschnur/ Schneidladung; Brennelektrode; Abschneiden durch Induktionsring; etc.), um dann eine Vorrichtung über das freie Rohrende zu setzen, die das Stahlrohr dichtquetscht. Eine solche Vorrichtung bestünde aus einem stabilen Rahmen und einer, im Rahmen geführten, vorne beidseitig angeschrägten Stahlzunge, die über eine entsprechende Hydraulik oder durch eine Sprengladung auf das Rohr gepresst wird. Alternativ könnte die Stahlzunge auch als Klinge ausgebildet sein, die dann das Rohr abschneidet und es gleichzeitig verschließt.
    Um die ach-so-wertvolle Ölbohrung nach dem Verschließen noch nutzen zu können, müsste vor dem Ansetzen der Verschlussvorrichtung ein Kupplungsring mit seitlichem Anschluss auf das Rohr geschoben werden. Nach dem Verschließen des Lecks würde der Ring dann mit dem Rohr verschweißt, und im seitlichen Anschluss würde das Standrohr angebohrt werden. Leitung dran, und weiter gehts!

    So, liebe Ingenieure der BP, das war eine meiner Ideen, jetzt seid Ihr aber mal dran...

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    • BPisst
    • 18.05.2010 um 20:53 Uhr

    Ja oder stromaufwärts des Lecks am freien Rohrende eine seitliche Bohrung vornehmen, durch die eine Drahttrosse in das Rohr gesteckt wird.... Wenn das Ende der Drahttrosse dann aus dem Leck herausgepühlt wird, (strömungstechnisch günstig geformten) Pfropfen drann festmachen und diesen dann samt Trosse wieder gegen den Strom bis in das Leck ziehen.

    Dann würde die Träge Ölseule langsam abgebremst, wodurch deren Massenträgheit weniger Kraft entwickelt.

    • BPisst
    • 18.05.2010 um 20:53 Uhr

    Ja oder stromaufwärts des Lecks am freien Rohrende eine seitliche Bohrung vornehmen, durch die eine Drahttrosse in das Rohr gesteckt wird.... Wenn das Ende der Drahttrosse dann aus dem Leck herausgepühlt wird, (strömungstechnisch günstig geformten) Pfropfen drann festmachen und diesen dann samt Trosse wieder gegen den Strom bis in das Leck ziehen.

    Dann würde die Träge Ölseule langsam abgebremst, wodurch deren Massenträgheit weniger Kraft entwickelt.

    • BPisst
    • 18.05.2010 um 20:53 Uhr

    Ja oder stromaufwärts des Lecks am freien Rohrende eine seitliche Bohrung vornehmen, durch die eine Drahttrosse in das Rohr gesteckt wird.... Wenn das Ende der Drahttrosse dann aus dem Leck herausgepühlt wird, (strömungstechnisch günstig geformten) Pfropfen drann festmachen und diesen dann samt Trosse wieder gegen den Strom bis in das Leck ziehen.

    Dann würde die Träge Ölseule langsam abgebremst, wodurch deren Massenträgheit weniger Kraft entwickelt.

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    Auch wenn diese Lösungen noch nicht bis ins letzte durchkonstruiert sind, und wir Außenstehende die ganz genauen Umstände vor Ort nicht kennen, stimmt es mich nachdenklich bis traurig, dass die Techniker und Ingenieure der beteiligten Unternehmen sowie "die intellektuelle Lokomotive dieses Landes" (US-Energieminister Steven Chu über das Expertenteam, das die Regierung ins BP-Haupquartier in Houston geschickt hat) auch vier Wochen nach dem Untergang der Bohrinsel anscheinend keine sinnige Lösung präsentieren können.

    Wäre der Hintergrund nicht so ernst, könnte man sich über das hilflose Reagieren der Beteiligten und über den beginnenden Prozess der gegenseitigen Schuldzuweisungen und Rücktrittsforderungen amüsieren. Kann man aber leider nicht.

    Auch wenn diese Lösungen noch nicht bis ins letzte durchkonstruiert sind, und wir Außenstehende die ganz genauen Umstände vor Ort nicht kennen, stimmt es mich nachdenklich bis traurig, dass die Techniker und Ingenieure der beteiligten Unternehmen sowie "die intellektuelle Lokomotive dieses Landes" (US-Energieminister Steven Chu über das Expertenteam, das die Regierung ins BP-Haupquartier in Houston geschickt hat) auch vier Wochen nach dem Untergang der Bohrinsel anscheinend keine sinnige Lösung präsentieren können.

    Wäre der Hintergrund nicht so ernst, könnte man sich über das hilflose Reagieren der Beteiligten und über den beginnenden Prozess der gegenseitigen Schuldzuweisungen und Rücktrittsforderungen amüsieren. Kann man aber leider nicht.

  6. Auch wenn diese Lösungen noch nicht bis ins letzte durchkonstruiert sind, und wir Außenstehende die ganz genauen Umstände vor Ort nicht kennen, stimmt es mich nachdenklich bis traurig, dass die Techniker und Ingenieure der beteiligten Unternehmen sowie "die intellektuelle Lokomotive dieses Landes" (US-Energieminister Steven Chu über das Expertenteam, das die Regierung ins BP-Haupquartier in Houston geschickt hat) auch vier Wochen nach dem Untergang der Bohrinsel anscheinend keine sinnige Lösung präsentieren können.

    Wäre der Hintergrund nicht so ernst, könnte man sich über das hilflose Reagieren der Beteiligten und über den beginnenden Prozess der gegenseitigen Schuldzuweisungen und Rücktrittsforderungen amüsieren. Kann man aber leider nicht.

    Antwort auf "noch ne Idee"

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