KriminalitätSchauspielerin erhebt Missbrauchsvorwürfe gegen Polanski

Eine britische Schauspielerin sagt, der Starregisseur habe sie 1982 als 16-Jährige "auf schlimmste Weise" missbraucht. Sie will auch unter Eid aussagen.

Die britische Schauspielerin Charlotte Lewis (r.) nebst Promi-Anwältin Gloria Allred

Die britische Schauspielerin Charlotte Lewis (r.) nebst Promi-Anwältin Gloria Allred

Starregisseur Roman Polanski wird mit neuen Vorwürfen konfrontiert: Die heute 42 Jahre alte britische Schauspielerin Charlotte Lewis sagte in Los Angeles, dass sie 1982 als Teenager von Polanski missbraucht wurde. "Er wusste, dass ich 16 Jahre alt war, als er sich in seinem Pariser Appartement mir aufzwang", gab Lewis an der Seite ihrer Anwältin Gloria Allred vor Reportern bekannt.

Lewis hatte in Polanskis Film Piraten (1986) eine kleine Rolle. Auf weitere Einzelheiten des angeblichen Vorfalls ging sie nicht ein. Der 76 Jahre alte Filmemacher, der in der Schweiz in Hausarrest lebt , hatte die USA 1978 nach einer Anklage wegen Vergewaltigung einer 13-Jährigen verlassen.

Anzeige

Polanskis Anwälte teilten nach Angaben der Los Angeles Times mit, dass sie keine weiteren Informationen über die am Freitag vorgebrachten Behauptungen hätten. Allred zufolge will Lewis unter Eid aussagen. Polanski müsse als Sextäter zur Rechenschaft gezogen werden, sagte die Anwältin.

In ihrer kurzen Mitteilung vor Reportern warf Lewis Polanski vor, er habe sie "auf schlimmste Weise" missbraucht. "Er nutze mich aus, und ich habe mit den Folgen seines Verhaltens seitdem leben müssen." Sie sei auf eigene Kosten von London nach Los Angeles gereist, damit es endlich Gerechtigkeit gebe und "Mr. Polanski erhält, was er verdient".

Die Vorwürfe von Lewis könnten in dem bereits laufenden Verfahren gegen den Oscar-Preisträger eine wichtige Rolle spielen. "Ankläger können auf andere schlechte Taten verweisen", sagte der Rechtsexperte Dmitry Gorin der Los Angeles Times. Zunächst war unklar, ob sich die kalifornische Staatsanwaltschaft Lewis' Aussage zunutze machen wollte. Ein Behördensprecher bestätigte der Zeitung, dass die Schauspielerin bereits vorgesprochen habe.

Polanski ist seit mehr als 30 Jahren in einen Vergewaltigungs-Prozess verwickelt. Auf Antrag der kalifornischen Staatsanwaltschaft war er im vergangenen September in der Schweiz festgenommen worden. Seitdem wartet er auf seine Auslieferung an die USA. Ein Berufungsgericht in Los Angeles hatte im April einen Antrag des Regisseurs auf eine Verurteilung in Abwesenheit abgelehnt. Die Richter wiesen auch einen Antrag von Polanskis damaligem Opfer ab, das Verfahren gegen den Regisseur fallen zu lassen.

Dem in Polen geborenen Filmemacher (Der Pianist) wird vorgeworfen, 1977 eine 13-Jährige in der Villa von Hollywood-Star Jack Nicholson mit Drogen gefügig gemacht und sie dann vergewaltigt zu haben. Polanski bekannte sich damals schuldig und verbrachte 42 Tage in psychiatrischer Verwahrung. Am Tag vor der offiziellen Strafverkündung floh er aus Angst vor einer Haftverlängerung nach Frankreich. Seither hat er nie wieder amerikanischen Boden betreten.

Anfang Mai hatte sich Polanski erstmals seit seiner Verhaftung im September zu seinem Verfahren geäußert. "Ich werde Sie nicht um Mitleid wegen meines Schicksals bitten. Ich möchte nur wie alle anderen behandelt werden", schrieb er in einem im Internet veröffentlichten Brief, in dem er sich als Opfer einer rachsüchtigen US-Justiz darstellte. Außerdem forderte er die Schweiz auf, ihn aus dem Hausarrest in Gstaad zu entlassen. Worte der Reue fand er nicht.
 

 
Leserkommentare
  1. Ja, er sollte wirklich wie alle anderen behandelt werden.
    Er keinen Deut besser als andere Pädophile und sollte als solcher auch mit der entsprechenden härte verurteilt werden.
    Die Solidaritätsbekundungen die er u.a. aus Hollywood bekommen hat waren einfach nur ekelhaft. Immer diese beschissene Doppelmoral!
    Wenn einer die ihm auch schutzbefohlenen Jungschauspielerinnen
    missbraucht ist das weniger schlimm, als der Missbrauch durch Priester?

    Warum? Nur weil er ein talentierter und berühmter Regiesseur ist? Ich glaube kaum!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 15.05.2010 um 15:29 Uhr

    ....Bekundung in effektiver Form der Freiheitssicherung kam meines Wissens aus Europa, wo man ihn nicht ausliefern wollte, bis die Schweizer in eine Ecke gedrängt wurden.

    Was er getan hat war zweifelsohne höchst fragwürdig. Es fällt aber nicht unter "Pädophilie", denn Pädophilie wäre es nur, wenn die Mädchen noch vor der Pubertät gewesen wären.

    Ich kann Ihnen sagen, warum ich mich mit Polanski solidarisiere:
    Weil Frankreich diesen Schmutzfinken nicht eigenhändig nach seiner Flucht an die USA ausgeliefert hat und die USA 30 Jahre lang zu dämlich/faul waren, um den Schurken gefasst zu kriegen. Und weil die Tat jetzt, nach über 30 Jahren, so weit zurückliegt, dass selbst das Opfer nichts mehr von einer Strafverfolgung wissen will. Nein, die Tat ist keinesfalls weniger schlimm ist als Kindsmissbrauch hinter Kirchengemäuern. Aber ich respektiere das Opfer, das die Tat verarbeitet hat, Familie gegründet, und nichts mehr wissen will davon. Im Übrigen wäre die Tat in den meisten Ländern jetzt verjährt. Ganz klar: Frankreich müsste hier endlich mal an den Pranger gestellt werden. Und weshalb ich mich mit Hollywood solidarisiere, das sich mit Polanski solidarisert: Weil mir das ganze puritanische Gewiehere zuwider ist, dass so sehr nach Vergeltung ruft, dass dabei vollkommen untergeht, dass es um das Opfer geht, und nicht (nein, jetzt nicht mehr!) um den Täter. Von denselben Leuten, die immer nach mehr Rechten für die Opfer rufen, hört man gleichzeitig heraus, dass nun, nach 30 Jahren, nach dessen gelungener Familiengründung und psychischer Bewältigung der Tragödie, der erklärte Wille des Opfers "jetzt gerade" mal nicht zählt; Denn "jetzt gerade" ist die Gesellschaft dran, und nichts hält die auf, wenn es um Promi-Bashing, äh, echte Gerechtigkeit geht. Eine Gesellschaft, so selbstlos und rein, erblickt sie sich im Spiegel..

    • joG
    • 15.05.2010 um 15:29 Uhr

    ....Bekundung in effektiver Form der Freiheitssicherung kam meines Wissens aus Europa, wo man ihn nicht ausliefern wollte, bis die Schweizer in eine Ecke gedrängt wurden.

    Was er getan hat war zweifelsohne höchst fragwürdig. Es fällt aber nicht unter "Pädophilie", denn Pädophilie wäre es nur, wenn die Mädchen noch vor der Pubertät gewesen wären.

    Ich kann Ihnen sagen, warum ich mich mit Polanski solidarisiere:
    Weil Frankreich diesen Schmutzfinken nicht eigenhändig nach seiner Flucht an die USA ausgeliefert hat und die USA 30 Jahre lang zu dämlich/faul waren, um den Schurken gefasst zu kriegen. Und weil die Tat jetzt, nach über 30 Jahren, so weit zurückliegt, dass selbst das Opfer nichts mehr von einer Strafverfolgung wissen will. Nein, die Tat ist keinesfalls weniger schlimm ist als Kindsmissbrauch hinter Kirchengemäuern. Aber ich respektiere das Opfer, das die Tat verarbeitet hat, Familie gegründet, und nichts mehr wissen will davon. Im Übrigen wäre die Tat in den meisten Ländern jetzt verjährt. Ganz klar: Frankreich müsste hier endlich mal an den Pranger gestellt werden. Und weshalb ich mich mit Hollywood solidarisiere, das sich mit Polanski solidarisert: Weil mir das ganze puritanische Gewiehere zuwider ist, dass so sehr nach Vergeltung ruft, dass dabei vollkommen untergeht, dass es um das Opfer geht, und nicht (nein, jetzt nicht mehr!) um den Täter. Von denselben Leuten, die immer nach mehr Rechten für die Opfer rufen, hört man gleichzeitig heraus, dass nun, nach 30 Jahren, nach dessen gelungener Familiengründung und psychischer Bewältigung der Tragödie, der erklärte Wille des Opfers "jetzt gerade" mal nicht zählt; Denn "jetzt gerade" ist die Gesellschaft dran, und nichts hält die auf, wenn es um Promi-Bashing, äh, echte Gerechtigkeit geht. Eine Gesellschaft, so selbstlos und rein, erblickt sie sich im Spiegel..

    • Jimmg
    • 15.05.2010 um 13:50 Uhr

    ...schlüpfen aus ihren Löchern. Um um jeden Preis wieder in der Öffentlichkeit zu Erscheinen ist manchen Menschen wirklich jedes Mittel recht.

    PS: Charlotte Lewis hatte in insgesamt 16 Filmen und 4 TV-Produktionen i.d.Z. von 1986 bis 2003 mitgewirkt (Nebenrollen). Seit 2003 wurde nicht mehr für eine Produktion gebucht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • gorgo
    • 15.05.2010 um 16:36 Uhr

    Zum Glück ist die Öffentlichkeit langsam aber sicher gegen die miesen Methoden der Gewaltverteidiger und -verharmloser mobilsiert - deren Methode ist genau die Vorverurteilung derer, die Klage erheben.

    Es gibt im Übrigen immer wieder Kommentare, die sich vom ersten Wort an selbst disqualifizieren - manche sollte man trotz Ihrer Menschenverachtung einfach stehen lassen, weil sie sich selbst entlarven.

    Wer von "Ratten" spricht, disqualifiziert sich selbstredend gleich mehrfach. Wie kommt jemand eigentlich dazu, ohne jede Kenntnis von Fall, Person oder Umständen, wilde Verdächtigungen gegen die Frau zu erheben? Was steckt eigentlich psychologisch dahinter? Es ist noch nicht mal ein ordentliches Verfahren eröffnet, aber der Vorverurteiler waren natürlich damals dabei und weiß Bescheid... - lächerlich, wenn es nicht so perfide wäre.

    • gorgo
    • 15.05.2010 um 16:36 Uhr

    Zum Glück ist die Öffentlichkeit langsam aber sicher gegen die miesen Methoden der Gewaltverteidiger und -verharmloser mobilsiert - deren Methode ist genau die Vorverurteilung derer, die Klage erheben.

    Es gibt im Übrigen immer wieder Kommentare, die sich vom ersten Wort an selbst disqualifizieren - manche sollte man trotz Ihrer Menschenverachtung einfach stehen lassen, weil sie sich selbst entlarven.

    Wer von "Ratten" spricht, disqualifiziert sich selbstredend gleich mehrfach. Wie kommt jemand eigentlich dazu, ohne jede Kenntnis von Fall, Person oder Umständen, wilde Verdächtigungen gegen die Frau zu erheben? Was steckt eigentlich psychologisch dahinter? Es ist noch nicht mal ein ordentliches Verfahren eröffnet, aber der Vorverurteiler waren natürlich damals dabei und weiß Bescheid... - lächerlich, wenn es nicht so perfide wäre.

    • joG
    • 15.05.2010 um 15:29 Uhr

    ....Bekundung in effektiver Form der Freiheitssicherung kam meines Wissens aus Europa, wo man ihn nicht ausliefern wollte, bis die Schweizer in eine Ecke gedrängt wurden.

    Antwort auf "Zweierlei Maß"
  2. Also wenn man schon wild mit Dreck werfen möchte, dann sollten die Angaben wenigstens plausibel sein, sonst macht man sich vollkommen lächerlich.

    Charlotte Lewis wurde am 07.08.1967 geboren.

    Die Angabe mit 42 (bald 43) Jahren passt also.

    Dann soll sie aber mit 16 im Jahr 1982 vergewaltigt worden sein, was ihr aber erst heute einfällt und sie nicht daran hinderte in einem 1986 erschienenen Film Polanskys mitzuspielen?????

    Wie alt war die Dame nun 1982?

    Rechnet man nach (1982- 1967 = 15 Jahre bzw. 42 - (2010- 1982) = 14 Jahre) war sie 14 bis 15, keinesfalls jedoch 16 Jahre alt.

    Die Dame scheint nicht einmal zu plausiblen Altersangaben fähig zu sein, trotz ihrer Anwältin.

    Man kann ja über Polansky denken, was man will. Auf mich wirkt er wie ein Widerling, der lediglich noch von der medialen und gesellschaftlichen Doppelmoral moralisch unterboten wird, die seine Vergewaltigung einer 13- Jährigen relativiert.

    Das alles macht ihn aber nicht vogelfrei. Das alles darf nicht dazu führen, dass er wild jedem Generalverdacht ausgesetzt wird. Das wäre mittelalterliche Hexenverbrennung und keine Rechtstaatlichkeit.

    Auch die Rolle von Medien sollte mal überprüft werden. Wird heute jeder Dreck gemeldet, egal wie unplausible die Angaben sind, hier z.B. die Altersangaben?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    [...]

    Liebe Julia09,

    Ihr Kommentar wurde wiederhergestellt.Bitte achten Sie dennoch auf einen sachlichen Umgangston. Bei weiterer Kritik schreiben Sie uns an: community@zeit.de

    Die Redaktion/is

    [...]

    Liebe Julia09,

    Ihr Kommentar wurde wiederhergestellt.Bitte achten Sie dennoch auf einen sachlichen Umgangston. Bei weiterer Kritik schreiben Sie uns an: community@zeit.de

    Die Redaktion/is

  3. Entfernt. Bitte vermeiden Sie eine Wortwahl, die für die Opfer als beleidigend empfunden werden kann. Die Redaktion/is

  4. Was er getan hat war zweifelsohne höchst fragwürdig. Es fällt aber nicht unter "Pädophilie", denn Pädophilie wäre es nur, wenn die Mädchen noch vor der Pubertät gewesen wären.

    Antwort auf "Zweierlei Maß"
    • gorgo
    • 15.05.2010 um 16:36 Uhr

    Zum Glück ist die Öffentlichkeit langsam aber sicher gegen die miesen Methoden der Gewaltverteidiger und -verharmloser mobilsiert - deren Methode ist genau die Vorverurteilung derer, die Klage erheben.

    Es gibt im Übrigen immer wieder Kommentare, die sich vom ersten Wort an selbst disqualifizieren - manche sollte man trotz Ihrer Menschenverachtung einfach stehen lassen, weil sie sich selbst entlarven.

    Wer von "Ratten" spricht, disqualifiziert sich selbstredend gleich mehrfach. Wie kommt jemand eigentlich dazu, ohne jede Kenntnis von Fall, Person oder Umständen, wilde Verdächtigungen gegen die Frau zu erheben? Was steckt eigentlich psychologisch dahinter? Es ist noch nicht mal ein ordentliches Verfahren eröffnet, aber der Vorverurteiler waren natürlich damals dabei und weiß Bescheid... - lächerlich, wenn es nicht so perfide wäre.

    Antwort auf "Die Ratten..."

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service