Golf von Mexiko Der Fluss des Öls ist unberechenbar

Simulation und viel Spekulation: Wissenschaftler kalkulieren die Folgen der Ölpest und können nur ungenaue Prognosen geben – ob Europa betroffen sein wird, ist umstritten

Wohin gelangt das Öl noch? Ein schmieriger Film zeigt sich auch hier auf der Wasseroberfläche in der Barataria Bay westlich des Ortes Port Sulpher im US-Bundesstaat Louisiana

Wohin gelangt das Öl noch? Ein schmieriger Film zeigt sich auch hier auf der Wasseroberfläche in der Barataria Bay westlich des Ortes Port Sulpher im US-Bundesstaat Louisiana

Vögel mit verklebtem Gefieder, verendete Schildkröten; wenn Öl ins Meer gelangt, sind die Tiere meist die ersten sichtbaren Opfer. Die Bilder der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko unterscheiden sich da auf den ersten Blick kaum von denen anderer Ölunfälle. Dennoch ist dieses Ereignis anders, einzigartig – und ebenso einzigartig werden die Folgen sein.

Seit der Explosion der BP-Bohrinsel Deepwater Horizon am 24. April fließen täglich Tausende Tonnen Öl ins Meer. Wie viel genau, das weiß niemand. BP selbst geht nun sogar davon aus, dass es im schlimmsten Fall bis zu 15,9 Millionen Liter pro Tag (100.000 Barrel) sein könnten. Und ein Ende ist nicht abzusehen. Deshalb ist es schwer, Voraussagen über die Schäden der Katastrophe zu treffen. Klar ist nur: Sie werden langfristig sein und dramatisch. Denn das sind sie schon jetzt.

Anzeige
Ölteppich
Auf ifitwasmyhome.com kann man sich anschauen, welches Ausmaß die Ölpest im Vergleich zur Fläche Norddeutschlands hat

Auf ifitwasmyhome.com kann man sich anschauen, welches Ausmaß die Ölpest im Vergleich zur Fläche Norddeutschlands hat

"Seit dem 30 April, ist Zahl gestrandeter Delfine in Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida höher als in den Jahren zuvor", heißt es im neusten Lagebericht der US-Bundesagentur für Luft und Ozeane, National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA). 50 Tiere hat das NOAA bisher gezählt, 46 davon waren bereits tot, zwei weitere nicht mehr zu retten. 504 gestrandete Schildkröten haben die Forscher im Verbreitungsgebiet des Öls ausgemacht, ebenfalls weit mehr als in den Jahren zuvor. Fast 400 von ihnen haben die Ölpest nicht überlebt. Auch Fische und Vögel sterben in großer Zahl – jetzt gleich oder später, denn die Verschmutzung des Meeres beeinträchtigt auch das Immunsystem der Tiere. Insgesamt 36 Naturreservate sind bedroht und damit viele seltene Kraniche und Störche.


Ausbreitung des Ölteppichs im Golf von Mexiko / Datenquelle: NOAA/NESDIS

Ständig aktualisierte Ölausbreitung nach Informationen der amerikanischen Ozeanografiebehörde

In der Tiefsee sind sensible Biotope in Gefahr. "Wir wissen inzwischen, dass das auslaufende Öl nicht nur an der Oberfläche treibt, sondern auch in tieferen Meeresschichten. Dort hängt die Verbreitung von unterirdischen Wirbeln ab, deren Auftreten und Bewegung praktisch nicht voraussagbar sind", sagt Monika Rhein vom Institut für Umweltphysik an der Universität Bremen.

Leser-Kommentare
  1. Und was ist beispielsweise mit dem Aal ? Und wer weiss wie lange die noch brauchen das Loch zu schließen ? Die Menge macht das Gift. Wenn wirklich jeden Tag 100000 Barrel austreten sind das 13698,6 Tonnen Rohöl täglich. Zum Vergleich die Exxon Valdez verlor 40000 Tonnen. Das ist nicht mehr nur die größte Ölpest in der Geschichte der USA sondern der Ganzen Welt. Wenn die das nicht bald in den griff bekommen, werden alle ozeanischen Ökosysteme der Welt betroffen sein. Kaum vorstellbar welche Auswirkungen diese Katastrophe langfristig hat. Alles hängt mit allem zusammen...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Nur ungern enttäusche ich Ihre Hoffnung, aber die werden das nicht "in den Griff bekommen". Was glauben sie, weshalb die Zahlen über die Austrittsmenge ständig nach oben korrigiert werden? Ich will es Ihnen sagen: durch unüberlegte Operationen, die zur Schließung des EINEN Lecks hätten führen sollen (z.B. Operation "TopKill"), hat BP nun verursacht, dass über mindestens eine Fläche von elf km² der Meeresboden übersäht ist mit Löchern, aus denen Öl austritt. Das kommt daher, weil der Bohrschacht im Gestein des Meeresbodens irgendwo geborsten ist und sich das Öl seine Wege durch unzählige Spalte im Gestein nach draußen sucht. Das Bersten des Bohrschachts war die Folge von dem großen Gegendruck (bis zu 30.000 PS), mit dem BP die unterschiedlichsten Materialien (z.B. "Spezialschlamm" ---> spezial bescheuert vielleicht) in das Bohrloch gepresst hat. Dabei weiß jeder Achtklässer, was passiert, wenn man in einen unter Druck stehenden Behälter noch mehr Druck reinpresst. Genau: irgendwann und irgendwo bricht die Hülle. Jede Chance, das Bohrloch zu schließen, ist vertan. Das Öl fließt, bis keines mehr "drin" sin wird. Danke BP, dass ihr die Zukunft unserer Kinder versaut habt und dieser Planet in Bälde unbewohnbar sein wird. Danke danke danke... der einzige Trost: ihr werdet mit uns drauf gehen!

    Nur ungern enttäusche ich Ihre Hoffnung, aber die werden das nicht "in den Griff bekommen". Was glauben sie, weshalb die Zahlen über die Austrittsmenge ständig nach oben korrigiert werden? Ich will es Ihnen sagen: durch unüberlegte Operationen, die zur Schließung des EINEN Lecks hätten führen sollen (z.B. Operation "TopKill"), hat BP nun verursacht, dass über mindestens eine Fläche von elf km² der Meeresboden übersäht ist mit Löchern, aus denen Öl austritt. Das kommt daher, weil der Bohrschacht im Gestein des Meeresbodens irgendwo geborsten ist und sich das Öl seine Wege durch unzählige Spalte im Gestein nach draußen sucht. Das Bersten des Bohrschachts war die Folge von dem großen Gegendruck (bis zu 30.000 PS), mit dem BP die unterschiedlichsten Materialien (z.B. "Spezialschlamm" ---> spezial bescheuert vielleicht) in das Bohrloch gepresst hat. Dabei weiß jeder Achtklässer, was passiert, wenn man in einen unter Druck stehenden Behälter noch mehr Druck reinpresst. Genau: irgendwann und irgendwo bricht die Hülle. Jede Chance, das Bohrloch zu schließen, ist vertan. Das Öl fließt, bis keines mehr "drin" sin wird. Danke BP, dass ihr die Zukunft unserer Kinder versaut habt und dieser Planet in Bälde unbewohnbar sein wird. Danke danke danke... der einzige Trost: ihr werdet mit uns drauf gehen!

  2. Was wäre wenn der selbe Gau bei einem Atomkraftwerk passierte? Wann verzichten wir auf eine derartig riskante Energiegewinnung? Wer beziffert den wirklichen Schaden? Die Tiere, die Arten die unsichtbaren Schäden, die menschlichen Tragödien an Ort und Stelle? Man ist versucht zu beten. Ob das was helfen würde?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Nicht nur in der Ukraine laufen die Reaktoren noch immer... So viel zum Thema lernen ;-) (in Tschernobyl selber noch bis 2000!)

    nur das bei KW, im Gegensatz zu Radionukliden, sowohl photolytischer wie auch reduktiver Abbau wirksam ist; oxidativ ist zwar auch möglich aber in natürlichen Systemen eher selten.

    Die Problematik der Reichweitenabschätzung scheitert an Grenzflächeneffekten, so das von veränderlichen Dispersionen mit sehr variabeler Reichweite auszugehen ist.

    MfG Karl Müller

    Nicht nur in der Ukraine laufen die Reaktoren noch immer... So viel zum Thema lernen ;-) (in Tschernobyl selber noch bis 2000!)

    nur das bei KW, im Gegensatz zu Radionukliden, sowohl photolytischer wie auch reduktiver Abbau wirksam ist; oxidativ ist zwar auch möglich aber in natürlichen Systemen eher selten.

    Die Problematik der Reichweitenabschätzung scheitert an Grenzflächeneffekten, so das von veränderlichen Dispersionen mit sehr variabeler Reichweite auszugehen ist.

    MfG Karl Müller

  3. Nicht nur in der Ukraine laufen die Reaktoren noch immer... So viel zum Thema lernen ;-) (in Tschernobyl selber noch bis 2000!)

  4. nur das bei KW, im Gegensatz zu Radionukliden, sowohl photolytischer wie auch reduktiver Abbau wirksam ist; oxidativ ist zwar auch möglich aber in natürlichen Systemen eher selten.

    Die Problematik der Reichweitenabschätzung scheitert an Grenzflächeneffekten, so das von veränderlichen Dispersionen mit sehr variabeler Reichweite auszugehen ist.

    MfG Karl Müller

  5. …und so heizen wir also dann in ein, zwei Jahren endlich wieder mit Öl. (SCNR)

  6. Nur ungern enttäusche ich Ihre Hoffnung, aber die werden das nicht "in den Griff bekommen". Was glauben sie, weshalb die Zahlen über die Austrittsmenge ständig nach oben korrigiert werden? Ich will es Ihnen sagen: durch unüberlegte Operationen, die zur Schließung des EINEN Lecks hätten führen sollen (z.B. Operation "TopKill"), hat BP nun verursacht, dass über mindestens eine Fläche von elf km² der Meeresboden übersäht ist mit Löchern, aus denen Öl austritt. Das kommt daher, weil der Bohrschacht im Gestein des Meeresbodens irgendwo geborsten ist und sich das Öl seine Wege durch unzählige Spalte im Gestein nach draußen sucht. Das Bersten des Bohrschachts war die Folge von dem großen Gegendruck (bis zu 30.000 PS), mit dem BP die unterschiedlichsten Materialien (z.B. "Spezialschlamm" ---> spezial bescheuert vielleicht) in das Bohrloch gepresst hat. Dabei weiß jeder Achtklässer, was passiert, wenn man in einen unter Druck stehenden Behälter noch mehr Druck reinpresst. Genau: irgendwann und irgendwo bricht die Hülle. Jede Chance, das Bohrloch zu schließen, ist vertan. Das Öl fließt, bis keines mehr "drin" sin wird. Danke BP, dass ihr die Zukunft unserer Kinder versaut habt und dieser Planet in Bälde unbewohnbar sein wird. Danke danke danke... der einzige Trost: ihr werdet mit uns drauf gehen!

  7. Das Ganze läuft doch wieder nach bewährtem Muster: Verharmlosen, Verschleppen, die Folgen verschlimmern, Verluste sozialisieren.

    So lief das doch gerade erst bestens bei den großen Banken. Hunderte von Milliarden aus den öffentlichen Kassen wurden auf deren Konten transferiert. Nun sind die Staaten pleite und der bereits geschröpfte Bürger soll nun den Gürtel noch enger schnallen.
    Das BP-Management weiss, dass diese Verfahren erfolgreich und zielführend sind. Wozu also unnötig in Schadensbegrenzung investieren? Man hat doch die Politiker in der Tasche, die US-Küstenwache hört auf die Anweisungen der BP (nicht umgekehrt!).

    Die Leckagemengen wurden bereits Anfang Mai von Wissenschaftlern in einer Größenordnung von 20.000 bis 100.000 Barrel angesiedelt.
    google.com/search?q=werely spill

    Noch Wochen später berichteten fast alle großen deutschen Medien weiterhin von 5000 Barrel, die von BP angegeben wurden. Die ZEIT schrieb, niemand müsse sich Sorgen machen, dass das Öl den Atlantik oder gar den Golfstrom erreicht.

    Schon im April war im Internet eine Anzahl von Berichten zu lesen über massive Fahrlässigkeiten und vorsätzliche Sicherheitsversäumnisse der BP - inkl. Quellen und Namen von Zeugen - wie sie sich nun in der Untersuchung des US-Kongress bestätigten. Praktisch keine deutsche Redaktion interessierte sich dafür. Erst als diese Dinge offen auf dem Tisch des Kongresses lagen - also 8 Wochen später, fing man an, das für relevant zu halten. Soweit nur zum Vertuschen..

  8. Das Problem liegt doch insgesamt an der derzeitigen politischen Kultur: die politische Führung verhält sich den großen Konzernen (BP, Exxon, Goldman Sachs, der Deutschen Bank usw.) gegenüber wie folgsame Hündchen. Ihr Wunsch ist den Politikern Befehl.

    Und für die Durchsetzung der Großkonzerninteressen stehen die großen Medien bei Fuss / liefern ihre Assistenz, indem sie, wie in diesem Fall, verschweigen, was jeder Schüler, der Google bedienen kann, im Netz zur Sache erfährt. Die Samthandschuhe werden gegenüber den Mächtigsten der Mächtigen (und bis vor kurzem gehörte Tony Hayward dazu) erst ausgezogen, wenn bereits die Spatzen vom Dach pfeifen, was diese tatsächlich treiben.

    Ganz anders, wenn es um ein arme Kassiererin geht, die sich einen Pfandbon über 1,50 einsteckte: da fanden sich viele Pressekommentatoren, die es für passend hielten, dass man ihre Existenz vernichtete.
    Ein Großkonzern hingegen darf die Existenz und Ökonomie ganzer Landstriche ruinieren, um sein Betriebsergebnis zu verbessern, ohne dass man empfiehlt, die rote Karte zu zeigen. Großbanken dürfen ganze Staaten und deren Bevölkerungen in die Pleite treiben (und dabei ihren Schnitt machen).

    Was lesen wir dann in der Presse? "Die Staaten haben schlecht gewirtschaftet und deren Bürger über ihre Verhältnisse gelebt; das muss ein Ende haben!" (eine Studie der EZB fand z.B. heraus, dass das Problem der Griechen und Spanier aus der Bankenrettung resultierte, nicht aus "über die eigenen Verhältnisse gelebt")

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service