Sexueller Missbrauch Papst bittet um Vergebung für "Misshandlung der Kleinen"

Benedikt XVI. hat Missbrauchsopfer erstmals direkt um Vergebung gebeten und versprochen, alles zu tun, um "solche Missstände" künftig zu verhindern. Das Zölibat bleibe.

Papst Benedikt XVI. hat zum Ende des von Missbrauchsskandalen überschatteten Priesterjahres um Vergebung gebeten . "Auch wir bitten Gott und die betroffenen Menschen inständig um Vergebung und versprechen zugleich, dass wir alles tun wollen, um solchen Missbrauch nicht wieder vorkommen zu lassen", sagte er bei einer Messe auf dem Petersplatz. Dass ausgerechnet das Jahr des Priesters von den Skandalen überschattet wurde, wolle die Kirche als "Auftrag zur Reinigung, der uns in die Zukunft begleitet", verstehen.

Benedikt erklärte, die Priesterschaft habe die Aufgabe, "Gottes Sorge für unser Wohl mitzuteilen". Wenn Geistliche dann aber Minderjährige sexuell missbrauchten , werde diese Aufgabe "in ihr Gegenteil verkehrt".

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Um dies in Zukunft zu verhindern, werde sich die Kirche künftig verstärkt für eine angemessene Ausbildung der Geistlichen engagieren und sie "auf ihrer Reise begleiten". Man werde künftig strenger kontrollieren, wen sie für das Priesteramt zulasse. Vor rund 15.000 Priestern trat das Oberhaupt der katholischen Kirche den Geistlichen aber auch zur Seite. Das Priestertum sei "nicht einfach 'Amt', sondern Sakrament".

Telefonberatung

Telefonberatungen

Die TelefonSeelsorge ist eine gebührenfreie Hotline, die rund um die Uhr erreichbar ist – anonym. Die bereitstehenden Gesprächspartner geben vertraulichen Rat bei einer Vielzahl von Problemen – auch bei sexuellem Missbrauch. Die TelefonSeelsorge ist unter (0800) 111 0 111 oder (0800) 111 0 222 zu erreichen.

Ein ähnliches Angebot bieten die Kinder- und Jugendtelefone unter der Nummer (0800) 111 0 333, allerdings nur von Montag bis Freitag, 15.00 - 19.00 Uhr.

Auch die Katholische Kirche hat eine Telefonhotline eingerichtet. Die Berater sind von dienstags, mittwochs und donnerstags von 13.00 bis 20.30 Uhr zu erreichen. Auf der Website www.hilfe-missbrauch.de bietet die Kirche außerdem eine Online-Beratung an.

Anlaufstellen

Anlaufstellen für Kinder und Eltern

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kinderschutz-Zentren und der Wildwasser e.V.  bieten Hilfe für Betroffene sexuellen Missbrauchs und ihre Angehörigen. Die Vereine betreiben eine Vielzahl von Anlaufstellen in ganz Deutschland. Vor Ort helfen sie Betroffenen mit Beratung und psychologischer Unterstützung.

Beratung für Männer, die in ihrer Jugend misshandelt wurden

Der Verein Tauwetter e.V. bietet Beratung und Hilfe für Männer, die in ihrer Kindheit oder Jugend sexuell missbraucht wurden. Mit einer großen Bandbreite von Angeboten geht der Verein auf die spezielle Situation der Betroffenen ein. Für erste Fragen und Terminabsprache ist der Verein telefonisch erreichbar unter: (030) 693 80 07 dienstags 17.00 - 18.00 Uhr und donnerstags 17.00 - 19.00 Uhr).

Beratung für Frauen, die in ihrer Jugend misshandelt wurden

Die Organisation Terre des Femmes sowie der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe wenden sich an Frauen, die in ihrer Jugend oder Kindheit sexuell missbraucht wurden. 

Unter (07071) 79730 bietet Terre des Femmes zwischen 10.00-13.00 Uhr telefonische Beratung an. Auf der Website des Bundesverbands gibt es eine Übersicht von Frauenberatungsangeboten in vielen deutschen Städten.

Beratungsangebote der evangelischen Kirche

Das evangelische Hilfswerk Diakonie bietet Beratung und Hilfe im Falle sexuellen Missbrauchs an. Der angegliederte KOBRA e.V. mit Sitz in Stuttgart hilft Kindern und Jugendlichen bei sexueller Gewalt. Der Verein ist unter (0711) 162970 oder per E-Mail (beratungsstelle@kobra-ev.de) erreichbar. Darüber hinaus organisiert die Beratungsstelle Projekte zur Missbrauchsprävention.

Beratungsangebote der katholischen Kirche

Die katholische Kirche bietet Hilfe für Opfer von sexuellem Missbrauch im Rahmen ihrer Bundeskonferenz der Ehe-, Familien- und Lebensberatung. Dort findet sich das bundesweite Verzeichnis aller Beratungsstellen. Darüber hinaus bietet diese Liste einen Überblick über alle Ansprechpartner für Betroffene in den 27 deutschen Bistümern.

Prävention

Missbrauchsprävention

Die deutsche Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung e.V. ist ein Zusammenschluss von über 800 Personen und Institutionen. Der Verein versucht durch Aufklärung Missbrauch zu verhindern. Für den Verein sind Mitglieder aus Medizin, Pädagogik, Polizei, Psychologie, Sozialarbeit und Wissenschafttätig.

Täterhilfe

Hilfe für Täter und potenzielle Täter

Das "Kein-Täter-werden"-Projekt der Berliner Charité bietet Beratung und Hilfe für Menschen mit auf Kinder und Jugendliche gerichtete sexuelle Fantasien.

Telefonisch unter (030) 450 529 529, per E-Mail (praevention-online@charite.de) oder über das Kontaktformular auf der Website können sich Betroffene anonym melden und sich für das Projekt anmelden .

Schon mehrfach hatte sich das katholische Kirchenoberhaupt in den vergangenen Wochen von den Missbrauchspraktiken Geistlicher distanziert, unter anderem in einem Brief an die katholischen Geistlichen in Irland. Doch diese Vergebungsbitte war die erste, die sich so deutlich direkt an die Opfer des sexuellen Missbrauchs und der Misshandlungen durch katholische Geistliche richtete.

Die Zölibat-Regelung, nach der katholische Priester sexuelle Enthaltsamkeit üben sollen und nicht heiraten dürfen , wird vom Papst aber weiter hochgehalten. Das Zölibat sei ein zentraler Bestandteil des Priesterseins und eine Regelung, die aus "dem Glauben und der Treue" erwachse, sagte der Pontifex am Vorabend bei einer Gebetswache auf dem Petersplatz. Ungläubige würden das Zölibat vielleicht als "Skandal" sehen. Es sei aber "ein Akt des Vertrauens und der Treue zu Gott". Benedikt fügte hinzu: Das Eheverbot sei das "beste Gegenmittel gegen andere Skandale, die durch unsre menschlichen Unzulänglichkeiten verursacht werden."

Angesichts der schweren Missbrauchsskandale in kirchlichen Einrichtungen war das Zölibat in den vergangenen Monaten nicht zuletzt auch in Deutschland aufs Neue heftig diskutiert worden. Neben anderen hatte sich vor kurzem auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch , für eine Lockerung des Zölibats ausgesprochen. Auch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, plädierte für eine Aufhebung.

Das Zölibat

Die Ehelosigkeit von Priestern wurde von der katholischen Kirche im 12. Jahrhundert durch Konzilsbeschluss eingeführt.

Das auch in einigen vor- und außerchristlichen Religionen geforderte Zölibat (lateinisch caelebs = unverheiratet) hat innerhalb des Christentums seine Ursprünge im 4. Jahrhundert.

Das Neue Testament kannte noch keine Regelung dieser Art. In ihm wird nur die Ehelosigkeit "um des Himmelreichs willen" als Wert anerkannt.

Im frühen Christentum setzte sich dann aber die Vorstellung durch, dass Ehe und Dienst am Altar nicht vereinbar seien.

Eine endgültige Regelung traf schließlich das 1139 zusammengetretene Konzil. Hoffnungen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) auf eine Änderung oder Aufhebung des Zölibatgesetzes wurden von Papst Paul VI. 1967 mit der Enzyklika "Sacerdotalis caelibatus" zunichtegemacht.

Papst Johannes Paul II. bekräftigte das Zölibat mehrfach. Sein Nachfolger Benedikt XVI. hält das Zölibat für einen "heiligen" Wert der Kirche. Er nannte es erst kürzlich ein Zeichen der völligen Hingabe an Gott. Die Kirche müsse an dieser Besonderheit des Priesteramtes festhalten.
 

Der Papst sieht sich als ehemaliger Erzbischof von München und Freising auch persönlich mit dem Vorwurf konfrontiert , Geistliche nach Missbrauchsfällen weiter protegiert zu haben. Missbrauch durch Geistliche wurde unter anderem in Deutschland, Belgien, Österreich, den USA und Brasilien dokumentiert und wird zum Teil strafrechtlich verfolgt. Die Kirche hatte lange Zeit die Linie verfolgt, sie müsse die Missbrauchsfälle rein kirchenintern ahnden.

Eine Vereinigung von Missbrauchsopfern erklärte zu den jüngsten Äußerungen des Papstes, diese seien "enttäuschend und gefährlich". Das was der Papst gesagt habe, diene nicht dazu, "die Kinder jetzt zu schützen", sagte Joelle Casteix vom Netzwerk der Überlebenden Missbrauchten (SNAP). Diese Vereinigung setzt sich dafür ein, dass jeder Missbrauchsfall strafrechtlich verfolgt werden muss.

 
Leser-Kommentare
  1. Es wird Zeit, dass der Staat aufhört, die Mitgliedsbeiträge für diesen Verein einzutreiben. Religion ist Privatsache. (Nebenbei sollte die CDU das "C" in ihrem Parteinamen abgeben, das ist nämlich angsichts ihrer Politik scheinheilig.)

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    • ddkddk
    • 11.06.2010 um 13:19 Uhr

    durch die Finanzämter, die natürlich von den Kirchen bezahlt wird?

    Dem der in der Kirche bleibt, die Sie als Verein bezeichnen, ist auch mit der Zahlung der "Mitgliedsbeiträge" einverstanden. Wer diese letztendlich erhebt, kann ihm egal sein.

    Wer nicht in der Kirche ist, erleidet dadurch keinen Nachteil.

    • ddkddk
    • 11.06.2010 um 13:19 Uhr

    durch die Finanzämter, die natürlich von den Kirchen bezahlt wird?

    Dem der in der Kirche bleibt, die Sie als Verein bezeichnen, ist auch mit der Zahlung der "Mitgliedsbeiträge" einverstanden. Wer diese letztendlich erhebt, kann ihm egal sein.

    Wer nicht in der Kirche ist, erleidet dadurch keinen Nachteil.

  2. Für die klaren und eindeutigen Worte!

  3. Die größte "Sekte" ist ins Wanken geraten, aber sie manövrieren sich da ganz sicher wieder raus. Wie immer.

  4. "Auch wir bitten Gott und die betroffenen Menschen inständig um Vergebung ...."

    schön formuliert herr ratzinger. verdeutlicht nochmal das widerliche grundproblem beim gottesglauben: der mensch kommt erst an zweiter stelle!

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    Der Mensch ist nicht das Maß aller Dinge. Stehen wir wirklich über allen Lebewesen? Hat sich ALLES nach dem homo sapiens zu richten? Oh Staubkorn Mensch im Kosmos. Vanitas, vanitatem, vanitas.

    Der Mensch ist nicht das Maß aller Dinge. Stehen wir wirklich über allen Lebewesen? Hat sich ALLES nach dem homo sapiens zu richten? Oh Staubkorn Mensch im Kosmos. Vanitas, vanitatem, vanitas.

  5. Es sollte mittlerweile mehr als deutlich geworden sein, dass Papst Benedikt offensichtlich nicht das geringste Interesse daran hat, die verkrusteten Strukturen seiner Institution zu überdenken, die Sexualität als solche erst verdammt und dann quasi durch die Hintertür von ihren Mitgliedern ausleben lässt. Wovon wiederum die schwächsten Mitglieder des Systems, Vereins, Undings, wie auch immer man die katholische Kirche nennen mag, betroffen sind.

    Und es wird ihr nicht mehr lange gelingen, homosexuelle Priester als Ursache und Sündenbock darzustellen, weil unsere Gesellschaft glücklicherweise langsam, aber sicher lernt, dass Homosexualität und Pädophilie nichts miteinander zu tun haben.

    Ein Hinweis an die Redaktion: Es mag kleinlich erscheinen, aber auch wenn der Begriff "Zölibat" sowohl einen neutralen als auch einen maskulinen Artikel haben kann, sollte man konsequenterweise nur einen davon im selben Artikel gebrauchen.

  6. Paulus schrieb als Warnung - auch und besonders für den Papst - im 2. Thessalonicher Brief 2, Verse 11 und 12:
    "Darum sendet ihnen Gott die Macht der Verführung,
    sodass sie der Lüge glauben,
    damit gerichtet werden alle,
    die der Wahrheit nicht glaubten,
    sondern Lust hatten an der Ungerechtigkeit."

    Über viele Jahre hinweg wurden Kinderschänder der katholischen Kirche vom Papst beschützt. Es wurde deren Taten vertuscht und diese Satanisten im Priestergewand versetzt, statt sie zu bestrafen und auszuschließen, so wie dies Paulus im 1.Kor.brief 5,13 fordert:
    "Verstoßt ihr den Bösen aus eurer Mitte!"

    Diese beiden Amtskirchen haben nichts mehr mit dem christlichen Glauben gemeinsam. Ihnen geht es alleine nur noch um die Erhaltung der hohen Gehälter, der Pfründe, der Institution. Der christliche Glaube selbst wurde von ihnen verraten und verkauft.
    Jesus sagt in Matth. 21,13:
    "»Mein Haus soll ein Bethaus heißen«;
    ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus."

    Paulus schreibt in 2.Kor.11,13-15:
    "Denn solche sind falsche Apostel,
    betrügerische Arbeiter und verstellen sich als Apostel Christi.
    Und das ist auch kein Wunder;
    denn er selbst, der Satan,
    verstellt sich als Engel des Lichts.
    Darum ist es nichts Großes,
    wenn sich auch seine Diener verstellen als Diener der Gerechtigkeit;
    deren Ende wird sein nach ihren Werken."

    Jesus selbst warnt in Matthäus 23 in vielen Versen vor den Schriftgelehrten in den langen Gewändern und bezeichnet diese als "Heuchler".
    (Bibelverse Lutherübersetzung)

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    Ein Vorschlag: Schreiben Sie einen Kathechismus und gründen Sie eine Kirche, die was "mit dem christlichen Glauben gemeinsam hat".

    Ein Vorschlag: Schreiben Sie einen Kathechismus und gründen Sie eine Kirche, die was "mit dem christlichen Glauben gemeinsam hat".

    • honett
    • 11.06.2010 um 13:18 Uhr

    .. da ist auch Ratzinger keine Ausnahme, alles andere ist zweitrangig!

    Bitte beachten Sie, dass Kommentare neben einer Thesen oder Behauptung auch Argumente enthalten sollen, um eine Diskussion anzuregen. Danke, die Redaktion/fk.

    • ddkddk
    • 11.06.2010 um 13:19 Uhr

    durch die Finanzämter, die natürlich von den Kirchen bezahlt wird?

    Dem der in der Kirche bleibt, die Sie als Verein bezeichnen, ist auch mit der Zahlung der "Mitgliedsbeiträge" einverstanden. Wer diese letztendlich erhebt, kann ihm egal sein.

    Wer nicht in der Kirche ist, erleidet dadurch keinen Nachteil.

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