Papst Benedikt XVI. hat zum Ende des von Missbrauchsskandalen überschatteten Priesterjahres um Vergebung gebeten . "Auch wir bitten Gott und die betroffenen Menschen inständig um Vergebung und versprechen zugleich, dass wir alles tun wollen, um solchen Missbrauch nicht wieder vorkommen zu lassen", sagte er bei einer Messe auf dem Petersplatz. Dass ausgerechnet das Jahr des Priesters von den Skandalen überschattet wurde, wolle die Kirche als "Auftrag zur Reinigung, der uns in die Zukunft begleitet", verstehen.

Benedikt erklärte, die Priesterschaft habe die Aufgabe, "Gottes Sorge für unser Wohl mitzuteilen". Wenn Geistliche dann aber Minderjährige sexuell missbrauchten , werde diese Aufgabe "in ihr Gegenteil verkehrt".

Um dies in Zukunft zu verhindern, werde sich die Kirche künftig verstärkt für eine angemessene Ausbildung der Geistlichen engagieren und sie "auf ihrer Reise begleiten". Man werde künftig strenger kontrollieren, wen sie für das Priesteramt zulasse. Vor rund 15.000 Priestern trat das Oberhaupt der katholischen Kirche den Geistlichen aber auch zur Seite. Das Priestertum sei "nicht einfach 'Amt', sondern Sakrament".

Schon mehrfach hatte sich das katholische Kirchenoberhaupt in den vergangenen Wochen von den Missbrauchspraktiken Geistlicher distanziert, unter anderem in einem Brief an die katholischen Geistlichen in Irland. Doch diese Vergebungsbitte war die erste, die sich so deutlich direkt an die Opfer des sexuellen Missbrauchs und der Misshandlungen durch katholische Geistliche richtete.

Die Zölibat-Regelung, nach der katholische Priester sexuelle Enthaltsamkeit üben sollen und nicht heiraten dürfen , wird vom Papst aber weiter hochgehalten. Das Zölibat sei ein zentraler Bestandteil des Priesterseins und eine Regelung, die aus "dem Glauben und der Treue" erwachse, sagte der Pontifex am Vorabend bei einer Gebetswache auf dem Petersplatz. Ungläubige würden das Zölibat vielleicht als "Skandal" sehen. Es sei aber "ein Akt des Vertrauens und der Treue zu Gott". Benedikt fügte hinzu: Das Eheverbot sei das "beste Gegenmittel gegen andere Skandale, die durch unsre menschlichen Unzulänglichkeiten verursacht werden."

Angesichts der schweren Missbrauchsskandale in kirchlichen Einrichtungen war das Zölibat in den vergangenen Monaten nicht zuletzt auch in Deutschland aufs Neue heftig diskutiert worden. Neben anderen hatte sich vor kurzem auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch , für eine Lockerung des Zölibats ausgesprochen. Auch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, plädierte für eine Aufhebung.

Der Papst sieht sich als ehemaliger Erzbischof von München und Freising auch persönlich mit dem Vorwurf konfrontiert , Geistliche nach Missbrauchsfällen weiter protegiert zu haben. Missbrauch durch Geistliche wurde unter anderem in Deutschland, Belgien, Österreich, den USA und Brasilien dokumentiert und wird zum Teil strafrechtlich verfolgt. Die Kirche hatte lange Zeit die Linie verfolgt, sie müsse die Missbrauchsfälle rein kirchenintern ahnden.

Eine Vereinigung von Missbrauchsopfern erklärte zu den jüngsten Äußerungen des Papstes, diese seien "enttäuschend und gefährlich". Das was der Papst gesagt habe, diene nicht dazu, "die Kinder jetzt zu schützen", sagte Joelle Casteix vom Netzwerk der Überlebenden Missbrauchten (SNAP). Diese Vereinigung setzt sich dafür ein, dass jeder Missbrauchsfall strafrechtlich verfolgt werden muss.