Absturz bei Katyn "Boden in Sicht – hochziehen, hochziehen"
Polnische Behörden haben eine Abschrift der Flugschreiber der abgestürzten Präsidentenmaschine veröffentlicht. Offenbar ignorierte der Pilot Warnungen des Bordcomputers.
© Natalia Kolesnikova/AFP/Getty Images

Der Flugschreiber der abgestürzten polnischen Präsidentenmaschine
Die polnischen Behörden haben die Abschrift der Flugschreiber der abgestürzten polnischen Präsidentenmaschine veröffentlicht. Die automatische Warnung " Pull up, Pull up " ("Hochziehen, Hochziehen") ist eine Minute vor dem Absturz mehrmals im Cockpit zu hören, wie es laut dem im Internet veröffentlichten Bericht heißt. Die Piloten der Tupolew-154 reagierten demnach nicht auf den automatischen Befehl.
Die Aufzeichnungen der sogenannten Blackboxes umfassen die letzten 40 Minuten des Fluges am 10. April und wurden in polnischer und russischer Sprache auf der Website des polnischen Innenministeriums veröffentlicht. Polens Präsident Lech Kaczyński war mit seiner Frau und 94 weiteren Insassen gestorben, als das Flugzeug in der Nähe der russischen Stadt Smolensk bei der Landung abstürzte. Der Präsident war auf dem Weg nach Katyn, um der Opfer des Massakers an rund 22.000 Polen während des Zweiten Weltkriegs zu gedenken.
Russische Fluglotsen werden 16 Minuten vor dem Absturz zitiert, die Wetterbedingungen auf dem Flughafen Smolensk in Westrussland erlaubten keine Landung. "Danke, wenn es möglich ist, versuchen wir es", wird der Chefpilot Arkadiusz Protasiuk zitiert. "Aber wenn das Wetter nicht gut sein wird, werden wir eine zweite Runde drehen", sagt er demnach.
Eine Minute später sagt der Pilot den Aufzeichnungen zufolge, eine Landung sei nicht möglich. "In diesem Moment, unter den aktuellen Bedingungen, gelingt es uns nicht zu landen." Zehn Minuten später ist der Protokollchef des Außenministeriums zu hören, der im Cockpit zu den Piloten sagt: "Der Präsident hat noch nicht entschieden, was wir machen werden."
Laut der Abschrift befindet sich Luftwaffenchef Andrzej Blasik zwei Minuten vor dem Absturz im Cockpit, aber es gibt keine Hinweise darauf, dass er die Piloten zur Landung drängt. Eine Minute vor dem Absturz beginnen die automatischen Warnungen " Terrain ahead " ("Boden in Sicht") und " Pull up, Pull up " ("Hochziehen, Hochziehen"). Aber die Piloten brechen die Landung nicht ab. Fünfzig Meter über dem Boden werden die Fluglotsen mit den Worten " Horizon 101 " zitiert. Das bedeutet, dass die Landeanweisungen abgeschlossen sind. Die letzten Sekunden auf den Blackboxes geben laut Abschrift den Lärm wieder, als das Flugzeug einen Baum streift. Außerdem sind fluchende Piloten zu hören.
Jaroslaw Kaczyński, der Zwillingsbruder des bei dem Flugzeugabsturz getöteten polnischen Präsidenten Lech Kaczyński, forderte von Russland unterdessen die Herausgabe der Flugschreiber. "Ich erwarte das ursprüngliche Material, inklusive der Blackboxes", sagte er vor Journalisten in Warschau. Die russischen Behörden hatten Warschau am Montag komplette Aufzeichnungen der Blackboxes übergeben. Nach dem Unglück waren Spekulationen laut geworden, dass die Piloten unter Druck gesetzt worden sein könnten, das Flugzeug trotz schlechten Wetters zu landen.
- Datum 01.06.2010 - 20:21 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, AFP
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angeordnet hatte, beziehungsweise, was ihn die Piloten vielleicht gefragt hatten. Also ist die Aufzeichnung nicht vollständig. 10 Minuten nachdem die Piloten der Ansicht waren, es geht nicht kam "Der Präsident hat noch nicht entschieden, was wir machen werden" Das besagt, dass der Präsident die Piloten gezwungen hat, entgegen ihrer Ansicht weitere Landeversuche zu wagen. Angeblich gab es ja vier Landeversuche bis zum Crash. Ob der Sprit dann noch für den Ausweichflughafen reichte, wäre auch zu klären.
Wenn der Chef zwei Minuten vor dem Absturz angeblich nicht drängt, fragt man sich natürlich, was er gesagt hat. Geht eh, oder so?
Smolensk musste "handgestrickt" angeflogen werden, da es keinen präzisen ILS-Gleitpfad u.ä. Landehilfen vorhält. Der Anflug dürfte vermutlich analog dem meistverwendeten sog. VOR/DME - Verfahren (beim Militär TACAN) durchgeführt worden sein. Hier bekommt man seinen Kurs und die Distanz zur Landeschwellenumgebung und muss selbst "handgestrickt" , mit dem Daumen auf dem Papier, die zugehörige Höhe aus der Anflugkarte entnehmen und fliegen. Das klappt in aller Regel gut bis ca. 60 Meter über Grund. Fehlt dann die Bodensicht, muss durchgestartet werden.
Das Verfahren ist so lange sicher, wie man sich an die Regeln hält und gängige tägliche Routine auf schlecht ausgerüsteten Flugplätzen in aller Welt.
Manche Flugzeuge sind dabei schon in den Boden geflogen - vor einigen Jahren eine Turboprop in der Schweiz -, weil die Piloten statt des barometrischen Höhenmessers, der ein wenig nachhängt, den Radarhöhenmesser zur Höhenbestimmung nahmen. Das ist "verboten", auch wegen Radarkeulenspiegelungen mit falscher Anzeige, aber im Gebrauch praktisch.
In Smolensk soll im Anflug eine Mulde überfogen worden sein. Hier dürfte der Radarhöhenmesser die Höhe über Muldengrund angegeben haben. Das war eine zu grosse Höhe, was den zu fliegenden Gleitpfad betrifft. Der Pilot drückt - wenn er diesem Höhenmesser folgt - fälschlich nach und rast damit in den ansteigenden Teil der Mulde.
Diese Unfallursache ist bestens bekannt. Ob sie hier vorliegt, steht natürlich dahin.
Die Warnung "terrain ahead" besagt, dass a) die Maschine sich gefährlich dem Boden bzw. Hindernissen nähert, die der Radarhöhenmesser noch nicht erfasst (sonst gäbe es eine andere Warnung) und b) die modernste Variante des Bodenannäherungs-Warnsystems installiert war, die eben dies kann und nicht nur aktuell nach unten misst, sondern dank GPS und weltweiter Datenbasis auch weiß, was gleich kommt.
Wer es googeln mag - das Ding heißt abgekürzt EGPWS.
"Boden in Sicht" können (bisher) nur Menschen melden, und das war wohl nicht der Fall.
"pull up" zu guter Letzt ist nun absolut unmissverständlich. Die Regel: wenn dies ertönt, ist Holland in Not. Nur bei Tageslicht UND bester Sicht UND wenn der Grund für eine Fehlwarnung klar erkennbar ist, darf man weitermachen. Ansonsten sofort hochziehen, da gibt es keinen Interpretationsspielraum.
Warum die Piloten dies nicht taten, bleibt unklar. Zuviel Ehrgeiz, Druck von oben - der historische Tag! - oder Stresspegel im roten Bereich und die Warnungen schlicht nicht mehr wahrgenommen, auch das gab es schon oft:
Tower: "Fahrwerk! Fahrwerk raus!" - Flugschüler (hektisch mit sehr lauter Fahrwerkswarnung im Hintergrund): "Bitte wiederholen!". Echtes Leben, zum Glück nur Sachschaden.
Das heutige Fleißbienchen bleibt mir leider verwehrt - keine Ahnung, was "horizon 101" bedeuten soll. Ist ein Tupolev-Experte anwesend?
...dazu muss mein kein Tupolev-Experte sein....
"Horizon" heisst mitnichten "dass die Landevorbereitungen abgeschlossen sein" (wo immer die/der kompetente Autor/in das her hat). Es ist schlicht das russische Äquivalent zum "Level off" Befehl, mit anderen Worten 'go horizontal, stop descending". '101' ist einfach das Rufzeichen der polnischen Maschine, 'Polish Air Force 101' um genau zu sein. Aber dafür blieb wohl keine Zeit.
Kurz, die Fluglotsen habe sehr wohl mitbekommen, daß da etwas gewaltig schiefläuft, und haben die Tupolev Crew mehrmals aufgefordert den Sinkflug zu stoppen.
Allerdings hielt weder diese Aufforderung, noch die 'Terrain ahed' Warning, noch das 'Pull up' Kommando, noch das 'Unsafe Altitude' Signal die Piloten davon ab, den Sinkflug fortzusetzen....
Original Auschnitt des CVR Transcripts:
http://www.krakowpost.com...
Grüße,
ihg
...dazu muss mein kein Tupolev-Experte sein....
"Horizon" heisst mitnichten "dass die Landevorbereitungen abgeschlossen sein" (wo immer die/der kompetente Autor/in das her hat). Es ist schlicht das russische Äquivalent zum "Level off" Befehl, mit anderen Worten 'go horizontal, stop descending". '101' ist einfach das Rufzeichen der polnischen Maschine, 'Polish Air Force 101' um genau zu sein. Aber dafür blieb wohl keine Zeit.
Kurz, die Fluglotsen habe sehr wohl mitbekommen, daß da etwas gewaltig schiefläuft, und haben die Tupolev Crew mehrmals aufgefordert den Sinkflug zu stoppen.
Allerdings hielt weder diese Aufforderung, noch die 'Terrain ahed' Warning, noch das 'Pull up' Kommando, noch das 'Unsafe Altitude' Signal die Piloten davon ab, den Sinkflug fortzusetzen....
Original Auschnitt des CVR Transcripts:
http://www.krakowpost.com...
Grüße,
ihg
...dazu muss mein kein Tupolev-Experte sein....
"Horizon" heisst mitnichten "dass die Landevorbereitungen abgeschlossen sein" (wo immer die/der kompetente Autor/in das her hat). Es ist schlicht das russische Äquivalent zum "Level off" Befehl, mit anderen Worten 'go horizontal, stop descending". '101' ist einfach das Rufzeichen der polnischen Maschine, 'Polish Air Force 101' um genau zu sein. Aber dafür blieb wohl keine Zeit.
Kurz, die Fluglotsen habe sehr wohl mitbekommen, daß da etwas gewaltig schiefläuft, und haben die Tupolev Crew mehrmals aufgefordert den Sinkflug zu stoppen.
Allerdings hielt weder diese Aufforderung, noch die 'Terrain ahed' Warning, noch das 'Pull up' Kommando, noch das 'Unsafe Altitude' Signal die Piloten davon ab, den Sinkflug fortzusetzen....
Original Auschnitt des CVR Transcripts:
http://www.krakowpost.com...
Grüße,
ihg
BfU?
Es gibt eine interessante Stellungnahme russischer Dissidenten zum Geschehen nach den Unfall. Man kann nur mit Erstaunen eststellenn, dass die freie Presse Europas die dort vorgetragenen Punkte nicht hinterfragt - insbesondere die Desinformation, die rund um diesen Unfall betrieben wurde...
Es ist ebenfalls interessant festzustellen, dass die polnische Regierung auf die Anwendung eines bilateralen Abkommens von 1993 verzichtet hat, nach dem sie das Recht hätte, bei Unfällen militärischer Flugzeuge (und dies war eines) eine gleichberechtigte binationale Untersuchungskommission aufzustellen und stattdessen das Abkommen von Chicago hat anwenden lassen...
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