Rauchen verboten © Peter Muhly/AFP/Getty Images

Mit Werbeverboten für die Tabakindustrie, Aufklärungskampagnen und schließlich mit dem Rauchverbot in Büros und Kneipen hat die Politik die Raucher zu einer Randgruppe gemacht. Raucher stehen nicht nur im Regen vor der Tür, sie sind auch in der allgemeinen Wahrnehmung zu lästigen Störenfrieden geworden.

Weg ist das Image des coolen Marlboro-Man. Kein Idol wie Lauren Bacall mehr weit und breit, das verführerisch nach Feuer fragt. In den 1950er-Jahren gehörte es zum guten Ton, dass der Gastgeber nach dem Essen Zigaretten reichte. Zumindest männliche Raucher waren geachtete Menschen, Privilegierte. Das Umdenken begann in den sechziger Jahren, als zwei große Studien die gesundheitlichen Risiken des Rauchens offenlegten. Es brauchte aber bis in die 1980er Jahre, bis sich das Verhalten der Menschen änderte. Heute lässt man seine rauchenden Gäste auf dem Balkon frieren. Wer sich trotzdem eine Zigarette in Gegenwart eines Nichtrauchers anzündet, gilt nicht mehr nur als unhöflich. Raucher werden zunehmend als unmoralisch und abstoßend empfunden.

Diese Ausgrenzung trifft jedoch nicht alle sozialen Schichten gleich. Wie die kanadische Soziologin Katherine Frohlich von der Universität Montréal herausfand, wird durch die Kampagnen und Gesetze die soziale Ungleichheit regelrecht gefördert. Die vielen frischen Nichtraucher finden sich unter den mehr oder weniger Privilegierten, während Angehörige der Unterschicht weiter rauchen.

Frohlich befragte zunächst kanadische Erwachsene aller Schichten zum sozialen Kontext, in dem geraucht wird . In einer zweiten, noch unveröffentlichten Studie, interviewte sie die Verantwortlichen der Nichtraucher-Kampagnen, die sich an Jugendliche richten, sowie rauchende Jugendliche selbst. Auch eine europäische Studie aus Schottland kam zu ähnlichen Ergebnissen wie sie. In Deutschland kann man zumindest eine Tendenz in dieselbe Richtung vermuten, schaut man sich die Verteilung der Raucher in unterschiedlichen Berufsgruppen an: Unter Ärzten, Apothekern und Lehrern rauchen noch 18 Prozent. Bauarbeiter, Fernfahrer und Busfahrer greifen zu 52 Prozent regelmäßig zur Zigarette.

Die Absicht der Politik war das natürlich nicht. Im Gegenteil, der Ansatz, mit groß angelegten Kampagnen und Gesetzen auf die breite Masse einzuwirken, sollte ja der Gesundheit aller zugute kommen. Die Maßnahmen zeigen im statistischen Durchschnitt auch die erwünschten Erfolge. Der Anteil der Raucher unter Jugendlichen, also in der Gruppe der 15- bis 24-Jährigen, ist laut Mikrozensus deutlich gesungen. Die Zahl der Lungenkrebserkrankungen unter Männern geht ebenfalls langsam zurück. Und eine Studie aus Toronto zeigte, dass seit der dortigen Einführung des Rauchverbots 1999 deutlich weniger Menschen mit Herzinfarkt, Schlaganfall oder Atemwegserkrankungen in die Notaufnahme der Krankenhäuser gebracht worden sind. 

Katherine Frohlich erklärt, auch erfolgreiche, groß angelegte Gesundheitsmaßnahmen, wie die Anschnallpflicht im Auto oder Impfempfehlungen, hätten zunächst einmal die Privilegierten angesprochen: "Die Gebildeten bekommt man immer zuerst". Im Fall des Rauchens waren Angehörige von Mittel- und Oberschicht längst bereit, das Rauchen zu verteufeln. Die Lobby zum Schutz der Nichtraucher kam aus ihren Reihen. Wenn Freunde, Kollegen und Verwandte mitziehen, wird es noch mal leichter ebenfalls aufzuhören oder gar nicht erst anzufangen.

Selbst die gebildeten Menschen, die weiter rauchen, begrüßten in Frohlichs Befragung oft die Rauchverbote, aßen sie doch selbst inzwischen auch lieber qualmfrei im Restaurant. Sie äußerten sich teilweise beschämt darüber, dass sie selbst es noch nicht geschafft hätten, aufzuhören. Oder sie betonten ihren individuellen Weg, ihre Freiheit, sich fürs Rauchen und gegen den Mainstream zu entscheiden. Dabei sahen sie ihre eigene Verantwortung, während ärmere Menschen Gesundheit oft als Frage des Glücks ansehen.