Klaus Hurrelmann hat zunächst einmal etwas Positives zu vermelden: "Den Kindern in Deutschland geht es gut", sagt der renommierte Kinder- und Jugendwissenschaftler. 2500 repräsentativ ausgewählte Kinder zwischen sechs und elf Jahren hat sein Forschungsteam im Auftrag der Kinderhilfsorganisation World Vision   im vergangenen Herbst zu ihrer Lebensweise und ihren Problemen befragt.

75 Prozent der Kinder fühlen sich demnach wohl mit sich und ihrem Umfeld und bewerten ihr Verhältnis zu den Eltern und der Schule positiv. Es ist die zweite umfangreiche Bestandsaufnahme dieser Art nach der World Vision Kinderstudie 2007. Wie die letzte Studie zeichnet auch die aktuelle Erhebung ein umfassendes Bild zum Befinden der nachwachsenden Generation. Erstmals wurden auch die Ansichten von sechs und sieben Jahre alten Kindern erfasst.

Allerdings, so Hurrelmann, sei da ein immer größer werdender Anteil an Kindern, denen es nicht so gut gehe. Jedes fünfte Kind, in einigen Gegenden sogar jedes vierte Kind, habe Erfahrungen mit dem Mangel an Geld zu Hause. Was die neue Studie auch unverändert zeigt: Wenn ein Kind in Deutschland in einer armen Familie aufwächst, ist es oftmals auch in der Schule und in der Freizeit benachteiligt. Die Benachteiligung zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben der Kleinen. Und die "Kluft" zwischen Kindern aus wohlhabenden und armen Haushalten werde immer größer, beklagt der Bildungswissenschaftler. Das zeige auch ein Vergleich mit den Daten von vor zwei Jahren. 

Arme Kinder erwarten demnach weniger häufig von sich selbst, dass sie Abitur machen werden. Sie sind weniger oft in Vereinen engagiert, nehmen – vermutlich aus finanziellen Gründen – weniger oft Musikunterricht. Aufgrund der mangelnden Freizeitmöglichkeiten hängen sie öfter und länger vor dem Fernseher oder dem Computer. "Große Sorgen" machen sich die Forscher daher auch um Kinder von Alleinerziehenden: "Sie werden in unserer Gesellschaft nach wie vor massiv benachteiligt." Auch hätten Kinder aus sozial benachteiligten Familien überdurchschnittlich oft einen Migrationshintergrund.