Muslime in Deutschland "Die Islamkonferenz kann Alltagsprobleme nicht lösen"Seite 3/3

Kaddor: Auch das ist eine soziale Frage. Jeder Mensch fragt sich, wenn er jung ist: Wer bin ich? Die meisten beantworten das mit "Deutscher" oder beispielsweise "Türke". Aber viele in der dritten und vierten Generation sagen nichts davon, weil sie sich in beiden Gesellschaften nicht akzeptiert fühlen. Da ist es für viele naheliegend, zu sagen: Den Islam kann uns keiner absprechen, dann ist das eben unsere Identität.

ZEIT ONLINE: Sie haben gesagt, dass die liberalen Muslime in Deutschland in der Mehrheit seien. Warum spielen die liberalen Muslime kaum eine Rolle in der öffentlichen Diskussion? Warum melden die sich nicht viel öfter zu Wort?

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Kaddor: Weil Religion für diese Menschen vor allem Privatsache ist und eben nur einen Teil ihrer Persönlichkeit ausmacht. Zudem ist es mühsam und ermüdend, sich ständig verteidigen zu müssen. Ständig Fragen zu beantworten von der Qualität: Warum sprengt Ihr Euch in die Luft? Wenn irgendwo auf der Welt wieder ein Muslim was Böses tut, wird man persönlich dafür haftbar gemacht. Es ist unglaublich anstrengend, dagegen anzugehen.

ZEIT ONLINE: Was genau wollen Sie mit dem liberal-islamischen Bund da erreichen?

Kaddor: Wir wollen einerseits einen inner-islamischen Dialog über unsere Religion anregen. Andererseits wollen wir ein Zeichen nach außen geben: Hallo, die Muslime sind nicht alle konservativ, sie sind auch nicht alle zurückgeblieben oder fundamentalistisch. Denn die Fundamentalisten haben in den öffentlichen Debatten um den Islam leider einen entscheidenden Vorsprung: Sie drängen quasi von Natur aus in die Öffentlichkeit, da sie sich ausschließlich über den Islam definieren; ganz anders eben als Liberale. Gerade uns als LIB liegt natürlich viel daran, dass sich "normale" Muslime engagieren.

ZEIT ONLINE: Andere Muslim-Vereine und Verbände kritisieren sie. Nach dem Motto: Was wollt ihr, wozu brauchen wir noch eine Moslem-Vertretung?

Kaddor: Ich glaube das ist zum Teil auch ein Generationskonflikt. Die sehen da Leute, die viel jünger sind als sie selbst und ihnen erklären wollen, dass es noch ein anderes Verständnis vom Islam gibt als das ihre. Das ist natürlich schwer zu akzeptieren. Aber ich sage ihnen eines, Pluralismus tut dem Islam gut.

Die Fragen stellte Lenz Jacobsen

 
Leser-Kommentare
    • M.M.
    • 20.07.2010 um 16:31 Uhr

    .....das, was Frau Kaddor vorträgt, klingt einleuchtend und ermutigend. Ob sie sich bei ihren Glaubensbrüdern/-schwestern langfristig mit einem modernen Islam durchsetzen kann oder wenigstens eine ordentliche Resonanz und Engagement findet, bleibt abzuwarten.
    Bei allem Respekt und Symphatie, ich fürchte, das ist eine Aufgabe von Generationen.
    Und: einen liberalen Islam werden die Ultras und Fanatiker ebensosehr bekämpfen wie es die Ultras des jüdischen Glaubens in Israel tun.
    Man beachte dazu auch die Fundamentalchristen.
    Die religiöse Reaktion marschiert weltweit.

  1. Man kann Frau Kaddor und ihren muslimischen Mitstreiter/innen nur gratulieren. Der hier aufgezeigte Weg öffnet den Konsens in unserer Gesellschaft, zumindest von muslimischer Seite aus.

    Schätze, dass die Potentaten in Saudi-Arabien, Iran, Syrien oder Libyen von einem solchen friedvollen, demokratischen Islam-Verständnis "not amused" sind - und Frau Kaddor in deren Folgen auch bei deutschen Politikern wenig Unterstützung finden wird.

  2. Interessen von Frauen und Kindern wahrzunehmen, halte ich ebenfalls für erforderlich.
    Gott ist es nicht, der sich widerspricht. Schade nur, daß Gott zu oft rein masculin wahrgenommen wird, weil es die Sprache so diktiert. Menschen ebenso: Frauen werden vergessen, Männer werden zu Geistern, die mit dieser bösen Welt rein gar nichts mehr zu tun haben.
    Das Problem des Nicht-Wahrnehmen-Wollens gibt es also nicht nur im Islam.
    Gott hatte gesagt:
    Erde beherrschen UND BEWAHREN
    Ehre Vater UND MUTTER
    Aber das hören Männer nicht, sie denken anders als Frauen.
    Wenn ich den Koran recht verstehe, stellt Gott auch Bedingungen, unter denen ein Mann mehrere Frauen heiraten darf. Aber sie werden wohl einfach ignoriert.

    Eine neuere Version der Bibel (Heilige Schrift) ist bereits zum Wurstblatt verkommen wegen der vergessenen Grundlagen wie etwa: JM anfang war das Wort / Vnd das wort war bey Gott / vnd Gott war das Wort.
    Gott! Dann sollte man das Wort achten.
    Anderes Beispiel neben vielen weiteren:
    Wer Treue wünscht, sollte selbst treu sein.
    Im Vergleich:

    1 Timotheus 2, 12 Luther 1545 (Letzte Hand)
    Einem Weibe aber gestatte ich nicht das sie lere / auch nicht / das sie des Mannes Herr sey sondern stille sey.
    (Eine Frau - ein Mann)

    1Tim 2, 12 Volxbibel 2.0 Textstand 1970-01-01 00:00:00
    Ich will nicht, dass Frauen öffentlich lehren, und sie sollen auch nicht über ihren Mann bestimmen. Ich möchte, dass sie sich zurücknehmen.
    (Viele Frauen - ein Mann)

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    "Gott hatte gesagt: Erde beherrschen UND BEWAHREN..."

    Es ist fraglich, ob Gott das gesagt hat. Eher der Mensch, der diese Zeilen geschrieben hat. Und damit sind wir wieder beim Hauptproblem der Religion: es sind MENSCHEN, die sich diesen Kram aus den Fingern gesogen haben. Und zwar, bis das Gegenteil bewiesen ist.

    "Gott hatte gesagt: Erde beherrschen UND BEWAHREN..."

    Es ist fraglich, ob Gott das gesagt hat. Eher der Mensch, der diese Zeilen geschrieben hat. Und damit sind wir wieder beim Hauptproblem der Religion: es sind MENSCHEN, die sich diesen Kram aus den Fingern gesogen haben. Und zwar, bis das Gegenteil bewiesen ist.

  3. Verzichten Sie auf Pauschalisierungen und bemühen Sie sich um argumentierte Kommentare. Die Redaktion / mh

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    Wie erklären Sie sich dann die historische Vielfalt und Ausdifferenzierung des Islams, und wie die vielen unterschiedlichen Strömungen, die es heute gibt?

    Wie erklären Sie sich dann die historische Vielfalt und Ausdifferenzierung des Islams, und wie die vielen unterschiedlichen Strömungen, die es heute gibt?

  4. Verzichten Sie auf Aussagen und Kommentare, die pauschal eine Religionsgruppe diffamieren. Die Redaktion / mh

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    Schön wärs, wenn der Koran "klar" wäre: man kann sich ja schon darüber streiten, was "Hurerei" bedeutet. Offensichtlich haben viele Fundamentalisten eine ganz andere Vorstellung davon, was moralisch akzeptabel is als liberale Europäer.

    Ein anderes Beispiel ist die angebliche "Wissenschaftlichkeit" des Korans. Die meisten "wissenschaftlichen" Aussagen im Koran sind wischi-waschi und aus heutiger Sicht wissenschftlich wertlos: "Der Mensch entsteht aus einem wurmähnlichen Gebilde" - das trifft bei der Interpretierbarkeit des Wortes Wurm so ziemlich auf alles zu von Bakterien bis Elefanten.

    Schön wärs, wenn der Koran "klar" wäre: man kann sich ja schon darüber streiten, was "Hurerei" bedeutet. Offensichtlich haben viele Fundamentalisten eine ganz andere Vorstellung davon, was moralisch akzeptabel is als liberale Europäer.

    Ein anderes Beispiel ist die angebliche "Wissenschaftlichkeit" des Korans. Die meisten "wissenschaftlichen" Aussagen im Koran sind wischi-waschi und aus heutiger Sicht wissenschftlich wertlos: "Der Mensch entsteht aus einem wurmähnlichen Gebilde" - das trifft bei der Interpretierbarkeit des Wortes Wurm so ziemlich auf alles zu von Bakterien bis Elefanten.

  5. Nach einer Progrnose des Trend Reserach Institutes aus den USA wird sich das Problem bald womöglich von alleine beheben!!! Denn auf Heise.de heißt es:

    [Zitat entfernt. Inhalte dieser Art sind hier nicht erwünscht, vielen Dank. /Die Redaktion pt.]

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    "... Schotten, Basken und Flamen..."
    Bei den Schotten liegt er meiner Ansicht nach falsch. Die Abspaltungsgelüste dort sind nicht so stark. Im Baskenland gibt es überhaupt keine Mehrheit für solche Entwicklungen, auch wenn die Terroristen es nicht wahr haben möchten. Außer den aufgelisteten Gebieten und Katalonien sehe ich kaum Tendenzen, die in den nächsten Jahrzehnten zu Abspaltungen führen könnten. Dass dieses so drastische Auswirkungen auf Muslime haben könnte, ist, glaube ich, sehr weit hergeholt. Ein ehrlicher und verantwortungsvoller Umgang mit den vielen gesellschaftllichen Problemen ist aber dringend notwendig.

    "... Schotten, Basken und Flamen..."
    Bei den Schotten liegt er meiner Ansicht nach falsch. Die Abspaltungsgelüste dort sind nicht so stark. Im Baskenland gibt es überhaupt keine Mehrheit für solche Entwicklungen, auch wenn die Terroristen es nicht wahr haben möchten. Außer den aufgelisteten Gebieten und Katalonien sehe ich kaum Tendenzen, die in den nächsten Jahrzehnten zu Abspaltungen führen könnten. Dass dieses so drastische Auswirkungen auf Muslime haben könnte, ist, glaube ich, sehr weit hergeholt. Ein ehrlicher und verantwortungsvoller Umgang mit den vielen gesellschaftllichen Problemen ist aber dringend notwendig.

  6. [Entfernt. Bitte verzichten Sie auf diskriminierende Äußerungen. Danke. /Die Redaktion pt.]

  7. ... weil die Teilnehmer nicht ausreichend legitimiert sind und weil sie die Realität ignorieren. Dort diskutieren doch nicht die eingewanderten Muslime mit der aufnehmenden Gesellschaft. Dort sitzen zum einen Vertreter einiger muslimischer Verbände (demokratisch gewählt ?). Mein Eindruck ist, diese ignorieren die aufnehmende Gesellschaft. Sie reden sich im Prinzip ein, dass die Muslime nicht in die deutsche Gesellschaft, sondern nur in die deutsche Verfassung immigriert sind. Auf der anderen Seite sitzen Vertreter der Regierung. Diese vertreten leider nicht die Meinung der Bevölkerung zu diesem Thema. Außerdem ignoriert die Politik, dass die allermeisten Menschen weder für einen interreligiösen Dialog, noch für soziale Experimente und Belastungen zur Verfügung stehen.(Siehe Ergebnis in Hamburg.)
    Auch Frau Kaddor hat sich nicht zum Verhältnis mit der aufnehmenden Gesellschaft geäußert. Wie soll sich dieses entwickeln während sie den Islam liberalisieren möchte? Ein liberalisierter Islam wäre für die anderen vielleicht weniger problematisch, aber ein weiterer Konflikt innerhalb der Muslime wird die Nicht-Muslime noch weiter entfernen.

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