Todesstrafe Iran setzt Steinigung Ashtianis vorerst aus
Sakineh Ashtiani ist zum Tod durch Steinigung verurteilt. Internationaler Druck hat Iran die Hinrichtung aufschieben lassen. Das Regime fahndet nun nach Ashtianis Anwalt.
© Carl Court/AFP/Getty Images

Protestaktion in London gegen Steinigungen im Iran. Auf dem Foto: Sakineh Mohammadi Ashtiani, die wegen Ehebruchs gesteinigt werden soll
Für den französischen Außenminister Bernard Kouchner ist der Fall "ein Verstoß gegen das universale Gewissen". Sein britischer Amtskollege William Hague nannte das Urteil eine "mittelalterliche Bestrafung", die in der ganzen Welt "Abscheu und Entsetzen" hervorrufen werde. US-Außenministerin Hillary Clinton protestierte durch ihren Sprecher gegen diesen "barbarischen und widerlichen Akt".
Ausgelöst hatte die internationale Empörung das Schicksal der 43-jährigen Sakineh Mohammadi-Ashtiani, die in Iran wegen angeblichen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt worden war. Inzwischen gab Iran dem internationalen Druck etwas nach und setzte die Vollstreckung "vorerst" aus. Die Mutter zweier Kinder aber bleibt weiterhin in ihrer Todeszelle in Tabriz. Stattdessen fahndet die Justiz nun nach ihrem Rechtsanwalt Mohammad Mostafaei, einem bekannten Kritiker iranischer Strafpraxis.
Sie wirft ihm vor, die internationale Aufmerksamkeit auf den Fall gelenkt zu haben. Das staatliche Fernsehen sprach denn auch von einer durch die USA und Israel betriebenen Propagandakampagne. Um Mostafaei zu zwingen, sich zu stellen, nahm die Polizei am Wochenende seine Familie in Sippenhaft. Ehefrau und Schwager sitzen seither hinter Gittern, die Anwaltspraxis in Teheran wurde verwüstet.
Dieser Fall wirft erneut ein düsteres Licht auf die Menschenrechtslage in der Islamischen Republik. Nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen im Juni 2009 hat die Zahl der Missbräuche extreme Ausmaße angenommen. Aber auch in den Jahren zuvor gab es immer wieder harte internationale Kritik – an der Hinrichtung minderjähriger Straftäter, an grausamen Körperstrafen wie Peitschenhieben und Amputationen sowie an dem exzessiven Einsatz der Todesstrafe. So wurden im Jahr 2008 insgesamt 346 Menschen hingerichtet, darunter acht Minderjährige. 2009 waren es nach Erkenntnissen von Amnesty International mindestens 318 Menschen, darunter vier Jugendliche, die zur Tatzeit keine 18 Jahre alt waren. Andere Gefängnisinsassen kamen unter dubiosen Umständen zu Tode oder haben angeblich in ihrer Zelle Selbstmord begangen.
Wie viele Menschen derzeit in Iran zum Tod durch Steinigung verurteilt sind, darüber gibt es keine präzisen Angaben. Amnesty International geht von mindestens zehn weiteren Verurteilten aus – darunter sieben Frauen. Denn meist werden die Fälle nicht bekannt, anders als bei Sakineh Mohammadi-Ashtiani. Ihr 22-jähriger Sohn Sajad schrieb mehr als hundert Briefe, in denen er das totale Versagen der iranischen Justiz anprangerte – unter anderem an Revolutionsführer Ali Chamenei und Präsident Mahmud Ahmadinedschad.
Sechsmal reiste er vergeblich nach Teheran, um zusammen mit Menschenrechtsanwalt Mohammad Mostafaei eine Begnadigung seiner Mutter zu erreichen. Überall ließ man die beiden abblitzen, alle Briefe blieben ohne Antwort. Erst als der Exekutionstermin näher rückte, alarmierte der junge Mann internationale Organisationen. Zweimal wurde er seither vom Geheimdienst vorgeladen und angewiesen, sein Handy abzuschalten.
Ungeachtet dessen hatte Iran noch im Februar vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf die Stirn, alle Kritik weit von sich zu weisen. Iran sei "eine der profiliertesten Demokratien" in der Region und ein "wirklicher und beharrlicher" Verteidiger der Menschenrechte, erklärte Mohammad Javad Laridschani, seit Kurzem Generalsekretär des iranischen Hohen Rates für Menschenrechte. Aus seiner Sicht gebe es seinem Land nichts Ernsthaftes vorzuwerfen.
Vielmehr benutzten "einige westliche Regierungen" das Menschenrechtsthema ständig als Instrument, "um Druck gegen uns auszuüben". Laridschanis ältester Brüder Ali ist Präsident des iranischen Parlaments, sein Bruder Sadegh seit Mitte August 2009 Chef der iranischen Justiz. "Blanke Leugnung und viel Zynismus" nannte die Amnesty-Direktorin im Mittleren Osten, Hassiba Hadj Sahraoui, Irans Auftritt. Im Mai allerdings ließ die Islamische Republik dann ihre Bewerbung für einen Sitz in dem UN-Menschenrechtsrat fallen. Zu einhellig war der Widerstand von Menschenrechtlern aus aller Welt – angeführt von der iranischen Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi.
- Datum 28.07.2010 - 19:56 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Unglaublich und Iran baut eine A. Bombe.
Gute Nacht liebe Menschheit!
@Martin Gehlen, bzw. ZEIT-Redaktion:
Die bisher letzte im Iran dokumentierte Steinigung fand laut Amnesty International am 5. Juli 2006 statt.
Die "Jerusalem Post" berichtete, Frau Ashtiani solle sich wegen gemeinschaftlichen Mordes an ihrem Ehemann verantworten. Frau Ashtianis Ehemann ist also tot.
Mitangeklagt wegen Mordes sind demnach mehrere ihrer Liebhaber.
Quelle: Jerusalem Post, siehe HIER
Kurioserweise geht sogar die BILD-Zeitung im Fall Ashtiani tiefer ins Detail. Aus dem Text: "Bei einer Verurteilung wegen gemeinschaftlichen Mordes müsste sie nach dem iranischen Gesetz aber gehängt werden. Das ist so zwingend vorgeschrieben."
Von offizieller iranischer Seite wurden die Berichte über eine geplante Steinigung über die Botschaft in London dementiert.
Ich meine, das Thema Todesstrafe kann allgemein als ein sehr sensibles betrachtet werden und erfordert genaues Nachforschen und journalistische Gründlichkeit.
Liebe Redaktion der ZEIT, geschätzer Herr Gehlen;
wie beurteilen sie die aus den obigen Quellen hervorgehenden Sachverhalte? Ich danke Ihnen für Ihre Antwort!
@Martin Gehlen, bzw. ZEIT-Redaktion:
Die bisher letzte im Iran dokumentierte Steinigung fand laut Amnesty International am 5. Juli 2006 statt.
Die "Jerusalem Post" berichtete, Frau Ashtiani solle sich wegen gemeinschaftlichen Mordes an ihrem Ehemann verantworten. Frau Ashtianis Ehemann ist also tot.
Mitangeklagt wegen Mordes sind demnach mehrere ihrer Liebhaber.
Quelle: Jerusalem Post, siehe HIER
Kurioserweise geht sogar die BILD-Zeitung im Fall Ashtiani tiefer ins Detail. Aus dem Text: "Bei einer Verurteilung wegen gemeinschaftlichen Mordes müsste sie nach dem iranischen Gesetz aber gehängt werden. Das ist so zwingend vorgeschrieben."
Von offizieller iranischer Seite wurden die Berichte über eine geplante Steinigung über die Botschaft in London dementiert.
Ich meine, das Thema Todesstrafe kann allgemein als ein sehr sensibles betrachtet werden und erfordert genaues Nachforschen und journalistische Gründlichkeit.
Liebe Redaktion der ZEIT, geschätzer Herr Gehlen;
wie beurteilen sie die aus den obigen Quellen hervorgehenden Sachverhalte? Ich danke Ihnen für Ihre Antwort!
Die Kritik an der Todesstrafe in Form der Steinigung sollte neben dem System auch die Kultur und die Bürger des Irans mit einbeziehen.
Solange ein Teil der Menschen dort immer noch bereit ist diese Strafe auszuführen oder als Zuschauer an öffentlichen Auspeitschungen und Erhängungen teilzunehmen, wird sich kaum etwas ändern.
der Raum der Nicht-Verantwortlichkeit in dem sich jeder der Steinwerfer wähnt. Durch welchen der unzähligen Treffer ist der Verurteilte denn tatsächlich gestorben? Ein beruhigendes Gefühl für jeden einzelnen in der Gruppe: die Todesstrafe wurde durch ein Henkerkollektiv ausgeführt, deren Zahl i.d.R. so groß ist, dass keinen der Werfer Skrupel plagen müssen.
Deshalb ist die von Kommentator klunjes (11. Eintrag) angesprochene Geschichte aus dem Leben des Rabbiner Jesus auch so revolutionär: «Meister, dies Weib ist ergriffen auf frischer Tat im Ehebruch. Moses aber hat uns im Gesetz geboten, solche zu steinigen. Was sagst du?» Und was sagt ihnen der Rabbiner J. darauf? Er sagt: «Wer unter Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.» Darauf trollt sich der Mob, jeder aus dem Henkerkollektiv hat drastisch die Verantwortung für das gemeinschaftliche Töten vor Augen geführt bekommen.
Vergessen wir aber nicht, dass der Rabbiner kurz darauf wegen staatsfeindlicher Agitation selbst hingerichtet wurde. So würde es vermutlich auch jedem ergehen, der im Iran auf das Henkerkollektiv bei einer Steinigung einzuwirken versuchen würde.
der Raum der Nicht-Verantwortlichkeit in dem sich jeder der Steinwerfer wähnt. Durch welchen der unzähligen Treffer ist der Verurteilte denn tatsächlich gestorben? Ein beruhigendes Gefühl für jeden einzelnen in der Gruppe: die Todesstrafe wurde durch ein Henkerkollektiv ausgeführt, deren Zahl i.d.R. so groß ist, dass keinen der Werfer Skrupel plagen müssen.
Deshalb ist die von Kommentator klunjes (11. Eintrag) angesprochene Geschichte aus dem Leben des Rabbiner Jesus auch so revolutionär: «Meister, dies Weib ist ergriffen auf frischer Tat im Ehebruch. Moses aber hat uns im Gesetz geboten, solche zu steinigen. Was sagst du?» Und was sagt ihnen der Rabbiner J. darauf? Er sagt: «Wer unter Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.» Darauf trollt sich der Mob, jeder aus dem Henkerkollektiv hat drastisch die Verantwortung für das gemeinschaftliche Töten vor Augen geführt bekommen.
Vergessen wir aber nicht, dass der Rabbiner kurz darauf wegen staatsfeindlicher Agitation selbst hingerichtet wurde. So würde es vermutlich auch jedem ergehen, der im Iran auf das Henkerkollektiv bei einer Steinigung einzuwirken versuchen würde.
Bis jetzt und ohne Ausnahme sprach Herr Gehlen in seinen Anti-Iran Berichten ( mehr als 25 schätze ich , seit de Wahlen ) von " gefälschten Wahlen " , dieses Mal sagt er 'umstrittenen ' Wahlen , ein sehr merkwürdiger Sinneswandel ?
Ein Kommentar scheint sinnlos , da nur Vorurteile bestätigt werden sollen und für welchen Zweck ? Dient dieser Bericht in der 'Essenz' nur dem ' wohlwollenden ' Ziel , auf Missstände in einem moslemischen Land aufmerksam zu machen ?? Muss man in einer neutralen Analyse nicht eine Ursachenforschung betreiben . Was hat es mit der Unsitte von Steinigungen auf sich , auf welchen Ursprung gehen sie zurück , wie verhält sich die iranische Justiz zu diesem Thema , wie wird dieses Thema in anderen islamischen Ländern behandelt . Dieses wären die richtigen Ansätze.
Dazu kann nur der Autor selbst Stellung beziehen.
"...Nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen im Juni 2009 ..."
Ich bin gegen Steinigungen. Sie stellen einen barbarischen Akt dar. Allerdings liegt hier die Schuld nicht ausschliesslich beim Staat. Denn für den Ehebruch muss die Dame angeklagt worden sein und, ohne die genauen Details zu kennen, diese geht wohl auf die Kappe des betrogenen Ehemanns. Dadurch wird deutlich, dass offenbar ganz normale Bürger im Auftrag des Staates steinigen lassen, ansonsten würden sie von einer Anklage absehen.
Für unser Rechtsverständnis sind Todesstrafen wegen Ehebruchs vollkommen inakzeptabel, nur müssen wir nüchtern feststellen, dass dort die Menschen offenbar anders denken.
Vergleichbare Unterschiede im Rechtsverständnis gibt es für mich übrigens schon bei den USA. Selbst für Mord, oder auch Massenmord, sollte es keine Todesstrafe geben, weil nach meinem Verständnis der Staat kein Recht haben darf über das Leben seiner Bürger zu richten. Clintons Kommentare kommen mir deshalb reichlich zynisch vor, denn in ihren Zellen sitzen ebenfalls hunderte Todeskandidaten, die keineswegs ihr Leben verwirkt haben, auch wenn viele Bürger darauf drängen.
Es sind nicht die "ganz normalen Bürger, die im Auftrag des Staates steinigen lassen", auch im Iran gilt das als barbarischer Akt. (Auch deshalb hat die Frauenbewegung dort die "Eine-Million-Unterschriften-Kampagne" zur Abschaffung der ganzen frauenfeindlichen Gesetzgebung initiiert)
Bei Sakineh Mohammadi haben nicht die "Bürger", sondern die Richter das Urteil gefällt.
"..Doch die drei anderen Richter, einschließlich des Vorsitzenden, erklärten sie für schuldig und zwar auf Grundlage der "Erkenntnisse des Richters". Dies ist eine Bestimmung im iranischen Strafrecht, derzufolge Richter nach eigenem Ermessen und willkürlich entscheiden können, ob eine angeklagte Person schuldig ist, selbst wenn für einen Schuldspruch keine eindeutigen und zwingenden Beweise vorliegen. Da drei der fünf Richter Sakineh Mohammadi für schuldig erklärt hatten, wurde sie zum Tode durch Steinigung verurteilt."
http://www.amnesty.de/urg...?
Es sind nicht die "ganz normalen Bürger, die im Auftrag des Staates steinigen lassen", auch im Iran gilt das als barbarischer Akt. (Auch deshalb hat die Frauenbewegung dort die "Eine-Million-Unterschriften-Kampagne" zur Abschaffung der ganzen frauenfeindlichen Gesetzgebung initiiert)
Bei Sakineh Mohammadi haben nicht die "Bürger", sondern die Richter das Urteil gefällt.
"..Doch die drei anderen Richter, einschließlich des Vorsitzenden, erklärten sie für schuldig und zwar auf Grundlage der "Erkenntnisse des Richters". Dies ist eine Bestimmung im iranischen Strafrecht, derzufolge Richter nach eigenem Ermessen und willkürlich entscheiden können, ob eine angeklagte Person schuldig ist, selbst wenn für einen Schuldspruch keine eindeutigen und zwingenden Beweise vorliegen. Da drei der fünf Richter Sakineh Mohammadi für schuldig erklärt hatten, wurde sie zum Tode durch Steinigung verurteilt."
http://www.amnesty.de/urg...?
http://de.wikipedia.org/w...
Verzichten Sie auf hetzerische Kommentare. Die Redaktion / mh
Keine einleuchtende Logik .
Weder Irak hatte , noch hat Iran Massenvernichtungswaffen.
Wie soll man Ihren Kommentar verstehen ?
Keine einleuchtende Logik .
Weder Irak hatte , noch hat Iran Massenvernichtungswaffen.
Wie soll man Ihren Kommentar verstehen ?
Keine einleuchtende Logik .
Weder Irak hatte , noch hat Iran Massenvernichtungswaffen.
Wie soll man Ihren Kommentar verstehen ?
Verzichten Sie auf agressive und polemische Kommentare. Die Redaktion / mh
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