Gerichtsentscheidung Kachelmann hat Gefängnis verlassen

Der wegen des Verdachts auf Vergewaltigung angeklagte Wettermoderator Jörg Kachelmann ist wieder auf freiem Fuß. Vier Monate lang hatte er in Untersuchungshaft gesessen.

Der wegen mutmaßlicher Vergewaltigung seiner Ex-Freundin angeklagte TV-Wettermoderator Jörg Kachelmann ist wieder frei. Wenige Stunden, nachdem das Oberlandesgericht Karlsruhe seine Entlassung aus der Untersuchungshaft angeordnet hatte, verließ der 52-jährige Schweizer das Gefängnis in Mannheim. Er wirkte entspannt und lächelte. Kachelmann stieg dann in das Auto seines Anwalts und fuhr mit unbekanntem Ziel davon.

Kachelmann, der von seinem Anwalt Reinhard Birkenstock begleitet wurde, gab keine Erklärung ab. Sein Rechtsbeistand dagegen zeigte sich erfreut. "Die Unschuldsvermutung ist wieder auferstanden", sagte Birkenstock. Die Freilassung sei eine Genugtuung. Kachelmann bedanke sich bei allen, die ihn in den vergangenen Monaten unterstützt haben. Man bereite sich jetzt weiter auf die Hauptverhandlung vor. "Und was wir da vorhaben und tun, das werden wir dann, wenn die Hauptverhandlung beginnt, umsetzen", sagte er.

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Zuvor hatte das Oberlandesgericht (OLG) in Karlsruhe den Haftbefehl gegen den Meteorologen aufgehoben. Das Gericht begründete die Entscheidung damit , dass zumindest derzeit "kein dringender Tatverdacht" bestehe.

Das OLG bezog sich auch auf die gegensätzlichen Aussagen von Kachelmann und des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers. Es sei nicht auszuschließen, dass die Nebenklägerin, seine ehemalige Partnerin, ihn zu Unrecht belaste. Deshalb stehe in dem Fall "Aussage gegen Aussage". Schließlich habe die Ex-Freundin im Verlauf des Ermittlungsverfahrens unzutreffende Angaben gemacht. Das Gericht schließt im Hinblick auf ihre Verletzungen auch nicht völlig aus, dass sie sich diese selbst zugefügt hat.

Die Ermittler werfen Kachelmann vor, Anfang Februar seine langjährige Geliebte, die sich von ihm trennen wollte, in deren Wohnung in Schwetzingen vergewaltigt und mit einem Küchenmesser am Hals verletzt zu haben. Seine frühere Freundin hatte ihn schwer belastet, Kachelmann dagegen den Vorwurf stets bestritten. Kachelmann muss sich wegen des Vorwurfs vor dem Landgericht Mannheim verantworten. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft.

Ursprünglich sollte der Prozess am 6. September beginnen. Durch die Freilassung des Moderators ist der Termin nach Angaben des Landgerichts nun aber wieder offen. Der Grund: Sitzt ein Angeklagter in Untersuchungshaft, muss möglichst schnell verhandelt werden. Nach der Freilassung Kachelmanns ist dies nicht mehr notwendig.

Der 52-jährige Schweizer war im März auf dem Rückweg von den Olympischen Spielen in Vancouver auf dem Frankfurter Flughafen verhaftet worden und saß seit dem 20. März in Mannheim in Haft. Mehrere Versuche seines Anwalts, die Untersuchungshaft zu beenden, waren bislang gescheitert. Das Landgericht Mannheim hatte die Entlassung noch abgelehnt, weil es die Aussagen von Kachelmanns Ex-Freundin zu ihrer mutmaßlichen Vergewaltigung "nach Aktenlage" für glaubhaft hält.

Trotz seiner Freilassung wird Kachelmann vorerst nicht wieder auf den Bildschirm zurückkehren. "Wir warten das schwebende Verfahren ab", sagte ein Sprecher der ARD-Programmdirektion. "Durch die Aufhebung des Haftbefehls ist für uns keine neue Ausgangslage entstanden." Bis vor den Olympischen Winterspielen hatte der Schweizer in der ARD regelmäßig das Wetter präsentiert.

 
Leser-Kommentare
  1. Endlich geht dieser Justiz-Skandal mit einem ersten Schritt zu Ende.

    Die angeblich Vergewaltigte hatte ja nun zwischenzeitlich mehrere Lügen zugestanden, was den (karrieregeilen?) Staatsanwalt aber zu keiner Neubewertung der (ohnehin kaum vorhandenen) Faktenlage bewog.

  2. Das wurde bereits seit Monaten geschrieben. Das OLG hat nach bekannter (!) Aktenlage entschieden - also war das Einlochen des Herrn K. rechtswillkürlich. Das konnten Beobachter seit langem vermuten.

    Die deutsche Justiz ist mit ihrer selektiven Drakonik für pflegeleichte Fälle und ihrem Laufen-lassen für kriminelles Umfeld [...]. Unerhört.

    [Gekürzt, bitte verzichten Sie auf polemische Vergleiche dieser Art. Vielen Dank. /Die Redaktion pt.]

  3. Schade, daß diese Information über die Freilassung Kachelmann so in den gegenwärtigen Katastrophenmeldungen untergeht. Egal, ob Kachelmann schuldig oder unschuldig ist, dieser Fall ist eine Justizkatastrophe für Deutschland.

  4. "Die deutsche Justiz ist mit ihrer selektiven Drakonik für pflegeleichte Fälle und ihrem Laufen-lassen für kriminelles Umfeld wieder in der Reputation ihrer glorreichen Jahre 1930 ff des vergangenen Jahrhunderts angelangt."
    ... so genannten "Intensivtäter" und Gewaltverbrecher auf den Straßen vorgegangen würde, wäre Deutschland ein wesentlich schöneres, lebenswerteres Land.

    Justitia entfremdet sich immer weiter vom Rechtsempfinden der breiten Masse der Bürgerinnen und Bürger.

  5. Ich möchte mir kein Urteil anmassen ob an dem Vorwurf der Vergewaltigung etwas dran ist oder nicht. Doch wenn er jetzt "einfach so" freikommt dann halte ich es doch für höchst bedenklich wenn ein Mensch aufgrund der Anschuldigung einer anderen Person (Aussage gegen Aussage war es von Anfang an) mal so mir nichts dir nichts für ein paar Monate aus dem Verkehr gezogen wird. Kachelmann ist eine Person die in der Öffentlichkeit steht, er hat ein eigenes Unternehmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass er sich unerkannt in die Karibik verschwindet war ebenfalls von Anfang an recht gering.

    Spätestens nach der Freilassung erscheint mir in diesem Zusammenhang der Begriff Willkür angebracht.

  6. hat nun auch die Justiz gerafft, was jedem Einsichtigen sofort klar sein musste: dass hier lediglich "Aussage gegen Aussage" steht und es keinerlei objektive Beweise gibt.
    Aber so weit ist die gendergestreamte Linkssprechung in Deutschland ja gekommen: auf blosse Beschuldigung hin wird man(n) man so mir nichts, dir nichts 4 Monate lang eingesperrt – und beiläufig damit auch die berufliche Existenz ruiniert.

  7. ...wie schnell im Jahr 2010 in Deutschland der Pöbel wieder als Massstab für den Rechtsstaat benützt wird, egal ob in Duisburg oder im Fall Kachelmann. Pranger, steinigen und öffentliches Hinrichten sähen wohl doch einige hier wieder gern als Gundlage für ein "schöneres, lebenswerteres Deutschland". Unglaublich.

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    • GEBE
    • 29.07.2010 um 19:55 Uhr

    Da ließ es sich z.B. die Die Welt-online nicht nehmen, dutzende Kommentare unter Artikeln einstellen zu lassen, die gegen die beiden Angeklagten unverholen das "Fallbeil" forderten, die forderten aus ihnen "Seife zu machen" und/oder "Lampenschirme".

    • GEBE
    • 29.07.2010 um 19:55 Uhr

    Da ließ es sich z.B. die Die Welt-online nicht nehmen, dutzende Kommentare unter Artikeln einstellen zu lassen, die gegen die beiden Angeklagten unverholen das "Fallbeil" forderten, die forderten aus ihnen "Seife zu machen" und/oder "Lampenschirme".

  8. Mich erinnert das an den Fall Andreas Türk.
    Aber warten wir den Prozess erstmal ab.

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    hat mittlerweile aber eine eigene gut gehende Firma...

    http://www.news.de/medien...

    hat mittlerweile aber eine eigene gut gehende Firma...

    http://www.news.de/medien...

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