Loveparade 19 Tote nach Massenpanik auf Loveparade

Bestürzung und Kritik: Am Morgen nach dem Unglück in Duisburg spricht die Polizei von 19 Toten und mehr als 300 Verletzten. Das Loveparade-Gelände war stark überfüllt.

Rettungskräfte stehen in Duisburg an einem Tunnelausgang bei der Loveparade. Nach Angaben der Polizei sind bei einer Massenpanik 15 Menschen ums Leben gekommen.

Rettungskräfte stehen in Duisburg an einem Tunnelausgang bei der Loveparade. Nach Angaben der Polizei sind bei einer Massenpanik 15 Menschen ums Leben gekommen.

Infolge einer Massenpanik auf dem Rave-Festival Loveparade in Duisburg sind am Samstag 19 Menschen ums Leben gekommen. Ein Polizeisprecher sprach am Sonntagmorgen außerdem von 342 Verletzten.

Hunderttausende hatten sich am Samstagmittag auf den Weg zum Veranstaltungsgelände am alten Duisburger Güterbahnhof gemacht. Sie wurden aus zwei Richtungen dorthin geleitet, die Menschenmassen trafen zwischen zwei Tunneln aufeinander, wo ein gepflasterter Weg zum Güterbahnhof hinaufführt. Nach Zeugenaussagen entstand dort eine unerträgliche Enge. Menschen versuchten, eine Mauer und eine Treppe hinaufzuklettern. Als einige von ihnen aus mehreren Metern Höhe in die Menschenmasse unter ihnen stürzten, brach Panik aus. Augenzeugen versandten über den Kurznachrichtendienst Twitter erste Bilder von dem Unglückstunnel .

People injured in the stampede at the Love Parade "The art of Love", receive first aid in the western German city of Duisburg July 24, 2010. At least 10 people were killed in a stampede at the "Love Parade" techno music festival in Germany on Saturday, after overcrowding at an entrance gate sparked a stampede, police said. REUTERS/Kirsten Neumann (GERMANY - Tags: DISASTER IMAGES OF THE DAY)

Feuerwehren und andere Rettungsdienste auch aus dem weiteren Umland starteten daraufhin einen gigantischen Einsatz. Die am Partygelände vorbeiführende Autobahn 59, die aus Sicherheitsgründen ohnehin gesperrt war, wurde zum Anlaufpunkt für Rettungsfahrzeuge und Hubschrauber. In den Tunneln, in denen sich die Katastrophe abspielte, fuhren noch Stunden später Notarztwagen mit Blaulicht. Leichtverletzte Loveparade-Besucher wurden mit Bussen in Kliniken gefahren.

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Bis nach Mitternacht verließen Leichenwagen den Unglücksort. Die Polizei hatte das Gelände mit Zäunen und Sichtblenden weiträumig abgesperrt. In der Nacht kamen erste Trauernde zu dem Tunnel, um ihr Mitgefühl mit den Opfern zu bekunden. Einige zündeten Kerzen an.

Hilfe für Betroffene

Die Polizei hat eine Hotline unter der Telefonnummer 0203/94 000 für Angehörige von Opfern und Vermissten geschaltet.

Unter der Telefonnummer 0201/82 98 091 wird Menschen Hilfe angeboten, die aufgrund ihrer schockierenden Erlebnisse am Samstag ein persönliches Betreuungsangebot in Anspruch nehmen möchten.

Die Helfer sind auch unter der E-Mail-Adresse Betreuungsangebot.Loveparade@polizei.nrw.de zu erreichen.

Mehr als eine halbe Stunde vor der Massenpanik hatten Augenzeugen die Polizei vor der Gefahr gewarnt. "Wir standen mittendrin. Es hatten immer mehr Menschen noch versucht, zum Gelände zu kommen", sagte der 21-jährige Raver Fabio der Nachrichtenagentur dpa. "Wir waren schon durch den Tunnel durch und standen auf dem kurzen Stück vor dem Eingang. Dort ging es aber nicht weiter." Einige Menschen seien über Zäune und eine Leiter geklettert.

Viele beschwerten sich, dass das Gelände in Duisburg für den Andrang viel zu klein gewesen sei. "Man kann nicht mit einer Million Menschen planen und dann ein Gelände für 250.000 Menschen bereitstellen", sagte ein Augenzeuge dem Fernsehsender n-tv. Der Tunnel zum Loveparade-Gelände hat nach Angaben eines Besuchers wie eine "Falle" gewirkt. "Überall lagen Menschen auf dem Boden herum. So stelle ich mir Krieg vor", sagte ein weiterer Augenzeuge. "Das war programmiertes Chaos." Das Gelände sei wegen Überfüllung abgesperrt gewesen, und von hinten hätten durch den Tunnel die Massen gedrückt, sagte er. "Der Tunnel ließ keine Fluchträume zu."

Die Polizei und die Rettungskräfte hätten schnell versucht, an die Menschen zu kommen, was aber schwierig gewesen sei. Auf dieser Karte von Google maps bekommt man eine gute Vorstellung davon, wie lang der Tunnel ist.


Karl-Lehr-Straße, Duisburg auf einer größeren Karte anzeigen

Trotz der Todesopfer lief die Loveparade vorerst – aus Sicherheitsgründen – weiter. Die Veranstalter informierten die Besucher der Parade nicht über das Unglück. Im Norden des Geländes dröhnte die Musik noch aus den Wagen. Die Handynetze waren nach der Massenpanik wegen Überbelastung nicht mehr nutzbar. Erst nach und nach verbreitete sich die Nachricht und rief Entsetzen unter den mehr als eine Million Besuchern hervor.

Noch um 20.30 Uhr berichteten Reporter des Senders WDR von Ravern, die noch nichts von der Katastrophe mitbekommen hatten. Während die Musik noch bis in den späten Abend hinein weiterlief, wurde eine Aftershowparty in Essen am Sonntagmorgen abgesagt. Tausende Besucher, die Stunden nach dem Unglück noch auf der Parade waren, konnten das Gelände inzwischen ohne größere Zwischenfälle verlassen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich geschockt und sagte: "Zum Feiern waren die jungen Menschen gekommen, stattdessen gibt es Tote und Verletzte." Der Präsident der Europäischen Kommission, Manuel Barroso, kondolierte zum Tod so vieler Menschen.

Nordrhein-Westfalens neue Ministerpräsidentin Hannelore Kraft äußerte sich "total betroffen" und sagte, sie fühle mit den Angehörigen der Gestorbenen und sorge sich um die Verletzten. Mit großer Bestürzung hat auch der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger reagiert. "Ich bin entsetzt und traurig, dass Menschen, die unbeschwert feiern wollten, gestorben sind. Mein ganzes Mitgefühl gilt ihren Angehörigen und Freunden", sagte er.

Auch Bundespräsident Christian Wulff reagierte bestürzt und forderte zugleich eine rückhaltlose Aufklärung der Ursachen. "Eine solche Katastrophe, die während eines friedlichen Festes fröhlicher junger Menschen aus vielen Ländern Tod, Leid und Schmerz verursacht, ist furchtbar", sagte das Staatsoberhaupt am Samstagabend in Berlin. Vizekanzler Guido Westerwelle bekundete das Mitgefühl der Bundesregierung. "Wir trauern mit den Angehörigen der Verstorbenen, und wir bangen und hoffen mit den Verletzten und ihren Familien", sagte Westerwelle.

Am Sonntag wollen die Veranstalter und die Stadt auf einer schon vorher geplanten Pressekonferenz im Duisburger Rathaus über die Vorgänge berichten. Dabei dürfte die Frage im Vordergrund stehen, ob es richtig war, bei der Erwartung von mehr als einer Million Besuchern und einem Gelände für maximal 250.000 Menschen nur einen Zugang anzubieten, der wiederum nur durch Tunnels erreichbar war. Oberbürgermeister Sauerland sagte bereits: Es "lag nicht am Sicherheitskonzept, das nicht gegriffen hat, sondern wahrscheinlich an individuellen Schwächen."

Die Veranstalter haben eine Infohotline eingerichtet, an die sich besorgte Menschen wenden können: 0203 94000.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf pietätlose Bermerkungen. Die Redaktion/cs

  2. aber eine Veranstaltung mit 1.4 Millionen Leute erscheint mir doch ein bisschen zu groß. Nur damit sich Städte und Veranstalter profilieren? Nein danke !

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    • Anonym
    • 24.07.2010 um 20:28 Uhr

    weil die leute bock auf party haben....

    • Anonym
    • 24.07.2010 um 20:28 Uhr

    weil die leute bock auf party haben....

  3. Entfernt. Bitte achten Sie auf eine sachliche Wortwahl und verzichten Sie auf Provokationen. Die Redaktion/cs

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    ....mal eben eine solche riesen Veranstaltung abzubrechen. Da muss auch erst mal Vorsorge getroffen werden, dass es nicht zu weiteren Paniken kommt. Es wäre unverantwortlich jetzt zu schnell zu handeln.

    Ansonsten.....sehr traurig. Wünsche den Freunden und Angehörigen die nötige Kraft die sie jetzt brauchen werden.

    ....mal eben eine solche riesen Veranstaltung abzubrechen. Da muss auch erst mal Vorsorge getroffen werden, dass es nicht zu weiteren Paniken kommt. Es wäre unverantwortlich jetzt zu schnell zu handeln.

    Ansonsten.....sehr traurig. Wünsche den Freunden und Angehörigen die nötige Kraft die sie jetzt brauchen werden.

    • Poison
    • 24.07.2010 um 18:26 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf geschmacklose Äußerungen. Die Redaktion/cs

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    da er aber da steht erinnere ich daran das es auch in Mekka zur Hadsch höchst regelmaessig zu Massenpanik mit wesentlich mehr Toten kommt !

    da er aber da steht erinnere ich daran das es auch in Mekka zur Hadsch höchst regelmaessig zu Massenpanik mit wesentlich mehr Toten kommt !

  4. Sorry Leute, aber keiner, der hier postet sollte das angesichts von Toten tun!
    Bitte etwas mehr Pietät.
    Rechthaberei braucht gerade echt Keiner.

    Ich hoffe mal, dass die Bilanz nicht noch schlimmer wird.

    • hatem
    • 24.07.2010 um 18:33 Uhr

    Junge Menschen werden plötzlich aus dem Leben gerissen. Schrecklich.

    Mein Mitgefühl den Angehörigen.

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    und hoffe, das in Zukunft aus solchen Tragödien etwas gelernt wird.

    Nämlich wie soetwas verhindert werden kann. Nicht wie "Veranstaltung X verbieten" sondern wie man bei solchen Veranstaltungen sicherstellen kann, das soetwas nicht passiert.

    und hoffe, das in Zukunft aus solchen Tragödien etwas gelernt wird.

    Nämlich wie soetwas verhindert werden kann. Nicht wie "Veranstaltung X verbieten" sondern wie man bei solchen Veranstaltungen sicherstellen kann, das soetwas nicht passiert.

  5. muss bei Events dieser Größe immer gerechnet werden. Da hilft die beste Planung nichts.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf pietätlose Bemerkungen. Die Redaktion/cs

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    Zumal ich nicht die Panik miterleben möchte, die entsteht, wenn der Großteil der Besucher nach Ende der Musik zu den Ausgängen strömt.

    • Anonym
    • 24.07.2010 um 20:32 Uhr

    man nehme zum beispiel eine komplette, große insel für so eine party.......da wird es dann keine massenpanik geben....und wenn, dann hat man hunderte von meter in jede richtung, in die man auseinanderstoben kann.

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit argumentativen Beiträgen an der Diskussion. Die Redaktion/cs

    Zumal ich nicht die Panik miterleben möchte, die entsteht, wenn der Großteil der Besucher nach Ende der Musik zu den Ausgängen strömt.

    • Anonym
    • 24.07.2010 um 20:32 Uhr

    man nehme zum beispiel eine komplette, große insel für so eine party.......da wird es dann keine massenpanik geben....und wenn, dann hat man hunderte von meter in jede richtung, in die man auseinanderstoben kann.

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