Loveparade Duisburg erwartet Tausende Trauergäste
Bundespräsident, Kanzlerin, Ministerpräsidentin: Sie alle werden zur Gedenkfeier kommen. Oberbürgermeister Sauerland nicht. Er will die Trauernden nicht provozieren.
© Christof Koepsel/Getty Images

Trauer in Duisburg: Immer wieder kommen die Menschen zur Unglücksstelle
"Warum?" – diese Frage steht auf zahlreichen Plakaten an der inzwischen zu einer Art Pilgerstätte gewordenen Unglücksstelle in Duisburg. Auch am Freitag kamen immer wieder Scharen von Menschen zu dem Unglücksort, stellen Kerzen auf und legen Blumen nieder.
21 Menschen wurden am vergangenen Samstag getötet , als es im Tunnel und auf dem Weg zum Veranstaltungsgelände, einem alten Güterbahnhof, zu einer Massenpanik kam . Mehr als 500 Menschen wurden verletzt, einige von ihnen müssen noch immer im Krankenhaus behandelt werden. Offenbar hatte der Veranstalter, die Lopavent GmbH des McFit-Gründers Rainer Schaller , zu wenige Ordner eingesetzt , die mit dem Geschehen vollkommen überfordert waren. Nun trauert eine ganze Stadt um die Toten und wird ihrer am Vormittag in einer zentralen Trauerfeier gedenken.
Zur Gedenkstunde in der Salvatorkirche in der Duisburger Innenstadt werden mehrere Zehntausend Menschen erwartet – für sie wird der Platz in dem Gotteshaus allein nicht ausreichen. Die Kirche ist weitgehend abgesperrt und reserviert für Angehörige, Verletzte und Rettungskräfte. Wegen des erwarteten großen Zulaufs von Trauergästen wird der ökumenische Gottesdienst parallel auch auf Großleinwänden in zwölf weiteren Kirchen der Stadt sowie in und vor der Arena des Fußballvereins MSV Duisburg zu sehen sein. Das Stadion bietet Platz für 25.000 Besucher. Von dort aus soll sich am Mittag ein Trauerzug zur Tunneleinfahrt in Bewegung setzen.

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Doch nicht nur Duisburg, sondern ganz Deutschland ist bestürzt über die Ereignisse am vergangenen Samstag. ARD und WDR übertragen die Feier live. Bundespräsident Christian Wulff, Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch Bundestagspräsident Norbert Lammert reisen nach Duisburg. Neben ihnen werden Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und viele Minister aus dem Bundesland in der Salvatorkirche Platz nehmen.
Einer wird auf der Trauerfeier fehlen: Oberbürgermeister Adolf Sauerland . Der CDU-Politiker hatte angekündigt, der Gedenkveranstalter fern bleiben zu wollen und zwar aus "hohem Respekt vor den Angehörigen der Opfer". Er will die Trauernden nicht provozieren und weiteren Anfeindungen aus dem Weg gehen. In der Öffentlichkeit gilt der Stadtchef als Symbolfigur für die Weigerung hochrangiger Behördenvertreter, politische und moralische Verantwortung für den tödlichen Ausgang der Techno-Party zu übernehmen. Vor allem aus der rot-grünen Landesregierung im benachbarten Düsseldorf, aber auch aus der eigenen Partei werden wiederholt Forderungen nach der Demission Sauerlands laut, der einst als Hoffnungsträger der CDU im roten Ruhrgebiet galt.
Doch auch unter den Bürgern herrscht Wut auf den Oberbürgermeister. Bei einem Besuch am Unfallort am Wochenende musste sich der Mann mit der Brille und dem Kinnbart von Leibwächtern schützen und mit Müll bewerfen lassen. Am Donnerstag forderten rund 250 aufgebrachte Demonstranten vor dem Rathaus seinen Abgang. Und es soll sogar Morddrohungen gegen den gebürtigen Duisburger gegeben haben, der sich auf seiner inzwischen geschwärzten Internetseite mit einer persönlichen Stellungnahme präsentiert. "Wenn sich die Stadt etwas vorzuwerfen hat, dann werden wir Verantwortung übernehmen", versichert er dort.
Auch den jüngsten Spekulationen über seine Ablösung – zuletzt hatte die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, dass er mit seiner Abwahl durch das Stadtparlament einverstanden sei – tritt Sauerland entgegen. Er werde solange im Amt bleiben, bis die Verantwortlichkeiten beim katastrophalen Unglück geklärt seien, sagte er in einem Interview des Nachrichtensender N24. "Ich werde mich dieser Verantwortung stellen, ja. Aber diese Verantwortung kann erst dann übernommen werden, wenn wir wissen, was passiert ist." Er sei "sicher, dass es Fehler gab, dass Fehler gemacht wurden". Aber es müsse noch vieles getan werden, um aufzuklären. "Und das kann ich nur, wenn ich im Amt bleibe." Gäbe er auf, dann wären alle Akten für ihn geschlossen. "Ich will Antworten haben, und werde dann auch Konsequenzen für mich und mein Handeln ziehen."
Sauerland wies Vermutungen zurück, sein Festhalten am Amt hänge mit möglicherweise gefährdeten eigenen Pensionsansprüchen zusammen. "Das ist so etwas Nebensächliches", sagte er dem Sender. "Wir sprechen hier über tote Menschen, und nicht über solche profanen Dingen." Vielmehr gehe es um die Pflicht zur Aufklärung des Unglücks. Der Stadtchef bekräftigte, "dass es mir unheimlich leidtut, dass dort Menschen zu Schaden gekommen sind, dass dort Menschen getötet wurden".
- Datum 31.07.2010 - 09:09 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
- Kommentare 10
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Die armen zerquetschten erstickten Menschen,
wir leben in so einer shicewelt
http://www.youtube.com/wa...
Bemühen Sie sich bitte um einen sachlicheren Tonfall. Die Redaktion / mh
Bemühen Sie sich um artikelbezogene Kommentare. Die Redaktion / mh
Bleiben Sie im Rahmen des guten Geschmacks. Die Redaktion / mh
Lieber User timeplayer, wir haben Sie schon mehrfach darauf hingewiesen das solch "spamartige" Kommentare, die nichts mit den jeweiligen Artikeln zu tun haben, hier unerwünscht sind. Verzichten Sie in Zukunft darauf. Die Redaktion / mh
Ich kann meine Empörung kaum in Zaum halten.
Schon ganz zu Beginn des Gottesdienstes wird eine grundverkehrte Anlage der Übertragung offenbar:
Bevor die Geistlichen in die Kirche einlaufen, zeigen Sie eine besonders effektheischerische Kamerafahrt über das Altarkreuz und sorgen so für eine opulente Inszenierung des Events Trauergottesdienst.
Und es setzt sich fort. Alle 3-8 Sekunden wechselt die Bildeinstellung, ein neuer Winkel der Kirche wird gezeigt oder die Trauergäste werden schamlos gefilmt.
Es ist wirklich beschämend, wenn ein öffentlich-rechtlicher Sender aus einem Trauergottesdienst ein komsumgerechtes Fernsehevent macht.
Allein schon mit 5-6 Kameras in die Kirche einzumarschieren ist ein Unding.
Vermutlich haben Sie so aber eine exzellente Quote erzielt, auf Kosten der Opfer und der Angehörigen wohlgemerkt.
Das ist pietätlos. Die Ard sollte sich schämen!
Welche Rolle spielt die Kirche hierbei?
In erster Linie nach oberflächlicher Sicht die Rolle,
Trost und Zuspruch Erbauung den Hinterbliebenen Angehörigen zu geben.
Ob dies auch in Wahrheit so geschieht, ist eine ganz andere Sache.
Das will ich mal verdeutlichen:
Wenn jemand einer verwitweten Frau, deren Mann vor kurzem verstorben ist, die Trauer in Form einer Tafel SChokolade
bekundet und nach Übergabe gleich wieder verschwindet, dann hat das mit Anteilnahme und herzlicher Fürsorge absolut nichts zu tun.
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Die Kirchen - schön werbemässig ins Rampenlicht der Medien gestellt - bekunden oberflächlich gesehen die Anteilnahme am tragischen Geschehen.
Wer über die Jahre recherciert, bemerkt schnell, dass die Kirchen ihre Aufgabe längst verfehlt haben, den Eltern der Kinder und womöglich diesen selbst eine lohnende Alternative durch das Wort Gottes zu geben, eine Alternative, die Eltern von der Resignation vor dem Staat und Kinder vor der Flucht in Drogen, Alkohohl, soziale Netzwerke abhält.
Wenn mich ein ortsunkundiger Autofahrer nach einem Ziel fragt, und ich diesen Ahnungslosen absichtlich falsch zu einer gefährlichen Baustelle verweise, wer trägt dann zumindest Mitschuld, wenn dieser dadurch tödlich verunglückt?
In der Kriminalogie gibt es den Terminus - Beihilfe zum Mord-
Würden bei der Loveparade-Tragödie alle kriminaltechnischen Register gezogen werden, würden die wahren Schuldigen längst gefunden.
Glockengeläut hat noch niemanden glücklich gemacht...
Über 300 sind verletzt. Viele Duisburger und Nicht-Duisburger suchen heute eine Fläche für ihre Trauer für den unfassbaren Verlust.
Udn was ist der ZEIT dabei das Wichtigste? Wulff, Merkel, Sauerland. Beschämend.
"reserviert für Angehörige, Verletzte und Rettungskräfte"
Wir werden sehen, ob das stimmt, oder ob die Trittbrettfahrer den Event zu politischen Zwecken hijacken.
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