Massenpanik in Duisburg Kollaps in der MengeSeite 2/2
"Irgendwann haben einige angefangen, die Begrenzungszäune umzureißen und haben versucht, die Mauern und Mäste hochzuklettern", berichtet Sebastian Hardt. Als die Tausenden anderen Partybesucher das sahen, die hier kurz vor dem Gelände im Gedränge feststeckten, gab es wohl kein Halten mehr. Sie versuchten, über die seitlichen Absperrungen vorm Tunnel zu entkommen, die ersten stürzten von den Mauern und Gerüsten herunter in die Masse, Menschen wurden gegen die Mauern und Zäune gedrückt, niedergetrampelt. "Da, wo die Menschen gestorben sind, haben wir noch zehn Minuten vorher gestanden", sagt Tina Hardt. Das Paar kommt gerade noch durch einen der Tunnel raus, aber einer Ihrer Freunde war mittendrin. Sie haben ihn nachher traumatisiert und mit Heulkrämpfen irgendwo in der chaotischen Stadt aufgelesen.
Man habe ein "stichhaltiges" Sicherheitskonzept gehabt, betont Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland jetzt. Die Fakten sprechen eine andere Sprache: Ein Veranstaltungsgelände, das normalerweise für höchstens 300.000 Leute ausgelegt ist, soll plötzlich 1,4 Millionen Menschen fassen. Und all diese Menschen sollen sich durch einen schmalen Eingang zwängen, der durch Mauern begrenzt ist und anscheinend keine Fluchtwege hat.
Karl-Lehr-Straße, Duisburg auf einer größeren Karte anzeigen
Der Kollaps in Duisburg legte den Nahverkehr im ganzen Ruhrgebiet lahm, stundenlang ging fast gar nichts auf den Schienen der am dichtesten besiedelten Region Europas. Die Bahn versuchte, den immer noch rollenden Strom der Loveparade-Besucher nach Duisburg aufzuhalten – auch mit kleinen Notlügen. So wurde in Regionalzügen Richtung Duisburg und auch am Düsseldorfer Hautbahnhof schon gegen 19 Uhr immer wieder durchgesagt, dass die Loveparade abgebrochen sei und man sich deshalb nicht mehr auf den Weg dorthin machen solle. Obwohl sich die Organisatoren gerade bewusst gegen einen Abbruch entschieden hatten.
Viel Erfolg hat die Bahn mit dieser Strategie nicht. Viele sahen es so wie der Raver, der noch gegen 19 Uhr versuchte, von Köln nach Duisburg zu kommen: "Ist mir doch egal, was da passiert ist", erklärte er seinem Freund am Telefon, "kauf mir lieber schon mal was zu saufen!" Dann strandete er erst einmal am Hauptbahnhof in Düsseldorf.
Nach Mitternacht hat sich die Loveparade langsam ausgetobt. Endlich. Das Party-Gelände liegt geräumt und verwaist da, die Veranstalter haben doch ein bisschen früher Schluss gemacht. Die Bässe verstummen langsam in dieser Nacht in Duisburg – die Sirenen noch nicht.
- Datum 25.07.2010 - 09:11 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Verzichten Sie auf Anschuldigungen. Die Redaktion / mh
... ist es immer leicht, falsche Konzepte in der Luft zu zerreißen, aber angesichts dieser Bilder von eingekeilten Menschenmassen in dem Tunnel muss man nicht besonders schlau sein, um die bevorstehende Katastrophe zu erahnen. Die Frage ist, welche Handlungsoptionen die Ordnungskräfte in diesem Augenblick überhaupt noch hatten. Wie stoppt man zigtausend Menschen, die nur wegen DEM Event des Jahres womöglich stundenlang angereist sind und nun ein paar hundert Meter vor dem Gelände stehen? Da an die Vernunft zu appellieren, funktioniert vielleicht gerade noch bei hundert Menschen, aber zu glauben, dass es bei mehreren Tausend funktioniert, halte ich für reichlich naiv.
Insgesamt macht einen dieses fürchterliche Drama wirklich fassungslos. Man kann die Panik der Anwesenden nachfühlen.
... ist es immer leicht, falsche Konzepte in der Luft zu zerreißen, aber angesichts dieser Bilder von eingekeilten Menschenmassen in dem Tunnel muss man nicht besonders schlau sein, um die bevorstehende Katastrophe zu erahnen. Die Frage ist, welche Handlungsoptionen die Ordnungskräfte in diesem Augenblick überhaupt noch hatten. Wie stoppt man zigtausend Menschen, die nur wegen DEM Event des Jahres womöglich stundenlang angereist sind und nun ein paar hundert Meter vor dem Gelände stehen? Da an die Vernunft zu appellieren, funktioniert vielleicht gerade noch bei hundert Menschen, aber zu glauben, dass es bei mehreren Tausend funktioniert, halte ich für reichlich naiv.
Insgesamt macht einen dieses fürchterliche Drama wirklich fassungslos. Man kann die Panik der Anwesenden nachfühlen.
Vermeiden Sie Anschuldigungen. Die Redaktion / mh
Mir ist schleierhaft, wie der Veranstalter davon ausgehen konnte, das nur ein paar Hunderttausend Leute kommen, wenn bereits beim vorigen mal über 1 Million da waren. Man sieht doch auf den ersten Blick, das das Gelände lächerlich klein ist und nicht mal im Ansatz ausreicht. Und dann noch ein Tunnel ohne Ausweichmöglichkeit als einziger Zu- und Ausgang?
Da hat die gesperrte Autobahn ja mehr Fläche, hätten sie lieber dort feiern sollen. Meiner Meinung nach hat der Veranstalter völlig danebengelegen.
.....sollten alle mit ihren Vermutungen. Panik ist ein Zustand der nicht mehr kontrollierbar ist. Man kann versuchen gedanklich Dinge in solchen Situationen zu analysieren. Wird der Druck zu groß, vergessen wir unser Denkvermögen. Es geht nur noch um das Überleben, die niedersten Instinkte werden angesprochen und ausgelebt.
Es geht ausschliesslich nur noch um den Energieeinsatz in einer lebensbedrohlichen Situation!
Auch Lachen und aus unserer Sicht "dumme Sprüche" machen wie "Ja, das ist schon schlimm mit den Toten", sagt eine, "aber ich kann daran ja jetzt auch nichts mehr ändern.", ist eine Reaktion des Stressabbaues.
Drogenkonsum kann eine Rolle spielen, aber eben auch die Angst und das individuelle Gefühl " ich darf weiterleben".
Ich hatte das Erlebnis im Hamburger Elbtunnel in einem Stau einen Fahrer zu erleben, der vor Platzangst fast ausrastete. Der war panisch - ohne einer direkten Bedrohung ausgesetzt zu sein. Und es war eine harte Arbeit ihn vor Aktionen zu schützen, die nicht mehr reparabel gewesen wären.
Wir sollten mit Demut und Achtsamkeit dazu beitragen, dass solche Veranstaltungen besser geplant werden. Verhindern können wir sie nicht, aber vielleicht auch weggehen, wenn ein mulmiges Gefühl entsteht.
Ich bin traurig und denke an die Opfer und die Beteiligten, die dieses miterleben mussten.
Seien wir vorsichtig mit Vorverurteilungen, wir haben in diesem Land schon zu viele an der Seitenlinie stehen.
Sie haben Recht, Panik schaltet die Vernunft aus.
Dennoch: Den Fall der auftretenden Panik in den örtlichen Gegebenheiten hat wohl keiner der veranstaltenden Beteiligten einkalkuliert. Dieser Vorwurf bleibt bestehen.
Ich wusste im Vorfeld nicht, dass dieses Nadelöhr den Eingang bilden soll und ging am Vorabend davon aus, dass der rückseitige Zugang gewählt würde...
Finde ich gut und angemessen, auch das Bild von der Seitenlinie.
wird mir zur Trennlinie eines Dyptichons. Auf der einen Seite Bayreuts hohe Kultur für Geladene und Verwöhnte, auf der anderen Seite eine Industrielandschaft, in der Teile von »Briefe eines Toten« hätten gedreht werden können.
Ungutes Gefühl.
Siehe auch Foto und Kommentar #23 bei http://www.zeit.de/gesell...
Frau Merkel hatte jedenfalls Musse.
Sie haben Recht, Panik schaltet die Vernunft aus.
Dennoch: Den Fall der auftretenden Panik in den örtlichen Gegebenheiten hat wohl keiner der veranstaltenden Beteiligten einkalkuliert. Dieser Vorwurf bleibt bestehen.
Ich wusste im Vorfeld nicht, dass dieses Nadelöhr den Eingang bilden soll und ging am Vorabend davon aus, dass der rückseitige Zugang gewählt würde...
Finde ich gut und angemessen, auch das Bild von der Seitenlinie.
wird mir zur Trennlinie eines Dyptichons. Auf der einen Seite Bayreuts hohe Kultur für Geladene und Verwöhnte, auf der anderen Seite eine Industrielandschaft, in der Teile von »Briefe eines Toten« hätten gedreht werden können.
Ungutes Gefühl.
Siehe auch Foto und Kommentar #23 bei http://www.zeit.de/gesell...
Frau Merkel hatte jedenfalls Musse.
Auch dieser Beitrag, so genau er berichtet, beurteilt diese scheckliche Ereignis im Grunde im Nachhinein und misst die Intention von Freude und Verantwortung am Ergebnis.
300.000 Menschen. Wie will man kontrollieren, ob nicht 500.000 kommen. Die Veranstalter von Woodstock,da kamen statt 50.000 200.000, haben auch Glück gehabt, dass aus dem Fest des Friedens keine Veranstaltung des Unglücks wurde.
Vielleicht ist einen Parade die beser geeignete Fporm für derlei Veranstaltungen. Da gibt es immer Ausweichwege und lose Zusammenkünfte, wie die bislang paniklosen Karnevalszüge und CSD Paraden zeigen.
Sie haben Recht, Panik schaltet die Vernunft aus.
Dennoch: Den Fall der auftretenden Panik in den örtlichen Gegebenheiten hat wohl keiner der veranstaltenden Beteiligten einkalkuliert. Dieser Vorwurf bleibt bestehen.
Ich wusste im Vorfeld nicht, dass dieses Nadelöhr den Eingang bilden soll und ging am Vorabend davon aus, dass der rückseitige Zugang gewählt würde...
If Panic, panic first!
Selbst wenn Du weißt, dass es vernünftiger wäre, wenn Alle ruhig blieben, ist die einzige Überlebenschance: Panic first!
If Panic, panic first!
Selbst wenn Du weißt, dass es vernünftiger wäre, wenn Alle ruhig blieben, ist die einzige Überlebenschance: Panic first!
Nehmen wir an, zu dem Zeitpunkt befanden sich eine Million Besucher auf und um das Gelände. Pro Besucher durchschnittlich 4 Angehörige, die wussten, dass man sich dort befand. Also etwa 4 Millionen Menschen, die sich fragen mussten, ob der oder die Angehörige nicht auch zu den Todesopfern zählt.
Das Handynetz liegt brach. Und nur eine Hotline-Nummer der Duisburger Polizei.
Die Massenpanik zog sich wie ein Lauffeuer auf einmal auch durch den restlichen Teil des Landes.
Es sind also manchmal wirklich nur die Kleinigkeiten, die entscheidend sind. Man möchte angesichts des gestrigen Tages wirklich nur den Kopf schütteln. Man muss einfach zugeben, dass Berlin der bessere Austragungsort für diese Veranstaltung gewesen ist.
a) wussten die Anwohner und Veranstalter seit Jahrzehnten um die Eigenheiten dieser Parade bescheid
b) hatte sich auch das Publikum im Laufe der Zeit eingesessen und die 1-Mio-Marke wurde nur geringfügig gesprengt
c) ist Berlin herrgottnochmal selbst eine Millionenstadt und kann entsprechende Massen auch beherbergen.
Ich liebe das Ruhrgebiet und bin hier aufgewachsen. Aber das ist einfach eine Nummer zu groß.
Finde ich gut und angemessen, auch das Bild von der Seitenlinie.
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