Loveparade Sitzungsprotokoll belastet Duisburgs OB Sauerland
Ein Protokoll zur Sicherheit belegt: Das Konzept der Loveparade war lange Streitthema, die Veranstalter übten Druck aus. Auch Oberbürgermeister Sauerland wusste Bescheid.
© Marcel van Hoorn/AFP/Getty Images

An dieser Treppe kam es bei der Duisburger Loveparade zu einer Massenpanik
Neue Erkenntnisse in der Schuldfrage von Duisburg: Bereits vier Wochen vor der Loveparade hat das Bauordnungsamt massive Einwände gegen das vorgelegte Sicherheitskonzept der Loveparade erhoben. Das geht aus einem Sitzungsprotokoll hervor, das den Zeitungen der WAZ-Gruppe vorliegt. Demnach mussten die Sicherheitsbedenken auch dem Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland im Detail bekannt gewesen sein. Dies geht aus dem Verteiler hervor, der handschriftlich auf dem Protokoll vom 18. Juni vermerkt ist und das Kürzel OB trägt.
Sauerland hatte zuvor darauf beharrt, nichts von Sicherheitsbedenken vor der Loveparade gewusst zu haben. Kritische Stimmen gebe es vor solchen Veranstaltungen immer, die Stadt habe aber alles genau geprüft. Wie mehrere Regionalzeitungen berichten , unterschrieb Sauerland die ordnungsbehördliche Erlaubnis für die Veranstaltung allerdings erst kurz vor Beginn der Loveparade.
In dem Sitzungsprotokoll, das an Stadtbaudezernent Jürgen Dressler gerichtet ist und das eine Sitzung mit dem Loveparade-Veranstalter Lopavent, der Feuerwehr, dem Ordnungsamt und dem Ordnungsdezernenten Wolfgang Rabe zusammenfasst, ist der Streit um die Fluchtwege dokumentiert. Lopavent wehrte sich dem Protokoll zufolge gegen die Vorschrift, bei 220.000 Besuchern 440 Meter Fluchtwege nachweisen zu müssen. In dem Protokoll werden die Lopavent-Vertreter mit den Worten zitiert: "Die rechtlichen Voraussetzungen hätten sie noch nie machen müssen. Sie seien überrascht, welche rechtlichen und formalen Anforderungen die Bauordnung stellen würde."
Lopavent bestand dem Papier zufolge auf 155 Meter Fluchtweg, da es ihrer Erfahrung nach "ausreichend sei, wenn ein Drittel der Personen entfluchtet werden können".
Aus dem Schriftstück geht weiter hervor, dass der Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe, der an dem Gespräch teilnahm, Druck ausübte. "Herr Rabe stellte in dem Zusammenhang fest, dass der OB die Veranstaltung wünsche, und dass daher hierfür eine Lösung gefunden werden müsse. Die Anforderungen der Bauordnung, dass der Veranstalter ein taugliches Konzept vorlegen müsse, ließ er nicht gelten", so das Protokoll. Rabe forderte das Bauordnungsamt, das normalerweise nur Kontrollfunktion hat, auf, "an dem Rettungswegekonzept konstruktiv mitzuarbeiten".
Der Leiter des Baudezernats Jürgen Dressler kommentierte das Schreiben handschriftlich: "Ich lehne aufgrund dieser Problemstellung eine Zuständigkeit und Verantwortung (...) ab. Dieses entspricht in keinerlei Hinsicht einem ordentlichen Verwaltungshandeln und einer sachgerechten Projektstellung."
Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hatte auch die Duisburger Polizei schon früh vor Mängeln im Sicherheitskonzept gewarnt. Sie sei aber auf politischen Widerstand in der Stadt gestoßen. Vor allem der mittlerweile in Ruhestand gegangene Polizeipräsident Rolf Cebin soll sich heftig gegen die Austragung der Veranstaltung gewandt und damit den Unmut der Lokalpolitik zugezogen haben.
Der Duisburger CDU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Thomas Mahlberg hat in einem Schreiben vom 9. Februar 2009 an den damaligen nordrhein-westfälischen Innenminister sogar die Absetzung des damaligen Polizeipräsidentin Cebins verlangt. In diesem Schreiben , das bis heute auf der Website des CDU-Kreisverbandes Duisburg zu finden ist, beschwert sich der Bundestagsabgeordnete Mahlberg darüber, dass Polizeipräsident Cebin aus Sicherheitsgründen gegen die Durchführung der Loveparade in Duisburg sei, bevor der Veranstalter überhaupt einen Streckenverlauf angemeldet habe. "Eine Negativberichterstattung in der gesamten Republik ist die Folge", klagte der CDU-Politiker damals in seinem Brief an den damaligen Innenminister .
Die Polizei sieht deshalb die Verantwortung bei der Stadtverwaltung
. Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Nordrhein-Westfalen, Frank Richter, sagte, die Stadt sei als Genehmigungsbehörde zuständig gewesen, und habe trotz kritischer Stimmen aus der Polizei "darauf bestanden, das in dieser Art und Weise durchzuführen".
Die Deutsche Polizeigewerkschaft in Nordrhein-Westfalen hat unterdessen empört auf die Kritik von Love-Parade-Veranstalter Rainer Schaller an ihrem Vorgehen vor der Katastrophe in Duisburg regiert. "Die neuen Schuldzuweisungen gegen die Polizei durch die Veranstalter sind eine Frechheit", erklärte die Gewerkschaft. "Er meldete 500.000 Teilnehmer an, erhielt eine Genehmigung der Stadt für 250.000 Teilnehmer und feierte bereits mittags öffentlich über eine Million Teilnehmer."
Loveparade-Organisator Rainer Schaller hatte der Einsatzleitung vorgeworfen, sie habe alle Schleusen vor dem westlichen Tunneleingang öffnen lassen, wodurch der Hauptstrom der Besucher unkontrolliert in den Tunnel gelangt sei. Zuvor hätten die Veranstalter 10 der 16 Schleusen geschlossen gehalten, weil bereits zu viele Menschen in dem Tunnel waren.
- Datum 27.07.2010 - 14:27 Uhr
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- Quelle dpa, ZEIT ONLINE
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... dass so viele Menschen ihr Leben solch' erbärmlichen Wichten anvertraut haben.
Also spätestens jetzt sollte der OB seinen Hut nehmen. Wie kann er kategorisch ausschließen, an den Sicherheitsplanungen einbezogen zu sein, wenn er doch allem Anschein nach invoilviert gewesen war.
frage ich mich wirklich, was man als Polizei macht, wenn vom Veranstalter 250.000 angegeben werden, man aber schon klugerweise mit mehr rechnet, also mit 500.000, und dann am Tag des Geschehens auf einmal über 1.000.000 auftauchen. Ich kann mir vorstellen, dass man da ein ganz anderes Sicherheitskonzept braucht als bei der geringeren Zahl.
Wie sieht es mit der Sicherheit für die Besucher aus?
Ausgelassenes Feiern - auch bei der Loveparade 2010?
Ein detailliertes Sicherheitskonzept für die Loveparade kann erst erarbeitet werden, wenn der Veranstalter seine genauen Vorstellungen für die Parade und die Abschlussveranstaltung bekannt gibt. Grundsätzlich hat die Stadt Duisburg aber schon mit allen beteiligten Stellen, wie Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, THW, und der Bahn gesprochen und kommt zum Schluss, dass eine Loveparade auch mit über einer Million Besucher in Duisburg "durchführbar ist". Duisburgs zuständiger Beigeordneter Wolfgang Rabe sagte im 1LIVE-Interview, dass es "auf keinen Fall eine Absage wie in Bochum 2009 geben werde". Die Sicherheitsbedenken vor allem rund um den dortigen Hauptbahnhof, "gibt es in Duisburg nicht", so Rabe weiter.
R.I.P.
aus welchem Holz unsere Politikerriege geschnitzt ist.
Selbst wenn Menschen sterben lügen die einem vor laufenden Kameras noch frech ins Gesicht ohne mit der Wimper zu zucken.
Da fragt man sich doch, was einem noch so alles verschwiegen wird oder wo wir sonst noch belogen werden.
Für mich steht fest, wir brauchen speziell für Politiker diesesn Schlages ein völlig neues Beamtenrecht.
Wer sich als Politiker so etwas leistet sollte meiner Meinung nach unverzüglich aus dem Amt entfernt werden, ihm sollten alle Ansprüche die ihm aus seiner Tätigkeit als Politiker entstanden sind aberkannt werden. Keine Rentenzahlung, keine Abfindung, keine Boni, Diäten oder sonstiges.
Einfach nur aus dem Amt entfernen und dann kann er sehen wir er über die Runden kommt. Und wenn er dann wieder wo arbeit bekommt, im Vorstand einer Firma oder sonst wo erst mal ordentlich in Regress nehmen. So haben die doch nichts zu fürchten.
Vielleicht wäre das der bessere Weg um unsere Politiker zu einem verantwortungsbewusstem und neutralen Handeln zu zwingen. Denn angesichts drastischer Strafen überlegt man vielleicht zweimal. Ich persönlich halte die Praxis Politikern mehr Geld zu zahlen um sie so unbestechlicher zu machen generell für falsch, denn solchem durchtriebenen Gesellen ist genug nie genug.
Von daher sollten wir es vielleicht mal mit drakonischen Strafen versuchen.
> Da fragt man sich doch, was einem noch so alles verschwiegen
> wird oder wo wir sonst noch belogen werden.
Nach 30 aktiven Jahren in der Politik sind meine Illusionen vergangen. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich auf die Hoffnung setzte, wenigstens punktuell Dinge verändern zu können. Entweder, man pfeifft das Lied des Vorsitzenden, oder man wird schnell vor die Wand gefahren. Ich habe aufgehört zu zählen, wie viele Leute ohne Rückgrat mir in der Zeit begegnet sind, die schon zu Scheinriesen wuchsen und sich nichts mehr sagen ließen, wenn sie auch nur als Kandidat für irgendeine Funktion ausgewählt waren. Sauerland könnte auch Paulke, Meier, Schmidt oder sonstwie heißen, weil sie ein generelles Problem in der heutigen Politik ausnutzen; Pöstchen, Ämter und Funktionen werden nicht mehr an die vergeben, die sich durch persönliche Entwicklung und/oder berufliche Gründe eine gewisse Qualifikation erarbeitet haben - zu der übrigens auch die soziale Kompetenz gehört - sondern an diejenigen, die ihre Klappe besonders weit aufreißen können, oder an die, die dem Vorsitzenden besonders viel unangenehme Arbeit abgenommen haben. Mein Gott, wie viele Leute sah ich in den Rat einziehen, die keine drei Sätze sinnbringend aneinander bringen konnten, dafür aber das Lied des Vorsitzenden rückwärts im Schlaf singen konnten. Heute beginne ich lieber bei Null mit einer eigenen Bewegung, statt solchen Blödsinn weiter zu stützen!
> Da fragt man sich doch, was einem noch so alles verschwiegen
> wird oder wo wir sonst noch belogen werden.
Nach 30 aktiven Jahren in der Politik sind meine Illusionen vergangen. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich auf die Hoffnung setzte, wenigstens punktuell Dinge verändern zu können. Entweder, man pfeifft das Lied des Vorsitzenden, oder man wird schnell vor die Wand gefahren. Ich habe aufgehört zu zählen, wie viele Leute ohne Rückgrat mir in der Zeit begegnet sind, die schon zu Scheinriesen wuchsen und sich nichts mehr sagen ließen, wenn sie auch nur als Kandidat für irgendeine Funktion ausgewählt waren. Sauerland könnte auch Paulke, Meier, Schmidt oder sonstwie heißen, weil sie ein generelles Problem in der heutigen Politik ausnutzen; Pöstchen, Ämter und Funktionen werden nicht mehr an die vergeben, die sich durch persönliche Entwicklung und/oder berufliche Gründe eine gewisse Qualifikation erarbeitet haben - zu der übrigens auch die soziale Kompetenz gehört - sondern an diejenigen, die ihre Klappe besonders weit aufreißen können, oder an die, die dem Vorsitzenden besonders viel unangenehme Arbeit abgenommen haben. Mein Gott, wie viele Leute sah ich in den Rat einziehen, die keine drei Sätze sinnbringend aneinander bringen konnten, dafür aber das Lied des Vorsitzenden rückwärts im Schlaf singen konnten. Heute beginne ich lieber bei Null mit einer eigenen Bewegung, statt solchen Blödsinn weiter zu stützen!
Wenn ich die sehr ausführliche Berichterstattung hier auf Zeit so verfolge, dann scheint sich immer mehr heraus zu kristallisieren, das die Verantwortlichen für diese Katastrophe in der Stadtverwaltung zu suchen sind.Bei dem Gedanken das Beamte, Mitarbeiter der Stadtverwaltung Duisburg oder/und der Bürgermeister wissentlich die Gefahren ignoriert haben, beschleicht mich nu noch pure Fassungslosigkeit über diese Verantwortungslosigkeit. Es ist erschütternd, einfach erschütternd.
Es waren der OB höchstpersönlich und sein schwächlicher Baurat! Hochachtung vor dem Dezernatsleiter, der unter Druck immerhin schriftlich klargemacht hat, daß es so nicht geht! "Die Verwaltung" hat klar gesehen, wo die Gefahren liegen. Der OB und sein buckelnder Baurat haben die Schuld auf sich geladen!
Es waren der OB höchstpersönlich und sein schwächlicher Baurat! Hochachtung vor dem Dezernatsleiter, der unter Druck immerhin schriftlich klargemacht hat, daß es so nicht geht! "Die Verwaltung" hat klar gesehen, wo die Gefahren liegen. Der OB und sein buckelnder Baurat haben die Schuld auf sich geladen!
Ab 2005 hat der damals neue NRW-Innenminister Wolf die Landesverwaltung kaputtreformiert mit dem absurden Gedanken, die Verwaltung sei besser bei den Kommunen angeordnet, weil diese näher am Bürger sei. Als damals noch Landesbeamter habe ich schon kommen sehen, was dann passieren würde: politische Einflußnahme, gegen die die armen Kommunalverwalter sich nicht wehren können.
Daß es jedoch derart tragisch enden würde, hätte ich damals auch nicht befürchtet. Aber es festigt doch meinen Eindruck: kommunale Verwaltung ist pure Anarchie, weil jeder Interessent politisch Druck ausübt. Furchtbar!
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