Am Tag nach der tödlichen Massenpanik auf der Loveparade herrscht eine bedrückende Katerstimmung in Duisburg. Wie ausgestorben wirkt die Stadt an diesem Sonntag, noch immer säumen Polizeiwagen die Straßen. Durch die Innenstadt zieht noch der Gestank Hunderter Dixie-Toiletten, die für die Riesen-Technoparty aufgestellt worden waren, auf der am Samstag 19 Menschen starben.

Im großen Sitzungssaal des Rathauses sitzen vier Männer mit hängenden Köpfen und versuchen sich herauszureden aus dem, was für sie alle wohl die schwierigste Situation ihrer Laufbahn ist. Die Oberen von Stadt, Polizei und Veranstalter haben keine Antworten auf die eine Frage: Warum musste es so weit kommen? Immer wieder berufen sie sich auf die angelaufenen staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, können oder wollen keine Auskunft auf all die offenen Detailfragen nach Absperrungen, Geländegröße und Verantwortlichen geben.

Am Ende ruft noch ein Journalist den Männern auf dem Podium zu: "Übernimmt irgendeiner von Ihnen die Verantwortung, für das, was passiert ist?" Doch da haben sich der Oberbürgermeister und die anderen schon weggedreht, bleiben die Antwort schuldig.

Es sind Szenen, die am Unglücksort selbst gar nicht gut ankommen. Am frühen Nachmittag haben sich hier rund 100 Menschen versammelt, es ist sehr still. Viele von ihnen waren auch am Unglückstag hier, sind der Massenpanik nur knapp entkommen. Sie stellen Kerzen am Straßenrand auf.

Eine von ihnen ist die 19-jährige Christin Mertens. Sie war nachmittags um halb fünf im Tunnel, kurz vor dem Unglück. "Das war so wahnsinnig eng", erinnert sie sich, "ich konnte noch nicht mal meine Hände bewegen, so gepresst standen wir". Dann reibt sie ihren schmerzenden Arm. Sie schaffte es aufs Festgelände und erfuhr erst später durch unzählige Nachrichten und Anrufe, die im überlasteten Handynetz hängengeblieben waren, von der Katastrophe, der sie nur um ein Haar entkommen war. "Ich habe das gestern gar nicht realisieren können", sagt sie am Tag danach, "aber jetzt geht es mir so wahnsinnig beschissen". Tränen laufen ihr über das Gesicht.