Nach der KatastropheEine Stadt im Trauma

Trauernde Überlebende, eine schwer gezeichnete Stadt und hilflose Politiker: Nach der Katastrophe bei der Loveparade kämpft Duisburg mit den Folgen. von 

Loveparade Panik Duisburg Tote Verletzte Unglück Tunnel

Rettungskräfte haben die Umrisse einiger Opfer nachgezeichnet, die an einem Tunnel in Duisburg auf der Loveparade ums Leben kamen  |  © Patrik Stollarz/AFP/Getty Images)

Am Tag nach der tödlichen Massenpanik auf der Loveparade herrscht eine bedrückende Katerstimmung in Duisburg. Wie ausgestorben wirkt die Stadt an diesem Sonntag, noch immer säumen Polizeiwagen die Straßen. Durch die Innenstadt zieht noch der Gestank Hunderter Dixie-Toiletten, die für die Riesen-Technoparty aufgestellt worden waren, auf der am Samstag 19 Menschen starben.

Im großen Sitzungssaal des Rathauses sitzen vier Männer mit hängenden Köpfen und versuchen sich herauszureden aus dem, was für sie alle wohl die schwierigste Situation ihrer Laufbahn ist. Die Oberen von Stadt, Polizei und Veranstalter haben keine Antworten auf die eine Frage: Warum musste es so weit kommen? Immer wieder berufen sie sich auf die angelaufenen staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, können oder wollen keine Auskunft auf all die offenen Detailfragen nach Absperrungen, Geländegröße und Verantwortlichen geben.

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Am Ende ruft noch ein Journalist den Männern auf dem Podium zu: "Übernimmt irgendeiner von Ihnen die Verantwortung, für das, was passiert ist?" Doch da haben sich der Oberbürgermeister und die anderen schon weggedreht, bleiben die Antwort schuldig.

Hilfe für Betroffene

Die Polizei hat eine Hotline unter der Telefonnummer 0203/94 000 für Angehörige von Opfern und Vermissten geschaltet.

Unter der Telefonnummer 0201/82 98 091 wird Menschen Hilfe angeboten, die aufgrund ihrer schockierenden Erlebnisse am Samstag ein persönliches Betreuungsangebot in Anspruch nehmen möchten.

Die Helfer sind auch unter der E-Mail-Adresse Betreuungsangebot.Loveparade@polizei.nrw.de zu erreichen.

Es sind Szenen, die am Unglücksort selbst gar nicht gut ankommen. Am frühen Nachmittag haben sich hier rund 100 Menschen versammelt, es ist sehr still. Viele von ihnen waren auch am Unglückstag hier, sind der Massenpanik nur knapp entkommen. Sie stellen Kerzen am Straßenrand auf.

Eine von ihnen ist die 19-jährige Christin Mertens. Sie war nachmittags um halb fünf im Tunnel, kurz vor dem Unglück. "Das war so wahnsinnig eng", erinnert sie sich, "ich konnte noch nicht mal meine Hände bewegen, so gepresst standen wir". Dann reibt sie ihren schmerzenden Arm. Sie schaffte es aufs Festgelände und erfuhr erst später durch unzählige Nachrichten und Anrufe, die im überlasteten Handynetz hängengeblieben waren, von der Katastrophe, der sie nur um ein Haar entkommen war. "Ich habe das gestern gar nicht realisieren können", sagt sie am Tag danach, "aber jetzt geht es mir so wahnsinnig beschissen". Tränen laufen ihr über das Gesicht.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    [entfernt. Bitte verzichten Sie auf zynische Bemerkungen. Danke. Die Redaktion/ew]

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    ...sicher, es ist sehr intensiv bis verstörend (je nach persönlicher empfindsamkeit), aber einer ZEIT nehme ich ab, es überlegt ausgewählt zu haben.

    Aber ich finde das Bild geschmacklos. Danke. Das Rita-Lin / rl

  2. Vermeiden Sie pietätlose Aussagen. Die Redaktion / mh

  3. Es ist ein wahnsinniges Drama. Selbstverständlich zuerst für die Angehörigen der Toten.
    Ich wohne in einem Dorf am Bodensee. Hier sind Städte mit 40 000 Einwohnern schon "groß". Ich bin die letzten Jahre sehr häufig in Duisburg gewesen und liebe diese Stadt. Hier im Süden ist es enorm schwer, die Menschen für Duisburg und das Ruhrgebiet überhaupt nur zu gewinnen. Es ist schade, traurig und dramatisch, dass jetzt Duisburg am Pranger steht. Schade für die Menschen im Ruhrgebiet, schade für die Stadt.
    Ich trauere um die toten und verletzten Menschen und bin tief, tief traurig für die Stadt Duisburg und das Ruhrgebiet.

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    kann man an dieser Stadt lieben?

  4. ...sicher, es ist sehr intensiv bis verstörend (je nach persönlicher empfindsamkeit), aber einer ZEIT nehme ich ab, es überlegt ausgewählt zu haben.

    Antwort auf "[...]"
  5. kann man an dieser Stadt lieben?

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    ja, man kann diese Stadt lieben.
    Wer einmal den Muff und die Enge in der Provinz erlebt hat, wer dauernd von Bergen und Spießbürgern umgeben ist, der liebt das Freie, das Große und das unkomplizierte der Menschen.
    Der liebt auch manchmal etwas Unordnung, der liebt auch die Aussicht vom Ahlsumer Steig auf den Rhein und die Industrie.

    • KHJ
    • 25. Juli 2010 17:11 Uhr

    Ja, man werden die Vorgänge prüfen, analysieren und aufklären lassen, so die Botschaft nach der Pressekonferenz in Duisburg. Also, den Schuldigen - Aufschub gewähren!

    Dabei sind die Fakten so klar wie das Wasser in der Antarktis. Zu wenig Platz, zu wenig Durchgänge und ein unmöglicher Notfallplan. Am schlimmsten aber, ist die Begründung. Denn man hat die anderen Raver-Gäste auf dem großen Platz weiter feiern lassen, damit nicht noch mehr Panik ausbricht. Auch das scheint zum neuen Sicherheitskonzept der Spaßgesellschaft der Zukunft dazu zugehören?

    So wurde auch unterdessen eine Party am gleichen Abend in Duisburg, die der Sender 1LIVE veranstaltet, mit dem selben Argument durchgeführt. siehe unter "1LIVE ist geschockt"-Interview. Also, das Motto heißt in Zukunft:"Lieber weiter feiern, als den Toten, bei dieser vermeintlichen Massenpanik zu gedenken." Der Chef der Seelsorge meinte, dass es falsch sei, aus der Emotion heraus die Loveparade für immer abzusagen.

    KHJ aus Köln

  6. Unterlassen Sie pietät- und geschmacklose Kommentare. Die Redaktion / mh

  7. ja, man kann diese Stadt lieben.
    Wer einmal den Muff und die Enge in der Provinz erlebt hat, wer dauernd von Bergen und Spießbürgern umgeben ist, der liebt das Freie, das Große und das unkomplizierte der Menschen.
    Der liebt auch manchmal etwas Unordnung, der liebt auch die Aussicht vom Ahlsumer Steig auf den Rhein und die Industrie.

    Antwort auf "was nur"
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    Verzichten Sie auf geschmacklose Kommentare. Die Redaktion / mh

    Nach dreißig Jahren in Duisburg bin ich der Enge und dem Muff der Innenstadt (erst Altstadt dann Innenhafen) entflohen und lebe nun auf dem Dorf. Erstaunliches Ergebnis: Hier leben freundlichere, erheblich tolerantere und auch glücklichere Menschen als ich sie in Duisburg fand.

    Die Toten von der Loveparade tun mir unendlich leid.

    Von mir aus lieben Sie was Sie wollen. Sie werden aber doch nicht im Ernst behaupten wollen, dass Duisburg NICHT Provinz sei? Die relativ große Einwohnerzahl von gut 500.000 ist nicht maßgeblich. Die Stadt hat wenig Gesicht und selbst für Ruhrgebietsverhältnisse wenig zu bieten, geschweige denn, dass sie mit echten Metropolen wie Berlin, München oder Hamburg mithalten könnte. Habe ich eh nicht verstanden, wie man auf die Idee kommen kann, dort die Loveparade abzuhalten.

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