Rücktritt der Bischöfin Missbrauchsopfer verteidigen Jepsen

Die wegen Missbrauchsfällen zurückgetretene Hamburger Bischöfin trifft nach Ansicht Betroffener nur wenig Schuld. Ein kommissarischer Nachfolger steht bereits fest.

Missbrauchsopfer und deren Angehörige zeigen sich nachsichtig: Sie könnten bei der am Freitag zurückgetretenen Bischöfin Maria Jepsen keine unmittelbare Schuld im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen in Ahrensburg bei Hamburg feststellen. "Erst in den letzten Tagen haben wir erfahren, dass Frau Jepsen gar keine Weisungsbefugnis in das Kirchenamt hinein hat", hieß es in einer Erklärung der Betroffeneninitiative Missbrauch in Ahrensburg. Der strukturelle Aufbau der nordelbischen Kirche sei die wesentliche Ursache dafür, dass die schrecklichen Taten in Ahrensburg über so lange Zeit hätten geschehen können.

Ein Sprecher der Nordelbischen Kirche bestätigte, dass Jepsen als Bischöfin keine Entscheidungsbefugnis für Versetzungen oder die Eröffnung von Disziplinarverfahren hatte. Dies sei bei Pastoren zunächst der jeweilige Propst und als zweiter Instanz dann der Personaldezernent im Kirchenamt.

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In den vergangenen Tagen war die Bischöfin im Zusammenhang mit Missbrauchsvorwürfen gegen einen Pastor in Ahrensburg immer stärker in die Kritik geraten. Der Pastor soll vor allem in den achtziger Jahren heranwachsende Jungen und Mädchen missbraucht haben. Die Bischöfin will von den Vorwürfen erst im Frühjahr 2010 erfahren haben; laut Medienberichten hatte sie jedoch bereits 1999 einen Hinweis darauf erhalten.

Nach dem Rücktritt Jepsens als Hamburger Bischöfin am Freitag übernahm Propst Jürgen Bollmann kommissarisch ihre Amtsgeschäfte. Der 62-jährige Theologe war bisher Stellvertreter Jepsens. Er ist Propst im Kirchenkreis Hamburg-Ost und für den Bezirk Harburg zuständig.

Über die Nachfolge Jepsens wird zunächst der Bischofswahlausschuss beraten und erfahrungsgemäß zwei oder drei Kandidaten benennen. Ein Termin für das erste Treffen des Ausschusses unter Vorsitz des Vorsitzenden der Nordelbischen Kirchenleitung, Bischof Gerhard Ulrich, stehe noch nicht fest, sagte Kärst. Ulrich kündigte im NDR Fernsehen an, eine Synode werde voraussichtlich Anfang nächsten Jahres über die Nachfolge entscheiden.

Mit großem Bedauern und Respekt reagierte die Nordelbische Kirche auf den Rücktritt. Es sei "eine besondere Tragik, dass Bischöfin Jepsen mit ihrem Rücktritt Verantwortung für etwas übernimmt, das ihr in keiner Weise als persönliche Schuld angelastet werden kann und darf", sagte der Sprecher.

 
Leser-Kommentare
  1. Wenigstens die ZEIT sollte wissen, daß "Propst" in der Mitte
    nicht mit b geschrieben wird. Es hat mit Probe oder probie-
    ren nichts zu tun.

    • dth
    • 17.07.2010 um 19:13 Uhr

    Was ist jetzt eigentlich los? Nicht einmal mehr die Opfer, die diese Sache ins Rollen brachten, meinen, Frau Jepsens hätte sich etwas vorzuwerfen?
    Wofür ist sie dann zurückgetreten? Weil Sie sich in einer Position wiedergefunden hat, in der sie praktisch nicht mehr gewinnen konnte? Oder weil jemand für die Fehler irgendwo in der Kirchenverwaltung Verantwortung übernehmen muss?
    Was ist überhaupt genau vorgefallen? In welcher Beziehung stehen die Opfer zum Täter?
    Irgendwie ist an den Fall so ziemlich alles unklar, außer dass die Presse gehofft hat, die weibliche, evangelische Version von Mixa gefunden zu haben...

  2. zwei starke Frauen - Käßmann, Jepsen - interne Feinde hatten, die ich sehr ironisch als die Brüder im Herrn bezeichne. - Ich bedaure beide Rücktritte, bin aber andererseits stolz auf diese Frauen, die Verantwortung wieder zu einem Wort mit Inhalt gemacht haben. - Es wäre interessant zu erfahren, wie jetzt wohl aufgeräumt wird. -

  3. Was bleibt einer/m Bischof/öfin noch übrig, wenn erst einmal "Eidesstattliche Erklärungen" in den Redaktionen vorliegen?

    Wer klug ist, geht dann in Deckung, ehe die Kampagne richtig in Schwung kommt. Die persönliche (Un-??)Schuld spielt in der öffentliche Diskussion eh keine Rolle mehr.

    Jeder Erklärung/Rechtvertigung ist dann "versuchte Vertuschung", oder "Verhöhnung der Opfer" auf beides steht die mediale Höchststrafe.

    Frau Bischöfin (em.) Jepsen hat es sicherlich nicht versäumt, in den letzten Wochen die Zeitung aufzuschlagen. Sie wußte also, was ihr geblüht hätte!

    • ztc77
    • 17.07.2010 um 21:42 Uhr
  4. Anerkennung sollte es meiner Meinung nach für ein Aufarbeiten eines Problemes geben, aber nicht, wenn dies auf Drängen der Bevölkerung und nur teilweise geschieht.
    Anerkennung sollte es geben, wenn jemand mal eine unangenehme Wahrheit ausspricht, ohne dass er es unbedingt muss. Dies ist 1999 nicht geschehen (wobei es eigentlich ihre Aufgabe gewesen wäre, dem Hinweis nachzugehen).
    Und wenn die gute Frau jetzt mit 65 Jahren, also dem Rentenalter, ihren Rücktritt anbietet um "Verantwortung zu übernehmen", dann ist das sicher kein Grund, um zu sagen: "Die traut sich mal was, von der sollte es mehr geben"

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    • otacon
    • 18.07.2010 um 2:32 Uhr

    Kann ich genauso unterschreiben. Respekt vor ihrem Lebenswerk – von mir aus. Vor diesem Rücktritt? Auf keinen Fall. Der kommt zu spät, löst die Probleme nicht und erleichtert es den Nachfolgern, so weiterzumachen wie bisher.

    • otacon
    • 18.07.2010 um 2:32 Uhr

    Kann ich genauso unterschreiben. Respekt vor ihrem Lebenswerk – von mir aus. Vor diesem Rücktritt? Auf keinen Fall. Der kommt zu spät, löst die Probleme nicht und erleichtert es den Nachfolgern, so weiterzumachen wie bisher.

  5. Das geht flink - die maßvollen und im besten Sinne christlich humanen Kirchenleitungen und christlichen Politiker gehen sofort aus der "Schusslinie", wenn über alle Medien ohne Maß und Grenze Kampagnen ohne Sinn und Verstand geführt werden. Dann heißt es "über diese Brücke gehe ich nicht" und "Punkt, Schluss - Aus". Mit dem dann noch Einlenken ist das wie beim Autofahren: Wer zu spät ein"lenkt", den bestraft das Leben. Kampagnen brauchen Ziele - da werden Mixa, Frau Jepsen, Koch und Rössler und andere fehlen - der von der Odenwaldschule ist leider verstorben.

    • otacon
    • 18.07.2010 um 2:29 Uhr

    Die Opfer irren – und das dürfen sie auch. Nur weil man ein Opfer ist, ist man nicht der neue moralische Kompass.

    Frau Jepsen war die Bischöfin dieser Kirche. Es hätte in ihrer Verantwortung gelegen, Aufklärung und Diskussionen anzustoßen.

    Die Opfer entlasten sie mit dem Hinweis darauf, dass sie keine direkte Weisungsbefugnis hatte; den Täter also nicht selbst direkt versetzen konnte. Das hat mit ihren Versäumnissen, was Nachforschungen, Aufarbeitungen, Diskussionen, Hilfe für die Opfer und Öffentlichkeit betrifft überhaupt nichts zu tun.

    Und seien wir doch mal ehrlich: Hätte die Bischöfin dem Kirchenamt klar mitgeteilt, dass da ein Missbrauchstäter Pastor ist, wäre er sofort entfernt worden. Man braucht nicht immer eine Weisungsbefugnis, um handeln zu können.

    Anerkennung oder Respekt für einen um 11 Jahre verspäteten Rücktritt finde auch ich übrigens verfehlt (Ich schließe mich da Julian1991 an).

    Am Ende nützt dieser Rücktritt nicht viel. Man sollte herausfinden, wie es passieren konnte, dass Hinweisen nicht nachgegangen wurde – und eine Strategie für die Zukunft entwickeln, damit das nicht wieder vorkommt.

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  • Quelle dpa
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  • Schlagworte Maria Jepsen | Kriminalität | Bischof | Kirche | Nachfolge | Hamburg | Harburg
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