Justiz USA wollen Polanski den Prozess machen
Die US-Justiz hat gegen die Freilassung des Filmregisseurs durch die Schweiz protestiert. Baldmöglichst will man gegen den Gesuchten das Strafverfahren eröffnen.
Roman Polanski ist frei – doch die US-Staatsanwaltschaft will ihm weiterhin den Prozess machen. Er sei tief enttäuscht über die Entscheidung, die Auslieferung des Regisseurs nach Kalifornien zu verweigern, sagte der Bezirksstaatsanwalt Steve Cooley der Los Angeles Times . Polanski sei wegen schwerer Vorwürfe verurteilt, betonte Cooley.
Die USA werfen dem Oscar-Preisträger vor, sich in den siebziger Jahren an einer Minderjährigen vergangen und dann der US-Justiz entzogen zu haben.
Die Schweizer hatten dagegen Polanski aus seinem Hausarrest freigelassen und auf Mängel im Auslieferungsgesuch verwiesen. Auch das Justizministerium in Washington wies den Vorwurf der Schweizer Behörden zurück. Die Staatsanwaltschaft habe alle notwendigen Unterlagen für den Auslieferungsantrag geliefert, sagte Bezirksstaatsanwalt Cooley.
Die USA zeigen auch kein Verständnis für die juristischen Argumente der Schweizer Behörden. Man versuche weiter, den 76-Jährigen zur Verantwortung zu ziehen, sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums. "Ein 13-jähriges Mädchen wurde unter Drogen gesetzt und von einem Erwachsenen vergewaltigt. Das ist keine Frage, bei der es um Formalitäten geht."
Polanskis Verteidiger reagierten erleichtert auf die Freilassung Polanskis. "Ich bin natürlich sehr glücklich für Roman", sagte einer von Polanskis Anwälten, Georges Kiejman. Er hoffe, dass der Filmemacher eines Tages wieder unbehelligt in die USA reisen könne.
Polanski war Ende September 2009 aufgrund eines US-Haftbefehls in Zürich festgenommen worden und stand seit Dezember unter Hausarrest. Die Schweizer Behörden hatten aber entschieden, dass der er wegen des Jahrzehnte zurückliegenden Sexualdeliktes nicht an die USA ausgeliefert wird.
Die US-Staatsanwaltschaft fahndete seit 2005 weltweit nach Polanski. In den siebziger Jahren hatte er ein 13-Jähriges Mädchen betrunken gemacht und es vergewaltigt, 1978 hatte er die Tat gestanden und war dann aber aus den USA geflohen.
Das Opfer Samantha G. hatte sich immer wieder dafür ausgesprochen, den Fall ruhen zu lassen, um nicht weiter in der Öffentlichkeit zu stehen.
- Datum 13.07.2010 - 15:21 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
- Kommentare 5
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Bitte verzichten Sie auf zynische Äußerungen, die von anderen Foristen als geschmacklos und den Betroffenen gegenüber als unangemessen empfunden werden könnten. Danke. Die Redaktion/km
Ja, ärgerlich für Mr. Cooley, seine angestrebte politische Karriere als künftiger Senator hat einen schlimmen Dämpfer erlitten. Mein Beileid. Nur in einem irrt Cooley oder sollte man ganze offen sagen, er lügt, dass sich die Balken biegen? Denn wenn es eine Justiz auf der Welt gibt, wo es auf "Formalitäten" ankommt, dann ist es die US-amerikanische. Wenn man mal die iranische und die chinesische außen vor lässt. Ohne strikte Fixierung auf "Formalitäten" hätte man jemanden wie O.J. Simpson nicht einen Tag nach seinem Mord frei herumlaufen lassen dürfen.
Im Beitrag wird davon gesprochen Sie will den Fall ruhen lassen um nicht weiter in der Öffentlichkeit zu stehen!?
Da entsteht meiner Meinung nach der falsche Eindruck, das wäre ihr einziger Grund!
Allerdings spricht Sie selbst davon, dass Sie ihm verziehen habe und keinen Groll mehr gegen ihn habe. Sie kritisiert vor allem die Medien für die Berichterstattung, die ihr viel mehr Leid zugefügt haben als Polanskis Tat(nochmal: nicht von mir, sondern Zitat Frau G.)
Damit sage ich nichts zur Tat oder der notwendigen Strafverfolgung. Aber schon in der Berichterstattung wird nur das ewige schwarz/weiß Bild, hier die Guten, dort die Bösen - damit der brave Bürger wieder ruhig schlafen kann - propagiert.
Ihr hättet es alle viel leichter wenn wir ein Opfer hätten das nach Rache schreit, dann könnten die Mistgabeln und Fackeln wieder in Aktion treten, selbst wenn sie nur als Metaphern in Zeitungsartikeln verwendet werden...
Ich weiss nicht, was das Teer-und-Federn sowie Berichterstattungs-Lamento immer wieder unter Artikeln der ZEIT zu suchen hat. Erst einmal halte ich es auch für Teil des Opferschutzes, den Namen der Opfer von Sexualgewalttaten nicht zu veröffentlich. Das ist doch gar keine Frage. Es wird jedoch immer so geschrieben, als rufe die BILD Zeitung regelmäßig zu Progromen auf und jährlich würden mindesten 500 Triebtätern in Deutschland durch einen wütenden Mob gesteinigt werden. Trotz der gebetsmühlartigen Wiederholung dieser Behauptungen, entspricht das in keinster Weise der Realität, auch in den USA nicht. Leider hauen auch einige Journalisten in die gleiche Kerbe. In der Berichterstattung der BILD Zeitung zeigt sie auf ganz andere Weise ihr hässliches Gesicht, wenn es um Sexualstrafttäter geht.
Ich weiss auch nicht, was daran eigentlich so verwerflich ist, als Bürger nicht von Verbrechen und Gewalt bedroht werden zu wollen. Wünschen Sie sich Massenvergewaltigungen und angezündete Häuser jede Nacht, damit es etwas liberaler und ungezwungener im Spießer-Deutschland zugehen kann? Oder wünschen Sie sich etwas "freiheitliche" Gewalt nur für die sog. braven Bürger? Das Thema Strafverfolgung im Falle einer Vergwewaltigung ist auch schon lange durch, da es sich um ein Offizialverbrechen handelt.
Es tut mir leid, durch die Gnade der späten Geburt liegt mir dieses Strafbefürworter=Nazi-Denken mehr als fern.
Strafverfolgung im Fall von Gewaltverbrechen, Vergewaltigung und Misshandlung von Kindern muss selbstverständlich aufs schärfste von den entsprechenden Behörden geleistet werden. Aber wir befinden uns in einem Rechtsstaat und hier geht es um Recht und nicht um Gerechtigkeit. Das wird immer wieder verwechselt bzw. die Leute verstehen den Unterschied nicht. Das Recht sind die Spielregeln in einem Land und wenn sie ungerecht sind, dann sollten sie vom Gesetzgeber geändert werden. So wie nun in Deutschland über die Verlängerung der Verjährungsfrist nachgedacht wird (http://www.zeit.de/gesell...).
Polanskis Tat wurde von der US-Justiz damals in den 70gern verfolgt und er wurde verhaftet. Er ist allerdings vor der Strafmaßverkündung aus den Staaten geflohen. Die Tat selbst ist/wäre inzwischen verjährt. Die Flucht aus den USA vor der Strafmaßverkündung kennt keine Verjährungsfrist. Daher kann man nur noch über die Flucht moralisieren. Angesichts der stark politisch gefärbten Justiz in den Staaten, die kaum Rechtssicherheit bietet, kann man die Flucht allein für sich genommen als ein "Kavaliersdelikt" betrachten. So wie man vielleicht die Flucht aus Iran, China oder Nordkorea vor einem Gerichtsurteil als ein Kavaliersdelikt betrachten würde. Ich weiß, dass die Justiz in den USA nicht so schlimm ist wie in den oben genannten Staaten, aber offenbar ist Polanski aus Angst vor der Willkür der US-Justiz geflohen.
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