Polizeigewalt in Deutschland Schläger in Uniform

Prügel, Schikane, Willkür: Amnesty International dokumentiert Fälle von Polizeigewalt in Deutschland – einige davon mit tödlichem Ausgang.

Die nächtliche Feier im Berliner Club Jeton endet abrupt: Maskierte Männer stürmen in die Diskothek. Sie haben Schlagstöcke in den Händen. Sie prügeln auf die Partygäste ein. Ein Gast, der im zweiten Stock feiert, bekommt einen Schlag auf den Kopf, verliert das Gleichgewicht und wird von einem Maskierten erneut ins Gesicht geschlagen. Der Angreifer beschimpft das Opfer wüst. Er und andere treten und schlagen erneut zu. Das Opfer blutet am Kopf. Der Mann verliert das Bewusstsein.

Der Vorfall ereignete sich in der Nacht vom 20. auf den 21. April 2005. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International Deutschland hat ihn nachgezeichnet. Was nach dem Überfall einer Bande klingt oder nach Rivalitäten im kriminellen Milieu, war tatsächlich eine sorgfältig geplante Aktion der Berliner Polizei. Rund 300 Beamte, darunter 100 Mann des Spezialeinsatzkommandos, stürmten den Club Jeton, weil sie dort die Feier gewaltbereiter Hooligans vermuteten. Die Disco steht im Ruf, ein beliebter Treffpunkt von gewaltbereiten Anhängern Berliner Oberliga- und Regionalligaclubs und junger Rechtsextremer zu sein.

Anzeige

Unter den Festgenommenen allerdings waren normale Partygäste, die der Polizei keine Gegenwehr leisteten. Die Bilanz: 158 Festnahmen verzeichneten die Beamten, 152 Personen wurden am Nachmittag des 21. April wieder freigelassen. Nur sechs Festgenommene wurden einem Haftrichter vorgeführt, der in vier Fällen Untersuchungshaft erließ. 

Den Fall schildert die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in ihrem Bericht Täter unbekannt – Mangelnde Aufklärung von mutmaßlichen Misshandlungen durch die Polizei in Deutschland . Die 71 Seiten starke Studie über unverhältnismäßige Polizeigewalt veröffentlichte die Organisation diesen Donnerstag. Darin finden sich viele Übergriffe durch Polizisten, die ungeahndet blieben.

Auch das blutende Opfer aus dem Jeton, das anonym bleiben möchte und im Bericht MM genannt wird, wurde festgenommen. Der damals 33-jährige Kommunikationsingenieur, angestellt beim Deutschen Bundestag, feierte seinen Junggesellenabschied. Die Feier endete im Krankenhaus. Dort stellten Ärzte zwei Platzwunden am Kopf und ein Schädel-Hirn-Trauma fest.

Der Mann leidet bis heute unter den Schlägen – er erkrankte an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Diese psychische Krankheit kann Opfer von Folter, Vergewaltigungen, anderen Gewalttätigkeiten und Teilnehmern von Kriegen treffen.  

Freunde von MM berichteten Amnesty International, dass die Polizisten auch gegen andere Partygäste rücksichtslos und brutal vorgingen. Einer Person wurde von einem Polizisten so heftig in den Magen getreten, dass sie kollabierte. Einem Mann mit einem Gipsarm zerbrachen Beamte den Verband. Ein Gast erlitt nach Angaben von Amnesty International einen doppelten Nasenbruch, wurde aber erst Stunden nach der Festnahme in eine Klinik gebracht. 

Die Berliner Polizei äußerte sich zu den Vorwürden auf Anfrage von ZEIT ONLINE bis zum Erscheinen dieses Artikels nicht.

Eine strafrechtliche Ermittlung gegen die prügelnden Polizisten gab es nicht – kein Opfer wollte eine Anzeige erstatten. Die einzelnen Täter konnten wegen der Masken nicht identifiziert werden. Intern ermittelte die Behörde nicht, obwohl das Land Berlin später in zivilen Verfahren Opfer entschädigte, schreibt AI. 

Selbst wenn Opfer Anzeige erstatten, verlaufen diese meist ohne Ergebnis. Amnesty schildert in dem Bericht auch den Fall von JE, der in Stuttgart von Polizisten eines Ladendiebstahls bezichtigt wurde. Als er in einem Verhör widersprach, soll ihm ein Beamter mit einem Faustschlag den Kiefer gebrochen haben. Die Staatsanwaltschaft stellte nach der Anzeige die Ermittlung ein. Die Begründung: JE könne nicht beweisen, dass sein Kiefer nicht bereits vor der Festnahme gebrochen gewesen sei. JEs Anwalt reichte daraufhin eine Beschwerde ein. Sein Mandat habe von einer Zeugin kurz vor der Festnahme noch etwas zu Essen bekommen. Mit einem gebrochenen Kiefer mache dies wohl keinen Sinn. Doch die Generalstaatsanwaltschaft stellte fest: JE sei Bartträger, eine Deformierung des Kiefers hätte die Zeugin deswegen nicht erkennen können. Der Fall landete später vor dem Oberlandesgericht, dass ein neues Ermittlungsverfahren anordnete. Aus Mangel an Beweisen wurde der Polizist dann aber freigesprochen.

Der Bericht von Amnesty enthält 15 Fälle, zu denen auch die von MM und JE gehören. Demnach starben drei Menschen in Polizeigewahrsam oder nach gewaltsamen Festnahmen, darunter auch der Asylbewerber Oury Jalloh , der am 7. Januar 2005 in einer Zelle der Polizeiwache in Dessau verbrannte.

Auch Adem Özdamar verstarb 2008 nach einer Fesselung auf einer Polizeiwache. Nach dem Konsum von Kokain litt er Paranoia und fühlte sich verfolgt. Er wählte den Notruf, Polizisten holten ihn aus seiner Wohnung ab. Er begleitete die Beamten zunächst freiwillig, auf dem Revier wehrte er sich dann jedoch. Ein Polizist setzte daraufhin Pfefferspray ein, das aber ohne Wirkung bei Özdamar blieb. Daraufhin fesselten Polizisten ihn mit Handschellen, Fußfesseln und Gurten bäuchlings auf einer Liege fest. 13 Beamte waren daran beteiligt. 15 Minuten blieb Özdamar gefesselt, dann wurde eine Notärztin gerufen. Sie stellte fest, dass der Gefesselte nicht mehr atmete und ordnete an, dass er auf den Rücken gedreht werden solle. Die Beamten sollen daraufhin erwidert haben, dass dies wegen seiner Aggressivität nicht geraten sei. Erst nach zwei Minuten lösten sie die Fesseln. Nach 20 Minuten gelang er der Medizinerin Özdaram wiederzubeleben, er fiel jedoch ins Koma und starb später im Krankenhaus. Dort wurden auch Ödeme an seinem Körper festgestellt, die auf Schläge hindeuten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gegenüber Amnesty könne ein Erstickungstod als Todesursache ausgeschlossen werden. Allerdings warnt das Europäische Komitee zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder erniedrigende Behandlung oder Strafe vor der Fixierung von Gefangenen in der Bauchlage – gerade weil das zum Erstickungstod führen kann.

869 Personen meldeten sich in der vergangenen sechs Jahren bei Amnesty um über Probleme mit der Polizei zu berichten. 138 davon untersuchten die Menschenrechtsaktivisten, sprachen mit Zeugen, mit Staatsanwälten, Richtern und forderten Information bei Polizei und Landesbehörden an. Die Menschenrechtsaktivisten will die Polizei in Deutschland nicht unter Generalverdacht stellen. Ein Blick in die Berichte von AI zeigen, dass es Länder gibt, in denen die Polizei systematisch Menschenrechte verletzt – die deutschen Behörden zählen laut Amnesty nicht dazu, dennoch sei der Bericht wichtig. 

"Wenn es um Menschenrechtsverletzungen geht, gibt es kein 'schlimm' und 'schlimmer'. Jeder Einzelfall ist ein Einzelfall zuviel", sagt Monika Lüke, Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland. "Wenn in einem Land wie Deutschland Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen bestehen, dann ist es unsere Aufgabe, diese zu untersuchen und bekannt zu machen."

Bereits 2004 dokumentierte die Organisation mit dem Bericht Erneut im Visier Übergriffe durch Polizisten – die zum Teil tödlich endeten. AI bemängelte damals bereits, dass viele Menschenrechtsverletzungen und andere Straftaten durch Beamte nie aufgeklärt wurden. Den Vorwurf erhebt Amnesty nun erneut und befürchtet, dass so unter Polizisten ein Klima der Straffreiheit entstehen könnte. Die Ermittlungen entsprächen nicht den von Deutschland ratifizierten Menschenrechtsabkommen, wie die Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten oder dem Internationalen Pakt über bürgerlich und politische Rechte oder der UN-Antifolterkommission.

"Unsere Recherche hat gezeigt, dass ernstzunehmende Vorwürfe gegen Polizisten nicht gründlich ermittelt werden. In einigen Fällen werden Ermittlungen erst sehr spät aufgenommen, in anderen werden nicht alle Beweise erhoben, zum Teil steht  auch Aussage gegen Aussage. In solchen Fällen stellt die Staatsanwaltschaft schnell die Ermittlungsverfahren ein, so dass es erst gar nicht zur Gerichtsverhandlung kommt", sagt Monika Lüke. Für einen Rechtsstaat sei das bedenklich.

Die Organisation fordert eine Kennzeichnungspflicht für alle Polizeibeamten, eine Video- und Audioüberwachung in den Gewahrsamsbereichen der Polizei, die Verbesserung der Aus- und Fortbildung der Polizisten sowie die Information der Festgenommenen über Möglichkeiten zur Beschwerde oder Anzeigenerstattung. Die wichtigsten Empfehlungen von Amnesty betreffen aber die internen Ermittlungen. Die Menschenrechtsaktivisten verlangen, dass allen Vorwürfen gegen Polizisten nachgegangen wird und dass es unabhängige Untersuchungen gibt. Dafür seien spezialisierte Dezernate der Staatsanwaltschaft erforderlich und die ermittelnden Beamten dürften nicht aus der gleichen Einheit stammen wie die Beschuldigten.

"In Ländern, in denen es auch unabhängige Untersuchungsinstitutionen gibt, übernehmen diese auch die Aufarbeitung von Verstößen gegen Dienstvorschriften und machen Änderungsvorschläge", sagt Monika Lüke. "Daran  könnte sich Deutschland ein Vorbild nehmen."

 
Leser-Kommentare
    • M.M.
    • 08.07.2010 um 12:18 Uhr

    Die Polizei, dein Freund und Helfer, nach dem Motto: "Na warte Freundchen, Dir helf' ich gleich!!".

    Dass es zu Übergriffen kommen kann, kann man in dem einen oder anderen Fall noch nachvollziehen, keineswegs entschuldigen. Der oben geschilderte Vorfall in der Disco ist derartig UNGLAUBLICH, wie auch die Tatsache, dass keiner (!!) der Opfer Anzeige erstattet hat.
    Ich fass' es nicht !!!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    wissen sie was? es ist genauso unglaublich, dass sie dieser bericht anscheinend überrascht. das geschilderte vorgehen ist kein einzelfall und auch keine neuigkeit.
    tut mir leid wenn das jetzt etwas angeödet klingt.

    Außer dass Verfahren gegen Polizisten in der Regel sowieso eingestellt werden geht man noch das Risiko ein, dass die Polizei mit einer Gegenanzeige, z.B. wegen Widerstand gegen Polizeibeamte antwortet - da gibt es dann auch ganz viele hochglaubwürdige (Polizisten-)Zeugen - und das Risiko, selbst verurteilt zu werden, obwohl an dem Vorwurf nichts dran ist, ist hoch. Ist besonders beliebt bei Straftaten von Polizisten gegen (friedliche) Demonstranten, da Staatsanwälte und Richter davon ausgehen, dass wenn man sein Recht auf Demonstrationsfreiheit wahrnimmt man auch Polizisten erschlägt.

    • joG
    • 09.07.2010 um 13:34 Uhr

    ...Kommentare, die einer völligen Verurteilung des deutschen politischen Systems gleichkommen und unterstellen ihr Illegitimität. Sollte es so schlimm sein, so bedeutete das eine ernsthafte Gefahr für die individuelle Freiheit, da eine notwendige Bedingung eines Polizeistaates erfüllt wäre.

    • kyna
    • 13.07.2010 um 11:59 Uhr

    "man darf nicht so lange mit dem freiheitskampf warten bis er landesverrat genannt wird" erich kästner

    uns wird vom staat eine so schon fast unverschämte form der überwachung als notwendig und angebracht eingeredet dass niemand darüber nachdenkt wie unverschämt es eigentlich ist jeden deutschen als potentiellen straftäter anzusehen!!

    und unsere exikutive die eigentlich vorbilder sein müssten sind nicht einmal in so einem fall zu erfassen!

    es ist egal ob man juristisch hier eine chance hat! das betrifft jeden bürger, so etwas kann anscheinend auch jeden treffen!

    wenn hier schon angst herrscht dass bei einer anzeige gegen die staatsgewalt noch etwas folgen könnte sollte der ganze staat aufstehen!

    wissen sie was? es ist genauso unglaublich, dass sie dieser bericht anscheinend überrascht. das geschilderte vorgehen ist kein einzelfall und auch keine neuigkeit.
    tut mir leid wenn das jetzt etwas angeödet klingt.

    Außer dass Verfahren gegen Polizisten in der Regel sowieso eingestellt werden geht man noch das Risiko ein, dass die Polizei mit einer Gegenanzeige, z.B. wegen Widerstand gegen Polizeibeamte antwortet - da gibt es dann auch ganz viele hochglaubwürdige (Polizisten-)Zeugen - und das Risiko, selbst verurteilt zu werden, obwohl an dem Vorwurf nichts dran ist, ist hoch. Ist besonders beliebt bei Straftaten von Polizisten gegen (friedliche) Demonstranten, da Staatsanwälte und Richter davon ausgehen, dass wenn man sein Recht auf Demonstrationsfreiheit wahrnimmt man auch Polizisten erschlägt.

    • joG
    • 09.07.2010 um 13:34 Uhr

    ...Kommentare, die einer völligen Verurteilung des deutschen politischen Systems gleichkommen und unterstellen ihr Illegitimität. Sollte es so schlimm sein, so bedeutete das eine ernsthafte Gefahr für die individuelle Freiheit, da eine notwendige Bedingung eines Polizeistaates erfüllt wäre.

    • kyna
    • 13.07.2010 um 11:59 Uhr

    "man darf nicht so lange mit dem freiheitskampf warten bis er landesverrat genannt wird" erich kästner

    uns wird vom staat eine so schon fast unverschämte form der überwachung als notwendig und angebracht eingeredet dass niemand darüber nachdenkt wie unverschämt es eigentlich ist jeden deutschen als potentiellen straftäter anzusehen!!

    und unsere exikutive die eigentlich vorbilder sein müssten sind nicht einmal in so einem fall zu erfassen!

    es ist egal ob man juristisch hier eine chance hat! das betrifft jeden bürger, so etwas kann anscheinend auch jeden treffen!

    wenn hier schon angst herrscht dass bei einer anzeige gegen die staatsgewalt noch etwas folgen könnte sollte der ganze staat aufstehen!

    • TDU
    • 08.07.2010 um 12:24 Uhr

    Sehr richtig, was Frau Lüke sagt zum Ende des Artikels. Deustchland hat keinen Grund, sich auf den rechtstaatlichen Strukturen auszuruhen.

    Und was noch auffällt: Bildung scheint nicht der Schlüssel allen Wohls. Wer zur Polizei will, muss doch Abitur haben oder nicht?. Diese, vermutlich von fortschrittlichen Kräften eingeführte Regelung, scheint auch vor äusserst "ungebildeten" Verhaltensweisen nicht zu schützen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    aber was für eins? Die Polizei hat ein (weithin unbekanntes) Riesenproblem bei der Rekrutierung ihrer Nachwuchskräfte: Sie suchen den sportlichen, aber nicht zu unintelligenten Abiturienten - dasselbe, was Militär, Zoll, Bundespolizei etc. wollen. Folge: Man beschränkt seine Ansprüche, was die Abiturnote angeht. Und die Anfänger selbst: Die haben keine Ahnung, was Bürgerrechte etc. angeht. "Was? Wieso nicht erlaubt? Wir sind doch die Polizei! Wir dürfen alles!" (O-Ton an einer Polizeischule)

    und wer abitur hat, kann was und ist moralisch gefestigt oder was? die hälfte meiner klasse waren vollidioten und sind es heute wahrscheinlich immer noch. das sieht man nämlich auch an den universitäten. die meisten studenten sind karriergeile luschis. hauptsache geiler job, egal wo, egal für wen.

    • DDave
    • 08.07.2010 um 14:09 Uhr

    Also nur mal so zur Info, man braucht KEIN Abitur um bei der Polizei anzufangen...

    Und bei der Polizei werden auch nicht alle Abiturienten genommen!

    Ich denke die Voraussetzungen um bei der Polizei anzuheuern sind von Bundesland zu Bundesland verschieden. Bei uns in Bayern braucht man für den gehobenen Dienst (z.B. Kommisar oder sowas) Abi, aber als ganz normaler Streifenpolizist langt auch die Mittlere Reife.
    Irgendwie auch logisch, wer hockt sich schon mit Abi den Rest seines Lebens in's Polizeiauto :)

    denn gleichbedeutend damit, Kenntnisse auch anständig anzuwenden und ein menschlicher Mensch zu sein? -

    • joG
    • 09.07.2010 um 8:40 Uhr

    ....zumal es mit der Rechtstaatlichkeit auch schlechter geworden ist in mancher Hinsicht und Kontrollen der Obrigkeit in Deutschland nur schwach ausgebaut sind.

    • Sozink
    • 09.07.2010 um 12:20 Uhr

    Polizist kann, oder konnte man auch mit einem Sonderschulabschluss oder einem Hauptschulabschluss werden.
    Aber ich glaube nicht, dass dies einen Unterschied macht. Ich weiß worauf Sie hinaus wollen.

    aber was für eins? Die Polizei hat ein (weithin unbekanntes) Riesenproblem bei der Rekrutierung ihrer Nachwuchskräfte: Sie suchen den sportlichen, aber nicht zu unintelligenten Abiturienten - dasselbe, was Militär, Zoll, Bundespolizei etc. wollen. Folge: Man beschränkt seine Ansprüche, was die Abiturnote angeht. Und die Anfänger selbst: Die haben keine Ahnung, was Bürgerrechte etc. angeht. "Was? Wieso nicht erlaubt? Wir sind doch die Polizei! Wir dürfen alles!" (O-Ton an einer Polizeischule)

    und wer abitur hat, kann was und ist moralisch gefestigt oder was? die hälfte meiner klasse waren vollidioten und sind es heute wahrscheinlich immer noch. das sieht man nämlich auch an den universitäten. die meisten studenten sind karriergeile luschis. hauptsache geiler job, egal wo, egal für wen.

    • DDave
    • 08.07.2010 um 14:09 Uhr

    Also nur mal so zur Info, man braucht KEIN Abitur um bei der Polizei anzufangen...

    Und bei der Polizei werden auch nicht alle Abiturienten genommen!

    Ich denke die Voraussetzungen um bei der Polizei anzuheuern sind von Bundesland zu Bundesland verschieden. Bei uns in Bayern braucht man für den gehobenen Dienst (z.B. Kommisar oder sowas) Abi, aber als ganz normaler Streifenpolizist langt auch die Mittlere Reife.
    Irgendwie auch logisch, wer hockt sich schon mit Abi den Rest seines Lebens in's Polizeiauto :)

    denn gleichbedeutend damit, Kenntnisse auch anständig anzuwenden und ein menschlicher Mensch zu sein? -

    • joG
    • 09.07.2010 um 8:40 Uhr

    ....zumal es mit der Rechtstaatlichkeit auch schlechter geworden ist in mancher Hinsicht und Kontrollen der Obrigkeit in Deutschland nur schwach ausgebaut sind.

    • Sozink
    • 09.07.2010 um 12:20 Uhr

    Polizist kann, oder konnte man auch mit einem Sonderschulabschluss oder einem Hauptschulabschluss werden.
    Aber ich glaube nicht, dass dies einen Unterschied macht. Ich weiß worauf Sie hinaus wollen.

  1. Das ist nun schon der dritte oder vierte Bericht von AI zu diesem Thema. Die Vorwürfe sind diesselben und die Fälle ähneln sich. Gerade die zuletzt angesprochenen Punkte (Kennzeichnungspflicht und Ermittlung durch unabhängige Behörden) wären immens wichtig, um Aufklärung bei Fehlverhalten durch Polizisten überhaupt möglich zu machen. Man möchte hoffen, dass sich zumindest tadellos verhaltene Polizisten für neutrale Ermittlungen einsetzten. So liefe man nicht Gefahr gegen die eigenen "Kameraden" zu ermitteln, um als "Nestbeschmutzer" zu gelten und soziale Repressionen in Form von Mobbing zu erleiden. Und wenn noch eine kleine Spitze erlaubt ist; was spricht gegen eine Kennzeichnungspflicht ?
    "Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten."
    Unsereiner muß ständig einen Ausweis bei sich führen, der mit biometrischen Fotos, Fingerabdrücken und demnächst noch elektronischen Chips ausgestattet ist. Bei Demonstrationen und Versammlungen sowie beim Einkaufen werden wir gefilmt. Bei der Kennzeichnungspflicht handelt es sich ja nicht einmal um eine Namensplakette, sondern lediglich um eine kodierte Nummer. Manch einem Innenpolitiker scheint mehr daran gelegen zu sein, die eigene Schutztruppe zu beschützen, als die Bürger seines Landes.
    Kein Wunder, dass viele ihren "Freunden und Helfern" nicht mehr über den Weg trauen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das Argument gegen eine Kennzeichnung von Polizisten mit ihrer Dienstnummer war von konservativer Seite: "Das ist eine Verletzung der Menschenwürde der Polizisten. Ein Mensch ist schließlich keine Nummer."

    • joG
    • 09.07.2010 um 8:45 Uhr

    ...dieses Problem erscheint auf diesen Seiten ab und an. Wie wenig es aber von der Politik beachtet sein will, sieht man im Vergleich seiner Behandlung in den Krimis in den öffentlichen Anstallten. Es kommt kaum vor. In angelsächsischen Krimis ist es allenthalben sichtbar und immer wieder ein Thema, das das Verhalten der Polizisten stark beeinflusst.

    Das Argument gegen eine Kennzeichnung von Polizisten mit ihrer Dienstnummer war von konservativer Seite: "Das ist eine Verletzung der Menschenwürde der Polizisten. Ein Mensch ist schließlich keine Nummer."

    • joG
    • 09.07.2010 um 8:45 Uhr

    ...dieses Problem erscheint auf diesen Seiten ab und an. Wie wenig es aber von der Politik beachtet sein will, sieht man im Vergleich seiner Behandlung in den Krimis in den öffentlichen Anstallten. Es kommt kaum vor. In angelsächsischen Krimis ist es allenthalben sichtbar und immer wieder ein Thema, das das Verhalten der Polizisten stark beeinflusst.

  2. In den meisten Fällen (über 90%, wenn ich die Zahlen richtig im Kopf habe) kommt es nicht zu Ermittlungen. Die Polizisten sind oft vermummt und Zeugen, die deshalb aus den Reihen der Polizei kommen müssten, lassen sich nicht finden.

  3. "Alle Gewalt geht von Staate aus" - schlimm genug, wenn dieses Recht von Seiten der Staatsgewalt zu exzessiv genutzt wird. Noch schlimmer aber, wenn niemand mehr die Straftäter innerhalb der Polizei zur Rechenschaft ziehen kann oder will. Die Glaub- und Vertrauenswürdigkeit von Polizei/Staatsanwaltschaft und der Gerichte steht nachhaltig auf dem Spiel.

    Es solllte doch das ureigenste Anliegen der Polizisten sein, dass man Ihnen uneingeschränkt vertrauen kann. Verliert der Bürger das Vertrauen erschwert es nicht nur die Tätigkeit der Polizei, sondern führt oft genug zu neuen Straftaten, insbesondere zur Selbstjustiz.

    Die Polizei ist mit ihrer Selbstüberwachung im wahrsten Sinne des Wortes allein gelassen. Warum sind nicht in allen Bundesländern alle Polizisten klar und eindeutig identifizierbar? Warum gibt es keine echte "interne Abteilung", die gegen Straftäter in Uniform ermittelt und diese den Gerichten zuführt? Warum wehrt sich der Großteil der "guten" Polizisten nicht vehement gegen die schwarzen Schafe in ihren Reihen? Selbstbereinigung sieht anders aus.

    Niemand erwartet von der Polizei, perfekt zu sein - schliesslich sind Polizisten auch nur Menschen. Aber wenn der Rechtsstaat den Anspruch erhebt, zwischen Straftätern und Nicht-Straftätern mit Hilfe von Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichten unterscheiden zu wollen, dann muß dieser Anspruch gegenüber den eben genannten Organe genauso gelten.

    Der Staat bin ich ... auch!

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Vom Volke, nicht vom Staate. Und mit Gewalt ist nicht körperliche Gewalt gemeint.

    Vom Volke, nicht vom Staate. Und mit Gewalt ist nicht körperliche Gewalt gemeint.

  4. wechselt die Elite das System und aus der sog. Demokratie vor Elites Gnaden wird aus Kostengründen ein Polizeistaat......Hurra Schland

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 09.07.2010 um 8:49 Uhr

    .....aber einige Trends der momentanen Situation sollten schon genau verfolgt werden. Die Hetze gegen wechselnde Minoritäten und der Verfall rechtsstaatlicher Normen sind real und ebenfalls oft Vorboten einer Reduzierung persönlicher Freiheiten in einer Gesellschaft.

    • joG
    • 09.07.2010 um 8:49 Uhr

    .....aber einige Trends der momentanen Situation sollten schon genau verfolgt werden. Die Hetze gegen wechselnde Minoritäten und der Verfall rechtsstaatlicher Normen sind real und ebenfalls oft Vorboten einer Reduzierung persönlicher Freiheiten in einer Gesellschaft.

  5. guter Witz. Menschen in Machtpositionen neigen immer dazu diese Machtposition auszunutzen, insbesondere wenn sie die Verantwortung für ihre Taten abgeben können. Dies ist auch in o. g. Fall, der Fall. Es wurden gewahltsame Festnahmen gewährt, also werden sie auch eingesätzt. Für mich ist das nichts neues. Wenn ich mich nicht täusche gilt auch das Wort eines Polizisten vor gericht mehr als das wort einens Bürgers, da ein Polizist vereidigt wurde. Die Möglichkeiten gegen einen Polizisten vorzugehen sind wie im Artikel genannt mehr als begrenzt. Ich finds einfach nur Traurig.

    • TDU
    • 08.07.2010 um 12:54 Uhr

    Angst vor jedem Polizisten und die Ehe ist auch nichts wert, weil so viele fremd gehen. Glücklicherweise orientiert sich die Gesetzgebung -noch nicht- an den Übertreibungen.

    Antwort auf

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service