Verantwortung der Stadt Duisburgs OB lehnt Rücktritt weiter ab

Nach der Katastrophe bei der Loveparade wird die Kritik an Adolf Sauerland immer schärfer. Doch der Oberbrügermeister schließt persönliche Konsequenzen vorerst aus.

Der wegen der Katastrophe bei der Loveparade mit 19 Toten in die Kritik geratene Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland lehnt seinen Rücktritt weiterhin ab. Er könne diese Forderung nachvollziehen, teilte das Stadtoberhaupt in einer schriftlich verbreiteten Stellungnahme mit. "Doch heute und in den nächsten Tagen muss es darum gehen, die schrecklichen Ereignisse aufzuarbeiten und die vielen Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammenzufügen."

Zuvor hatte Sauerland einen Rücktritt nicht gänzlich ausgeschlossen. "Gestern und auch heute ist die Frage nach Verantwortung gestellt worden, auch nach meiner persönlichen. Ich werde mich dieser Frage stellen, das steht außer Frage", sagte er am Morgen im Radiosender WDR2 . Zunächst müsse es darum gehen, die schrecklichen Ereignisse vom Samstag aufzuarbeiten . "Und wenn wir wissen, was da passiert ist, dann werden wir auch diese Frage beantworten. Das verspreche ich."

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Hilfe für Betroffene

Die Polizei hat eine Hotline unter der Telefonnummer 0203/94 000 für Angehörige von Opfern und Vermissten geschaltet.

Unter der Telefonnummer 0201/82 98 091 wird Menschen Hilfe angeboten, die aufgrund ihrer schockierenden Erlebnisse am Samstag ein persönliches Betreuungsangebot in Anspruch nehmen möchten.

Die Helfer sind auch unter der E-Mail-Adresse Betreuungsangebot.Loveparade@polizei.nrw.de zu erreichen.

Gegen den CDU-Politiker richtet die Wut vieler Angehöriger. Am Sonntag war er von Trauernden körperlich angegriffen worden . Medienberichten zufolge wurde er ausgebuht und beschimpft, ein Mann hatte ihn mit Müll beworfen und am Jacket getroffen. Leibwächter sollen ihn weg zu seinem Dienstwagen gezogen haben. Sauerland bestätigte den Angriff. "Das ist so. Das waren Menschen, die trauern, die ihren Emotionen freien Lauf gelassen haben und das verstehe ich." Dennoch verteidigte er auch die Verantwortlichen der Stadt Duisburg. "Wir haben alles darum gegeben, ein sicherer Austragungsort zu sein. Dafür haben wir gearbeitet, dafür haben wir gekämpft." 

Bei der Katastrophe während der Loveparade gab es neben den 19 Todesopfern auch mehr als 500 Verletzte. Einer von ihnen schwebt noch immer in Lebensgefahr. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung aufgenommen und dazu die Unterlagen der Organisatoren beschlagnahmt. Diese werden mit massiven Vorwürfen wegen falscher Planung und Einschätzung des Massen-Events konfrontiert.

Sauerland sagte, es gebe drängende Fragen, auf die nun Antworten gefunden werden müssten. Die Stadt Duisburg werde die Staatsanwaltschaft in ihrer Arbeit unterstützen. Auch die Rolle der Stadt gelte es zu beleuchten. "Wenn sich die Stadt etwas vorzuwerfen hat, dann werden wir Verantwortung übernehmen", hieß es in der Erklärung des Oberbürgermeisters.

Ein internes Verwaltungsdokument aus Duisburg soll die Schwachstellen des Sicherheitskonzepts bei der Großveranstaltung mit insgesamt bis zu 1,4 Millionen Besuchern belegen. So habe der Veranstalter nicht die sonst vorgeschriebene Breite der Fluchtwege einhalten müssen . Zugleich sei das Gelände ausdrücklich nur für 250.000 Menschen zugelassen gewesen. 

Eine rasche Aufklärung der Ursache für das Unglück ist jedoch nicht zu erwarten. "Das wird Wochen, wenn nicht Monate dauern", sagte Staatsanwalt Rolf Haferkamp. Es müssten viele Zeugen befragt werden, die auch erst ausfindig gemacht werden müssten. "Wir werten auch Fotos und Videos aus." Zudem würden zahlreiche Unterlagen überprüft.

 
Leser-Kommentare
  1. Träte Herr Oberbürgermeister Sauerland zurück, wäre dies angemessener Ausdruck der Übernahme der Verantwortung. Ich glaube, dass dies der Stadt, den Trauernden und auch dem Oberbürgermeister selbst gut täte. Ähnlich sollten auch der Polizeipräsident und andere Duisburger Beamte reagieren.

    Keiner würde dies als ein persönliches Schuldanerkenntnis deuten. Jeder würde aber diesen Schritt respektvoll würdigen.

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    die stadt hat das fragliche gelände für 250'000 menschen zugelassen; wenn der veranstalter nicht dafür sorgt, dass die zahl eingehalten wird, dann liegt die schuld daran nicht beim oberbürgermeister sondern beim veranstalter!
    die veranstalter haben die menschenmassen über lautsprecher instruiert und über das volle gelände informiert. wer auf wichtige hinweise nicht hören will oder sich so betrinkt, dass er gar nicht mehr darauf hören kann, trägt ebenfalls mitschuld.
    wenn leute über zäune und auf masten steigen und herunterstürzen, dann kann man das ebenfalls nicht dem oberbürgermeister anlasten sondern nur den betreffenden dummköpfen selbst.
    wieso also soll der oberbürger für all dies seinen kopf hinhalten?

    • Hickey
    • 26.07.2010 um 13:05 Uhr

    Rücktritte zu fordern halte ich nicht für richtig, denn damit entziehen sie die Verantwortlichen der Verantwortung.

    Vielmehr sollten diese schärfer überwacht werden und man sollte ihnen die Chance geben sich zu verbessen.

    Mit einem Rücktritt haben wir nur einen Politiker mehr, der sich so der Verantwortung entziehen konnte(Auf druck der Öffentlichkeit) und noch mit hohen Pensionen belohnt werden.

    Nein er soll im Amt bleiben und für die restliche Zeit keine Pensionsansprüche erhalten, er soll wiedergutmachen was er falsch gemacht hat.

    die stadt hat das fragliche gelände für 250'000 menschen zugelassen; wenn der veranstalter nicht dafür sorgt, dass die zahl eingehalten wird, dann liegt die schuld daran nicht beim oberbürgermeister sondern beim veranstalter!
    die veranstalter haben die menschenmassen über lautsprecher instruiert und über das volle gelände informiert. wer auf wichtige hinweise nicht hören will oder sich so betrinkt, dass er gar nicht mehr darauf hören kann, trägt ebenfalls mitschuld.
    wenn leute über zäune und auf masten steigen und herunterstürzen, dann kann man das ebenfalls nicht dem oberbürgermeister anlasten sondern nur den betreffenden dummköpfen selbst.
    wieso also soll der oberbürger für all dies seinen kopf hinhalten?

    • Hickey
    • 26.07.2010 um 13:05 Uhr

    Rücktritte zu fordern halte ich nicht für richtig, denn damit entziehen sie die Verantwortlichen der Verantwortung.

    Vielmehr sollten diese schärfer überwacht werden und man sollte ihnen die Chance geben sich zu verbessen.

    Mit einem Rücktritt haben wir nur einen Politiker mehr, der sich so der Verantwortung entziehen konnte(Auf druck der Öffentlichkeit) und noch mit hohen Pensionen belohnt werden.

    Nein er soll im Amt bleiben und für die restliche Zeit keine Pensionsansprüche erhalten, er soll wiedergutmachen was er falsch gemacht hat.

  2. "Wir haben alles darum gegeben, ein sicherer Austragungsort
    zu sein. Dafür haben wir gearbeitet, dafür haben wir gekämpft."

    Platz für 250.000 Menschen,
    bei erwarteten 1. Million mindestens ?????????????????????

    Mit nur einem ZUGANG/AUSGANG ?????????????????????????????

    und sein festhalten am Amt, warscheinlich nur um Einfluss
    auf die Ermittlungsbehörden zu nehmen um möglichts die
    eigene Schuld so gut es geht zu vertuschen...

    Unmoralisch & Abscheulich

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    • TDU
    • 26.07.2010 um 11:50 Uhr

    Sie sind ein Scharfrichter. Ihre moralisierende Verdammung verkennt doch das, was im Vorfeld abgeht. Wo war denn die Opposition, der Veranstalter, die Kulturschaffenden?. Es ging auch um das Ansehen der Metropole Ruhgebiet.

    Der wollte den Spass nicht verderben, aber da war er nicht der Einzige. Aber CDU reicht natürlich aus. Wie beim Archiv Einsturz in Köln. Über die Verpflichtungen der von rot oder grün besetzten Ämter wurde großzügig hinweggesehen. Bin kein Mitglied der CDU und wäre die Linke dran gewesen, wäre meine Argumentation nicht anders.

    • TDU
    • 26.07.2010 um 11:50 Uhr

    Sie sind ein Scharfrichter. Ihre moralisierende Verdammung verkennt doch das, was im Vorfeld abgeht. Wo war denn die Opposition, der Veranstalter, die Kulturschaffenden?. Es ging auch um das Ansehen der Metropole Ruhgebiet.

    Der wollte den Spass nicht verderben, aber da war er nicht der Einzige. Aber CDU reicht natürlich aus. Wie beim Archiv Einsturz in Köln. Über die Verpflichtungen der von rot oder grün besetzten Ämter wurde großzügig hinweggesehen. Bin kein Mitglied der CDU und wäre die Linke dran gewesen, wäre meine Argumentation nicht anders.

  3. Sehr geehrter Herr Borrmann!

    Ich muss Ihnen leider widersprechen: Ein Rücktritt des Herrn OB Sauerland würde ihm zum jetztigen Zeitpunkt als uneingeschränktes Schuldeingeständnis zur Last gelegt werden.

    Ich denke, es ist momentan für uns (Bürger) Zeit, der Toten zu Gedenken, zu trauern und den Verletzten baldige Genesung zu wünschen. Alles weitere wird die Staatsanwaltschaft prüfen.

    Es grüßt,
    Kassander

  4. Zitat: "Wir haben alles darum gegeben, ein sicherer Austragungsort zu sein. Dafür haben wir gearbeitet, dafür haben wir gekämpft."

    Diese Verhöhnung macht mich wütend...

    Wie sehen im Moment die Fakten aus?
    1. Der Bahnhof musste wegen Überfüllung geschlossen werden.
    2. Die Zugangswege waren überfüllt, einige Teilnehmer sind über die Gleise und durch Vorgärten in Richtung Veranstaltungsgelände gelaufen.
    3. Der Zu- und Abgang war nicht getrennt.
    4. Verschraubte(!) Metallzäune und Polizeisperren blockierten alle alternativen Wege.
    5. Die Polizei ist gegen Teilnehmer teilweise brutal vorgegangen, die das Gelände auf alternativen Wegen verlassen wollten.
    6. Die Polizei hat Teilnehmer teilweise davon abgehalten, den Betroffenen zu helfen ... und das teilweise mit unnötiger Brutalität
    7. Als die Menschenmenge zu groß wurde, hat die Einsatzleitung keine Alternativ-Strategie freigegeben.

    "Wir haben alles darum gegeben, ein sicherer Austragungsort zu sein." ???

    Nein, nach den vorliegenden Berichten und Bildern im Internet war die Veranstaltung stümperhaft organisiert. Das "Sicherheitskonzept" war seinen Namen nicht Wert und die Sicherheitskräfte waren hoffnungslos überfordert.

    Ausserdem scheint das Gelände für den zu erwartenden Ansturm weder von der Größe noch von der Lage her geeignet gewesen zu sein.

    Eine Loveparade ist kein Konzert, wo die Menschen für 2 Stunden hingehen, sich hinsetzen und danach das Gelände wieder verlassen.
    Das wussten die Organisatoren.

    • tom67
    • 26.07.2010 um 11:38 Uhr

    [Entfernt. Nochmals möchten wir unsere Leser dazu auffordern, von Vorverurteilungen abzusehen. Vielen Dank. /Die Redaktion pt.]

    • TDU
    • 26.07.2010 um 11:42 Uhr

    Natürlich, einer muss schuld sein. Ist er auch, aber andere auch. Nämlich diejenigen die ihn unmittelbar zum Spass- und Renommeeverderber erklärt hätten, wenn er die Veranstaltung untersagt hätte. Z. B. die Kulturschaffenden, die sich Prestige erhofften. Der Veranstalter, der bei seiner Erfahrung selbst hätte merken müssen, dass es so nicht geht.

    Alle haben gehofft, dass es gut geht. Sowie beim Archiveinsturz in Köln. Da hat sich auch jeder auf den anderen verlassen. Man will ja nicht autoritär drängeln positiv gesehen. Neagtiv: man hat keine Lust auf Auseinadersetzung.

    • TDU
    • 26.07.2010 um 11:50 Uhr

    Sie sind ein Scharfrichter. Ihre moralisierende Verdammung verkennt doch das, was im Vorfeld abgeht. Wo war denn die Opposition, der Veranstalter, die Kulturschaffenden?. Es ging auch um das Ansehen der Metropole Ruhgebiet.

    Der wollte den Spass nicht verderben, aber da war er nicht der Einzige. Aber CDU reicht natürlich aus. Wie beim Archiv Einsturz in Köln. Über die Verpflichtungen der von rot oder grün besetzten Ämter wurde großzügig hinweggesehen. Bin kein Mitglied der CDU und wäre die Linke dran gewesen, wäre meine Argumentation nicht anders.

  5. Wir haben nur die Zahlen von der Bahn, und demnach sind nur 100500 Passagiere angekommen. Davon wollte sicher nur ein kleiner Teil auf die Loveparade!
    Der Tunnel war sicher und großzügig dimmensioniert.
    Zu den Todesfällen kam es nur, weil einige über die Zäune geklettert sind. Im Tunnel wurde keiner "totgetrampelt.
    Wir haben alles für die Sicherheit getan: Wir verzichteten auf die vorgeschriebene Breite der Fluchtwege und auf Feuerwehrpläne (das hätte ja Geld gekostet). Außerdem verzichteten wir auf eine Videoüberwachung im Tunnel; wir hatten ja Hubschrauber in der Luft!

    pecunia non olet
    beati pauperes spiritu, sic eos caelum est
    manus manum lavat

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