Trauerfeier in Duisburg "Sie sind nicht allein"

Die Trauerfeier für die Loveparade-Opfer lässt Duisburg langsam wieder zu sich selbst finden. Auch dank einer bewegenden Rede von Hannelore Kraft.

Trauerfeier in Duisburg: Eine Rettungshelferin zündet eine der insgesamt 21 Kerzen zum Gedenken an die 21 Opfer der Loveparade an

Trauerfeier in Duisburg: Eine Rettungshelferin zündet eine der insgesamt 21 Kerzen zum Gedenken an die 21 Opfer der Loveparade an

Da stehen sie wieder, die Polizeibusse und Sanitätswagen, die Notärzte und die Feuerwehr. Auch die Absperrgitter sind wieder da, an diesem Samstagmorgen am Duisburger Hauptbahnhof. Sie sollen für Sicherheit sorgen, wie sie vor genau einer Woche am alten Güterbahnhof für Sicherheit sorgen sollten. Von irgendwo her schallen Sirenen durch die Straßen.

Wer auch am vergangenen Samstag hier war, am Tag des Unglücks, der läuft heute mit einem mulmigen Gefühl durch die Stadt. Zu sehr erinnert das Aufgebot der Sicherheits- und Ordnungskräfte an die Katastrophe, die 21 Menschen aus dem Leben riss.

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Die Trauerfeier ist nun selbst zur Großveranstaltung geworden. 10.000 bis 100.000 Leute hatte die Polizei im Vorhinein erwartet. Der eigentliche Gottesdienst aus der Salvatorkirche in der Innenstadt wird in etliche Kirchen übertragen, auch im Stadion des MSV Duisburg flimmern die Bilder über die großen Leinwände. Der Fußball-Tempel wurde zur riesigen Trauer-Kirche umfunktioniert. Shuttlebusse sind eingerichtet, Straßenbahnen werden umgeleitet. Man will diesmal auf alles vorbereitet sein.

Doch um zehn vor elf Uhr, kurz vor Beginn des Gottesdienstes, sitzen gerade einmal etwa 1000 Menschen im Stadion. Sie haben sich fast alle in einer Ecke der Tribünen versammelt, sie suchen die Gemeinschaft der anderen Trauernden. Der große Rest der 31.500 Plätze bleibt frei. In schwarzen Kapuzenpullis sind einige gekommen, einer trägt ein schwarzes Fußball-Shirt, "Deutschland" steht groß hinten drauf. Es sind Menschen, bei denen man vermuten darf, dass sie nicht gerade regelmäßige Kirchgänger sind.

Aber das spielt heute keine Rolle. Ordner verteilen Blätter mit Liedtexten zum Mitsingen, im Mittelkreis steht auf einem Podest eine große Kerze, die Notfallseelsorger vom Unglücksort hierher gebracht haben. Es ist andächtig still im weiten Rund, und als die ersten Orgeltöne erklingen, fließen auch die ersten Tränen auf der Tribüne. Hier sind nicht der Ort und die Zeit für die Wut , die die Stadt in den vergangenen Tagen beherrscht hat. Das hier ist die Stunde der Trauer.

Stefan Völker, schwarzer Anzug, weißes Hemd, ist einer der Trauernden. Der 53-jährige Bankangestellte lebt seit 16 Jahren in Duisburg. Er war am vergangenen Samstag auch auf der Loveparade, hat von dem Unglück aber erst später erfahren. Seit Mittwochabend schon beteiligt er sich an der Totenwache im Unglückstunnel. "Um sechs, sieben Uhr komme ich von der Arbeit nach Hause, dann zieh ich mich um und geh' direkt zum Tunnel. Da stehe ich dann bis ein, zwei Uhr nachts", berichtet er. Die Feier heute ist für ihn der Höhepunkt seiner Trauerarbeit.

Leser-Kommentare
  1. kamen so wenige, weil Trauer etwas sehr persönliches ist, das man lieber für sich daheim, im kleinen Kreis abmacht. Und vor allem: wer von den Duisburgern verspürt nach all den Ereignissen heute Lust auf eine Großveranstaltung??

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    • Buh
    • 31.07.2010 um 20:21 Uhr

    ...dass wenn man grade einer MAsssenpanik entkommen sit, nicht gerade lust hat, sich in neue Massen hineinzugeben und sich zb in ein Fußballstadion zu setzen. von daher war es mir sowieso total verwunderlich, warum die das gemacht haben.

    Im übrigen möchte ich sagen, dass ich die Kirche als Lokation eineNF ehlgriff finde. Die meisten Menschen sind nicht Kirchgänger und es wäre schön wenn man das ohne diese Chrsitliche Kirche hinbekommen hötte. Man kann auch um seine toten und verwundeten trauern, ohne sich einem vorgegeben Gott hingeben zu müssen.

    Aber gut...ich will nicht mehr kritsieren...das alles sit so schrecklich. Aber derartiges passiert jeden tag, jeden tag sterben menschen durch ein unglück oded leiden, auch WEGEN uns. Ich finde es scheinheilig, wie übertrieben diese Trauerfeier aufgezogen wurde. Wenn ich mir überlege wieviele MEnschens terben weil sie anch europa wollen um ein neues Leben zu beginnen...Italien lässt sie ertrinken. Gewährt ihnen keiN Asyl, schiebt sie wieder in Folterstaaten ab...Darüber trauern wir nicht, wir ignorieren das ganze leid, und klümmern uns nur um das, was uns unmittelbar betrifft. Daher finde ich es scheinheilig.

    Dass die Betroffenen einen raum und einen Anlass brauchen um zu trauern ist etwas anderes, das trifft meine kritik nicht. Dieser Raum sollte gegebn werden, und das trauern muss zugelassen werden. Mir geht es mehr um das drumherum.

    • Buh
    • 31.07.2010 um 20:21 Uhr

    ...dass wenn man grade einer MAsssenpanik entkommen sit, nicht gerade lust hat, sich in neue Massen hineinzugeben und sich zb in ein Fußballstadion zu setzen. von daher war es mir sowieso total verwunderlich, warum die das gemacht haben.

    Im übrigen möchte ich sagen, dass ich die Kirche als Lokation eineNF ehlgriff finde. Die meisten Menschen sind nicht Kirchgänger und es wäre schön wenn man das ohne diese Chrsitliche Kirche hinbekommen hötte. Man kann auch um seine toten und verwundeten trauern, ohne sich einem vorgegeben Gott hingeben zu müssen.

    Aber gut...ich will nicht mehr kritsieren...das alles sit so schrecklich. Aber derartiges passiert jeden tag, jeden tag sterben menschen durch ein unglück oded leiden, auch WEGEN uns. Ich finde es scheinheilig, wie übertrieben diese Trauerfeier aufgezogen wurde. Wenn ich mir überlege wieviele MEnschens terben weil sie anch europa wollen um ein neues Leben zu beginnen...Italien lässt sie ertrinken. Gewährt ihnen keiN Asyl, schiebt sie wieder in Folterstaaten ab...Darüber trauern wir nicht, wir ignorieren das ganze leid, und klümmern uns nur um das, was uns unmittelbar betrifft. Daher finde ich es scheinheilig.

    Dass die Betroffenen einen raum und einen Anlass brauchen um zu trauern ist etwas anderes, das trifft meine kritik nicht. Dieser Raum sollte gegebn werden, und das trauern muss zugelassen werden. Mir geht es mehr um das drumherum.

  2. [...]

    Frau Kraft hat völlig recht, dass wir unser Wertesystem dringend überdenken müssen. Die Duisburger haben damit heute ernst gemacht. Sie sind diesem Medienspektakel ferngeblieben, das Politiker in Szene setzt, die die Angehörigen verdrängen und die Veranstaltung hijacken.

    [...]

    Moderiert. Bitte unterlassen Sie Aussagen, die als hetzerisch verstanden werden können. Die Redaktion/is

  3. ..."warum ist es nicht die erwartete Großveranstaltung mit bis zu 100.000 Menschen?"

    Die Antwort steckt in der Frage: Trauergottesdienste sind keine Großveranstaltungen! Schon gar keine planbaren. Frau Kraft war die Einzige, die durch ihre Ansprache dem Gottesdienst, dem Tag, ja der ganzen Woche etwas Wärme und Hoffnung gegeben hat. Alles andere zuvor war absurd und erbärmlich. Das mag für Viele ein Grund gewesen sein, hier fern zu bleiben.

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    • Buh
    • 31.07.2010 um 20:22 Uhr

    bei dem fußballer, der sich selbst umgeb racht hat, haben wir es doch auch geschafft ein Stadion medienwirksam zu füllen, oder etwa nicht?

    • Buh
    • 31.07.2010 um 20:22 Uhr

    bei dem fußballer, der sich selbst umgeb racht hat, haben wir es doch auch geschafft ein Stadion medienwirksam zu füllen, oder etwa nicht?

  4. ... die Toten, die Verletzten, die Traumatisierten, die Angehörigen, die Freunde, die Trauernden.

    Sie sind allein, weil die in der ersten Reihe in dieser Kirche nur leere Worthülsen. Sie sind allein, weil die, die ... sagen wir es politisch korrekt... an der Planung dieses Großereignis beteiligt waren, nicht da waren. Sie sind allein - weil ihnen keiner sagt, dass es ihm leid tut. Weil keiner der Beteiligten den Anschein erweckt, wirkliche etwas zu tun, etwas damit zu tun zu haben. Weil die, die beteiligt waren, auf welche Art auch immer mit ihnen nichts zu tun haben wollen. Sie wollen ihren Ruf, Karriere, Pensionen, Parteiansehen, Status schützen.

    Sie sind allein, weil niemand, der an der Planung beteiligt war, Anteil nimmt. An ihrem Tod, ihrem Schmerz, ihrer Trauer.

    "Warum sind so wenige Menschen hier, warum ist es nicht die erwartete Großveranstaltung mit bis zu 100.000 Menschen?"

    Diese Frage ist einfach zu beantworten. Sie sind nicht gekommen, weil dies eine politische Veranstaltung ist. Weil die Mahnwachen im Tunnel Trauerfeiern sind. Weil die Menschen dort nicht allein sind. Weil Angehörige, Freunde dort nicht allein sind.

    In der Kirche ging es darum, die Anteilnahme einiger Parteibuch-Inhaber zu demonstrieren.

    Es hätte viele Arten gegeben - diese Kirche mit den Politikern in vorderster Reihe war m.E. die Schlechteste.

  5. Und es sollte nicht für ein neues "Megaevent" mßbraucht werden.
    Deshalb sind auch nur 1.500, und nicht wie erwartet, 100.000 gekommen.
    Das war ein Event für die Politclowns und ihrem Anhang.
    Die wirklich trauernten sind zu hause geblieben.

  6. Bei allen Fragen, die bis heute von den Verantwortlichen unbeantwortet gelassen wurden, gebietet eine Trauerfeier, kurz einzuhalten.

    Bei der Rede von Frau Ministerpräsidentin Kraft standen mir die Tränen in den Augen.

    Heute ist Zeit des Gedenkens, Zeit für Fragen und (hoffentlich) auch Antworten ist in den nächsten Tagen noch genug.

    Nochmals mein tief empfundenes Beileid an alle Angehörigen und Freunde der Opfer.

  7. 7. Kraft

    Habe auch Krafts Rede gesehen. Behaltet die mal im Auge! Die hat Kanzlerinnenformat!

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    Wer glaubt, die Reden würden von den Politikern selbst geschrieben, irrt. Also aufgepasst, nicht von den verlesenen Reden auf die Qualität der Gedanken schliessen !

    • Buh
    • 31.07.2010 um 20:38 Uhr

    Manche reden werden zugeschrieben, aber lagne nicht alle, und DIESE ganz sicher nicht. Das war kein politisches Tagesgeschehen, die Frau war selber betroffen!!! Sie hat stundenlang auf ein lebenszeichen ihres Sohnes warten müssen, der auch auf der Loveparade war. Ich nehme ihr diese Rede vollkommen ab.

    Ich glaube im übrigen auch, dass sie den Schneid und das Staatsmännische hat, um den Kanzlerposten zu übernehmen. Besser als Merkel wäre sie allemal...aber das sind wohl die meisten ;)

    Nein im ernst. Kraft ist keine schlechte Politikerin und zwar weil sie ein guter Mensch zu sein scheint. Irren kann man sich immer, aber das ist mein Eindruck von ihr vona anfang an.

    Selbst wenn nicht, sollte man ihr aber den "Ruhm" der eher die Anerkennung für diese Rede lassen. Sie trifft einfach mitten ins herz.

    • ubor
    • 01.08.2010 um 10:49 Uhr

    Zunächst ist festzustellen: Frau Kraft hat Format als Trauerrednerin. Ob das die anderen Qualifikationen mit einschließt, die man als Kanzlerin benötigt, muss sicher erst noch erforscht werden.

    Wer glaubt, die Reden würden von den Politikern selbst geschrieben, irrt. Also aufgepasst, nicht von den verlesenen Reden auf die Qualität der Gedanken schliessen !

    • Buh
    • 31.07.2010 um 20:38 Uhr

    Manche reden werden zugeschrieben, aber lagne nicht alle, und DIESE ganz sicher nicht. Das war kein politisches Tagesgeschehen, die Frau war selber betroffen!!! Sie hat stundenlang auf ein lebenszeichen ihres Sohnes warten müssen, der auch auf der Loveparade war. Ich nehme ihr diese Rede vollkommen ab.

    Ich glaube im übrigen auch, dass sie den Schneid und das Staatsmännische hat, um den Kanzlerposten zu übernehmen. Besser als Merkel wäre sie allemal...aber das sind wohl die meisten ;)

    Nein im ernst. Kraft ist keine schlechte Politikerin und zwar weil sie ein guter Mensch zu sein scheint. Irren kann man sich immer, aber das ist mein Eindruck von ihr vona anfang an.

    Selbst wenn nicht, sollte man ihr aber den "Ruhm" der eher die Anerkennung für diese Rede lassen. Sie trifft einfach mitten ins herz.

    • ubor
    • 01.08.2010 um 10:49 Uhr

    Zunächst ist festzustellen: Frau Kraft hat Format als Trauerrednerin. Ob das die anderen Qualifikationen mit einschließt, die man als Kanzlerin benötigt, muss sicher erst noch erforscht werden.

    • Nellia
    • 31.07.2010 um 17:59 Uhr

    Danke, Frau Kraft, das waren die richtigen Worte. Wenigstens einer auf unserer Seite.

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    ... wäre glaubwürdiger gewesen, wenn sie den Hinterbliebenen konkret versprochen hätte, die planerischen Sorglosigkeiten und menschlichen Schwächen, die diese Katastrophe möglich gemacht haben, mit aller persönlichen Kraft für die Zukunft auszuschließen.

    ... wäre glaubwürdiger gewesen, wenn sie den Hinterbliebenen konkret versprochen hätte, die planerischen Sorglosigkeiten und menschlichen Schwächen, die diese Katastrophe möglich gemacht haben, mit aller persönlichen Kraft für die Zukunft auszuschließen.

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