"Wie konnte das geschehen? Und wer ist verantwortlich?"
Auf der Leinwand unter dem Stadiondach ist jetzt Nikolaus Schneider zu sehen, der Präses der evangelischen Kirche im Rheinland. Er blickt auf seine Aufzeichnungen, dann blickt er wieder hoch, wartet noch einen Moment und sagt: "Die Loveparade wurde zum Totentanz." Im Stadion schluchzt eine Frau laut auf. "Wir alle ringen um Fassung", fährt Schneider fort, und die Kamera fährt durch die Reihen der Spitzenpolitiker. Merkel, Wulff, Westerwelle, alle sind sie da. "Hat Gott vergessen, gnädig zu sein?", fragt der Präses.

Um die Karte des Geländes zu vergrößern, klicken Sie bitte hier
Vor dem Stadion hat die Stadt auf einem riesigen Platz extra noch eine weitere, riesige Leinwand zur Übertragung der Trauerfeier aufgebaut, doch nur ein paar Sanitäter im Bereitschaftsdienst stehen davor. Warum sind so wenige Menschen hier, warum ist es nicht die erwartete Großveranstaltung mit bis zu 100.000 Menschen?
Vielleicht, weil die Polizei diesmal mit ihren Schätzungen und ihrem Aufwand lieber etwas übertrieben hat, um auf Nummer sicher zu gehen. Davon soll wohl auch ein Signal ausgehen: Lieber zu viel Aufwand für die Sicherheit als zu wenig. Vielleicht, und das wäre nicht das schlechteste Zeichen, ist es aber auch deshalb so leer, weil mittlerweile wieder etwas Normalität eingekehrt ist in Duisburg, weil die Menschen in ihren Alltag zurückkehren, weil sie sich in der vergangenen Woche leer getrauert haben. "Der Mensch ist ja nicht dafür geschaffen, ewig zu trauern und zu hadern", sagt einer, der im Stadion in der ersten Reihe sitzt.
Nach der kirchlichen Zeremonie tritt Hannelore Kraft an das Rednerpult in der Salvatorkirche. Ihre Stimme ist brüchig, nur mit Mühe kann sie ihre Tränen unterdrücken. Kaum zehn Minuten redet sie, und doch trifft sie in ihrer kurzen Ansprache vielleicht am ehesten das, was die Duisburger und die Betroffenen des Unglücks empfinden. "Trost, das mag für manche noch viel zu früh kommen", sagt die Ministerpräsidentin. "Wie konnte das geschehen?" fragt sie, "und wer ist verantwortlich? Diese Fragen müssen und werden eine Antwort finden."
Es ist auch eine klare Ansage an die Stadtführung und die Veranstalter der Loveparade, die sich bis heute gegenseitig die Schuld zuschieben . Sie erzählt vom Vater eines Opfers, der ihr gesagt habe, der Tod seiner Tochter könne nachträglich noch einen Sinn bekommen, wenn "das Wohlergehen der Menschen wieder Leitlinie unseres Handelns wird". Das müsse und werde "unsere gemeinsame Verpflichtung sein". Dann macht sie eine kurze Pause, schluckt, blickt direkt in Kamera und damit auch zu den Trauernden hier im Stadion und überall in der Stadt, und sagt: "Sie sind nicht allein."
Es sind einfache Worte, und wohl gerade deshalb genau die richtigen. Später loben alle, mit denen man spricht, die Rede der Ministerpräsidentin, und auch ihre Ergriffenheit. "Warum soll sie denn nicht weinen? Das tun wir doch alle", sagt der Duisburger Siegfried Krebs, der wie viele hier im Stadion auch auf der Loveparade war.
Es ist ein ruhiger Tag in Duisburg, die Absperrgitter und Sanitäter wurden zum Glück nicht gebraucht. Nach der Trauerfeier gehen viele in die Innenstadt, Einkaufen, Kaffeetrinken, langsam wieder in den Alltag finden. Es wird ein weiter Weg für diese gebeutelte Stadt zurück in so etwas wie Normalität, aber seit diesem Samstag ist ein Anfang gemacht.
- Datum 31.07.2010 - 15:43 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 57
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






kamen so wenige, weil Trauer etwas sehr persönliches ist, das man lieber für sich daheim, im kleinen Kreis abmacht. Und vor allem: wer von den Duisburgern verspürt nach all den Ereignissen heute Lust auf eine Großveranstaltung??
...dass wenn man grade einer MAsssenpanik entkommen sit, nicht gerade lust hat, sich in neue Massen hineinzugeben und sich zb in ein Fußballstadion zu setzen. von daher war es mir sowieso total verwunderlich, warum die das gemacht haben.
Im übrigen möchte ich sagen, dass ich die Kirche als Lokation eineNF ehlgriff finde. Die meisten Menschen sind nicht Kirchgänger und es wäre schön wenn man das ohne diese Chrsitliche Kirche hinbekommen hötte. Man kann auch um seine toten und verwundeten trauern, ohne sich einem vorgegeben Gott hingeben zu müssen.
Aber gut...ich will nicht mehr kritsieren...das alles sit so schrecklich. Aber derartiges passiert jeden tag, jeden tag sterben menschen durch ein unglück oded leiden, auch WEGEN uns. Ich finde es scheinheilig, wie übertrieben diese Trauerfeier aufgezogen wurde. Wenn ich mir überlege wieviele MEnschens terben weil sie anch europa wollen um ein neues Leben zu beginnen...Italien lässt sie ertrinken. Gewährt ihnen keiN Asyl, schiebt sie wieder in Folterstaaten ab...Darüber trauern wir nicht, wir ignorieren das ganze leid, und klümmern uns nur um das, was uns unmittelbar betrifft. Daher finde ich es scheinheilig.
Dass die Betroffenen einen raum und einen Anlass brauchen um zu trauern ist etwas anderes, das trifft meine kritik nicht. Dieser Raum sollte gegebn werden, und das trauern muss zugelassen werden. Mir geht es mehr um das drumherum.
...dass wenn man grade einer MAsssenpanik entkommen sit, nicht gerade lust hat, sich in neue Massen hineinzugeben und sich zb in ein Fußballstadion zu setzen. von daher war es mir sowieso total verwunderlich, warum die das gemacht haben.
Im übrigen möchte ich sagen, dass ich die Kirche als Lokation eineNF ehlgriff finde. Die meisten Menschen sind nicht Kirchgänger und es wäre schön wenn man das ohne diese Chrsitliche Kirche hinbekommen hötte. Man kann auch um seine toten und verwundeten trauern, ohne sich einem vorgegeben Gott hingeben zu müssen.
Aber gut...ich will nicht mehr kritsieren...das alles sit so schrecklich. Aber derartiges passiert jeden tag, jeden tag sterben menschen durch ein unglück oded leiden, auch WEGEN uns. Ich finde es scheinheilig, wie übertrieben diese Trauerfeier aufgezogen wurde. Wenn ich mir überlege wieviele MEnschens terben weil sie anch europa wollen um ein neues Leben zu beginnen...Italien lässt sie ertrinken. Gewährt ihnen keiN Asyl, schiebt sie wieder in Folterstaaten ab...Darüber trauern wir nicht, wir ignorieren das ganze leid, und klümmern uns nur um das, was uns unmittelbar betrifft. Daher finde ich es scheinheilig.
Dass die Betroffenen einen raum und einen Anlass brauchen um zu trauern ist etwas anderes, das trifft meine kritik nicht. Dieser Raum sollte gegebn werden, und das trauern muss zugelassen werden. Mir geht es mehr um das drumherum.
[...]
Frau Kraft hat völlig recht, dass wir unser Wertesystem dringend überdenken müssen. Die Duisburger haben damit heute ernst gemacht. Sie sind diesem Medienspektakel ferngeblieben, das Politiker in Szene setzt, die die Angehörigen verdrängen und die Veranstaltung hijacken.
[...]
Moderiert. Bitte unterlassen Sie Aussagen, die als hetzerisch verstanden werden können. Die Redaktion/is
..."warum ist es nicht die erwartete Großveranstaltung mit bis zu 100.000 Menschen?"
Die Antwort steckt in der Frage: Trauergottesdienste sind keine Großveranstaltungen! Schon gar keine planbaren. Frau Kraft war die Einzige, die durch ihre Ansprache dem Gottesdienst, dem Tag, ja der ganzen Woche etwas Wärme und Hoffnung gegeben hat. Alles andere zuvor war absurd und erbärmlich. Das mag für Viele ein Grund gewesen sein, hier fern zu bleiben.
bei dem fußballer, der sich selbst umgeb racht hat, haben wir es doch auch geschafft ein Stadion medienwirksam zu füllen, oder etwa nicht?
bei dem fußballer, der sich selbst umgeb racht hat, haben wir es doch auch geschafft ein Stadion medienwirksam zu füllen, oder etwa nicht?
... die Toten, die Verletzten, die Traumatisierten, die Angehörigen, die Freunde, die Trauernden.
Sie sind allein, weil die in der ersten Reihe in dieser Kirche nur leere Worthülsen. Sie sind allein, weil die, die ... sagen wir es politisch korrekt... an der Planung dieses Großereignis beteiligt waren, nicht da waren. Sie sind allein - weil ihnen keiner sagt, dass es ihm leid tut. Weil keiner der Beteiligten den Anschein erweckt, wirkliche etwas zu tun, etwas damit zu tun zu haben. Weil die, die beteiligt waren, auf welche Art auch immer mit ihnen nichts zu tun haben wollen. Sie wollen ihren Ruf, Karriere, Pensionen, Parteiansehen, Status schützen.
Sie sind allein, weil niemand, der an der Planung beteiligt war, Anteil nimmt. An ihrem Tod, ihrem Schmerz, ihrer Trauer.
"Warum sind so wenige Menschen hier, warum ist es nicht die erwartete Großveranstaltung mit bis zu 100.000 Menschen?"
Diese Frage ist einfach zu beantworten. Sie sind nicht gekommen, weil dies eine politische Veranstaltung ist. Weil die Mahnwachen im Tunnel Trauerfeiern sind. Weil die Menschen dort nicht allein sind. Weil Angehörige, Freunde dort nicht allein sind.
In der Kirche ging es darum, die Anteilnahme einiger Parteibuch-Inhaber zu demonstrieren.
Es hätte viele Arten gegeben - diese Kirche mit den Politikern in vorderster Reihe war m.E. die Schlechteste.
Und es sollte nicht für ein neues "Megaevent" mßbraucht werden.
Deshalb sind auch nur 1.500, und nicht wie erwartet, 100.000 gekommen.
Das war ein Event für die Politclowns und ihrem Anhang.
Die wirklich trauernten sind zu hause geblieben.
Bei allen Fragen, die bis heute von den Verantwortlichen unbeantwortet gelassen wurden, gebietet eine Trauerfeier, kurz einzuhalten.
Bei der Rede von Frau Ministerpräsidentin Kraft standen mir die Tränen in den Augen.
Heute ist Zeit des Gedenkens, Zeit für Fragen und (hoffentlich) auch Antworten ist in den nächsten Tagen noch genug.
Nochmals mein tief empfundenes Beileid an alle Angehörigen und Freunde der Opfer.
Habe auch Krafts Rede gesehen. Behaltet die mal im Auge! Die hat Kanzlerinnenformat!
Wer glaubt, die Reden würden von den Politikern selbst geschrieben, irrt. Also aufgepasst, nicht von den verlesenen Reden auf die Qualität der Gedanken schliessen !
Manche reden werden zugeschrieben, aber lagne nicht alle, und DIESE ganz sicher nicht. Das war kein politisches Tagesgeschehen, die Frau war selber betroffen!!! Sie hat stundenlang auf ein lebenszeichen ihres Sohnes warten müssen, der auch auf der Loveparade war. Ich nehme ihr diese Rede vollkommen ab.
Ich glaube im übrigen auch, dass sie den Schneid und das Staatsmännische hat, um den Kanzlerposten zu übernehmen. Besser als Merkel wäre sie allemal...aber das sind wohl die meisten ;)
Nein im ernst. Kraft ist keine schlechte Politikerin und zwar weil sie ein guter Mensch zu sein scheint. Irren kann man sich immer, aber das ist mein Eindruck von ihr vona anfang an.
Selbst wenn nicht, sollte man ihr aber den "Ruhm" der eher die Anerkennung für diese Rede lassen. Sie trifft einfach mitten ins herz.
Zunächst ist festzustellen: Frau Kraft hat Format als Trauerrednerin. Ob das die anderen Qualifikationen mit einschließt, die man als Kanzlerin benötigt, muss sicher erst noch erforscht werden.
Wer glaubt, die Reden würden von den Politikern selbst geschrieben, irrt. Also aufgepasst, nicht von den verlesenen Reden auf die Qualität der Gedanken schliessen !
Manche reden werden zugeschrieben, aber lagne nicht alle, und DIESE ganz sicher nicht. Das war kein politisches Tagesgeschehen, die Frau war selber betroffen!!! Sie hat stundenlang auf ein lebenszeichen ihres Sohnes warten müssen, der auch auf der Loveparade war. Ich nehme ihr diese Rede vollkommen ab.
Ich glaube im übrigen auch, dass sie den Schneid und das Staatsmännische hat, um den Kanzlerposten zu übernehmen. Besser als Merkel wäre sie allemal...aber das sind wohl die meisten ;)
Nein im ernst. Kraft ist keine schlechte Politikerin und zwar weil sie ein guter Mensch zu sein scheint. Irren kann man sich immer, aber das ist mein Eindruck von ihr vona anfang an.
Selbst wenn nicht, sollte man ihr aber den "Ruhm" der eher die Anerkennung für diese Rede lassen. Sie trifft einfach mitten ins herz.
Zunächst ist festzustellen: Frau Kraft hat Format als Trauerrednerin. Ob das die anderen Qualifikationen mit einschließt, die man als Kanzlerin benötigt, muss sicher erst noch erforscht werden.
Danke, Frau Kraft, das waren die richtigen Worte. Wenigstens einer auf unserer Seite.
... wäre glaubwürdiger gewesen, wenn sie den Hinterbliebenen konkret versprochen hätte, die planerischen Sorglosigkeiten und menschlichen Schwächen, die diese Katastrophe möglich gemacht haben, mit aller persönlichen Kraft für die Zukunft auszuschließen.
... wäre glaubwürdiger gewesen, wenn sie den Hinterbliebenen konkret versprochen hätte, die planerischen Sorglosigkeiten und menschlichen Schwächen, die diese Katastrophe möglich gemacht haben, mit aller persönlichen Kraft für die Zukunft auszuschließen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren