Unglück von Duisburg Loveparade-Veranstalter stellt Überwachungsvideos ins Internet

Loveparade-Veranstalter Schaller stellt Videomaterial ins Netz, um Fehler der Polizei zu dokumentieren: Ohne ihre Sperrketten könnten die Menschen noch leben, glaubt er.

Rainer Schaller, Veranstalter der Loveparade, will das Videomaterial der Überwachungskameras ins Internet stellen

Rainer Schaller, Veranstalter der Loveparade, will das Videomaterial der Überwachungskameras ins Internet stellen

Über 22 Stunden Videomaterial von sieben Überwachungskameras will der Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller ins Internet stellen . Damit sollen die taktischen Fehlleistungen der Polizei dokumentiert werden, sagte Schaller gegenüber dem Spiegel . "Jeder soll sich selbst ein Bild von den Abläufen machen können", sagte der Veranstalter.

So habe die Polizei drei Sperrketten gebildet, sagte Schaller, als sich vor den Zugängen im westlichen und im östlichen Bereich des Veranstaltungsgeländes ab 15.50 Uhr die Massen stauten: Zwei in den Tunneln und eine auf dem unteren Teil der Zugangsrampe. Diese Ketten seien vermutlich die Ursache der Katastrophe gewesen. "Für uns stellt sich die Frage, warum die Polizei dies tat", sagte Schaller.

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Ohne die Polizeikette auf der Rampe würden die Menschen noch leben, fügte er hinzu. Schaller wird Medienberichten zufolge bei der nächsten Sitzung des Innenausschusses des nordrhein-westfälischen Landtags zu der Katastrophe nicht persönlich erscheinen. Er werde Vertreter seiner Firma schicken. Ihm sei bewusst, dass er eine moralische Verantwortung habe. "Ich war Veranstalter, und die Menschen wären nicht gestorben, wenn die Veranstaltung nicht gewesen wäre. Wer Schuld hat, muss juristisch geklärt werden, selbstverständlich stelle ich mich auch hier der Verantwortung", sagte er.

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland hat seine Teilnahme an der Veranstaltung hingegen schon zugesagt. Gegen ihn stellten SPD, FDP und Linke am Freitag einen Abwahlantrag . Noch fehlt dafür jedoch die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit im Duisburger Rat.

Während der Loveparade am 24. Juli war am überfüllten Zugangstunnel zum Duisburger Veranstaltungsgelände eine Massenpanik ausgebrochen . 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt.

 
Leser-Kommentare
  1. Dass seine Floats STILL standen in der von IHM als kritisch prognostizierten Zeit, statt die zu viel genehmigten Menschenmassen zu bewegen und zu verteilen, kann bereits jetzt jeder im VIDEO sehen.

    Die FLOATS standen still, WÄHREND Schaller dem WDR ein Interview gab. Aber die Besucherlenkung durch die Floats war eines der zentralen Elemente des Sicherheitskonzeptes. Er selber hat die siebenfache Überfüllung der Zugangswege beantragt und dann mit dem vordersten stehenden Float den Zugang blockiert ...

    O-Ton SCHALLER im Video:
    Ich kann heute nichts mehr machen, heute müssen die operativen Kräfte ran, die Polizei, die Sicherheitsbehörden .. die müssen heute richtig malochen – ich kann nichts mehr machen .... Dass so viele Leute kommen, konnte wieder keiner rechnen .... es war ja auch in Dortmund so, dass einfach mehr Leute kamen als geplant .... soso

    Die POLIZEI muss also nur "richtig malochen" .... simsalabim ... so einfach ist das .... soso

    Während Schaller dem WDR vor seinem STEHENDEN McFit Float die Wichtigkeit der FAHRENDEN Floats erklärte, starben unten die Menschen – ZEITGLEICH.

    Quelle mit VIDEO vom WDR
    http://docunews.org/lovep...
    .

    • yeksaa
    • 28.08.2010 um 15:49 Uhr

    Schaller sich hier versucht, aus der eigenen Verantwortung zu schlingen - einfach traurig.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... "schlingt" [?!] er sich aus der eigenen Verantwortung? Was sollte er denn Ihrer Ansicht nach tun?

    die juristische Verantwortung kann sowieso nur das Gericht zuweisen. Bleibt die moralische Verantwortung.

    Der Satz "Ich war Veranstalter, und die Menschen wären nicht gestorben, wenn die Veranstaltung nicht gewesen wäre" ist zwar nicht wahnsinnig überzeugend, aber im Kern enthält er doch zumindest den Ansatz einer Übernahme moralischer Verantwortung, oder nicht?

    Unabdingbar ist natürlich eine Entschuldigung bei den Angehörigen der Opfer. Ob er das getan hat, weiß ich nicht. So lange die Medien nicht darüber berichten vermutet man ja meistens erst mal das Gegenteil...

    ... "schlingt" [?!] er sich aus der eigenen Verantwortung? Was sollte er denn Ihrer Ansicht nach tun?

    die juristische Verantwortung kann sowieso nur das Gericht zuweisen. Bleibt die moralische Verantwortung.

    Der Satz "Ich war Veranstalter, und die Menschen wären nicht gestorben, wenn die Veranstaltung nicht gewesen wäre" ist zwar nicht wahnsinnig überzeugend, aber im Kern enthält er doch zumindest den Ansatz einer Übernahme moralischer Verantwortung, oder nicht?

    Unabdingbar ist natürlich eine Entschuldigung bei den Angehörigen der Opfer. Ob er das getan hat, weiß ich nicht. So lange die Medien nicht darüber berichten vermutet man ja meistens erst mal das Gegenteil...

  2. Auf der gleichen Seite die IPA Wien erwähnt (docunews.org/loveparade/) gibt es eine hervorragende Analyse zu den "Überwachungskameras"
    Einige wurden von Kamerateams betrieben und waren eng mit der Security von Schaller vernetzt. Eine übermittelte ausserdem kontinuierlich die Personendichte:
    http://docunews.org/lovep...

    Zur neuen Exclusiv Kooperation zwischen Schaller und SPIEGEL auch:
    http://www.blog.lothareve...

  3. scheint hier den wohl leicht durchschaubaren Versuch zu machen, sich von seiner Verantwortung reinzuwaschen. Jetzt das tragische Geschehen so darzustellen, als sei dies situationsbedingt durch Versagen der Polizei abgelaufen,scheint mir von nicht zu überbietender Widerlichkeit. Wäre er tatsächlich von jeder Verantwortung frei, könnte er ruhigen und reinen Gewissens die staatsanwaltschaftlich Untersuchungen abwarten. Für mich gehört Schaller jedenfalls in den Kreis der Verantwortlichen, deren strafrechtliche Verantwortung mindestens potenziell gegeben ist.

  4. ...und die Polizeikette an der Treppe war der einzige Engpass, um die Massen von Unten davon abzuhalten mit den Massen am Geländeeingang zu kollidieren. So sehe ich das.

    Fakt bleibt die grob fahrlässige Planung der Besucherströme entgegen des gesunden Menschenverstandes und entgegen von Expertenmeinungen.

  5. nicht erst einmal ordentlich ermitteln lassen, bevor man die Videos ins Netz stellt? Damit wird noch größerer öffentlicher Druck ausgeübt auf die Ermittelnden und diejenigen, die letzten Endes über Schuld oder Nichtschuld entscheiden.
    Ein billiger Versuch, sich aus der Affäre zu ziehen, nicht mehr und nicht weniger.

  6. ... "schlingt" [?!] er sich aus der eigenen Verantwortung? Was sollte er denn Ihrer Ansicht nach tun?

    die juristische Verantwortung kann sowieso nur das Gericht zuweisen. Bleibt die moralische Verantwortung.

    Der Satz "Ich war Veranstalter, und die Menschen wären nicht gestorben, wenn die Veranstaltung nicht gewesen wäre" ist zwar nicht wahnsinnig überzeugend, aber im Kern enthält er doch zumindest den Ansatz einer Übernahme moralischer Verantwortung, oder nicht?

    Unabdingbar ist natürlich eine Entschuldigung bei den Angehörigen der Opfer. Ob er das getan hat, weiß ich nicht. So lange die Medien nicht darüber berichten vermutet man ja meistens erst mal das Gegenteil...

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