Wehrpflichtdebatte Zivildienst für ein Studium
Ein Vorschlag: Wer ein Jahr Zivildienst leistet, kann kostenfrei studieren; wer das nicht will, soll für das Studium zahlen. Ein Gastkommentar von Marc Young
Die Ankündigung von Verteidigungsminister Guttenberg, die Wehrpflicht auszusetzen, ist überfällig – Deutschlands wichtigste Nato-Partner haben den Wechsel zur Berufsarmee längst vollzogen. Es mag in der Nachkriegszeit in Deutschland gute historische Gründe für die Wehrpflicht gegeben haben.
Es gibt jedoch genügend Hinweise, dass ein kleineres, besser trainiertes Heer dem Lande dienlicher wäre als ein aufgeblasenes Militär mit widerwilligen Kurzzeit-Soldaten. Ein Wehrdienstleistender ist schlichtweg nicht geeignet, die Taliban in Afghanistan zu bekämpfen oder die Küste Afrikas wegen der somalischen Piraten zu patrouillieren. Darüber haben über die Jahre mehr und mehr junge Männer den Zivildienst vorgezogen.
Dies bringt uns zu der Kehrseite, die die Abschaffung der Wehrpflicht mit sich bringt – die verheerenden Auswirkungen auf jene Organisationen, die auf Zivis angewiesen sind. Soziale Einrichtungen wie Krankenpflege, Kindergärten und Jugendzentren konnten sich bis dato auf einen nicht abreißenden Strom günstiger Arbeitskräfte verlassen und müssen nun, da der Zivildienst zusammen mit dem Wehrdienst abgeschafft wird, ihre Leistungen zurückschrauben.
Zur gleichen Zeit finden immer wieder Demonstrationen statt, auf denen tausende Studenten gegen den desolaten Zustand des deutschen Bildungssystems protestieren. Diese sind verständlicherweise unzufrieden mit überlaufenen und mittelmäßigen Universitäten, drohenden Studiengebühren und dem holprigen Übergang zu international anerkannten Bachelor- und Master-Abschlüssen.
Im Rahmen einer Studenten-Demo in Berlin im vergangenen Jahr sah ich sogar Studenten, die "freie Bildung und Solidarität" vom Rest der Bevölkerung verlangten. Leider wird das Konzept der Solidarität in Deutschland nur allzu gerne und häufig herangezogen, was den Begriff mittlerweile trivialisiert hat. Alle wollen Solidarität, aber die wenigsten scheinen zu begreifen, dass dies keine Einbahnstraße sein kann.
Die Studenten möchten, dass die deutsche Gesellschaft ein gebührenfreies Studium unterstützt – ein durchaus gerechtfertigter Wunsch, der meines Erachtens in Anbetracht der trostlosen Lage des Hochschulwesens allerdings fehlgeleitet ist.
Viele verdammen die Entscheidung einiger Bundesländer, in den letzten Jahren bescheidene Studiengebühren eingeführt zu haben mit dem Argument, dass ein Hochschulstudium künftig nur noch für Reiche in Frage käme. Es ist jedoch absurd und zugleich herablassend, anzunehmen, dass die meisten deutschen Studenten nach ihrem Abschluss nicht in der Lage sein werden, pro Semester 500 Euro zurückzuzahlen.
Als jemand, der selbst 60.000 US-Dollar Studienkredite für einen zweijährigen Master-Studiengang zurückzahlen musste, bin ich wohl der letzte, der meint, Deutschland solle ähnlich exorbitante Studiengebühren erheben, wie sie in USA üblich sind.
- Datum 27.08.2010 - 11:47 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Die Idee ist ja garnicht so schlecht, allerdings finde ich 5000€ für ein ganzes Jahr schon etwas wenig. Soweit ich mich erinnern kann, bekommt man als Zivi mehr (Gehalt Wohngeld).
Und von irgentwas leben muss man ja auch in diesem Jahr. Im Prinzip würden dann ja die 5000€ noch nach minimalem Lebensunterhalt und Wohngeld obendrauf kommen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das rechnet. Macht man es nicht so und die Zivis müssen quasi ehrenamtlich kostenlos arbeiten, ist das wieder eine Lösung die nur für die gutsituierten Kids infrage kommt. Zuhause bleiben bei den Eltern kommt nur bedingt in Frage, da Zivildienst oft mit einem Umzug einhergeht.
Nur wird nicht ganz klar, warum die Lücke die die Aussetzung der Wehrpflicht im sozialen Sektor reißt ausgerechnet von den Jugendlichen gestopft werden soll, für die 5000 Euro (zu) viel Geld sind? Dann wird der Zivildienst zu einem (hüstel) "Armutszeugnis".
Der Zivildienst war nie gedacht um den sozialen Sektor zu stützen. Dass es diese Entwicklung gegeben hat ist tragisch. Ich wünsche jedem gute Erfahrungen, und Zivis leisten einen wertvollen Beitrag. Er ist aber an die Wehrpflicht gekoppelt. Ihn jetzt nachträglich absichern zu wollen, da die Wehrpflicht in Frage steht um die "Qualität" zu sichern verstehe ich nicht. Ist es nicht eine gesellschaftliche Verantwortung die nötigerweise von allen Bürger getragen werden muss, wenn im sozialen Sektor kompensiert werden muss?
Diese Lücke nacträglich durch Zwang schließen zu wollen oder dieses Problem gar der Diskussion um Studiengebühren zu verknüpfen ist absurd. Einerseits von Verantwortung zu reden und andererseits die Entscheidung vom eigenen Geldbeutel abhängig zu machen ist absurd.
Die Bereitsstellung von Studienplätzen als gesellschaftliche Solidarität zu vermarkten finde ich auch ein wenig daneben. In der Regel verdienen Akademiker mehr Geld und refinanzieren ihr Studium durch ein höheres Steueraufkommen. Bringen sie ihr Fachwissen in ihrem Arbeitsleben geziehlt wieder ein, so kann man auch von einem gesellschaftlichen Beitrag sprechen. Es ist doch kein Urlaub der da finanziert wird.
Die Armen sollen also für Ihr Studium erstmal ein Jahr rackern während die Kinder aus reichem Elternhaus die Studiengebühren mit ihrem Taschengeld bezahlen? Und später dann im Kampf um Arbeitsplätze der Vorzug bekommen, weil Sie jünger sind? Nein, Studiengebühren ganz weg, basta.
Der Wunschkanditat eines jeden Unternehmens ist doch ohnehin 20 Jahre alt und hat ein Doppeldiplom. Dieses weitere Jahr benachteiligt sozial Schwächere langfristig auf dem Arbeitsmarkt.
Ein soziales Jahr sollte freiwillig sein. Es sollte bezüglich eines Studiums lediglich im vertretbaren Bereich (bspw. Sozialpädagogik)als Praktikum angerechnet werden können.
müssen Sozial- und Wehrdienst leisten, um sich den Start ins Studium zu finanzieren, die Kinder Reicher Eltern machen derweil ein Auslandsjahr auf Kosten der Familie oder beginnen schon einmal mit dem Studium, wobei sie dann aufgrund des geringeren Alters bevorzugt werden.
Wehr- oder Zivildienst für alle (Männer und Frauen!) oder gar nicht.
Und eine Gesellschaft, welche seit knapp zwei Jahrzehnten auf ein Menschenbild abstellt, nach dem jedes Individuum nur noch auf seinen eigenen Vorteil aus ist, braucht nicht zu erwarten, dass die Jugend plötzlich selbstloses Verhalten an den Tag legt; dieses würde in der beruflichen Konkurrenz in den meisten Berufsfeldern nur zu ihrem Nachteil gereichen.
So viel zur geistig-moralischen Wende unserer Gesellschaft.
Das liest sich wie ein Vorschlag der FDP zur Rechtfertigung der Studiengebühren. Hier werden aber zwei Themen miteinander verknüpft, die nichts miteinander zu tun haben.
Der Wunschkanditat eines jeden Unternehmens ist doch ohnehin 20 Jahre alt und hat ein Doppeldiplom. Dieses weitere Jahr benachteiligt sozial Schwächere langfristig auf dem Arbeitsmarkt.
Ein soziales Jahr sollte freiwillig sein. Es sollte bezüglich eines Studiums lediglich im vertretbaren Bereich (bspw. Sozialpädagogik)als Praktikum angerechnet werden können.
müssen Sozial- und Wehrdienst leisten, um sich den Start ins Studium zu finanzieren, die Kinder Reicher Eltern machen derweil ein Auslandsjahr auf Kosten der Familie oder beginnen schon einmal mit dem Studium, wobei sie dann aufgrund des geringeren Alters bevorzugt werden.
Wehr- oder Zivildienst für alle (Männer und Frauen!) oder gar nicht.
Und eine Gesellschaft, welche seit knapp zwei Jahrzehnten auf ein Menschenbild abstellt, nach dem jedes Individuum nur noch auf seinen eigenen Vorteil aus ist, braucht nicht zu erwarten, dass die Jugend plötzlich selbstloses Verhalten an den Tag legt; dieses würde in der beruflichen Konkurrenz in den meisten Berufsfeldern nur zu ihrem Nachteil gereichen.
So viel zur geistig-moralischen Wende unserer Gesellschaft.
Das liest sich wie ein Vorschlag der FDP zur Rechtfertigung der Studiengebühren. Hier werden aber zwei Themen miteinander verknüpft, die nichts miteinander zu tun haben.
Wer auf ein Jahresgehalt verzichtet, um sich durch den Zivildienst 5000Euro einzusparen ist so bescheuert, dass er sich selbst disqualifiziert, Studieren zu dürfen.
Macht ja auch Sinn, der Student spart 5000Euro, nimmt aber keine 50.000Euro ein.
Desweiteren muss alleine der Staat total bescheuert sein, solch eine Regelung zu erlauben, da ihm ja ein Jahr Steuereinahmen und Sozialeinnahmen entgehen und das wg. einer erparten Arbeitsleistung von besagten 5000Euro.
Für den Staat macht das auch Sinn, er spart 5000Euro, verliert aber 20000Euro an Steuern und Sozialleistungen.
Wir sparen an allen Ecken, koste es was es wolle. Juhu. Armes Deutschland!
Bitte achten Sie auf einen angemessenen Ton. Die Redaktion/cs
Ich glaube Sie haben das nicht so ganz verstanden :) Gemeint war, dass Studenten dann die Entscheidung haben entweder ein Jahr für den Bildungs-Zivi zu "opfern" oder stattdessen in etwa 5000 € für das Studium zu zahlen.
Ist schon klar, ich habe mich nur gefragt wie das ganze finanziert werden soll von den "Zivis". Man muss in diesem Jahr ja von irgentwas leben. Gibt es trotzdem ein Zivigehalt Wohngeld und nach dem Jahr 5000€, dann wird es teuer für den Staat. Gibt es das nicht und das Jahr ist ehrenamtlich, profitieren nur die, deren Eltern dieses Jahr finanzieren können. Die wiederrum sind aber nicht angewiesen auf die Erlassung der Studiengebühren. Der Teufel steckt also im Detail.
Meiner Meinung nach sollte der Zivildienst auch garnicht vom Staat bezahlt werden, denn das vernichtet richtige Arbeitsplätze. Hier ensteht wiederrum die Frage, ob das gleiche Niveu z.B. in der Pflege ansonsten überhaupt zu halten ist.
Wer dieses Jahr aus Altruismus machen möchte (und es sich leisten kann), den hindert auch jetzt schon keiner daran.
Ist schon klar, ich habe mich nur gefragt wie das ganze finanziert werden soll von den "Zivis". Man muss in diesem Jahr ja von irgentwas leben. Gibt es trotzdem ein Zivigehalt Wohngeld und nach dem Jahr 5000€, dann wird es teuer für den Staat. Gibt es das nicht und das Jahr ist ehrenamtlich, profitieren nur die, deren Eltern dieses Jahr finanzieren können. Die wiederrum sind aber nicht angewiesen auf die Erlassung der Studiengebühren. Der Teufel steckt also im Detail.
Meiner Meinung nach sollte der Zivildienst auch garnicht vom Staat bezahlt werden, denn das vernichtet richtige Arbeitsplätze. Hier ensteht wiederrum die Frage, ob das gleiche Niveu z.B. in der Pflege ansonsten überhaupt zu halten ist.
Wer dieses Jahr aus Altruismus machen möchte (und es sich leisten kann), den hindert auch jetzt schon keiner daran.
Gute Idee!
Mir hat es viel gebracht mir vor meinem Studium erst einmal klar zu werden, was ich überhaupt möchte.
Der Umgang mit älteren, viel erfahreneren, Menschen hat mir dabei sehr geholfen.
Ich würde solch ein Zivi Jahr machen.
die gar nicht studieren wollen?
Es studieren doch nur etwas mehr als ein Drittel eines Jahrganges.
Politik muss jetzt die Gelegenheit nutzen und die Flickschusterei in den sozialen Diensten beenden. Die demographische Entwicklung verbunden mit der Überalterung der Bevölkerung gilt es zu lösen.
Es kann einfach nicht sein, dass einer sinkenden Anzahl Kindern dieses Problem aufgebrummt wird, nur weil Politik nicht weiß, wie sie es anstellen soll.
Jeder, der ein freiwilliges soziales Jahr machen möchte, sollte dies auch tun können - unter voller Anerkennung in seinem Lebenslauf, für seine Rente und mit anständiger Bezahlung.
und fangen ihren Meister ein Jahr früher an - so sie denn wollen.
Außer man ist so "fortschrittlich" und fängt an, dass man erst eine Ausbildung, Studium oder gar höhere Qualifikation erreichen kann, wenn man den total töffig / freiwilligen "Solidaritätsdienst" hinter sich hat.
Übrigends: Wie wäre es dann, wenn man nur dann weiter Berufspolitik sein darf, wenn man einen 5 jährigen Solidardienst zu den "üblichen" Konditionen absolviert (hat).
und fangen ihren Meister ein Jahr früher an - so sie denn wollen.
Außer man ist so "fortschrittlich" und fängt an, dass man erst eine Ausbildung, Studium oder gar höhere Qualifikation erreichen kann, wenn man den total töffig / freiwilligen "Solidaritätsdienst" hinter sich hat.
Übrigends: Wie wäre es dann, wenn man nur dann weiter Berufspolitik sein darf, wenn man einen 5 jährigen Solidardienst zu den "üblichen" Konditionen absolviert (hat).
Vielen Dank für den Denkansatz. Er wird zwar nur sehr schwer zu realisieren sein, aber es ist immer zu begrüßen, wenn sich jemand über Probleme Gedanken macht und versucht Lösungen zu finden. Nur Nörgeln hilft eben nicht weiter. Und immer alles gleich zu zerreden verhindert nur zukünftige Kreativität.
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