Minenunglück Chile Die Rettung der Bergleute beginnt
In Chile starten die Rettungsbohrungen für die Bergleute, die in 688 Metern Tiefe festsitzen. Das kann Monate dauern. Einige der Kumpel kämpfen mit Entzugserscheinungen.
© Ariel Marinkovic/AFP/Getty Images

Rettungsarbeiter heben eine der Leitungen an, mit deren Hilfe die Bergleute in der Tiefe mit Lebensmitteln und Nachrichten versorgt werden
In Chile soll mit der Bohrung eines Rettungsschachtes für die seit dreieinhalb Wochen eingeschlossenen Bergarbeiter begonnen werden. Der tonnenschwere Bohrer muss sich drei bis vier Monate lang durch das Gestein fressen, bevor er bei den 33 Bergarbeitern in fast 700 Metern Tiefe ankommt.
In einigen Tagen könnte eine zweite Bohrung beginnen, die auf einen 100 Meter höher gelegenen Punkt in dem weit verzweigten Stollensystem der Mine San José zielt. Die Retter hoffen, die Kumpel auf diesem Wege eventuell schon nach zwei Monaten an die Oberfläche holen zu können.
Den Männern unter Tage geht es den Umständen entsprechend gut. Sie werden durch eine enge Versorgungsröhre mit Lebensmitteln, Getränken, Medikamenten und Nachrichten von ihren Angehörigen versorgt. Die Angehörigen kampieren über der Mine in einem Zeltlager, das sie Esperanza – Hoffnung – getauft haben.
Laut der spanischen Zeitung El País haben die Arbeiter aber noch mit einem weiteren Problem zu kämpfen: Wie der chilenische Gesundheitsminister Jaime Mañalich sagte, haben mehrere Kumpel in der Vergangenheit zur Bekämpfung der Angst unter Tage regelmäßig Alkohol getrunken. "Einige von ihnen hatten sogar große Mengen zu sich genommen", sagte der Minister. "Zuweilen ist es nicht gut, wenn man eine Sucht auf einen Schlag mit einer Radikalkur unterbindet."
Die Bergleute hatten bei ihrer ersten Telefonverbindung mit Staatspräsident Sebastián Piñera um ein "Gläschen Wein" gebeten, weil sie den 200. Jahrestag der Unabhängigkeit Chiles feiern wollten. Bisher bleiben die Verantwortlichen der Bergungsoperation jedoch dabei, dass die Eingeschlossenen weder Tabak noch Alkohol bekommen.
Unter den Bergleuten sollen auch einige Alkoholiker und Drogenabhängige sein. Noch scheine der plötzliche Entzug jedoch keine Auswirkungen auf das Zusammenleben gehabt zu haben. Fünf der Arbeiter, die unter einer beginnenden Depression litten, hätten die Krise inzwischen überwunden, sagte Gesundheitsminister Jaime Mañalich.
Im Laufe der Woche wurden auch vier Experten der US-Raumfahrtbehörde Nasa in Chile erwartet. Sie wollen ihre Erfahrungen aus der bemannten Raumfahrt zur Verfügung stellen, bei der ebenfalls Menschen über einen längeren Zeitraum auf engstem Raum leben müssen.
Die Arbeiter sind seit dem 5. August in der Kupfer- und Goldmine San José bei Copiapó in der Atacama-Wüste gefangen, weil ein Haupttunnel eingestürzt war. Die San José Mine liegt etwa 725 Kilometer nördlich der Hauptstadt Santiago de Chile.
Das Schicksal der Eingeschlossenen löste in Chile eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Die Spenden waren zwar gut gemeint, aber nicht immer brauchbar. So hätten Menschen Socken mit Kupferfäden gegen Fußpilz geschickt, Computerspiele, Badekappen und sogar Thermokleidung, obwohl es in der Tiefe etwa 30 Grad heiß ist. Würfel oder Hygieneartikel seien schon eher geeignet, sagte Bergbauminister Laurence Golborne: "Wir planen eine Reihe von Maßnahmen, um den Männern das Warten zu erleichtern."
- Datum 30.08.2010 - 11:25 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, afp
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löst bei mir fast einen akuten Anfall von Klaustrophobie aus. Monatelang ohne Sonnenlicht bei 30 Grad 700 m unter der Erde dahinvegetieren zu müssen, ohne Aussicht, diese Lage auf absehbare Zeit ändern zu können, ist vollkommen grausam und wird bei den Betroffenen mit Sicherheit ein Trauma auslösen, an dem sie ihr weiteres Leben lang leiden.
Kein Zweifel ohne weitere Versorgung hätte die Arbeiter nicht mehr allzu lange aushalten können, aber gerettet sind sie noch lange nicht. Jetzt schon davon zu sprechen niemand müssen mehr um sein Leben bangen ist schon ziemlich optimistisch, schließlich kann es auch zwischenzeitlich noch zu weiteren Einstürzen kommen.
Was für eine furchtbare Vorstellung, noch monatelang 700 m unter der Erde festsitzen zu müssen, immer mit der Angst, es könnte noch mal zu Einstürzen kommen.
Ich hoffe, es geht für alle gut aus.
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