Neiße-Hochwasser Bad Muskau "Der Park läuft schon voll"
Der Scheitelpunkt des Neiße-Hochwassers hat die Weltkulturerbestätten in Bad Muskau erreicht. Auch in Brandenburg sind Behörden und Einwohner in Alarmbereitschaft.
In den sächsischen Hochwassergebieten ist der Scheitelpunkt der Neiße weiter gen Norden geflossen und hat inzwischen Bad Muskau erreicht. Zum genauen Wasserstand gab es zunächst keine Angaben. Im Ort gibt es keinen Messpegel, da der letzte Messpunkt etwa 20 Kilometer vor der Stadt überflutet ist und deshalb keine Daten liefert. Der Katastrophenschutzstab im Landkreis Görlitz erwartet, dass der Wasserstand der Neiße 4,50 Meter höher ist als üblich.
In Bad Muskau überflutet das Hochwasser auch den zum Unesco-Welterbe zählenden Fürst-Pückler-Park. Der Park "läuft schon voll", sagte ein Sprecher des Katastrophenschutzstabes. Bürgermeister Andreas Bänder rechnet aber nicht mit größeren Schäden. Zwar lasse sich eine Überflutung des Parks nicht verhindern. "Doch seit Samstagabend sind Vorkehrungen getroffen worden, um Schlimmeres zu verhüten", sagte er dem Rundfunksender MDR. Unter anderem hätten Helfer aus den Gebäuden Mobiliar und Technik rechtzeitig in Sicherheit gebracht. "Alles, was möglich war, wurde gemacht." Nun könne man nur noch abwarten.
Schon am Vorabend hatte die Stadt stellenweise "Land unter" gemeldet. Der Versuch, mit Sandsäcken die nahe Bundesstraße 115 zu schützen, war gescheitert. Die Straße und auch der Grenzübergang nach Polen mussten gesperrt werden. Besonders tief liegende Häuser wurden geräumt und die Bewohner in Sicherheit gebracht.
Auch Brandenburg bereitet sich auf die Ankunft der Welle vor. Die Behörden verzeichneten aber eine ruhige Nacht. Die Fachbereichsleiterin Sicherheit beim Landkreis Spree-Neiße, Marlies Kulka, sagte, sie rechne damit, dass für die Spree oberhalb der Talsperre Spremberg im Tagesverlauf Alarmstufe 3 oder sogar die höchste Stufe 4 erreicht werde. Über Nacht wurde Stufe 2 überschritten. Eine akute Lage wie in Sachsen gebe es aber noch nicht, hieß es aus dem Lagezentrum des Innenministeriums. Auch an der Spree in der Gegend um Cottbus drohten im Laufe des Tages Überschwemmungen. Ein Spree- Hochwasser dieses Ausmaßes gab es demnach seit 1981 nicht mehr.
Im südlichen Sachsen hat sich die Lage inzwischen entspannt. Nach Angaben des Katastrophenschutzstabes fielen die Pegelstände der Neiße in Zittau, Görlitz und Rothenburg . In Görlitz lag der Pegel um 3.00 Uhr bei 5,63 Metern, nachdem er am Sonntagmorgen noch einen Rekordstand von 7,07 Metern erreicht hatte. Einige Einwohner konnten bereits in ihre Wohnungen zurückkehren. Auch in den anderen Regionen – etwa in Chemnitz, wo sowohl der gleichnamige Fluss als auch die beiden Quellflüsse Würschnitz und Zwönitz über die Ufer traten – hatte sich die Lage beruhigt.
Von Normalität kann aber noch keine Rede sein . Im gesamten Katastrophengebiet waren noch knapp 1030 Helfer im Einsatz. In Teilen von Görlitz und Ostritz waren weiterhin mehrere Tausend Menschen ohne Strom. In allen Schulen von Görlitz und der Freien Schule Ostritz fällt an diesem Montag der Unterricht aus. Der Deutsche Wetterdienst sagte weitere Regenfälle in Sachsen und der Lausitz voraus.
Bereits am Wochenende war es im Dreiländereck Deutschland-Tschechien-Polen zu heftigen Überschwemmungen gekommen. Nach starken Regenfällen war eine Staumauer am Witka-See im polnischen Grenzgebiet gebrochen. Nicht nur die Neiße trat daraufhin über die Ufer, sondern auch andere Flüsse in Sachsen, Polen und Tschechien. Im Landkreis Görlitz mussten knapp 1500 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Bisher starben mindestens zehn Menschen – vier in Tschechien, drei in Polen und drei in Sachsen. Die drei älteren Bewohner eines Mehrfamilienhauses in Neukirchen bei Chemnitz waren laut Polizei im Keller von den Fluten überrascht und am Samstagmorgen tot aufgefunden worden.
In Polen war besonders die 18.000-Einwohner-Stadt Bogatynia betroffen. Mehrere Häuser stürzten dort ein. Auch in Teilen von Zgorzelec, der Nachbarstadt von Görlitz, stand das Wasser zwischen den Häusern. In Tschechien mussten ebenfalls Tausende Menschen am Wochenende in Notquartieren übernachten, nachdem mehrere Ortschaften überflutet worden waren. Etliche wurden mit Hubschraubern von den Dächern ihrer Häuser gerettet und in Sicherheit gebracht – unter anderem von Luftrettern aus Deutschland.
- Datum 09.08.2010 - 14:00 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
- Kommentare 13
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der dem Wasserdruck nicht standhielt. Wenn man sich das Becken aus der Luft anschaut (ein bekanntes Weltbetrachtungsprogramm macht es möglich), dann sieht man schon, dass der Wasserdruck auf einen Schwachpunkt trifft. Als ich dann die Fernsehbilder vom gebrochenen Damm sah, war ich vollends entsetzt. Erdwälle! War es vollkommen unmöglich, den Dammbruch vorauszusehen?
Witka-Staudamm natürlich
...nicht die sonst oft übliche übertreiberische Sensationsberichterstattung. Auch gut zu erfahren, dass "einige der am Vortag evakuierten Einwohner ... bereits in ihre Wohnungen zurückkehren (konnten)". Allerdings: Liegen die da jetzt aufgebahrt? Hat man wieder alles in die armen Leute hineingepackt, was man vorher entleert (evakuiert) hatte? Oder waren doch eher die evakuierten Häuser gemeint?
Danke, Sie haben natürlich Recht. Es wurden die Häuser evakuiert, nicht die Einwohner. Wir ändern das sofort.
Beste Grüße
Sebastian Horn
Danke, Sie haben natürlich Recht. Es wurden die Häuser evakuiert, nicht die Einwohner. Wir ändern das sofort.
Beste Grüße
Sebastian Horn
Man hört immer nur KLIMA und nie SONNENAKTIVITÄT.
Erst letzte Woche gab es einen Sonnensturm und es
ist bewiesen, daß dieser AUCH eine Auswirkung auf
das Wetter hat. Nur man liest davon SEHR wenig...
während die Pakistani zu Hundertausenden betroffen sind und kaum die eigene Kraft haben, ihre Infrastruktur wieder zu erneuern. Wir müssen in diesen EU-Regionen die Wasserwegearchitektur und die ökologische Situation verbessern. Die bisherigen Maßnahmen reichen nicht aus.
Danke, Sie haben natürlich Recht. Es wurden die Häuser evakuiert, nicht die Einwohner. Wir ändern das sofort.
Beste Grüße
Sebastian Horn
Mal eben nach Südafrika wegen eines Fußballspiels. Das ist schon drin. Aber ein tröstender Besuch hier von Wulff und Merkel. Fehlanzeige. Sind wohl im Urlaub. Und es ist kein Wahlkampf wo man in Gummistiefeln auftreten kann.
Sie werfen Spitzenpolitikern vor, nicht in Gummistiefeln auf dem Deich zu stehen?
Nun, dann muss ich Ihnen ein falsches Politik- und Staatsverständnis vorwerfen! Sie befinden sich damit zwar in guter und zahlreicher Gesellschaft, trotzdem ist es falsch.
Bei Katastrophen wie diesem offenbar durch mangelhafte Wartung verursachten Dammbruch hat Polit-Tourismus nichts zu suchen. Denn Auftritte von Merkel, Wulff oder Trittin im Überschwemmungsgebiet binden Ressourcen, verlangsamen die Hilfeleistung und gaukeln eine Handlungsfähigkeit vor, die nicht der Realität entspricht. Wenn sie dann noch für das Foto einen Sandsack in die Hand nehmen, wird es vollkommen lächerlich.
Auch wenn Überschwemmungen Extremsituationen sind: Sie sind das Standardgeschäft des Katastrophenschutzes und der zuständigen Behörden. Das Rad muss hier nicht neu erfunden werden.
Und wenn irgendwas hakt, was immer sein kann, dann werden Spitzenpolitiker äußerst selten vor Ort gebraucht. Wichtiger ist dann, dass sie von ihrem Schreibtisch aus mit ihrem Apparat entsprechende Konsequenzen einleiten. Vor Ort haben Hydrologen und Katastrophenschutzmanager nun mal die höhere Urteilsfähigkeit als z.B. ein Herr Westerwelle oder Sigmar Gabriel.
Auch wenn die emotionale Inszenierung als Deichgraf tolle Bilder und Schlagzeilen liefert: Sie dient nicht der Sache. Sie ist purer Populismus. Sie kostet viel Geld und es hilft den Flutopfern faktisch nicht.
Es ist eben reine Symbolpolitik.
@ Sun Tzu
Ich nehme Ihre Mainung gerne zur Kenntnis, respektiere sie sogar. Ihr Schreibstil zeugt von Sachkunde.
Auf der anderen Seite antworten Sie mir mit persönlichen Vorwürfen. Das ist schlechter Stil und zeigt eine miserable Diskussionskultur auf wie bei den Grünen üblich.
Soll es Angela Merkel so machen wie seinerzeit Gerhard Schröder, der so zynisch war die Flut 2002 zum Wahlkampf zu benutzen? Oder so wie Joschka Fischer, der damals noch ungerührt in Dresden seine Joggingrunden absolvierte, während hinter ihm die Dresdner schon Sandsäcke schleppte und das Schlimmste befürchteten? Wenn sich die Politiker über die aktuelle Situation informieren wollen haben sie auch so Gelegenheit dazu, ohne im Weg herumzustehen.
Sie werfen Spitzenpolitikern vor, nicht in Gummistiefeln auf dem Deich zu stehen?
Nun, dann muss ich Ihnen ein falsches Politik- und Staatsverständnis vorwerfen! Sie befinden sich damit zwar in guter und zahlreicher Gesellschaft, trotzdem ist es falsch.
Bei Katastrophen wie diesem offenbar durch mangelhafte Wartung verursachten Dammbruch hat Polit-Tourismus nichts zu suchen. Denn Auftritte von Merkel, Wulff oder Trittin im Überschwemmungsgebiet binden Ressourcen, verlangsamen die Hilfeleistung und gaukeln eine Handlungsfähigkeit vor, die nicht der Realität entspricht. Wenn sie dann noch für das Foto einen Sandsack in die Hand nehmen, wird es vollkommen lächerlich.
Auch wenn Überschwemmungen Extremsituationen sind: Sie sind das Standardgeschäft des Katastrophenschutzes und der zuständigen Behörden. Das Rad muss hier nicht neu erfunden werden.
Und wenn irgendwas hakt, was immer sein kann, dann werden Spitzenpolitiker äußerst selten vor Ort gebraucht. Wichtiger ist dann, dass sie von ihrem Schreibtisch aus mit ihrem Apparat entsprechende Konsequenzen einleiten. Vor Ort haben Hydrologen und Katastrophenschutzmanager nun mal die höhere Urteilsfähigkeit als z.B. ein Herr Westerwelle oder Sigmar Gabriel.
Auch wenn die emotionale Inszenierung als Deichgraf tolle Bilder und Schlagzeilen liefert: Sie dient nicht der Sache. Sie ist purer Populismus. Sie kostet viel Geld und es hilft den Flutopfern faktisch nicht.
Es ist eben reine Symbolpolitik.
@ Sun Tzu
Ich nehme Ihre Mainung gerne zur Kenntnis, respektiere sie sogar. Ihr Schreibstil zeugt von Sachkunde.
Auf der anderen Seite antworten Sie mir mit persönlichen Vorwürfen. Das ist schlechter Stil und zeigt eine miserable Diskussionskultur auf wie bei den Grünen üblich.
Soll es Angela Merkel so machen wie seinerzeit Gerhard Schröder, der so zynisch war die Flut 2002 zum Wahlkampf zu benutzen? Oder so wie Joschka Fischer, der damals noch ungerührt in Dresden seine Joggingrunden absolvierte, während hinter ihm die Dresdner schon Sandsäcke schleppte und das Schlimmste befürchteten? Wenn sich die Politiker über die aktuelle Situation informieren wollen haben sie auch so Gelegenheit dazu, ohne im Weg herumzustehen.
Wollen wir mal hoffen, dass es nicht noch schlimmer wird, als es eh schon ist. Die Natur spielt in diesem Jahr ziemlich verrückt.
[Link wurd entfernt, bitte unterlassen Sie Werbung. Danke. /Die Redaktion pt.]
Ich bin mir nicht sicher, ob es die Natur ist, die verrückt spielt. Ich habe da eher manche Menschen und unsere vollkommen aus dem Ruder gelaufene Medienöffentlichkeit in Verdacht.
Denn was sind die Fakten?
Im Golf von Mexiko hat eine Ölfirma Mist gebaut. Der Mensch hat eine Umweltkatastrophe geschaffen, mit der die Natur im Golf von Mexiko offenbar erstaunlich gut zurrecht kommt. Ein Medienereignis war es nur, weil es eben in den USA stattfand. Über in ihren Auswirkungen wesentlich fatalere Ölkatastrophen z.B. in Afrika berichtet keiner. Die mediale Größe eine Katastrophe hat nur selten was mit ihrer realen Bedeutung zu tun.
Ähnlich die Brände in Russland. Omega- Wetterlagen mit Hitzewellen, die eben Moor- und Waldbrände verursachen, sind dort keine Seltenheit.
Geändert hat sich in den letzten 20 Jahren, dass die Wälder und Moore nicht mehr bewirtschaftet wurden. Zu Zeiten der UdSSR wurden Waldbrände vorsorglich wasser- und forstwirtschaftlich bekämpft und verhindert. Lässt man das für Jahrzehnte, gibt es halt irgendwann das Großfeuer. Australien hat da z.B. in den letzten Jahren auch schmerzhafte Erfahrungen gesammelt.
Große Waldbrände gehören übrigens zu vielen Wäldern. Samenkapseln öffnen sich bei einigen Baumarten erst durch Feuer etc. Man steht also vor der Wahl: Bewirtschaften und keine Großfeuer - oder Natur, zu der eben alle paar Jahrzehnte das Großfeuer gehört.
Und Fluten in Sachsen? Auch normal, daher sollte man seine Dämme in Ordnung halten.
Ich bin mir nicht sicher, ob es die Natur ist, die verrückt spielt. Ich habe da eher manche Menschen und unsere vollkommen aus dem Ruder gelaufene Medienöffentlichkeit in Verdacht.
Denn was sind die Fakten?
Im Golf von Mexiko hat eine Ölfirma Mist gebaut. Der Mensch hat eine Umweltkatastrophe geschaffen, mit der die Natur im Golf von Mexiko offenbar erstaunlich gut zurrecht kommt. Ein Medienereignis war es nur, weil es eben in den USA stattfand. Über in ihren Auswirkungen wesentlich fatalere Ölkatastrophen z.B. in Afrika berichtet keiner. Die mediale Größe eine Katastrophe hat nur selten was mit ihrer realen Bedeutung zu tun.
Ähnlich die Brände in Russland. Omega- Wetterlagen mit Hitzewellen, die eben Moor- und Waldbrände verursachen, sind dort keine Seltenheit.
Geändert hat sich in den letzten 20 Jahren, dass die Wälder und Moore nicht mehr bewirtschaftet wurden. Zu Zeiten der UdSSR wurden Waldbrände vorsorglich wasser- und forstwirtschaftlich bekämpft und verhindert. Lässt man das für Jahrzehnte, gibt es halt irgendwann das Großfeuer. Australien hat da z.B. in den letzten Jahren auch schmerzhafte Erfahrungen gesammelt.
Große Waldbrände gehören übrigens zu vielen Wäldern. Samenkapseln öffnen sich bei einigen Baumarten erst durch Feuer etc. Man steht also vor der Wahl: Bewirtschaften und keine Großfeuer - oder Natur, zu der eben alle paar Jahrzehnte das Großfeuer gehört.
Und Fluten in Sachsen? Auch normal, daher sollte man seine Dämme in Ordnung halten.
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