Geburtenrate Mit Sicherheit mehr Kinder

Ein beliebtes Argument: Eine flächendeckende Ganztagsbetreuung erhöhe die Geburtenrate. Das ist ein Trugschluss. Wichtiger sind sichere Jobs.

Ganztägige Betreuung von Kindern: die Lösung des demografischen Problems in Deutschland?

Ganztägige Betreuung von Kindern: die Lösung des demografischen Problems in Deutschland?

Am Anfang stand eine kurze Meldung: "Deutsche mit wenig Lust aufs Kinderkriegen" titelten wir am 27. Juli. In keinem europäischen Land, so lautete die Botschaft des Artikels, wurden 2009 so wenig Kinder geboren wie in Deutschland. ZEIT ONLINE-Leser diskutierten die Meldung leidenschaftlichin mehr als 500 Kommentaren. Die wichtigsten Thesen unserer Leser haben wir dem Sozialwissenschaftler Steffen Kröhnert vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung vorgelegt. Er forderte insbesondere eine bessere Ganztagsbetreuung, um den Deutschen wieder mehr Lust auf Kinder zu machen. Jetzt widersprichtKostas Petropulos,Publizist und Leiter desHeidelberger Büros für Familie und soziale Sicherheit:

651.000 Babys wurden 2009 in Deutschland geboren – so wenige wie niemals zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Doch die zuständige Ministerin und die Bundesregierung sehen keinen Anlass, diese Zahl öffentlich zu kommentieren oder gar einen der sonst üblichen Krisengipfel einzuberufen. Im Gegenteil: Beim kommenden Sparpaket des Bundes sind nur Bildung und Forschung von Kürzungen ausgenommen – Einsparungen bei Familien ausdrücklich nicht.

Fachleuten und der Bevölkerung bereitet der Kinderschwund in Deutschland dagegen durchaus Sorgen, wie etwa das gewaltige Leserecho auf eine Meldung zur Geburtenrate signalisiert. Auf der Suche nach Auswegen aus dieser demografischen Krise argumentieren Experten gern, man müsse nur eine flächendeckende Ganztagsbetreuung ab dem ersten Lebensjahr einführen, um die Geburtenrate zu steigern.

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Diese Idee ist weder neu noch für sich allein Erfolg versprechend, wie die Erfahrung lehrt. Dabei muss man nicht einmal nach auf das Vorbild gebende Ausland, beispielsweise Frankreich oder Schweden, schauen. Es reicht schon der Blick nach Ostdeutschland. Hier gibt es bereits seit Jahrzehnten die erträumten Krippen und Ganztagskindergärten.

Dennoch ist die Geburtenrate mit 1,4 Kindern pro Frau (2008) kaum höher als in den westdeutschen "Krippen-Notstandsgebieten" mit 1,37 Kindern pro Frau. Genauso ernüchternd sind die Ergebnisse der bereits seit rot-grünen Regierungszeiten gestarteten bundesweiten Krippenoffensive. So hat sich die Betreuungsquote für die Unter-Dreijährigen in Westdeutschland von 7,8 (2006) auf 14,5 Prozent (2009) fast verdoppelt. Die Geburtenrate ist jedoch lediglich von 1,34 auf 1,37 (2008) gestiegen und könnte 2009 sogar wieder leicht gesunken sein. Fachleute sind sich im Übrigen darin einig, dass der leichte Babyanstieg von 2006 auf 2007 zum größten Teil auf das Konto des 2007 eingeführten Elterngeldes geht.

Zwischenfazit: Das angebliche Patentrezept "Mehr Kinderbetreuung = mehr Kinder" ist keines.

Das ist nicht verwunderlich, da die Entscheidung für Kinder ähnlich komplex ist wie beispielsweise die Gründe für eine florierende Volkswirtschaft. Bei der Motivsuche gilt es etwa zwischen Kinderlosen mit und ohne Kinderwunsch zu unterscheiden. Dazu kommen noch die Eltern mit Kind(ern), die sich überlegen, ob sie weiteren Nachwuchs wollen. So ist für familienwillige Kinderlose der fehlende Partner der mit Abstand wichtigste Grund, ohne Baby zu bleiben. An zweiter Stelle steht die Forderung nach wirtschaftlicher Sicherheit, um eine Familien zu gründen oder zu erweitern.

Und gerade diese Sicherheit ist besonders für Berufseinsteiger und Berufseinsteigerinnen immer weniger zu haben, wie schon die Schlagworte von der "Generation Praktikum" und der "Generation der befristeten Arbeit" signalisieren. Es sind die Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt, die in den populären Vergleichen mit dem familienpolitisch "fortschrittlichen" Ausland wie Frankreich oder Skandinavien oft übersehen werden.

Im gern zitierten Schweden arbeiten beispielsweise rund 75 Prozent aller Frauen im öffentlichen Dienst. Dort gibt es verbindliche Tarifverträge, die meisten Festanstellungen, Urlaubsanspruch und oft die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit. Bei uns sind dagegen nur rund 16 Prozent der Frauen im öffentlichen Dienst beschäftigt. Die große Mehrheit muss sich auf dem Privatsektor einen Job suchen. Und hier haben sich die Bedingungen vor allem seit der Jahrtausendwende und schon vor der berüchtigten Agenda 2010 immer weiter verschärft.

Die großzügige Ausweitung von gesetzlich erlaubter befristeter Beschäftigung und Leiharbeit trifft Berufseinsteiger ganz besonders. So hat sich von 2001 bis zum ersten Halbjahr 2009 der Anteil der Zeitverträge bei allen Neueinstellungen von 32 auf 47 Prozent erhöht. Hauptbetroffene sind junge Leute und Frauen. Besonders verbreitet sind die Arbeitsformen im boomenden Dienstleistungssektor: Bei Leiharbeitsfirmen, dem Gesundheits- und Pflegebereich. Selbst vor dem öffentlichen Dienst macht der Trend nicht halt. Mittlerweile werden auch Erzieherinnen oder Lehrer zeitlich begrenzt eingestellt. Sogar bei der Bundesagentur für Arbeit bangen Tausende Mitarbeiter um eine Vertragsverlängerung.

Trotzdem will die schwarz-gelbe Koalition die Möglichkeiten zur zeitlichen Befristung für Unternehmen noch weiter ausbauen. Dabei warnte unlängst der Chef der Bundesarbeitsagentur, Frank-Jürgen Weise, vor dieser Entwicklung. Wenn Befristung zum Standard werde, sei dies für unsere Gesellschaft verheerend. Menschen würden Planungssicherheit für ihr Leben brauchen. Das gilt erst recht für Paare mit Kinderwunsch. Das bestätigen alle einschlägigen Untersuchungen. Vor allem junge Männer verschieben die Familiengründung, bis sie Kinder und Frau ernähren können.

Kurz: Die deutsche Babykrise hat vielfältige Ursachen, die mit Krippen, Eltern- oder Betreuungsgeld allein nicht zu lösen sind. Es geht um die Kernfrage, wie unsere moderne, hochflexible Industriegesellschaft die notwendige Verlässlichkeit und Sicherheit schaffen kann, die Familien unverzichtbar brauchen. Diese Frage ist allerdings in der Politik noch nicht einmal angekommen.

 
Leser-Kommentare
  1. Die Zeit-Redaktion kommentiert diesen Artikel als Gegenrede zu dem vor wenigen Wochen hier veröffentlichten Text. Das stimmt aber nicht! Denn ein Widerspruch macht nur Sinn, wenn es um Meinungen geht. Hier aber handelt es sich um eine pure Fiktion, ein Wunschdenken (erster Text) mit einer leider nur sehr selten zu lesenden Darstellung der Realität (zweiter Text, also der hier).

    Das Verrückte ist doch, dass das Offensichtliche erst in solch einer "Gegenrede" genannt werden muss und nicht seinerseits von vornherein an erster Stelle, sehr laut erklingt und Maßgabe für eine Politik ist. Für mich ist es immer wieder ein Grauen, mir vorzustellen, wie verquer das Denken unserer politischen Führung sein muss, dass man auf die Idee kommen kann, mehr Kinderkrippenplätze würde automatisch für mehr Nachwuchs sorgen. Die Verbindung ist überhaupt nicht so gegeben, allenfalls ein wenig wirksam bei ungewollten Schwangerschaften. Auch mit der Logik muss es bereits am Ansatz hapern, wenn man durch solche Plätze Menschen die Möglichkeit des weiteren Arbeitens ermöglichen will, diese Arbeitsplätze aber gar nicht existieren oder bereits vorher durch Mutterschaft verloren gehen.

    Alle Verrücktheiten ergeben aber Sinn unter der Annahme, die etwa durch die Hartz-Regelungen auch schon angeregt wurde: Man will weiterhin für einen Überschuss bei Arbeitskräften sorgen, damit Arbeitgeber weiterhin Löhne drücken können. Dann stehen auch nicht Kinder, sondern die Verfügbarkeit der Eltern im Vordergrund.

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    Natürlich wissen Politiker nichts. Dies liegt aber nicht darin, dass der einzelne Politiker daran schuld wäre, sondern dies ist ein systematischer Fehler.

    Für mich ist es immer wieder ein Grauen, mir vorzustellen, wie verquer das Denken unserer politischen Führung sein muss,...

    Die Logik stimmt aus dem Zusammenhang des Politikers gesehen durchaus.

    Auch der Kommentar:

    Und das Politiker häufig nicht mehr wissen, worum es geht, ist leider kein Stammtischgerede mehr ...

    stimmt natürlich. Das Beispiel von Tina Karen zeigt ja, dass wahrscheinlich wenige Politiker von solchen Lebensumständen wissen, geschweige denn sich darin hineinversetzen können.

    Eher verfällt ein Politiker in einfache Antworten, wie der Glaube an das urban myth mit den vermehrten Geburten neun Monate nach einem Stromausfall. Wer so blöd ist, glaubt auch noch an ganz andere Dinge.

    Natürlich denkt ein Arbeitgeber allerhöchstens bis zum nächsten Quartal. Da sollte ihn die Politik unterstützen und ähnlich einer Frauenquote auch fordern, dass seine Arbeitnehmer eine entsprechend hohe Anzahl von Kindern hat. Damit wir jeder Arbeitgeber seine schon angestellten Arbeitnehmer darin unterstützen Kinder zu bekommen, und bei Neueinstellungen Eltern mit Kind vorziehen.

    Aber die Geburtenrate ist eben nicht monokausal mit einer einzelnen Massnahme zu beeinflussen. Und da die Politiker es noch nicht einmal schafften an den populären Stellschrauben zu drehen, ist es ausgeschlossen, dass sie in der Lage sein werden, dass Problem überhaupt zu verstehen.

    So erschreckend die niedrige Geburtenrate auch ist. Noch sehr viel erschreckender finde ich die Unfähigkeit der Politik.

    Natürlich wissen Politiker nichts. Dies liegt aber nicht darin, dass der einzelne Politiker daran schuld wäre, sondern dies ist ein systematischer Fehler.

    Für mich ist es immer wieder ein Grauen, mir vorzustellen, wie verquer das Denken unserer politischen Führung sein muss,...

    Die Logik stimmt aus dem Zusammenhang des Politikers gesehen durchaus.

    Auch der Kommentar:

    Und das Politiker häufig nicht mehr wissen, worum es geht, ist leider kein Stammtischgerede mehr ...

    stimmt natürlich. Das Beispiel von Tina Karen zeigt ja, dass wahrscheinlich wenige Politiker von solchen Lebensumständen wissen, geschweige denn sich darin hineinversetzen können.

    Eher verfällt ein Politiker in einfache Antworten, wie der Glaube an das urban myth mit den vermehrten Geburten neun Monate nach einem Stromausfall. Wer so blöd ist, glaubt auch noch an ganz andere Dinge.

    Natürlich denkt ein Arbeitgeber allerhöchstens bis zum nächsten Quartal. Da sollte ihn die Politik unterstützen und ähnlich einer Frauenquote auch fordern, dass seine Arbeitnehmer eine entsprechend hohe Anzahl von Kindern hat. Damit wir jeder Arbeitgeber seine schon angestellten Arbeitnehmer darin unterstützen Kinder zu bekommen, und bei Neueinstellungen Eltern mit Kind vorziehen.

    Aber die Geburtenrate ist eben nicht monokausal mit einer einzelnen Massnahme zu beeinflussen. Und da die Politiker es noch nicht einmal schafften an den populären Stellschrauben zu drehen, ist es ausgeschlossen, dass sie in der Lage sein werden, dass Problem überhaupt zu verstehen.

    So erschreckend die niedrige Geburtenrate auch ist. Noch sehr viel erschreckender finde ich die Unfähigkeit der Politik.

  2. ...und die meisten mit vermeintlich stichhaltigen Gründen gegen Kinder: Mal fehlt der Partner - oder man fürchtet die Trennung, dann fehlt der Job - oder der vorhandene ist nicht sicher genug, die Kindertagesstätte fehlt - oder die vorhandene hat schlechte Öffnungszeiten usw.,usw. Der wahre Grund ist ein einziger, anderer: Fehlende Bereitschaft zu teilen - und dabei Entbehrungen auf sich zu nehmen. Was auch nicht verwundert bei einer Generation, die wirkliche Entbehrungen nie kennengelernt hat. Für Kinder mag es besser sein solche Eltern nie zu bekommen.

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    Was will man denn noch teilen, wenn der Job weg ist? Erst mit einem Einkommen, das ueber das allernoetigste hinausreicht, gibt es ueberhaupt etwas zu teilen. Und damit dieses erzielt werden kann, muss als 2. Bedingungn eine verlaessliche Betreeungsinstitution her. Ich kann daran immer noch keinen egoismus erkennen. Aber vielleicht glauben sie ja, dass ihre Ressentiments wahrer werden, wenn Sie sie nur oft genug wiederholen.

    • macey
    • 09.08.2010 um 17:50 Uhr

    Um eine Famlie zu gründen, ist eine unbefristete und sichere Erwerbstätigkeit dringend notwendig. Niemand sollte absichtlich Kinder in ein finanziell und sozial unsicheres Leben setzen. Mit fehlender Bereichschaft zu "teilen" hat dies nichts zu tun, nur mit Verantwortungsgefühl.
    Allerdings werden zur Zeit die Hälfte aller neuen Jobs, mit einem zeitlich befristeten Vertrag, vergeben. In dieser Hinsicht wird die Geburtenrate sicher weiter sinken, angesichts des augenscheinlichen Jobmangels und einer zu hohen Bevölkerungsdichte, kein Weltuntergang.

    "Was auch nicht verwundert bei einer Generation, die wirkliche Entbehrungen nie kennengelernt hat. Für Kinder mag es besser sein solche Eltern nie zu bekommen".

    Es tut mir ja sooo leid das ich nicht in einer Nachkriegszeit aufgewachsen bin. Nee,wirklich. Noch viel lieber wäre ich gerne selbst mit der Waffe in der Hand auf meine Nachbarn losgegangen.Denn nach ihrer Logik, liebes Mainzelmännchen, scheinen ja nur diese Menschen geeignet zu sein Kinder zu bekommen.

    Aber es kommt ja selten vor dass die vorhergehende Generation die Nachkommende verstanden hat. Sie sind daher nicht alleine.

    Wenn ich bedenke, meine Oma hätte während dem Krieg und in den Jahren danach überlegt, ihre Kinder nur in wirtschaftlich sicheren Zeiten zu bekommen. Sie hat sich dazu entschieden, dass die Liebe als Mutter alles ist was Kinder dringend brauchen und trotz wirtschaftlich schwierigster Zeiten 5 Kinder gezeugt. Alle meine Onkel und Tanten sind tolle Menschen geworden und, wie man so sagt, wertvolle Mitglieder der Gemeinschaft.
    Was den Menschen heutzutage abgeht ist ganz einfach soziale Kompetenz. Kinder werden als Wirtschaftsrisiko betrachtet. Liebe und Mitgefühl ist was fehlt in unserer Zeit. Darum ist es sicher auch besser, dass viele Menschen sich gegen Kinder entscheiden. Denn wer überlegt, ob er statt ein Kind zu zeugen lieber ein Mietshaus bauen könne, der ist als Elternteil meiner Meinung nach eh völlig untauglich.

    Was will man denn noch teilen, wenn der Job weg ist? Erst mit einem Einkommen, das ueber das allernoetigste hinausreicht, gibt es ueberhaupt etwas zu teilen. Und damit dieses erzielt werden kann, muss als 2. Bedingungn eine verlaessliche Betreeungsinstitution her. Ich kann daran immer noch keinen egoismus erkennen. Aber vielleicht glauben sie ja, dass ihre Ressentiments wahrer werden, wenn Sie sie nur oft genug wiederholen.

    • macey
    • 09.08.2010 um 17:50 Uhr

    Um eine Famlie zu gründen, ist eine unbefristete und sichere Erwerbstätigkeit dringend notwendig. Niemand sollte absichtlich Kinder in ein finanziell und sozial unsicheres Leben setzen. Mit fehlender Bereichschaft zu "teilen" hat dies nichts zu tun, nur mit Verantwortungsgefühl.
    Allerdings werden zur Zeit die Hälfte aller neuen Jobs, mit einem zeitlich befristeten Vertrag, vergeben. In dieser Hinsicht wird die Geburtenrate sicher weiter sinken, angesichts des augenscheinlichen Jobmangels und einer zu hohen Bevölkerungsdichte, kein Weltuntergang.

    "Was auch nicht verwundert bei einer Generation, die wirkliche Entbehrungen nie kennengelernt hat. Für Kinder mag es besser sein solche Eltern nie zu bekommen".

    Es tut mir ja sooo leid das ich nicht in einer Nachkriegszeit aufgewachsen bin. Nee,wirklich. Noch viel lieber wäre ich gerne selbst mit der Waffe in der Hand auf meine Nachbarn losgegangen.Denn nach ihrer Logik, liebes Mainzelmännchen, scheinen ja nur diese Menschen geeignet zu sein Kinder zu bekommen.

    Aber es kommt ja selten vor dass die vorhergehende Generation die Nachkommende verstanden hat. Sie sind daher nicht alleine.

    Wenn ich bedenke, meine Oma hätte während dem Krieg und in den Jahren danach überlegt, ihre Kinder nur in wirtschaftlich sicheren Zeiten zu bekommen. Sie hat sich dazu entschieden, dass die Liebe als Mutter alles ist was Kinder dringend brauchen und trotz wirtschaftlich schwierigster Zeiten 5 Kinder gezeugt. Alle meine Onkel und Tanten sind tolle Menschen geworden und, wie man so sagt, wertvolle Mitglieder der Gemeinschaft.
    Was den Menschen heutzutage abgeht ist ganz einfach soziale Kompetenz. Kinder werden als Wirtschaftsrisiko betrachtet. Liebe und Mitgefühl ist was fehlt in unserer Zeit. Darum ist es sicher auch besser, dass viele Menschen sich gegen Kinder entscheiden. Denn wer überlegt, ob er statt ein Kind zu zeugen lieber ein Mietshaus bauen könne, der ist als Elternteil meiner Meinung nach eh völlig untauglich.

    • jorkal
    • 09.08.2010 um 16:31 Uhr

    Und verantwortungsvolle junge Menschen als potenzielle Eltern wissen das, weshalb sie ihren Kinderwunsch nicht verwirklichen wollen, solange die eigene Zukunftsperspektive nicht ein gesichertes Einkommen verspricht.

    • self22
    • 09.08.2010 um 16:37 Uhr

    Wie oft lese ich von Wirtschaftsverbänden oder Unternehmenslenkern: "Wir brauchen für unsere Investition Planungssicherheit, sonst können wir die damit verbundenen Risiken nicht eingehen." Aber die Familie ist nun mal die kleinste wirtschaftliche Einheit und die Eltern die Vorstandsvorsitzenden dieser Familienfirma. Und diese verhalten sich nun mal auch etwas ökonomisch, soweit sie über ausreichende Intelligenz verfügen. Alles andere wäre ja auch irgendwie blauäugig in krassen Fällen sogar verantwortungslos. Kinder sind Investitionen in eine vollständige (u. glückliche)Familie. Man kann aber die Kinder nicht zwischendurch mal ein paar Jahre Jahre einfrieren, weil eben gerade der letzte Arbeitsvertrag ausgelaufen ist. Gewollt ist ein gewisses Grundniveau durch eigene Arbeit, unter dem das Leben mit Familie eben keinen Spaß macht. Und ohne etwas Spaß keine Kinder. Und solange diese prekären Verhältnisse akzeptiert werden, wird es im Bildungsbügertum auch nicht zu Geburtensteigerungen kommen. Das ist für mich fast so sicher, wie die nächste in Zeitarbeit umgewandelte Festanstellung...

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    ...und ihre Vorstandsvorsitzenden es mit ihrer "Planungssicherheit" bringen kann man derzeit gut in der Wirtschaft beobachten: Schäffler, Karstadt, Märklin, Porsche, HRE, Commerzbank, BP. Nein, die jungen Herrschaften wollen Planungssicherheit für die eigene Bequemlichkeit. Möglichst mit Reihenhaus, Zweitauto und Dritturlaub. Staatlich garantiert. Aber diese Garantie gab schon Kaiser Augustus seinen jungen Untertanen - ohne Erfolg.

    ...und ihre Vorstandsvorsitzenden es mit ihrer "Planungssicherheit" bringen kann man derzeit gut in der Wirtschaft beobachten: Schäffler, Karstadt, Märklin, Porsche, HRE, Commerzbank, BP. Nein, die jungen Herrschaften wollen Planungssicherheit für die eigene Bequemlichkeit. Möglichst mit Reihenhaus, Zweitauto und Dritturlaub. Staatlich garantiert. Aber diese Garantie gab schon Kaiser Augustus seinen jungen Untertanen - ohne Erfolg.

    • Guido3
    • 09.08.2010 um 16:48 Uhr

    Kann der Autor für diese Aussage bitte eine Quellen nennen? Das erscheint mir extrem unplausibel. Selbst wenn in Deutschland 100,0 Prozent aller Stellen im öffentlichen Dienst (rund 4,5 Millionen) an Frauen vergeben würden, käme man nicht ansatzweise auf eine Quote von 75 Prozent sondern bestenfalls auf 25 Prozent.

    Ansonsten versucht der Autor nach meinem Eindruck Aussagen zu widerlegen, die so niemand getätigt hat. Niemand hat behauptet, dass ein ausreichendes KiTa-Angebot das alleinige Heilmittel für die extrem niedrige Geburtenrate ist. Aber es ist einer der wichtigsten Parameter.

    Beim "Gegenbeweis" Ostdeutschland fehlt der kausale Zusammenhang. Bis vor einigen Jahren gab es dort eine Jugendarbeitslosigkeit von 20-40%. Die Jugend ist wegen der Perspektivlosigkeit abgewandert und die Alten bekommen nun mal keine Kinder mehr. Die Jugend ist aber nicht in den Westen abgewandert, weil man dort besser Kinder bekommen und groß ziehen kann.

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    Ich habe die Zahlen mal geprueft. 43% der Schwedinnen arbeiten im oeff. Sektor, nicht 75%.
    Allerdings sind 74% der im oeffentlichen Sektor Arbeitendenen weiblich. Vermutlich ist der Autor also mit der Prozentrechnung durcheinander gekommen.

    Ausserdem vergleicht der Autor oeffentlichen Sektor (S) mit oeffentlichem Dienst (D). Wenn man richtig vergleicht, arbeiten zwischen 10 und 20% der Schwedinnen im oeffentlcihen Dienst - also aehnlich wie in D.

    Aber damit nicht genug. Es gibt in S fast keinen rechtlichen Unterschied mehr zwischen privatem und oeffentlichen Sektor. In Deutschland gilt das Laufbahn-Modell - in Schweden das Positionsmodell (es gibt keine festen karrierewege oder Laufbahnen wie in D)
    Im oeffentlichen Sektor in S wird nach Leistung bezahlt, es gibt keine Anstellung auf Lebenszeit, es gibt ein allgemines Streikrecht, die Loehne zwischen privatem und oeffentlichen Sektor gleichen sich immer mehr an, etc.

    Die anderen Zahlen im Artikel kann ich nicht pruefen, aber wenn einmal alles zurechtgebogen wurde traue ich dem Rest auch nicht. Schade!

    Oliver

    P.S. Wer es nachpruefen will (Schwedisch sollte man sprichen), einfach zur Website der Statistikbehoerde http://www.ssd.scb.se, und dort "Sysselsatta inom landstings-, primärkommunal-, kyrkokommunal-, statlig- samt övrig sektor efter sektor och kön. År 1992-2009" suchen
    Vergleich des oeffentlichen Dienstes in Europa, zB http://www.dstg.de/dateie...

    Ich habe die Zahlen mal geprueft. 43% der Schwedinnen arbeiten im oeff. Sektor, nicht 75%.
    Allerdings sind 74% der im oeffentlichen Sektor Arbeitendenen weiblich. Vermutlich ist der Autor also mit der Prozentrechnung durcheinander gekommen.

    Ausserdem vergleicht der Autor oeffentlichen Sektor (S) mit oeffentlichem Dienst (D). Wenn man richtig vergleicht, arbeiten zwischen 10 und 20% der Schwedinnen im oeffentlcihen Dienst - also aehnlich wie in D.

    Aber damit nicht genug. Es gibt in S fast keinen rechtlichen Unterschied mehr zwischen privatem und oeffentlichen Sektor. In Deutschland gilt das Laufbahn-Modell - in Schweden das Positionsmodell (es gibt keine festen karrierewege oder Laufbahnen wie in D)
    Im oeffentlichen Sektor in S wird nach Leistung bezahlt, es gibt keine Anstellung auf Lebenszeit, es gibt ein allgemines Streikrecht, die Loehne zwischen privatem und oeffentlichen Sektor gleichen sich immer mehr an, etc.

    Die anderen Zahlen im Artikel kann ich nicht pruefen, aber wenn einmal alles zurechtgebogen wurde traue ich dem Rest auch nicht. Schade!

    Oliver

    P.S. Wer es nachpruefen will (Schwedisch sollte man sprichen), einfach zur Website der Statistikbehoerde http://www.ssd.scb.se, und dort "Sysselsatta inom landstings-, primärkommunal-, kyrkokommunal-, statlig- samt övrig sektor efter sektor och kön. År 1992-2009" suchen
    Vergleich des oeffentlichen Dienstes in Europa, zB http://www.dstg.de/dateie...

  3. ...und ihre Vorstandsvorsitzenden es mit ihrer "Planungssicherheit" bringen kann man derzeit gut in der Wirtschaft beobachten: Schäffler, Karstadt, Märklin, Porsche, HRE, Commerzbank, BP. Nein, die jungen Herrschaften wollen Planungssicherheit für die eigene Bequemlichkeit. Möglichst mit Reihenhaus, Zweitauto und Dritturlaub. Staatlich garantiert. Aber diese Garantie gab schon Kaiser Augustus seinen jungen Untertanen - ohne Erfolg.

  4. Was will man denn noch teilen, wenn der Job weg ist? Erst mit einem Einkommen, das ueber das allernoetigste hinausreicht, gibt es ueberhaupt etwas zu teilen. Und damit dieses erzielt werden kann, muss als 2. Bedingungn eine verlaessliche Betreeungsinstitution her. Ich kann daran immer noch keinen egoismus erkennen. Aber vielleicht glauben sie ja, dass ihre Ressentiments wahrer werden, wenn Sie sie nur oft genug wiederholen.

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    ..dieser Erde hat ja schon Angst vor der Angst den Job zu verlieren. Und setzt deswegen prophylaktisch keine Kinder in die Welt. Auch die Gefahr einer Beziehungstrennung verhindert - natürlich prophylaktisch - Nachwuchs. Und gar die unzumutbaren Kita-Öffnungszeiten: Denen muß man - prophylaktisch - begegnen: Durch Nachwuchsverweigerung.

    ..dieser Erde hat ja schon Angst vor der Angst den Job zu verlieren. Und setzt deswegen prophylaktisch keine Kinder in die Welt. Auch die Gefahr einer Beziehungstrennung verhindert - natürlich prophylaktisch - Nachwuchs. Und gar die unzumutbaren Kita-Öffnungszeiten: Denen muß man - prophylaktisch - begegnen: Durch Nachwuchsverweigerung.

  5. Gerade in höherqualifizierten Berufen sind die Arbeitszeiten oft unregelmäßig, Halbtagsstellen bei den oft projektbezogenen Arbeitsstellen schwer zu realisieren. Die Verträge sind für Berufseinsteiger oft befristet. Wenn man z. B. als DoktorandIn auf einer Drittmittelstelle sitzt, dann wird die nur für eine gewisse Zeit finanziert. Da ist dann auch nix mit Mutterschutz und Elternzeit, denn wenn der Vertrag ausgelaufen ist, wird er halt einfach nicht mehr verlängert. Mit Ganztagsbetreuung wäre es gerade für Akademikerinnen in den ersten Berufsjahren weit besser möglich, ein Kind zu bekommen und die Stelle zu behalten.

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