Der Gefäßchirurg kam zu spät. Das halbe Münsterland ist aufgeschreckt und schläft seitdem nur schlecht. Es geschah vor einem Altenheim, drei Tage ist das her. Die Bilder gingen um die Welt, ließen das Sommerloch vergessen. Das Internet brummt , man schickt sein Beileid tausendfach auf Twitter . Auch auf YouTube hat man reagiert . Der erste Song zum Vorfall ist seit zwei Tagen online: In Neuenkirchen fiel ein Kübel um, und niemand will's gewesen sein.

Ein Kübel, ausgerechnet! Nicht ein Trog, kein Eimer, kein Bottich und kein Zuber. Auch kein Fass und keine Tonne, die Diogenes zu Ruhm brachte wie Napoleon die Wanne. Nicht mal ein Sack Reis. Wär’s ein Krug, hätt’ Kleist schon was geschrieben, und Goethe brächt’s bald auf die Bühne. Hallihallo, was kämen wir da ins Schwärmen! Aber war ja nur ein Kübel. Der hat’s doch schon wahrlich schwer genug.

Unsere Sprache ist gemein zu ihm. Wenn’s regnet, dann aus Kübeln. Wir Redakteure klagen über Leserpost, die kübelweise kommt. Gekübelt wird mit Hohn und Spott. In Schwaben nennt man Brütskübel, wer sich nicht benehmen kann, und RTL, das mithin Schlimmes tut, setzte noch einen Küblböck da drauf. Selbst die Dichter können ihn kaum gebrauchen, denn er reimt sich nur auf Dübel, und die passen ja auch nicht überall. Entfernen wir sein K, sehen wir es sofort: Ihm wird übel mitgespielt.

Vielleicht gab ihm das den Rest. Vielleicht konnte er diese Last nicht mehr ertragen, die weit schwerer als ein Buchsbaum wiegt. Vielleicht nahm er deshalb wehrlos hin, wonach der Unbekannte trachtete. Der Kübel ist ein zartes Wesen, das wissen wir von Kafka: "Widerstandskraft hat er nicht; zu leicht ist er; eine Frauenschürze jagt ihm die Beine vom Boden." So steht’s in seinem Kübelreiter , dem einzigen Stück Literatur, das diesem praktischen Gefäß noch Ehr' erweist. Und selbst das ist voller Trübsinn, bitterkalt und finster. Das kann doch nicht so weiter gehen.

Drum fordern wir an dieser Stelle, im Namen aller Münsterländer und des Internets: Kübelschubser, stelle dich. Wir sagen auch ganz nett Bütte, Bütte.