Loveparade-Unglück Keiner ist ohne Schuld

Stadt, Polizei und Veranstalter: Niemand will die Verantwortung an der Loveparade-Katastrophe übernehmen. Nun liegen ZEIT ONLINE die Planungsunterlagen vor. Eine Analyse

Der Tunnel: Hier und auf der nachfolgenden Rampe stauten sich am 24. Juni die Menschenmassen

Der Tunnel: Hier und auf der nachfolgenden Rampe stauten sich am 24. Juni die Menschenmassen

Schuld sind immer die anderen: Seit der Loveparade-Katastrophe vom 24. Juli schieben sich Veranstalter, Polizei und Duisburger Stadtspitze gegenseitig die Verantwortung zu. Zuletzt die Stadtverwaltung Duisburg , die sich bisher sehr verschlossen gezeigt hatte.

Am Mittwoch nun übergab sie dem nordrhein-westfälischen Innenministerium und den Mitgliedern des Innenausschusses, die zu einer Sondersitzung zusammengekommen waren, ein 35-seitiges Zwischen-Gutachten. Eine Anwaltskanzlei hatte es erstellt, allerdings in Kooperation mit der Verwaltung selbst. Einen ersten Entwurf habe man "intensiv in mehreren Sitzungen mit den Mitarbeitern der Stadtverwaltung besprochen und deren Präzisierungs- und Ergänzungsvorschläge gemeinsam eingearbeitet", heißt es in dem Begleitschreiben. Dementsprechend positiv fällt das Gutachten für die Stadt aus: es lägen bisher keine Erkenntnisse dafür vor, "dass die Mitarbeiter der Stadt Duisburg ihre gesetzlichen Pflichten verletzt hätten und auf diese Weise zum Unglück beigetragen oder es gar versucht hätten". Stattdessen wird die Polizei beschuldigt, Sperren nicht rechtzeitig geöffnet zu haben und mit Fahrzeugen die Rampe blockiert zu haben.

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Als der Zwischenbericht im Innenausschuss diskutiert wurde, war kein Vertreter der Stadt Duisburg dabei, um sich den Fragen der Parlamentarier zu stellen. Grund dafür war die Landesbürokratie. Der Ausschuss hatte so kurz nach der Wahl noch nie getagt, hatte sich noch nicht konstituiert und keinen Vorsitz. Deshalb musste der Landtagspräsident Eckhard Uhlenberg (CDU) offiziell zu der Sitzung einladen. Nach Informationen von ZEIT ONLINE hatten Abgeordnete von der SPD und den Grünen den Landtagspräsidenten in einem Brief gebeten, auch Vertreter der Stadtverwaltung Duisburg, also auch Oberbürgermeister Adolf Sauerland, zur Ausschusssitzung einzuladen. Uhlenberg lehnte das ab. Aufgrund der Landesverfassung sie ihm "eine Ladung "Dritter"" nicht möglich, denn inhaltliche Entscheidungen wie diese könnten nur nach Beschlussfassung im Ausschuss getroffen werden. Doch wie soll ein Ausschuss, der sich noch nicht mal konstituiert hat, vor seiner ersten Sitzung bereits Beschlüsse fassen? So wurde die Stadtspitze nicht eingeladen, und viele Fragen blieben offen.

Spannender als die Diskussion in dem Landes-Gremium ist dann auch der Anhang des Duisburger Zwischenberichtes: Mehrere Hunderte Seiten an teilweise streng vertraulichen Dokumenten, auf deren Grundlage die Juristen ihr Gutachten verfassten. Das Sicherheitskonzept ist darin enthalten, etliche Gesprächsnotizen, Briefwechsel und Protokolle. ZEIT ONLINE liegt dieser Anhang vor. Eine Analyse zeigt: Keiner ist ohne Verantwortung. Jeder hat etwas zu der mangelhaften Planung beigetragen. Sei es durch mangelhafte Sicherheitskonzepte, sei es durch zu nachsichtiges Absegnen.

Welche Erkenntnisse aus den Planungsunterlagen zu ziehen sind, beschreibt ZEIT ONLINE auf den folgenden Seiten.

Leser-Kommentare
  1. Nein, klar ist, dass es Verantwortliche gab, die das Desaster hätten voraussehen und es stoppen können.

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    Genau so sehe ich das auch. Wenn alle Schuld haben hat am Ende keiner richtig Schuld. So wird es laufen, so läuft es immer wenn irgendwo etwas schief geht. Die Verantwortlichen sind sich auch wahrscheinlich darüber im Klaren, dass gegenseitige Beschimpfungen und Anschuldigungen letztendlich für alle Beteiligten das geringste Übel sind. So hat niemand richtig Schuld. Irgendwann verläuft sich alles im Sande...

    • joG
    • 06.08.2010 um 9:51 Uhr

    ... Das ist doch nicht so unüblich, wo es um ein Fehlen der Obrigkeit geht. Da wird keiner wegen Totschlag belangt werden, außer vielleicht bei der privaten Veranstaltungsfirma. Da könnte man sich das vorstellen.

    Beim Brand in der Gletscherbahn in Kaprun im Jahr 2000 kamen 155 Menschen ums Leben. Ursache für den Brand war ein defekter Heizlüfter.
    Bisher gibt es keinen Schuldigen.
    16 Verantwortliche wurden freigesprochen.
    Der Heizlüfterhersteller wurde freigesprochen.

    So ähnlich könnte es auch bei der Loveparade in Duisburg laufen. Offensichtlich fehlt hier das Teilschuldprinzip, das es im Zivilrecht gibt. Man könnte die Schuld ja prozentual auf den Veranstalter, die Stadt Duisburg und die Polizei aufteilen.

    Genau so sehe ich das auch. Wenn alle Schuld haben hat am Ende keiner richtig Schuld. So wird es laufen, so läuft es immer wenn irgendwo etwas schief geht. Die Verantwortlichen sind sich auch wahrscheinlich darüber im Klaren, dass gegenseitige Beschimpfungen und Anschuldigungen letztendlich für alle Beteiligten das geringste Übel sind. So hat niemand richtig Schuld. Irgendwann verläuft sich alles im Sande...

    • joG
    • 06.08.2010 um 9:51 Uhr

    ... Das ist doch nicht so unüblich, wo es um ein Fehlen der Obrigkeit geht. Da wird keiner wegen Totschlag belangt werden, außer vielleicht bei der privaten Veranstaltungsfirma. Da könnte man sich das vorstellen.

    Beim Brand in der Gletscherbahn in Kaprun im Jahr 2000 kamen 155 Menschen ums Leben. Ursache für den Brand war ein defekter Heizlüfter.
    Bisher gibt es keinen Schuldigen.
    16 Verantwortliche wurden freigesprochen.
    Der Heizlüfterhersteller wurde freigesprochen.

    So ähnlich könnte es auch bei der Loveparade in Duisburg laufen. Offensichtlich fehlt hier das Teilschuldprinzip, das es im Zivilrecht gibt. Man könnte die Schuld ja prozentual auf den Veranstalter, die Stadt Duisburg und die Polizei aufteilen.

  2. Alle Beteiligten tragen Mitverantwortung. So habe ich das bisher auch gesehen.

    Der Artikel offenbart in erschreckender Weise, was passiert, wenn vom Ergebnis her gedacht, geplant, gehandelt und so letztlich vermurkst wird.

    Verantwortungsübernahme sieht anders aus.

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    • joG
    • 06.08.2010 um 9:57 Uhr

    ....Ablaufs ist, wie sehr er der Finanzkrise hierin ähnelt. Angefangen mit den schlechten Regeln und ihrer schlampigen Durchführung, den von allen gewollten wachsenden Gewinnen und Steuerabgaben bis hin zur allgemeinen Beteuerung, es sei ein Anderer gewesen, dem Ausgucken eines Sündenbocks und der schlüpfrigen Art der Politiker und Beamte unter Druck... Es ist wunderbar: In Duisburg geht es zu wie in der Welt.

    • joG
    • 06.08.2010 um 9:57 Uhr

    ....Ablaufs ist, wie sehr er der Finanzkrise hierin ähnelt. Angefangen mit den schlechten Regeln und ihrer schlampigen Durchführung, den von allen gewollten wachsenden Gewinnen und Steuerabgaben bis hin zur allgemeinen Beteuerung, es sei ein Anderer gewesen, dem Ausgucken eines Sündenbocks und der schlüpfrigen Art der Politiker und Beamte unter Druck... Es ist wunderbar: In Duisburg geht es zu wie in der Welt.

    • Kiira
    • 05.08.2010 um 20:10 Uhr

    Die 21 Menschen sind nicht an zu geringen Fluchtwegebreiten gestorben und auch nicht an den vielen anderen Schachereien im Vorfeld, die dieser Artikel dokumentiert. Sie sind in einem tödlichen Gedränge gestorben, daß allem Anschein nach durch die Polizeikette auf der Rampe verursacht wurde.

    Auf diese beiden Fragen hätte ich jetzt gerne endlich eine Antwort:

    Warum war die Rampe durch Absperrgitter künstlich verengt, wenn doch schon aus der Planung der Besucherströme hervorging, daß sie bei voller Breite nicht ausreichen würde?

    Warum wurde die Gefahr der Totalblockade an dieser Stelle von der Polizei nicht antizipiert, wenn doch alle wußten, daß Besucher von oben und unten heranströmen?

    Es macht doch keinen Sinn, jetzt all die anderen Versäumnisse aufzuarbeiten, die entscheidenden Fragen aber gar nicht zu stellen.

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    Zufälllig war es jetzt die Rampe. ES hätte auch anderer Stelle passieren können.
    Dafür sind die Überlegungen im Vorfveld ja so wichtig: Sie gehen davon aus, dass Menschen Fehler machen. Diese Fehler sollten dann aber nicht diese Folgen haben! Die Schuld liegtr in der Planung und dem Wegwischen von Bedenken und Bedenkenträgern.

    Die Absperrgitter auf halber Rampenhöhe sieht man auch in Google Earth, die scheinen da schon länger zu stehen, nicht erst seit der Loveparade. Eventuell sind die Gitter (besonders die zwei dreieckigen Konstruktionen) der "offizielle" Eingang zum Güterbahnhof. Ich finde es aber auch interessant (bzw. bedenklich), dass weder diese dreickigen Gitter, noch die sonstigen Absperrungen (z.B. um die Polizeiautos) auf dem Boden der Rampe im offiziellen Polizeiplan eingezeichnet sind. Die Gitter auf der oberern Ebene rings um die Rampe sind hingegen eingezeichnet.

    • dacapo
    • 06.08.2010 um 1:47 Uhr

    .....Sie haben doch die Antwort gegeben. Deshalb kann man über Menschen wie Sie nur staunen. Es gibt an Verantwortliche die Polizei erst an letzter Setlle, denn sie ist nur der Büttel der Oberen, aber auch des Volks. An erster Stelle der Verantwortungsliste steht der Veranstalter. Wenn er "etwas auf sich hält", wenn ihm bewusst ist, dann hätte er die Veranstaltung nicht stattfinden lassen dürfen. Er hat verschleiert, hat auf das Interesse des Landes und der Stadt an dieser Veranstaltung spekuliert, aber war sich nie über die eigentliche Verantwortung bewusst. Wenn sich der Veranstalter als "erfahren" in Sachen Großveranstaltung darstellt, dann hätte er wissen müssen, dass das total in die Hose gehen kann. Ich weiß nicht, was Sie beruflich machen, aber jeder kleine Handwerker würde sich verweigern, wenn etwas abgesegnet wird, was nach seiner Erfahrung nicht funktionieren kann, ein Architekt um so mehr. Eine Behörde lässt sich Sicherheitspläne zusammenstellen, macht daraus Gesetze. Das soll doch nicht heißen, dass ich als "erfahrener Veranstalter" alles mitmache. Wo bleibt denn die Courage. Hat man die nur, wenn man nach einem Unglück sich auf die "Blöde Behörde" beruft, die abgesegnet hat, obwohl ich als Fachmann wissen musste, das kann nicht funktionieren. Oder der Veranstalter darf nicht als Veranstalter auftreten, sich nicht als erfahren darstellen. Denn - er hätte es doch besser wissen müssen. Praxis steht über Theorie. Die Polizei alles ausbaden, eben der Büttel.

    • joG
    • 06.08.2010 um 10:09 Uhr

    .....Rampe verursacht wurde."

    Offenbar ist das nicht so schlimm, war doch das Fiasko die Schuld des Veranstalters und die Verantwortung des OB. Das wissen wir nun so sicher, als ginge es um Griechenland, den Euro und die Spekulanten. Nun braucht es nur etwas Zeit damit die Wunden verheilen und das Vergessen seine Arbeit machen kann. Dann ist die übliche Lösung solcher Probleme erreicht.

    Zufälllig war es jetzt die Rampe. ES hätte auch anderer Stelle passieren können.
    Dafür sind die Überlegungen im Vorfveld ja so wichtig: Sie gehen davon aus, dass Menschen Fehler machen. Diese Fehler sollten dann aber nicht diese Folgen haben! Die Schuld liegtr in der Planung und dem Wegwischen von Bedenken und Bedenkenträgern.

    Die Absperrgitter auf halber Rampenhöhe sieht man auch in Google Earth, die scheinen da schon länger zu stehen, nicht erst seit der Loveparade. Eventuell sind die Gitter (besonders die zwei dreieckigen Konstruktionen) der "offizielle" Eingang zum Güterbahnhof. Ich finde es aber auch interessant (bzw. bedenklich), dass weder diese dreickigen Gitter, noch die sonstigen Absperrungen (z.B. um die Polizeiautos) auf dem Boden der Rampe im offiziellen Polizeiplan eingezeichnet sind. Die Gitter auf der oberern Ebene rings um die Rampe sind hingegen eingezeichnet.

    • dacapo
    • 06.08.2010 um 1:47 Uhr

    .....Sie haben doch die Antwort gegeben. Deshalb kann man über Menschen wie Sie nur staunen. Es gibt an Verantwortliche die Polizei erst an letzter Setlle, denn sie ist nur der Büttel der Oberen, aber auch des Volks. An erster Stelle der Verantwortungsliste steht der Veranstalter. Wenn er "etwas auf sich hält", wenn ihm bewusst ist, dann hätte er die Veranstaltung nicht stattfinden lassen dürfen. Er hat verschleiert, hat auf das Interesse des Landes und der Stadt an dieser Veranstaltung spekuliert, aber war sich nie über die eigentliche Verantwortung bewusst. Wenn sich der Veranstalter als "erfahren" in Sachen Großveranstaltung darstellt, dann hätte er wissen müssen, dass das total in die Hose gehen kann. Ich weiß nicht, was Sie beruflich machen, aber jeder kleine Handwerker würde sich verweigern, wenn etwas abgesegnet wird, was nach seiner Erfahrung nicht funktionieren kann, ein Architekt um so mehr. Eine Behörde lässt sich Sicherheitspläne zusammenstellen, macht daraus Gesetze. Das soll doch nicht heißen, dass ich als "erfahrener Veranstalter" alles mitmache. Wo bleibt denn die Courage. Hat man die nur, wenn man nach einem Unglück sich auf die "Blöde Behörde" beruft, die abgesegnet hat, obwohl ich als Fachmann wissen musste, das kann nicht funktionieren. Oder der Veranstalter darf nicht als Veranstalter auftreten, sich nicht als erfahren darstellen. Denn - er hätte es doch besser wissen müssen. Praxis steht über Theorie. Die Polizei alles ausbaden, eben der Büttel.

    • joG
    • 06.08.2010 um 10:09 Uhr

    .....Rampe verursacht wurde."

    Offenbar ist das nicht so schlimm, war doch das Fiasko die Schuld des Veranstalters und die Verantwortung des OB. Das wissen wir nun so sicher, als ginge es um Griechenland, den Euro und die Spekulanten. Nun braucht es nur etwas Zeit damit die Wunden verheilen und das Vergessen seine Arbeit machen kann. Dann ist die übliche Lösung solcher Probleme erreicht.

  3. Tatsächlich überrascht das Ergebnis nicht. Eine derartige Katastrophe dürfte kaum einmal auf dem Fehler eines Einzelnen beruhen - sei er Veranstalter oder Chef der genehmigenden Stadtverwaltung. Dass Fehler passiert sind ist klar. Aber eine Schuldzuweisung benötigt Zeit. Als umso vorschneller erweisen sich die innerhalb weniger Stunden oder Tage sachkenntnisfrei veröffentlichten Analysen (etwa der Süddeutschen Zeitung und vieler anderer Medien) oder des gerade von seinem Amigo-Urlaub auf Mallorca heimgekehrten Bundespräsidenten, die dem Volk gern einen einzelnen Schuldigen zum Fraß vorwerfen wollten. Zur Aufklärung wird nichts beigetragen, zur Verarbeitung des Dramas schon gar nicht. Auch und gerade die Medien - zumal wenn sie selbstgefällig gegenüber vermeintlichen Schundmedien (Lieblingsfeind ist natürlich die Bildzeitung) die Fahne der Seriosität eifrig schwenken - sollten sich einmal etwas genauer überlegen, wie teuer für sie (Verlust der Glaubwürdigkeit) und für die Betroffenen (Morddrohungen, Karriereende, schwere wirtschaftliche Einbußen) solche Vorverurteilungen wiegen. Ich trauere um die Opfer von Duisburg. Wenn sie aber einen vorsichtigeren Umgang mit vermeintlichen Wahrheiten bewirken, hätte ihr Tod zumindest eine winzige Verbesserung in unserer Gesellschaft bewirkt. Wessen Leben durch voreilige Schuldzuweisungen zerstört wird, kann taucht in keiner Opferstatistik auf.

  4. Genau so sehe ich das auch. Wenn alle Schuld haben hat am Ende keiner richtig Schuld. So wird es laufen, so läuft es immer wenn irgendwo etwas schief geht. Die Verantwortlichen sind sich auch wahrscheinlich darüber im Klaren, dass gegenseitige Beschimpfungen und Anschuldigungen letztendlich für alle Beteiligten das geringste Übel sind. So hat niemand richtig Schuld. Irgendwann verläuft sich alles im Sande...

  5. Es gibt so ein allgemeines Denken in jedweder Gesellschaft, sei sie nun ein Volk in einem bestimmten Land oder in einer Epoche der Geschichte vor Jahrtausenden. Man denkt so, wie man gerade so denkt – in dieser heutigen Zeit oder vor langer Zeit.

    Heute ist Erfolg, wenn Geld fließt. Gestern war Erfolg, wenn man sich das Himmelreich verdient hatte.

    Heute hat jeder Lohnabhängige Angst um seine Anstellung, daß er sein Geld verlöre, falls er verantwortungsvoll handeln würde. Er handelt deshalb nach Vorschrift. Das bedeutet, er handelt nach Anweisung und nicht nach seinem Verantwortungsgespür. Bekommt er keine Anweisung, handelt er lieber nicht.

    Die Optimierung von Geldfluß ist, daß eine persönliche Verantwortung für das eigene Handeln im Sinne von Gemeinwohl nicht existiert.

  6. Die Schuld bei den Anderen zu suchen, ist normal und verständlich. Wenn eine solche Tragödie geschieht, 21 Menschen sterben und 500 verletzt werden; wenn junge Leute sterben, wie das 21-jährige Love-Parade-Opfer Eike M., der mit seinem Abi in der Tasche Politik studierte und Journalist werden wollte, dann ist es nur verständlich, dass der Hass brodelt, ein Verantwortlicher gesucht und gefunden werden muss, auf den das gesamte Unglück projiziert wird.

    Das mag verständlich und teils auch berechtigt sein, doch es spielten auch andere Faktoren eine Rolle, die oftmals vergessen werden: Pech, Gedränge und Geraufe, Alkohol und Drogen, Panik. Die beiden vermeintlich Hauptverantwortlichen, Adolf Sauerland und Rainer Schaller (100% Risiko), werden indes überhäuft mit Hasstiraden, Hassmails und mitunter Morddrohungen. Und das ist meiner Meinung nach zu viel des Guten.

    Was bringt es uns, diese zwei Leiden zu sehen? Zwar ist wahr, dass die Organisation eklatant schlecht war und auch dieses Faktum freilich zu dieser Tragödie beitrug. Aber wir sollte nicht derartig Genugtuung suchen. Uns lechzt es doch nur nach Vergeltung. Und das ist Unfug.

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    "Die Schuld bei den Anderen zu suchen, ist normal und verständlich"

    In welcher Welt leben Sie denn, dass sie sowas als normal und verständlich finden(- EGAL, von welcher Größenordnung sich das Drama handelt- es muss noch nicht mal ein Drama werden.)

    • kfmb
    • 06.08.2010 um 13:36 Uhr

    der das Schicksal der Menschen bestimmt hat. Vielleicht lag es letztendlich nicht in menschlicher Hand. Das müssen wir akzeptieren können. Aber gerade deshalb wäre der Rücktritt des OBs eine große Geste gegenüber den Opfern gewesen, gerade weil er dieses Schicksal anerkennend zum Ausdruck gebracht hätte, dass wir letztendlich nicht alles in der Hand haben können. Sehen Sie, er hat es nicht gemacht. Er sieht keine Schuld bei sich und hat das jetzt auch durch seine Mitarbeiter bestätigen lassen (wie durch Angst getrieben). Die Schuldfrage klärt das Gericht, nicht er und auch nicht seine Mitarbeiter! Die Schuld läßt sich aber auch nur im rechtlichen Sinne klären, im menschlichen nicht. Er hätte das Desaster anerkennen können und das menschliche Irren damit auch. Vielleicht nicht sein Irren, sondern das der Umgekommenen, der Helfer, der Ordner oder einfach deren Ohnmacht. Was ich meine, ist von seiner eigenen individuellen Sicht zu einem Blick auf das Ganze des Lebens und Zusammenlebens zu kommen, seine Kleinheit zu sehen und die Katastrophe anzuerkennen, seiner Kleinheit Ausdruck zu verleihen und für sich eine Konsequenz daraus zu ziehen, und nur für sich und nicht aus anderen Gründen. Die Schuldigen im rechtlichen Sinne werden sich vor Gericht verantworten müssen. Seine eigene Kleinheit und Endlichkeit aber nicht zu sehen, diese Engstirnigkeit muss er vor sich selbst verantworten und das sein Leben lang. Jeder Mensch ist vor Proben gestellt, der er meistern muss.

    "Die Schuld bei den Anderen zu suchen, ist normal und verständlich"

    In welcher Welt leben Sie denn, dass sie sowas als normal und verständlich finden(- EGAL, von welcher Größenordnung sich das Drama handelt- es muss noch nicht mal ein Drama werden.)

    • kfmb
    • 06.08.2010 um 13:36 Uhr

    der das Schicksal der Menschen bestimmt hat. Vielleicht lag es letztendlich nicht in menschlicher Hand. Das müssen wir akzeptieren können. Aber gerade deshalb wäre der Rücktritt des OBs eine große Geste gegenüber den Opfern gewesen, gerade weil er dieses Schicksal anerkennend zum Ausdruck gebracht hätte, dass wir letztendlich nicht alles in der Hand haben können. Sehen Sie, er hat es nicht gemacht. Er sieht keine Schuld bei sich und hat das jetzt auch durch seine Mitarbeiter bestätigen lassen (wie durch Angst getrieben). Die Schuldfrage klärt das Gericht, nicht er und auch nicht seine Mitarbeiter! Die Schuld läßt sich aber auch nur im rechtlichen Sinne klären, im menschlichen nicht. Er hätte das Desaster anerkennen können und das menschliche Irren damit auch. Vielleicht nicht sein Irren, sondern das der Umgekommenen, der Helfer, der Ordner oder einfach deren Ohnmacht. Was ich meine, ist von seiner eigenen individuellen Sicht zu einem Blick auf das Ganze des Lebens und Zusammenlebens zu kommen, seine Kleinheit zu sehen und die Katastrophe anzuerkennen, seiner Kleinheit Ausdruck zu verleihen und für sich eine Konsequenz daraus zu ziehen, und nur für sich und nicht aus anderen Gründen. Die Schuldigen im rechtlichen Sinne werden sich vor Gericht verantworten müssen. Seine eigene Kleinheit und Endlichkeit aber nicht zu sehen, diese Engstirnigkeit muss er vor sich selbst verantworten und das sein Leben lang. Jeder Mensch ist vor Proben gestellt, der er meistern muss.

  7. Es ist einfach nur traurig, wie sich alle Parteien gegenüber darstellen. Niemand will es gewesen sein; alle kämpfen darum, die Unschuld in sich zu hegen.

    Ich kann mich nur den vorigen Kommentaren anschließen, alle tragen die Schuld, selbst die Besucher meiner Meinung nach. Man hätte auch gesitteter die Veranstaltung besuchen können.

    Zu erwähnen ist auch, dass man in Deutschland nahezu gezwungen wird sich zu verstecken. Sobald jemand die Verantwortung dafür übernimmt, schießen alle anderen aus ihren Verstecken und erschweren die Vorwürfe für das Unglück, da sie somit den "Buhmann" ausnutzen können.

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