AbstimmungMoschee am Ground Zero kann gebaut werden

Viele Amerikaner hatten gegen den Bau demonstriert: Dennoch kann jetzt nahe des früheren World Trade Center in New York ein islamisches Gotteshaus entstehen. von dpa

Die Denkmalschutzbehörde von New York hat den Abriss des jetzt dort stehenden Blocks genehmigt, meldeten die New York Times und das Wall Street Journal übereinstimmend. Damit hat die muslimische Gemeinde eine Hürde genommen: Direkt am früheren World Trade Center in New York kann eine Moschee gebaut werden.

Die muslimische Gemeinde will anstelle des 154 Jahre alten Gebäudes ein 15-stöckiges Gemeindezentrum errichten, dessen Kernstück eine große Moschee sein soll. Die Behörde stimmte mit neun Stimmen und keiner Gegenstimme für den Abriss. Die Baukosten werden auf 100 Millionen Dollar geschätzt – etwa 76 Millionen Euro. 

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Christopher Moore, ein Mitglied der Kommission, sagte der New York Times , dass die Wahl keine Frage der Religion gewesen sei. "Es ist nicht direkt auf dem Ground Zero, aber es ist ein Teil davon", sagte er weiter. Nach der Abstimmung gab es Proteste im Publikum. Eine Frau zeigte ein Transparent mit einer Aufschrift, mit der sie sich auf den Terroranschlag vom 11. September 2001 bezog: Verherrlichen Sie nicht die Mörder von 3000 Menschen.

Viele Amerikaner hatten zuvor gegen den Bau der Moschee protestiert und es als geschmack- und taktlos bezeichnet, ein islamisches Gotteshaus nur gut hundert Meter entfernt von dem Ort zu errichten, wo fast 3000 Menschen durch islamistische Terroristen getötet wurden. Gegner bezeichneten das Projekt als "Zitadelle des Islamismus", von einem "Schlag ins Gesicht" der Opfer und ihrer Angehörigen. "Es ist ein furchtbarer Fehler, ein 154 Jahre altes Gebäude abzureißen, um ein Denkmal für den Terrorismus zu bauen", ereiferte sich eine Anwohnerin jüngst bei einer Anhörung. Befürworter beschimpften deren Gegner pauschal als Rassisten. Sie werteten die Entscheidung als ein Zeichen der Toleranz. 

Sharif El-Gamal, der Entwickler des Projekts, freute sich über die Entscheidung der Kommission. Er sagte, das Zentrum repräsentiere "ein amerikanischen Traum, den so viele teilen". Weiter sagte er der New York Times : "Wir sind Amerikaner, muslimische Amerikaner. Wir sind Anwälte, Doktoren, Taxifahrer und Fachleute aus allen Bereichen des Lebens."

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Leserkommentare
  1. Die Erlaubnis, diese Moschee an dieser Stelle zu errichten, ist ein Zeichen der Stärke der amerikanischen Gesellschaft. sie zeigt, dass man sich nicht von Terroristen davon abbringen lässt, an seinen Werten festzuhalten.

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    >>Die Erlaubnis, diese Moschee an dieser Stelle zu errichten, ist ein Zeichen der Stärke der amerikanischen Gesellschaft. <<

    So ähnlich sieht es auch Thomas L. Friedman in der NYT. Er geht aber noch weiter:

    Zitat Friedmann:”When we tell the world, “Yes, we are a country that will even tolerate a mosque near the site of 9/11,” we send such a powerful message of inclusion and openness. It is shocking to other nations. But you never know who out there is hearing that message and saying: “What a remarkable country! I want to live in that melting pot, even if I have to build a boat from milk cartons to get there.” As long as that happens, Silicon Valley will be Silicon Valley, Hollywood will be Hollywood, Broadway will be Broadway, and America, if we ever get our politics and schools fixed, will be O.K.”

    http://www.nytimes.com/2010/08/04/opinion/04friedman.html?src=me&ref=gen...

    Man kann fasst denken, Friedman wolle sagen:
    Dadurch, dass fanatische Moslems das WTC zerstört und tausende von Menschen in den Tod gerissen haben und nun in der Nähe dieses Schreckensorts andere Moslems eine „Moschee“ bauen, bekommt ihr eine wunderbare Chance, um der Welt zu zeigen, wie „powerful“, „tolerant“ und „remarkable“ ihr seid. Eine Möglichkeit, euch hervorragend zu profilieren, mit positiven Folgen.

    Vollkommen naiv und überhöht!!
    Als ich mir die 299 Leserkommentare angesehen habe, war ich aber überrascht, dass die überwiegende Mehrheit zustimmenden Charakter hatten.

  2. ...uns dieser Artikel bitteschön sagen, den Sie hier verlinkt haben?

    Antwort auf "Natürlich wird es"
  3. Das Gemeindezentrum soll den Namen Cordoba House tragen. Cordoba war die Hauptstadt des im frühen Mittelalter von Muslimen in Spanien eroberten Gebieten. Einem Gebäude den Namen der Hauptstadt eines eroberten Gebietes zu geben, wäre auch ohne die Anschläge vom 11. September 2001 abzulehnen. Amerika verliert seinen Verstand.

    Die Argumente gegen der Bau einer Moschee nahe Ground Zero sind mir bekannt. Ich bin überrascht zu lesen, daß es Argumente dafür gibt. Es wäre gut gewesen, diese im Artikel zu erwähnen. Immerhin scheinen sie 29 von 40 Mitglieder des Gemeinderates überzeugt zu haben.

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    Nehmen Sie z.B die Tuerkei oder Syrien als Beispiel. Bei ueberwiegend von Moslems bewohnt. Da gibt,s kein Kalifatstaat wo vor Sie sich so veraengstigen. Kein Grund zu Sorge Martin alles wird gut.

  4. Und es gibt nun mal auch amerikanische Muslime, die ihre Religion ausleben wollen, ohne sich gleich schuldig fühlen zu müssen.

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    sicher einer Übertreibung. Die Argumententation ist eher ohne Religion weniger Terrorismus. Ob es sich hier nur um eine Religion handelt, ist durchaus umstritten:

    http://www.youtube.com/watch?v=Ib9rofXQl6w

    Ich denke, wir müsssen klar trennen, was wir noch als Religion durchgehen lassen, und welche weltlichen Ambitionen klar darüber hinaus gehen.

  5. sicher einer Übertreibung. Die Argumententation ist eher ohne Religion weniger Terrorismus. Ob es sich hier nur um eine Religion handelt, ist durchaus umstritten:

    http://www.youtube.com/watch?v=Ib9rofXQl6w

    Ich denke, wir müsssen klar trennen, was wir noch als Religion durchgehen lassen, und welche weltlichen Ambitionen klar darüber hinaus gehen.

  6. Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Beiträgen an der Diskussion. Die Redaktion/cs

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    halte ich für ziemlich gewagt. Ein Blick in die christliche Kirchengeschichte könnte da hilfreich sein, sie trieft von Blut.
    Der Name "Cordoba-House" lädt geradezu zu Spekulationen ein, die ich hier nicht anstellen möchte, sondern ich sehe hier meinen Eindruck von mindestens Instinktlosigkeit bestätigt.
    Und damit meine ich nicht nur die Instinktlosigkeit gegenüber einer anderen Religion, sondern insbesondere gegenüber den Angehörigen der Opfer des Anschlags und aller, die deswegen Wunden in sich tragen, wobei es ja nicht wenige, auch bedeutende, Persönlichkeiten gab, die nach dem Anschlag davon sprachen, dass die gesamte amerikanische Gesellschaft diese Wunden trägt.
    Mir ist es deshalb unverständlich, warum diese Gesellschaft bzw. deren Entscheidungsträger in diesem Fall die gebotene Rücksichtnahme nicht eingefordert haben.

    • Arril
    • 03. August 2010 21:39 Uhr

    Liebe Redaktion, wieso Gewalt verherrlichen? Hetze? Wie wo was? Seid ihr Zensoren jetzt endgültig der kollektiven Paranoia anheimgefallen?
    Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass ein an entsprechend symbolträchtiger Stätte errichtetes religiöses Gebäude in einem islamischen Land nicht lange stehenbleiben würde, und dass es eben ein typisches und wohl einzigartiges Merkmal der westlichen Kultur ist, dass solche Provokationen der Bevölkerungsmehrheit gegenüber gefahrlos möglich sind.
    An keiner Stelle habe ich Gewalt (welcher Seite nun auch immer) gutgeheißen.

    Antwort auf "Der Ort..."
    • rondo
    • 03. August 2010 21:41 Uhr

    @anna-marie

    Dass der Islam peu a peu unsere Demokratie auf den Kopf stellt.

    gut, dass Sie sagen den Link nicht verstehen,
    umso besser verstehe ich S i e jetzt.

    Amerikanische Muslime wollen ausgerechnet an diesem Ort ihre Religion ausleben. Wie taktvoll!

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    Ich meinte den Link, der in der Kommentarliste von einer anderen Person gepostet wurde. Was wollen Sie daran nun besser an mir verstehen? Das war eine konkrete Frage meinerseits bezüglich des Links, kein Sarkasmus.

    Man kann auch nicht behaupten, dass der Islam die Demokratie auf den Kopf stellt. Wollen wir wirklich ein besseres Vorbild sein und demokratische Werte für Moslems nicht gelten lassen?

    Außerdem weise ich nochmals darauf hin, dass dieses Grundstück seit 154 Jahren im Besitz der Moslems ist! Wer lesen kann....

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Moschee | Denkmal | Gebäude | Islamismus | Protest | Religion
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