Vier Stunden war der Hilfskonvoi von Islamabad aus schon in Richtung Katastrophengebiet unterwegs, als es plötzlich kein Durchkommen mehr gab. Das Wasser hatte die Straße unpassierbar gemacht. "Wir mussten umkehren und zurückfahren", sagt Rebecca Wynn. Obwohl die Helfer schon zwei Drittel des Weges zurückgelegt hatten, blieb ihnen vorerst nichts anderes übrig, als aufzugeben. Die Flutopfer blieben unversorgt.

Als Sprecherin der Hilfsorganisation Oxfam hält sich Wynn zur Zeit in der pakistanischen Hauptstadt auf, um Nothilfe in die überschwemmten Regionen zu bringen. "Wir versuchen vor allem, die Leuten mit sauberem Wasser zu versorgen", sagt sie. Daneben baut Oxfam Latrinen und Waschgelegenheiten, um die hygienischen Verhältnisse im Krisengebiet zu verbessern.

Aber: "Wir können die Hilfe gar nicht dorthin befördern, wo sie gebraucht wird", sagt Wynn. Während es weiter regnet und die Zahl der betroffenen Menschen steigt, sind große Teile der überschwemmten Region weiter von der Außenwelt abgeschnitten. Brücken sind kaputt, die Straßen nicht befahrbar. Zeitweise verhinderte der anhaltende Regen sogar, dass Hubschrauber starten konnten. Dabei benötigen die Flutopfer dringend Hilfe. 15 Millionen Menschen sind nach Angaben der pakistanischen Regierung direkt von der Katastrophe betroffen.

Die Menschen in den überschwemmten Gebieten haben allen Besitz verloren. Nicht einmal das Notwendigste ist ihnen geblieben. Die Nahrungsmittelvorräte sind in den Wassermassen versunken, das Trinkwasser verschmutzt. "Es kann sehr verlockend sein, von dem Wasser zu trinken, das die Menschen umgibt", sagt Wynn. "Aber das darf nicht passieren." Die schmutzige Brühe beherbergt Bakterien, die Fieber und Durchfall auslösen können. Kleinkinder, die sich mit ihnen infizieren, könnten im schlimmsten Fall an Nierenversagen sterben. Cholera-Fälle, ebenfalls durch mit Bakterien verseuchtes Wasser ausgelöst, wurden bereits registriert.

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"Wir müssen zu diesen Menschen vordringen", sagt Rebecca Wynn. "Wenn wir das nicht schnell schaffen, kann es zu einer zweiten Katastrophe kommen. Deshalb planen wir jetzt, so weit zu fahren wie nur möglich, und dann zu Fuß weiter zu gehen, mit den Hilfsgütern auf unseren Köpfen." Es ist derzeit die einzige Möglichkeit, die Flutopfer zu erreichen. Die Welthungerhilfe berichtet, dass auch Nahrungsmittel zu Fuß in die überschwemmten Gebiete transportiert werden.

"Es ist ein wenig wie im Krieg", sagt Dirk Kamm. Der Einsatzleiter des Roten Kreuzes in Pakistan war gerade in einem Dorf in der Region Nowshera im Nordwesten des Landes. Fast eine Woche lang war es von der Außenwelt abgeschnitten. "Viele Menschen waren traumatisiert, sie haben alles verloren", berichtet Kamm. "Auch der Brunnen war von den Schlammmassen verseucht, es gab kaum noch Trinkwasser und in den Häusern lagen tote Tiere." Kamm und andere Helfer haben im Zentrum des Dorfes eine mobile Gesundheitsstation errichtet. Sie haben 500 Essenspakete und Tabletten verteilt, die Bakterien im Wasser abtöten.

Oxfam ist gerade dabei, kaputte Latrinen in einem Zeltlager in Nowshera wieder instand zu setzen. "Die Menschen suchen Schutz auf leicht erhöhtem Land", beschreibt Wynn die Lage. Einen trockenen Ort finden sie aber auch dort nicht. Die Erde saugt den Regen auf wie ein Schwamm und wird zum Sumpf. "Das Wetter macht das Elend nur noch größer", sagt sie.