Flutkatastrophe Zardari lässt sich endlich bei Flutopfern blicken

Erstmals seit Beginn der Flutkatastrophe ist Pakistans Präsident in die Flutregion gereist. Die Kritik perlt an ihm ab: Symbolpolitik helfe den Menschen nicht weiter.

Flucht vor dem Wasser: Flutopfer müssen in Muzaffargarh in Sicherheit gebracht werden

Flucht vor dem Wasser: Flutopfer müssen in Muzaffargarh in Sicherheit gebracht werden

Frankreich, Großbritannien, Syrien – diese Orte bildeten die Reiseroute von Asif Ali Zardari. Die Provinzen Sindh und Punjab, die von der Jahrhundertflut besonders betroffen sind, standen bislang nicht auf dem Reiseplan des pakistanischen Präsidenten. Dies hat sich nun geändert: Erstmals seit Beginn der Katastrophe hat Zardari die von schweren Überflutungen betroffenen Gebiete besucht.

Er reiste nach Sukkur in der Provinz Sindh. Nach Angaben eines örtlichen Behördenvertreters besuchte Zardari in der Stadt ein Auffanglager und sprach mit Flutopfern. Das staatliche Fernsehen brachte Aufnahmen von Zardari, wie er einer älteren Frau über den Kopf streichelte und anschließend den Staudamm von Sukkur besichtigte.

Anzeige

Zuvor gab es heftige Kritik an seinem Krisenmanagement. Obwohl die Lage in seiner Heimat täglich dramatischer wurde, hatte Zardari eine kurz nach Beginn der Überschwemmungen angetretene Europareise nicht abgebrochen und war am Schluss sogar noch für einen kurzen Abstecher nach Damaskus gereist – außerplanmäßig. Bei den Menschen in seiner Heimat entstand der Eindruck, er interessiere sich nicht für ihr Schicksal, übernachte dafür aber umso lieber in teuren Luxushotels.

Die Vorwürfe wehrte Zardari ab. Im Wall Street Journal verteidigte er seine Entscheidung. Persönlich hätte er sicherlich von dem "politischen Symbol" profitiert, wenn er sich vor Ort gekümmert hätte, schrieb der pakistanische Präsident. "Doch hungrige Menschen können keine Symbole essen. Die Situation verlangte nach Aktion, und ich habe gehandelt und die Welt mobilisiert".

Blogs

Zulfiquar Ali Haider, ein Gesundheitsexperte des Hilfswerkes Oxfam, berichtet in seinem Tagebuch auf der BBC-Seite über seine Erfahrungen im von der Flut zerstörten Norden Pakistans.

Die Nothilfe-Koordinatoren der Hilfsorganisation Save The Children informieren auf Deutsch und Englisch über persönliche Schicksalsschläge. Unter anderem auch über Gefahren, die momentan der Bevölkerung drohen, zum Beispiel durch Cholera.

Pakistanische Presse

Auf der Internetseite der englischsprachigen Zeitung Express Tribune lassen sich ortsnahe Berichte sowie Videoreportagen vom pakistanischen Nachrichtensender Express 24/7 finden.

Ebenfalls in Pakistan erscheint die Tageszeitung Dawn (auf Englisch). Sie berichtet regelmäßig über die Flutkatastrophe.
 

Karten und Statistiken

Das UN-Hilfsprojekt World Food Programme bietet detaillierte Karten von Pakistan an, die zeigen wie stark die jeweiligen Regionen betroffen sind.

Wer sich für die Lage in der Nord-West-Provinz Khyber Pakhtunkhwa interessiert, kann auf der Internetseite der Regierung Karten und Statistiken über die aktuelle Situation finden.

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind bei den schweren Überschwemmungen bislang mehr als 1600 Menschen ums Leben gekommen. Insgesamt 14 Millionen Menschen sind demnach betroffen, sechs Millionen von ihnen brauchen sofortige Hilfe zum Überleben. Die UN rief die internationale Gemeinschaft zu einer Soforthilfe in Höhe von 460 Millionen Dollar (rund 353 Millionen Euro) für die kommenden drei Monate auf.

Zwar sinken die Pegel von mehreren Flüssen und Staudämmen in Sindh und Punjab. Zudem rechnen die Meteorologen für die kommenden Tage nur noch mit vereinzelten Niederschlägen. Allerdings leiden die Flutopfer unter glühender Hitze, die Gefahr von Krankheiten und Seuchen steigt. Und noch immer werden Menschen vor drohenden Überschwemmungen in Sicherheit gebracht. In der Stadt Muzaffargarh waren es erneut 400.000 Menschen.

Auch der Wettstreit um die Sympathien der pakistanischen Bevölkerung , allen voran zwischen den USA und radikalislamischen Hilfsorganisationen, hält weiter an. Washington schickte einen Hubschrauberträger vor die Küste des Landes. Damit können 19 weitere Militärhubschrauber für die Nothilfe eingesetzt werden. Das seien "mehr als dreimal so viele wie bisher", sagte Verteidigungsminister Robert Gates.

 
Leser-Kommentare
  1. Herrn Zadari wird es uebel genommen, dass er waehrend des Hochwassers in Pakistan seine Auslandsreise fortsetzt.
    Unsere Bundeskanzlerin haelt es nicht fuer noetig, ihren Urlaub wegen des Hochwassers in Ostdeutschland (ihrer Heimat) zu unterbrechen und die Presse uebergeht das taktvoll (mit Ausnahme einer Karikatur von heute 12.08.2010 in der Suedwestpresse.

    Da war Herr Schroeder politisch geschickter. Der nutzte ausser BILD und Glotze auch das Hochwasser, um sich zu profilieren. Dabei hatte er damals bessere Umfragewerte.

  2. Was ist das für ein Politiker, der die Symbolkraft eines solchen Auftritts nicht für sich zu nutzen weiss...

    Hilfe organisieren können auch irgendwelche anderen Staatsbediensteten.

    Die politische Kaste Pakistans scheint dermaßen mies zu sein, dass sie selbst solche prächtigen Chancen zur Profilierung nicht ergreift.Armes Pakistan.

  3. wieder? Was haben wir eigentlich davon, wenn Angela Merkel sich symbolhaft in die Hochwasserregion der Oder - aber dann auch nur in McPom, nicht in Brandenburg (!) - sehen läßt. Hilft das schon? - Wenn Asif Ali Zardari auf seiner Reise mehr für sein Land erreichen konnte, als bei einem symbolhaften "Ich bin bei Euch", dann war er doch bei seinen Landsleuten, oder? - Allerdings: "WENN" - mir fehlt bis heute jede Mobilisierung der nicht betroffenen Pakistani für ihre Landsleute (10 : 1) - oder war das nur keinen Artikel wert? -

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service