"Es ist noch nicht vorbei", sagt Maya Dähne. Die Sprecherin der Organisation Save the Children steht von Berlin aus in ständigem Kontakt zu den Helfern, die in den überfluteten Gebieten Pakistans unterwegs sind. In den gebirgigen Regionen des Nordens seien die Wassermassen zum Teil schon abgelaufen, sagt sie. "Wir fangen gerade erst an, die Schäden abzuschätzen. Aber es ist immer noch Wasser da." Weitere Regenfälle sind fürs Wochenende angekündigt; Helfer und Betroffene können nur hoffen, dass sie nicht zu neuen Fluten führen. In der Mitte des Landes, im Punjab, sprechen die Behörden bereits von einer zweiten Welle.

Mit dem Fluss Indus, der Pakistan von Nord nach Süd durchschneidet, bewegen sich die Wassermassen durch das Land. Die Katastrophe begann am Fuß der über 8000 Meter hohen Gipfel des Nordens. Jetzt wälzt sich die Flut durch die flachen Regionen des Südens. Wegen der speziellen Topographie Pakistans unterscheiden sich die Folgen der Überschwemmung in Nord und Süd grundlegend, und ebenso die drängendsten Aufgaben der Helfer.

"Es ist sehr schwierig, in die Gebirgsregionen des Nordwestens vorzudringen – auch zu normalen Zeiten", sagt Dähne. "Jetzt versperren Schlammmassen und Trümmer die Pfade." In den ersten Tagen der Katastrophe war Save the Children hauptsächlich im Nordwesten aktiv, in den Distrikten Swat, KI Khan, Buner und Allai. Die Gegend ist relativ dünn besiedelt. "Es gibt dort nicht viele Städte, eher kleine Siedlungen und Dörfer aus Lehmhütten", beschreibt Dähne die Gegend.

Dem World Food Programme (WFP) der Vereinten Nationen zufolge sind 600.000 Menschen im Norden des Landes nicht erreichbar. "Wenn es im Gebirge stark regnet, können auch Hubschrauber nicht landen", erklärt Wolfgang Herbinger, WFP-Landesdirektor in Pakistan. "Die Flüsse steigen wieder an, Lastwagen können nicht passieren." Einige der Lastwagenfahrer des WFP seien bereits traumatisiert, "weil sie schon einmal untergegangen sind", sagt Herbinger. "In Kohistan und Shangla ist die Infrastruktur völlig zerstört, auch im Norden von Swat. Der ganze Karakorum-Highway ist im Moment nicht passierbar. Die Menschen dort sind völlig von der Außenwelt abgeschnitten."

Immerhin gibt es im Norden noch saubere Quellen, anders als im Süden. Aus ihnen können die Menschen sich Trinkwasser holen. Doch Nahrungsmittel werden knapp. "Zucker, Milch und Hülsenfrüchte sind gar nicht mehr erhältlich", berichtet Herbinger. "Der Preis von Benzin ist stark gestiegen."