Flutkatastrophe USA und Taliban buhlen um die Pakistaner

Die Spenden fließen spärlich, doch Taliban und die USA machen Millionen Dollar frei: aus humanitären Gründen – doch es ist auch eine Frage des Images.

Ein Helikopter der US-Navy bringt Weizen. Durch die Flut wurden auch die Korn- und Reisfelder des Landes verwüstet

Ein Helikopter der US-Navy bringt Weizen. Durch die Flut wurden auch die Korn- und Reisfelder des Landes verwüstet

Das Spendenaufkommen für die Flutopfer in Pakistan bleibt gering. Die Regierung in Islamabad hat daher erneut an die Weltgemeinschaft appelliert, zu helfen und einen gewissenhaften Umgang mit den Hilfen versichert. Man überlege auch, ausländische Prüfer zur Überwachung der Verwendung von Spenden einzustellen, sagte Innenminister Rehman Malik.

Die EU hat eine internationale Geberkonferenz vorgeschlagen, um die benötigten großen Geldsummen für den langfristigen Wiederaufbau des Landes zusammenzubekommen.

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Keinesfalls würden die Hilfen in die Hände von Extremisten gelangen, versicherte Malik. Die Zurückhaltung der Spender war unter anderem mit der Angst vor Korruption und dem Einfluss der Taliban in Pakistan begründet worden. Spender könnten sicher sein, "dass wir überprüfbar sind". Die Hilfe gehöre "den Armen, den Flutopfern", sagte Malik. "Ich verspreche, dass sie bei ihnen ankommt."

Seit Beginn der Flutkatastrophe hatten die Taliban versucht, durch eigene Hilfseinsätze und Spenden Einfluss auf die Regierung zu nehmen . "Die Regierung darf amerikanische Hilfe nicht annehmen", sagte ein Sprecher der pakistanischen Taliban-Organisation Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP), Azam Tariq. "Wir verachten Amerika und andere ausländische Hilfe und glauben, dass sie zu Unterwerfung führt." Dafür hatte die Organisation der Regierung 20 Millionen Dollar (rund 15 Millionen Euro) in Aussicht gestellt.

Blogs

Zulfiquar Ali Haider, ein Gesundheitsexperte des Hilfswerkes Oxfam, berichtet in seinem Tagebuch auf der BBC-Seite über seine Erfahrungen im von der Flut zerstörten Norden Pakistans.

Die Nothilfe-Koordinatoren der Hilfsorganisation Save The Children informieren auf Deutsch und Englisch über persönliche Schicksalsschläge. Unter anderem auch über Gefahren, die momentan der Bevölkerung drohen, zum Beispiel durch Cholera.

Pakistanische Presse

Auf der Internetseite der englischsprachigen Zeitung Express Tribune lassen sich ortsnahe Berichte sowie Videoreportagen vom pakistanischen Nachrichtensender Express 24/7 finden.

Ebenfalls in Pakistan erscheint die Tageszeitung Dawn (auf Englisch). Sie berichtet regelmäßig über die Flutkatastrophe.
 

Karten und Statistiken

Das UN-Hilfsprojekt World Food Programme bietet detaillierte Karten von Pakistan an, die zeigen wie stark die jeweiligen Regionen betroffen sind.

Wer sich für die Lage in der Nord-West-Provinz Khyber Pakhtunkhwa interessiert, kann auf der Internetseite der Regierung Karten und Statistiken über die aktuelle Situation finden.

In den USA dagegen spricht man von einem " Kampf um die Herzen ", den die amerikanische und die pakistanische Regierung nicht verlieren dürfen. Die US-Regierung hat ihre Soforthilfe für Pakistan auf insgesamt 90 Millionen Dollar (über 70 Millionen Euro) aufgestockt. Das Geld werde genutzt, um über verschiedene Hilfsorganisationen Nahrungsmittel, Trinkwasser und Medikamente zu verteilen. Aber auch Hubschrauber und Behelfsbrücken werden zur Verfügung gestellt, um die Rettungsarbeiten zu beschleunigen. In mehreren Fällen waren die Helfer der Taliban lange vor den Regierungstruppen bei den Opfern eingetroffen.

Thomas Schwarz, Sprecher der Hilfsorganisation CARE Deutschland kritisierte dagegen, dass in der Diskussion um Hilfsgelder für Pakistan sehr oft von den radikalislamischen Taliban und Terrorismus die Rede sei. Wenn die Hilfsgelder erfahrenen und gut vernetzten Hilfsorganisationen und deren lokalen Partnern zur Verfügung gestellt würden, kämen diese auch direkt bei den Flutopfern an. Dagegen spiele für ihn die Überlegung, durch aktive Hilfe westlicher Regierungen und Organisationen den Einfluss der Taliban in Pakistan zurückzudrängen, keine Rolle. "Es muss keine politischen Gründe geben, um Hilfe zu leisten", sagte Schwarz. Schließlich gebe es ein Menschenrecht auf Nahrung und eine Verpflichtung zur Solidarität.

Die Weltbank schätzte die Auswirkungen der Katastrophe auf die pakistanische Wirtschaft als "gewaltig" ein; die Fluten hätten neben Straßen, Brücken und landwirtschaftlichen Flächen rund 723.000 Wohnhäuser zerstört oder beschädigt. Sie stellte am Montag einen Kredit in Höhe von 900 Millionen Dollar (rund 702 Millionen Euro) bereit.

Leser-Kommentare
  1. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Die Redaktion /ft

  2. Die Welt gibt 1 400 Milliarden Dollar pro Jahr für

    "militärische Sicherheit". Die Milliönchen Hilfsgelder für das Überleben der notleidenden Pakistani sind äußerst entlarvend:

    Die Sicherung der Macht ist wohl einen Faktor 10 000 bedeutsamer als die Sicherung des Überlebens und der Grundrechte auf Wasser und Nahrung !?

  3. Hier, genauso wie in Haiti, hätten sie die Chance mit ihrem Vermögen sehr schnell sehr wirkungsvoll zu helfen. Und das mit einem Bruchteil ihres angekündigten Spendenumfangs. Also ist es mit dem "Gutmenschentum" dieser edlen Spender scheinbar doch nicht so gut bestellt.

    Eine Zahl die glaube ich im Raum steht ist 1 Mrd $, die die internationale Gemeinschaft bereitstellen möchte. IM Grunde ein Klacks für alle, die der Welt doch gutes tun wollen.

  4. , ob man den Worten eines Rehman Malik auch wirklich trauen kann. Pakistan hat in der Vergangenheit schon öfters bewiesen, dass es nicht gewissenhaft mit Spendengeldern der EU und der USA umgehen kann. Ich würde es daher lieber sehen, wenn ausländische Beamte und Beobachter den Geldfluss vor Ort koordinieren und so sicherstellen, dass nicht ein Cent in die Tasche von korrupten pakistanischen Provinzbeamten oder gar Talibankämpfern gelangt. Für die pakistanische Bevölkerung wäre das sicher das Beste.

  5. Vermeiden Sie zynische Kommentare. Die Redaktion / mh

  6. @ Redicator
    Angesichts der Not in Pakistan ist so ein Kommentar absolut unangebracht und boshaft.
    Wo Menschen leiden sollte auch geholfen werden. Organisationen wie "Aktion Deutschland hilft" sind verlässlich und gut organisiert auch in Krisengebieten die Hilfe dort ankommen zu lassen wo sie hingehört.

    • leon1
    • 18.08.2010 um 15:50 Uhr

    wie macht man das in Pakistan?
    Die Regierung verspricht das meine Spende nicht bei den Extremisten ankommt. Aber das sind auch Menschen in Not.
    Andererseits moechte ich auch nicht das meine Hilfe als Geschenk der Pakistanisch/ und US Regierung ankommt und zu Propagandazwecken genutzt wird.
    Die sogennanten freien Hilfsorganisationen sind ebenfalls auf das Militaer angewiesen.
    Ich bin ratlos.

  7. Entfernt. Bitte wenden Sie sich bei Fragen zur Moderation an community@zeit.de. Die Redaktion/cs

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