Waldbrände Saubere Luft gibt's im Supermarkt

Der Smog in Russlands Hauptstadt raubt den Menschen den Atem. Doch die reagieren nicht panisch sondern pragmatisch. Luftwäscher und Ventilatoren sind ein Verkaufsrenner.

Wer heute von der Aussichtsplattform auf den Sperlingsbergen hinabschaut, sieht den Nebel Moskau verhüllen wie einst in der russischen Legende die Stadt Kitesch. Aber der Smog, in dem sich nur manche Konturen der Stalinbauten und Betonhochhäuser wie unter einer Ascheschicht abzeichnen, soll nicht wie in der Kitesch-Mythologie die Stadt vor ihren Feinden retten. Er ist der Feind. Er raubt den Atem, brennt in den Augen und erhöht, nach inoffiziellen Meldungen, die Sterblichkeit in Moskau.

Zum fünften Mal in diesem Monat wurde gestern ein absoluter Temperaturrekord gemessen: Um 15 Uhr zeigte die Wetterstation auf dem früheren Gelände der "Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaften der UdSSR" 36 Grad an. So heiß war es noch nie an einem 6. August in Moskau, seitdem die Temperaturen gemessen werden. Die Prognose der Meteorologen, dass es bis zu 40 Grad werden könnten, traf nur nicht ein, da der Smog die Kraft der Sonnenstrahlen erheblich verminderte. Die Flughäfen arbeiteten mit Einschränkungen, der Dampferverkehr auf dem Moskau-Fluss wurde eingestellt, und der Fußballverband verlegte das Freundschaftsspiel zwischen Russland und Bulgarien am 11. August nach Sankt Petersburg.

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Doch die Moskauer sind darin geübt, Schicksalswendungen zu überstehen. Sie reagieren nicht panisch, sondern pragmatisch: Das Leben muss weitergehen, denken sie, und leisten sich allerlei Lebenserleichterndes. Medizinische Masken, die nach Aussage des obersten Allgemeinarztes der Stadt gar nichts nützen, sind in vielen Apotheken ausverkauft. Präsident Dmitrij Medwedjew bekam beim gestrigen Besuch einer Erste-Hilfe-Station eine Packung mit 50 Masken geschenkt, die er gerne mitnahm.

Im Gorbuschka-Einkaufszentrum für elektrische Geräte entstehen Schlangen, wenn in einem der Läden eine neue Lieferung mit Ventilatoren angekommen ist. Als ein junger Mann einen defekten Ventilator reklamiert, sichert der Verkäufer ihm sofort ein neues Modell zu – in drei Wochen, wenn die nächste Lieferung erwartet wird.

Luftwäscher sind ein Verkaufsrenner. In Fußgängerunterführungen bieten fliegende Händler gefälschte Atemgeräte an. Die Behörden verbreiten Gesundheitstipps: wenig körperliche Bewegung, Aufenthalt im Freien meiden, Fenster und Türen geschlossen halten und zur Not mit feuchten Tüchern abdichten. Wer mal wieder richtig erfrischend spazieren gehen will, steuert am besten den nächstgelegenen klimatisierten Supermarkt an.

Die Bilanz der Waldbrände liest sich katastrophal: 52 Menschen kamen ums Leben. Offiziell leben 1120 Menschen in Notlagern. Der Katastrophenschutz meldet zwar kleine Erfolge: Erstmals habe sich die Zahl der Waldbrände im ganzen Land verringert. Aber jetzt brennen mehr Torfgebiete. Insgesamt werden auf dem Gebiet Russlands 831 Feuer gezählt, davon 42 Torffeuer. Bei den Löscharbeiten helfen mittlerweile Flugzeuge und Hubschrauber aus der Ukraine, Weißrussland, Armenien, Kasachstan und Italien. Hilfsangebote aus Bulgarien, Polen, Frankreich und Deutschland sind eingetroffen.

Die wochenlange Dürre hat die Wälder, Wiesen und Felder ausgetrocknet. Auslöser der meisten Brände sind aber die Menschen. Sie machen Lagerfeuer im Wald an, werfen ihre Kippen weg oder lassen Flaschen liegen, durch die Sonnenstrahlen wie durch ein Brennglas aufs Gras fallen. Die Regierung des Moskauer Gebiets hat entschieden, Bürgern für die Information über Zündler im Wald eine Belohnung zu bezahlen. Wer Lagerfeuer und Brandstiftung meldet, erhält gut 1.200 Euro.

Leser-Kommentare
  1. Entfernt. Beteiligen Sie sich mit sachlichen Beiträgen an der Diskussion. Die Redaktion/sh

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ob es nun tatsächlich Probleme mit Tschernobyl-Altlasten gibt oder nicht, Fakt ist die Lage ist brenzlig - auch ohne radioaktive Asche. Anders als der Autor schreibt ist die Lage in Moskau katastrophal und die Menschen reagieren nicht wirklich pragmatisch. Wer kann verlässt die Stadt, da je nach Windrichtung das atmen kaum mehr möglich ist. Das viele Russen nicht in der Lage sind zu fliehen liegt daran, dass sie es sich nicht leisten können...

    Ihr Kommentar ist ein gutes Argument – gegen so ziemlich jede Art von Nachrichten. "Who cares?"

    Auch wenn, wie Sie schreiben, es jedes Jahr irgendwo Waldbrände gibt, muss man unterscheiden zwischen kleineren und großen Waldbränden. Hier sind bereits über 50 Menschen gestorben. Und haben Sie schon mal mitbekommen, wie das ist, Luft zu atmen, die beissend-verbrannt ist? Und bei der Hitze keine Fenster mehr öffnen zu können, weil keine frische Luft hinein kommt, sondern giftige? Und die Torfbrände?? Haben Sie eine Vorstellung, wie lange so etwas schwelt?

    Ihr Kommentar ist nicht nur zynisch, er ist fast menschenverachtend in seiner Gleichgültigkeit.

    Ob es nun tatsächlich Probleme mit Tschernobyl-Altlasten gibt oder nicht, Fakt ist die Lage ist brenzlig - auch ohne radioaktive Asche. Anders als der Autor schreibt ist die Lage in Moskau katastrophal und die Menschen reagieren nicht wirklich pragmatisch. Wer kann verlässt die Stadt, da je nach Windrichtung das atmen kaum mehr möglich ist. Das viele Russen nicht in der Lage sind zu fliehen liegt daran, dass sie es sich nicht leisten können...

    Ihr Kommentar ist ein gutes Argument – gegen so ziemlich jede Art von Nachrichten. "Who cares?"

    Auch wenn, wie Sie schreiben, es jedes Jahr irgendwo Waldbrände gibt, muss man unterscheiden zwischen kleineren und großen Waldbränden. Hier sind bereits über 50 Menschen gestorben. Und haben Sie schon mal mitbekommen, wie das ist, Luft zu atmen, die beissend-verbrannt ist? Und bei der Hitze keine Fenster mehr öffnen zu können, weil keine frische Luft hinein kommt, sondern giftige? Und die Torfbrände?? Haben Sie eine Vorstellung, wie lange so etwas schwelt?

    Ihr Kommentar ist nicht nur zynisch, er ist fast menschenverachtend in seiner Gleichgültigkeit.

  2. Ob es nun tatsächlich Probleme mit Tschernobyl-Altlasten gibt oder nicht, Fakt ist die Lage ist brenzlig - auch ohne radioaktive Asche. Anders als der Autor schreibt ist die Lage in Moskau katastrophal und die Menschen reagieren nicht wirklich pragmatisch. Wer kann verlässt die Stadt, da je nach Windrichtung das atmen kaum mehr möglich ist. Das viele Russen nicht in der Lage sind zu fliehen liegt daran, dass sie es sich nicht leisten können...

    Antwort auf "Sommerloch"
  3. Ihr Kommentar ist ein gutes Argument – gegen so ziemlich jede Art von Nachrichten. "Who cares?"

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  4. Auch wenn, wie Sie schreiben, es jedes Jahr irgendwo Waldbrände gibt, muss man unterscheiden zwischen kleineren und großen Waldbränden. Hier sind bereits über 50 Menschen gestorben. Und haben Sie schon mal mitbekommen, wie das ist, Luft zu atmen, die beissend-verbrannt ist? Und bei der Hitze keine Fenster mehr öffnen zu können, weil keine frische Luft hinein kommt, sondern giftige? Und die Torfbrände?? Haben Sie eine Vorstellung, wie lange so etwas schwelt?

    Ihr Kommentar ist nicht nur zynisch, er ist fast menschenverachtend in seiner Gleichgültigkeit.

    Antwort auf "Sommerloch"
  5. wenig körperliche Bewegung, Aufenthalt im Freien meiden….“, dazu möglichst wenig trinken es sei denn Alkohol und natürlich auch das Rauchen anfangen, des Weiteren Wert auf einseitige und unausgewogene Ernährung legen, also möglichst viel fetthaltiges und möglichst wenig Salat essen.

    Aber vertrauen Sie nicht zu sehr auf diese Tipps denn wie schon Mark Twain sagte:

    „Seien Sie vorsichtig mit Gesundheitsbüchern Sie könnten an einem Druckfehler sterben“

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