Die Befürchtung, dass es auch in Russlands radioaktiv verseuchten Regionen zu Wald- und Torfbränden gekommen ist, haben sich bestätigt. Nach Angaben der Waldschutzbehörde waren allein in der Gegend rund um die Stadt Brjansk vor wenigen Tagen 28 Brände auf einer Fläche von 269 Hektar gezählt worden. Die Region im Westen des Landes, nahe der Grenze zu Weißrussland und der Ukraine, war durch die Atomkatastrophe im nahe gelegenen ukrainischen Tschernobyl im Jahr 1986 schwer verstrahlt worden.

Die Behörde räumte ein, dass es auch in anderen Regionen mit radioaktiver Strahlung gebrannt habe, etwa in der Gegend von Tscheljabinsk am Ural. Dort befinden sich mehrere Atomanlagen . "Es gibt Karten, auf denen die radioaktive Verschmutzung zu sehen ist, und es gibt Karten, auf denen die Feuer zu sehen sind. Wenn man diese Karten aufeinanderlegt, wird jedem klar, dass es in radioaktiven Gebieten brennt", schrieb die Behörde. In ganz Russland seien auf rund 3900 Hektar als radioaktiv verseucht eingestuftem Land Brände ausgebrochen.

Bereits vergangene Woche hatte das Katastrophenschutzministerium davor gewarnt , dass die seit Juli wütenden Waldbrände solche Regionen treffen könnten. Bestätigen wollten die Offiziellen die Brände bislang aber nicht. Gewarnt hatten sie allerdings davor, dass mit dem Rauch der Feuer auch radioaktive Partikel aufsteigen könnten.

Dies hatte auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace bereits getan. "Der Rauch breitet sich aus und die radioaktiven Spuren werden sich auch ausbreiten", sagte Wladimir Chuprov, Leiter des Referats für Atomfragen des Greenpeace-Büros in Moskau. "Das Ausmaß ist jedoch von der Stärke des Windes abhängig." Die Aktivisten werfen den Behörden vor, die Bevölkerung über die radioaktive Gefahr im Unklaren zu lassen . Dabei zielen sie vor allem auf Russlands obersten Amtsarzt Gennadi Onischtschenko, der für die Region Brjansk Entwarnung gegeben hatte.

Zumindest in Moskau und in anderen Teilen Russlands hat sich die Lage leicht entspannt. Ein paar Regentropfen, eine leichte Brise und niedrigere Temperaturen haben die von Hitze und Smog geplagten Hauptstädter ein wenig aufatmen lassen. Nach einem leichten Schauer am Morgen wehte ein schwacher Wind durch die Straßen Moskaus. Die Temperatur lag bei angenehmen 20 Grad Celsius. 

Auch im Tagesverlauf und bis zum Ende der Woche werde die Temperatur drei bis fünf Grad niedriger ausfallen als in den vergangenen Tagen, sagte der Leiter des Wetterdienstes, Roman Wilfand, der Nachrichtenagentur Interfax. Selbst bei einem Temperaturrückgang um einige Grade ähnele die Wetterlage aber "eher der Sahara", fügte der Meteorologe hinzu.

Wilfand warnte, dass die rund zehn Millionen Moskauer auch in nächster Zeit wieder unter Smog zu leiden hätten. Die Brände im Umland seien noch nicht gelöscht und ein Hochdruckgebiet werde "eine Rückkehr des Rauchs nach Moskau" bewirken. Die für die kommenden Tage vorausgesagten leichten Regenschauer könnten dies nicht verhindern.

Nach Angaben des russischen Katastrophenschutzministeriums haben sich die Brandgebiete in Zentralrussland in den vergangenen 24 Stunden nahezu halbiert. Auf einer Fläche von 92.700 Hektar wüteten noch Brände, am Dienstag hätten sie sich noch auf 174.000 Hektar erstreckt. Die Zahl der Brände stieg den Angaben zufolge jedoch von 557 auf 612. Bei den seit zwei Wochen wütenden Bränden kamen nach offiziellen Angaben 54 Menschen ums Leben.

Insgesamt ist die Lage in Russland schwer einzuschätzen . Zwar zeigen Satellitenbilder die größten Brandherde, doch gerade in den ausgetrockneten Torfmoorgebieten rund um Moskau schwelen unterirdische Feuer, die nur schwer zu löschen sind und immer wieder neue Waldstücke in Brand setzen können.