Thilo Sarrazin : "Ich fühle mich sehr deutsch"

Thilo Sarrazin war ein erfolgreicher Finanzsenator. Doch dann begann er einen Kreuzzug gegen Arme und Fremde. Die Geschichte eines Mannes, der sich verrannt hat.

Das Erhabene, das klassisch Schöne. Die abendländische Kultur und deren Ideale. Ordnung und effektive Ökonomie. Das Weltbild des Thilo Sarrazin ist davon geprägt. Als er im Januar 1990 zum ersten Mal in seinem Leben Ost-Berlin besuchte, weil die deutsch-deutsche Wirtschaftskommission tagte, lief er am frühen Morgen durchs Brandenburger Tor und sah im aufsteigenden Sonnenlicht, wie er sich später erinnerte, das Zeughaus, den Dom und das Alte Museum. Und ihm ging das Herz auf.

Aber dann – der Alexanderplatz "mit seiner großzügigen asiatischen Hässlichkeit". Der Blick aufs Fremde, das den Volkswirtschaftler Sarrazin damals eher amüsierte als beunruhigte, denn es waren die steinernen Monumente einer untergehenden Kultur, die aus dem Osten kam. "Ich fühle mich sehr deutsch", bekannte er bei einem Treffen mit sozialdemokratischen Genossen. Das war vor drei Jahren. Trotz seiner großen Neigung zur angelsächsischen Literatur könne er sich nicht einmal vorstellen, in den USA oder England zu leben. Und erst recht nicht dort, wo die Muslime herkommen, deren Sprache, Religion und Tradition den deutschen Beamten, der sich nur in der gesellschaftlichen Oberschicht und deren mitteleuropäischen Umgangsformen wohlfühlt, geradezu abstoßen.

"Wenn ich das erleben will", schreibt Sarrazin, "kann ich eine Urlaubsreise ins Morgenland buchen." Der Limes der Römer ist ihm ein Vorbild. "Zu keiner Zeit waren die Sicherung des Territoriums und die Regulierung von Zuwanderung trivial." Leider lasse sich die deutsche politische Klasse ihre Haltung zu Migrationsfragen weitgehend von Stimmen aus den Medien diktieren. Frei nach dem Motto: "Piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb." Wozu das führen könnte, sagt der Titel seines Buches, das am Montag offiziell vorgestellt wird: "Deutschland schafft sich ab". Sarrazin will verhindern, dass er, seine Enkel und Urenkel "zu Fremden im eigenen Land werden".

Als der Sozialdemokrat, dessen Parteifreunde ihn großenteils nicht mehr für sozial und demokratisch halten, im Januar 2002 von einer linken Mehrheit im Berliner Abgeordnetenhaus zum Finanzsenator gewählt wurde, war davon nicht die Rede. Weder bei der SPD noch bei den Linken hatte irgendjemand das Gefühl, einen Deutschnationalen oder Rassisten ins Amt gehoben zu haben. Als der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit damals zum Telefonhörer griff, um den Ministerialbeamten und ausgebufften Manager staatlicher Unternehmen für Berlin anzuwerben, wusste er nur, dass Sarrazin ein hoch intelligenter und fachlich versierter Querkopf war, der sich auch von seinen Chefs wenig gefallen ließ.

Auch in den ersten fünf Jahren einer rot-roten Landesregierung fiel der Berliner Sparkommissar zwar durch unnachsichtige Härte auf, wenn es um die Konsolidierung der öffentlichen Finanzen ging, aber nur selten durch spontane Äußerungen jenseits politischer Korrektheit. Aber einmal, als die Hauptstadt im November 2002 erbittert über höhere Kita-Gebühren diskutierte, rutschte dem Senator die Zunge aus: "Es wird ja so getan, als ob der Senat die Kinder ins Konzentrationslager schicken wollte." Dafür musste sich Sarrazin im Parlament entschuldigen. Der Satz sei ein Missgriff gewesen. Ein Fehler, der ihm ausdrücklich leidtue. Er beschwerte sich damals auch darüber, dass in der Stadt so viele Menschen "in Trainingsanzügen herumschlurfen", aber das war verzeihlich, denn er hatte nicht unrecht.

Auch der Sarrazinsche Zornesausbruch kurz vor Weihnachten 2003 gegenüber Studierenden, die sein Büro in der Klosterstraße besetzten ("alles Arschlöcher"), blieb eine Fußnote in der tagespolitischen Chronik. Niemand wäre damals auf die Idee gekommen, den schnurrbärtigen Finanzsenator mit der Kritik an muslimischen "Kopftuchmädchen" oder völkischen Überfremdungstheorien in Verbindung zu bringen.

Ist irgendwann etwas vorgefallen, leidet der Mann unter einer gespaltenen Persönlichkeit? Im Nachhinein betrachtet lässt sich diese Frage verneinen. Sarrazin ist, was er immer war: ein Sohn aus gutem Hause, der sich schon früh zielstrebig nach oben orientierte und mit einem elitären Bewusstsein und einer kaum zu unterdrückenden Verachtung auf die Masse der Menschen herunterschaut. Die er großenteils für intellektuell unterentwickelt und, soweit sie sich nicht dem wirtschaftlichen Verwertungskreislauf einfügen, auch für Schmarotzer hält.

Als Sohn eines Arztes und einer westpreußischen Gutsbesitzertochter wuchs Sarrazin, der im letzten Kriegsjahr 1945 geboren wurde, im westfälischen Recklinghausen auf. Ein Städtchen zwischen Ruhrgebiet und Münsterland. Er ging, wie es sich für Kinder aus seiner sozialen Schicht gehörte, aufs Gymnasium Petrinum. Altsprachlich. Latein, Hebräisch, Griechisch. Er war ein Bücherwurm, der sich seit dem sechsten Lebensjahr durch tausende Bücher fraß. Ein Eigenbrötler, der schon als Kind und Jugendlicher in seiner eigenen Welt lebte. Grimms Märchen, Schwabs Sagen des klassischen Altertums, die Bestseller der Jugendliteratur bis zur fünfbändigen Ausgabe von Theodor Fontane, weil der Urlaub mit den Eltern in Finnland wenig ereignisreich war.

Später Wallenstein und Macbeth im Theater. Zeitgenössische Bühnenstücke waren nie sein Ding. Zu laut, zu grotesk, zu unordentlich. Ins Kino ging er gern. "Die Bilder der Romane und Filme formten sich in meinem Kopf zu einem Amalgam, aus dem heraus ich fühle, lebe und agiere", bekannte Sarrazin einmal in seltener Offenherzigkeit. Private Dinge gibt er sonst ungern preis. Als seine Eltern 1951 in Recklinghausen eine neue Wohnung bezogen, litt er unter dem Schutt und der Asche der Nachkriegsjahre. "Diese Zahnlückenarchitektur widersprach meinem Ordnungssinn." Als Sarrazin zum ersten Mal ins eingemauerte West-Berlin kam, erlebte er die Stadt als "chaotische Steinwüste".

Die Würde und Schönheit der europäischen Metropolen, deren Historie und imperiale Macht, das hielt Sarrazin stets gefangen. Zeitweilig erwog er, Geschichte zu studieren oder Fotograf zu werden, um die Dinge, die ihm gefielen, für immer festhalten zu können. Dann aber zog es ihn zur Ökonomie. Fast bruchlos machte er nach Abitur und Wehrdienst Karriere. Diplom, Promotion, wissenschaftlicher Angestellter, Bundesministerien, Treuhandliegenschaftsgesellschaft, Deutsche Bahn, Staatssekretär in Rheinland-Pfalz, Finanzsenator. Ein akribischer, kühler Rechner, schonungs- und kompromisslos in seinen Analysen, ein Besserwisser und Mann fürs Grobe.

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Kommentare

333 Kommentare Seite 1 von 34 Kommentieren

Wie, ein Nachruf? Schelmisch.

"(...)Die Medien lieben es, wenn Krach ist. Das finden sie toll, und wenn es unterhaltsam ist, auch. Wenn man beides bietet und den Eindruck erweckt, daß man seine Sache versteht, bekommt man mit der Zeit auch für kontroverse Stellungnahmen eine relativ hohe mediale Zustimmung. Politik wirkt in erster Linie durch das öffentliche Wort, durch die öffentliche Darstellung. Man muß Inhalte diskutieren, und um in Inhalte zu gehen, braucht man keine Stäbe, sondern man muß Akzente setzen und einen politischen Prozeß starten.(...)"

Thilo Sarrazin im Interview, Lettre International. Da zeigt er schon dass er weiß wovon er redet. Eine Online-Petition für die Einführung einer Enqete-Kommission über Immigration:

http://www.meideu.de/home...

Diffamierung

Man kann und soll sich sachlich mit der Meinung von Sarrazin auseinandersetzen.

Nach flüchtigem lesen dieses Artikel könnte man den Gedanken bekommen, dass Sarrazin ein weltfremder Oberschichtler und ein Deutschnationaler oder Rassist ist. Zudem wird so getan als ob Sarrazin ein Anhänger Hjalmar Schacht ist und das er sich dessen Aussagen zu den Nazis zu eigen gemacht hat.

Es ist unter der Würde der Zeit statt durch Gegen-Argumenten zu überzeugen, nur mit Dreck um sich zu werfen.

Und es sollte unter Ihrer Würde sein, der Zeit aufgrund eines ..

Artikels eine allgemeine Tendenz bzgl. des Umgang mit Herrn Sarrazin zu unterstellen.

In den letzten Tagen gab es diverse Kommentare bzw. Artikel, welche sich bis in kleinste mit den Thesen dieses Mannes auseinander setzten.

Ich betrachte Herrn Sarrazin nicht als nur als einen agent provocateur, sondern als einen geistigen Brandstifter, welcher der extremen Rechten den intellektuellen Unterbau für deren Haß auf Muslime und Migranten liefert. Gleichzeitig besitzt er die intellektuelle Trennschärfe, um seine eigene Position für derartige Bewegungen zu reflektieren.

Es ist dringend notwendig diesen Vorgang in aller Deutlichkeit zu benennen, um zu verhindern, dass derartiges Gedankengut nicht salonfähig wird.

Eine Gefahr, welche ich durchaus sehe, wenn ein Bundesbankvorstand derartige Thesen verbreitet.

116 Mit den Thesen von TS und seinen Konsequenzen

hat sich leider keiner der Artikel auseinandergesetzt- es ging meist um Provokation und Diffamierung wie eben auch in ihrem Beitrag (Brandstifter, extreme Rechte).
Ich sehe es eher so: Wen wir diese Problem weiter unter den Tisch kehren, dann werden vielleicht wirklich eine starke extreme Rechte bekommen wie sie und ich es uns nie haben wollen.

Schauen sie sich einfach mal ein paar seiner Aussagen im Spiegel-Artikel an und den Beitrag "Kampf im Klassenzimmer"
an.
Es geht nicht um Fremdenfeindlichkeit. D ist k e i n fremdenfeindliches Land. Ich habe viele Freunde und Kollegen aus anderen Ländern, auch aus islamischen - sie sind gern in D.

Mit Kanonen auf Spatzen schießen

"Ich betrachte Herrn Sarrazin nicht als nur als einen agent provocateur, sondern als einen geistigen Brandstifter, welcher der extremen Rechten den intellektuellen Unterbau für deren Haß auf Muslime und Migranten liefert."

Das haben Sie aber markig gesagt! Sie haben zwar nicht gekleckert, sondern geklotzt, in schöner Tradition, aber wenn es um einen "geistigen Brandstifter" geht, sind alle Mittel erlaubt, nicht war? Da muss man schon mal die Instrumente aus dem Keller holen, wenigstens, um sie ihm zu zeigen, auch eine schöne Tradition.
Sie müssen nur aufpassen, dass Sie noch Munition haben, wenn es wirklich mal brenzlig wird. Aber vielleicht haben Sie dann schon den Zug der Zeit erkannt, stehen auf der dann richtigen Seite und brauchen keine Munition mehr? Auch so eine schöne deutsche Tradition.

1^43 Dort wird nicht auf inhaltliche Dinge von TS eingegangen,

außerdem sind viele Fakten und Aussagen ganz einfach falsch. Es ist auch nicht einfach etwas zu widerlegen, was stimmt.
Ich bin ja gespannt, wann die ZEIT den nächsten Journalisten ins Rennen schickt, der dann seinen Namen verbrennen muss.
Merkwürdig ist auch, dass es in den Artikeln fast nur um die Person TS und was man so aussfassen könnte.
Sollte es denn nicht vor allem um die Probleme unseres Landes (Zuwanderung, Integration) gehen?
Da wurden doch 30-40 Jahre Fehler gemacht, geschönt und Augen zu, und da sind echte Veränderungen nötig!

Frau Stern liegt hier nicht falsch

Vielen Dank für Ihren Hinweis, Frau Stern bestätigt also Sarrazin - und mich:

"Wenn man die türkischen Einwanderer in Deutschland betrachtet, dann muss man bedenken, dass sie in ihrer sozialen Zusammensetzung nicht repräsentativ für die Türken an sich sind. Migrationsprozesse sind immer sozial selektiv. Als Deutschland Türken ins Land holte, brauchte man vor allem Leute, die am Fließband stehen, also Menschen aus der bildungsfernen Unterschicht."

Mir fällt keine gute Überschrift ein

Es geht um die Person Sarrazin, weil er sich als Person Sarrazin in den Vordergrund stellt. Hätte er nur einen Pressetext (im Gegensatz zu Vorabdrucken seines Buches OHNE Quellenangaben) veröffentlicht, hätte man Rezensionen und inhaltliche Diskussionen mit beleg- und widerlegbaren Thesen erwarten können. Meiner Meinung nach wollten das aber weder Sarrazin noch der Verlag. Denn der Rummel um die Person Sarrazin lohnt sich.

Es ist wohl unstrittig, dass die ersten türkischen ...

Gastarbeiter aus bildungsfernen Schichten stammten.

Das bedeutet aber nicht, dass die Abkömmlinge dieser Menschen per se dümmer seien oder Muslime sich von sich aus gegen die Ausbildung und Integration ihrer Kinder stellen.

Im Gegenteil wünschen diese sich eine gute Ausbildung ihrer Kinder, schaffen es aber aufgrund der sozialen Selektion in unserem Bildungssystem nicht eine solche zu realisieren.

Besonders die CDU/CSU hat über Jahrzehnte hinweg das Problem der Integration der Migranten ignoriert und so getan, als könne man diese Menschen einfach in die Heimat ihrer Vorfahren zurück schicken. Als die rot-grüne Koalition unseren deutschen Realitäten mit einem neuen Staatsbürgerschaftsrecht, welches maßgeblich auf Integration der hier lebenden Migrantenkinder abstellte, organiserte die CDU in Hessen unter Roland Koch eine Unterschriftenkampagne mit der Angst vor einer vermeintlichen Überfremdung geschürt wurde.

Die Herausforderung der Integration wurde eindeutig zu spät angenommen - letztlich erst durch rot-grün. Die Folgen dieser konservativen Verschleppungstaktik bezahlen Migrantenabkömmlinge der 3. Generation noch heute und mit ihnen unsere ganze Gesellschaft.

Die von Sarrazin bezifferten Kosten sind dieser verschleppenden Politik anzulasten und nicht Muslimen oder Einwanderern im Allgemeinen.

158 Leider ist das meiste aus ihrem Beitrag

nicht richtig. Die Geschichte der Gastarbeitet wird hier falsch dargestllet - schauen is emal in die Beiträge von hhts hier im blog.
Außerdem erklärt das nicht die katastrophalen Schulergebnisse in der 3. Generation (rijukan hat es schön formuliert, dass die Pferde auch saufen müssen wenn sie an dser Tränke sind) und in den Schulen mit hohem türkischstämmigen Anteil. Die Stellungnahmen hier nach dem Motto,dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Und Schuld sind im die anderen, hier die bösen Deutschen!

Gastarbeiter war (vor)gestern

Mag sein, dass sie aus bildungsfernen Schichten stammten. Aber es waren Menschen, die nur aus einem Grund, nämlich zum Arbeiten hierher kamen, hier gearbeitet haben und die überwiegend fähig und willens waren, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren. Sie waren mehrheitlich wohl auch weniger konservativ islamisch geprägt. Dann kamen Andere und von denen immer mehr.

Sarrazin sieht einen Zusammenhang zwischen den kulminierenden Integrationsproblemen und der auf die Gastarbeiter folgenden zweiten und dritten Zuwanderungswelle von Menschen, die gerade nicht zum Arbeiten hierher kommen.

@Draufgucker

"150 Jahren überholt sind" - Eben nicht. Die menschenverachtende Ideologie der Nationalsozialisten führte in den Folge-Jahrzehnten dazu dass man von der Prägung des Menschen durch Sozio-Kulturelle Einflüsse ausgehen WOLLTE (mußte...) - Wissenschaftliche Erkenntnisse haben dies mittlerweile widerlegt, und belegen, wie SEHR erbliche Faktoren tatsächlich eine Große Rolle dabei spielen, wer und wie wir sind. Beobachtungen von Zwillingen, die unter völlig verschiedenen Sozialen Strukturen aufwuchsen, belegen dies beeindruckend. Aber es ist nur eine von vielen Thesen und Denkansätzen die Sarrazin anführt.

Fachliteratur sagt nichts anderes

Die meisten Psychologen, die sich damit ernsthaft beschäftigen, nehmen an, daß die Intelligenz (genauer die Unterschiede in der Intelligenz zwischen Individuen) zu einem großen Teil erblich sind. Die Vorstellung, daß man mit entsprechender Erziehung aus jedem Kind wahlweise einen Spitzenforscher, einen Müllmann oder einen Schwerverbrecher machen könne (diese Vorstellung wurde vor einigen Jahrzehnten ungefährt in dieser Form ernsthaft geäußert!), vertreten heutzutage nur noch Journalisten und andere Leute, die nichts von der Sache verstehen. Welche (sozial- und bildungspolitischen) Folgerungen man daraus zieht, steht auf einem anderen Blatt. Aber selbst die neuerdings extrem populäre Forderung nach einer "Gemeinschaftsschule mit individueller Förderung für jeden" impliziert ja, daß die Menschen keineswegs gleich, sondern ausgesprochen verschieden sind (andernfalls kämen sie mit einer einheitlichen Förderung für alle schon zurecht).

Intelligenz vererblich.

Die These, dass Intelligenz vererbbar sei, ist keineswegs "überholt"; sie ist lediglich aus Gründen der sog. politischen Korrektheit diskreditiert. Was nicht sein darf, das kann auch nicht sein. In der Wissenschaft besteht heute Konsens, dass sowohl die Gene als auch die Umwelt Einfluss auf die Intelligenz haben. Selbst wenn Sarrazin aber eine falsche These verträte, ließe das keine Rückschlüsse auf seine eigene Intelligenz zu. Die Wissenschaft lebt nun mal von "trial and error". Aber folgender Zirkelschluss gehört nunmal von jeher zum Credo linker Gutmenschen: "Wer uns widerspricht kann nicht intelligent und integer sein. Denn wenn er dies wäre, würde er uns ja beipflichten. Weil wir definitionsgemäß immer Recht haben."

Bitte informieren Sie sich über den Forschungsstand!

Sie sind nicht auf dem aktuellen Stand der Intelligenzforschung!
T. S. stützt sich auf den aktuellen Stand der Forschung.
Hier wird unbegründet gegen T. S. argumentiert und das überzeugt nicht.

Ich frage mich überhaupt, wieso es ein Verbot gibt, definierten Personengruppen genetische Merkmale zuzuordnen und deren bedingte Verhaltensmerkmale zu untersuchen?
Wer spricht denn hier die Verbote aus?

Intelligenz ist vererblich.

Punkt.

Ob das nun 2%, 50% oder 99% sind, ist erstmal wurscht.

Wäre Intelligenz ein rein durch die Gesellschaft bedingtes Phänomen, könnte man jederzeit einen Schimpansen oder eben auch eine Wühlmaus in eine Schule setzen und bis zu Abitur führen.

Anders formuliert: Was uns als Menschen von unseren tierischen Vorfahren unterscheidet, ist eben auch unsere Intelligenz, die sich über Jahrmillionen herausgebildet hat. Intelligentere Affen pflanten sich schneller fort als dumme, weil erstere Säbelzahntigern den Schädel mit einem Stein einschlugen als die dummen das noch mit bloßen Händen versuchten.

Wobei durchaus möglich ist, dass sich Intelligenz und bspw auch ein Ich-Bewusstsein bei gestiegener gesellschaftlicher Komplexität in jüngerer Zeit (also in den letzten zehntausend Jahren) als relativ starker Evolutionsfaktor darstellen, sprich: Intelligente Homo sapiens pflanzten sich häufiger fort als dumme Homo sapiens, weil erstere schon den Ackerbau nutzten, die Töoferei erfanden etc, als letztere noch Viechern hinterhechelten und sich eher mal das Bein brachen.

Persönlich würde ich Sarrazins These unterschreiben, dass sich das in allerjüngster Zeit umgedreht hat, dass die intelligente(re)n Homo sapiens also hierzulande weniger Kinder kriegen als die dummen. Aber davon geht weder die Welt noch Deutschland unter, noch tut's zum Thema "ist Intelligenz erblich" was zur Sache.

Intelligenz: weniger biologisch, eher gesellschaftlich

Ich habe mal irgendwo gelesen, Intelligenz wäre nur im Kern erblich, d.h. bestimmte Dispositionen. Allerdings müssen die sich erst entfalten, und das geschieht während der Sozialisationsphase (d.h. während der Phase, wo Kinder ihre Umwelt kennenlernen). Das schließt mit ein, dass sie von ihren Eltern Geborgenheit und Aufmerksamkeit bekommen. Aber noch viel wichtiger ist die gesellschaftliche Aufnahme der Kinder.

Vielleicht wären mehr Kinder, deren Eltern einmal als Ausländer herkamen, intelligenter, wenn die ach so weise Mehrheitsgesellschaft sie als Teil ihrer selbst - als Deutsche - akzeptieren würde. Soweit höre ich aber immer noch "die Türken", "die Araber". Ihnen fehlt ein wenig Übung in Sachen Einfühlvermögen oder Verständnis. Und stempeln Sie mich nicht dafür als Links ab, denn mir geht dieses Schubladendenken, dass im Land auf und ab grassiert, echt völlig gegen den Strich.

Formfehler Sarrazins

Sarrazin begeht einen methodologischen Fehler in seiner Analyse. Er baut viele Graphiken, Statistiken usw. ein, um seinen Standpunkt in das rechte Licht zu rücken. Damit baut er eine Sichtweise, die auf oberflächliche Charakteristiken basiert.

Ich habe erhebliche Zweifel, dass er je mit einem seiner "Araber" oder "Türken" ein Gespräch gesucht hat. Er uniformiert die Menschen, indem er sie aus einer bürokratischen Distanz analysiert. Alle diese Menschen haben unter ihrer Oberfläche einen individuellen, persönlichen Kern, die man nicht verallgemeinert wiedergeben kann. Das ist die große Ungerechtigkeit, die Sarrazin hier produziert: universelle Werturteile über Bevölkerungsgruppen ausspucken. Damit liefert man ihnen auch kein gutes Vorbild von dem, was "Deutsche" so sind. Er ist damit, auch eher als Opfer seiner Überzeugung von einer absoluten Gültigkeit statistischer Erhebungen (die können niemals die individuelle Realität repräsentieren!), geistiger Brandstifter, der Öl ins Feuer gießt.

Wer mehr Interesse hat, dem empfehle ich, sich mit dem Problem der statistischen Forschung auseinanderzusetzen:
http://de.wikipedia.org/w...

und dem auf individueller Biographie beruhenden Gegenansatz:
http://de.wikipedia.org/w...

wuerde ich so nicht sehen.

erstens ist es ueberwiegend nur die umwelt. ein nicht wohl gewachsenes gehirn kann dinge trotzdem nachholen bzw. durch eindruecke den rueckstand aufholen. wie auch ein wohl gewachsenes gehirn bei der geburt des kindes durch die umwelt versaut werden kann. da sind alle Moeglichkeiten offen.

zweitens wenn ein mercedes faehrt wie ein trabi dann ist er vom aussehen vielleicht noch ein mercedes darf sich aber seiner leistung wegen eigentlich logischerweise nicht so nennen. Dies ist ein wunderbarer uebergang zu der these linke haben immer recht. Wissen Sie warum das so ist. Weil die meisten andersdenkenden nicht wirklich mit guten argumenten kommen. die meisten machen auch eher nur feststellungen als ihre these mit fakten zu manifestieren. aus dem buddhismus gibt es einen spruch. Wenn du eine Antwort auf eine frage haben moechtest frage nach dem warum und das solange bis es auf das warum keine neue frage mehr gibt. dann hat man die URsache des problems. Macht nicht wirklich jemand heutzutage. kann alles also nur verfaelschend wirken. was keiner moechte. Es gab soviele grausame menschen ohne herrn sarazin dazuzuzaehlen. wollen sie denen eine intelligenz zu weise obwohl sie anders gehandelt haben?

Metapedia als Quelle anzugeben ist schon mehr als nur riskant.
Ich hoffe, dass Sie diese Quelle nur zufällig angegeben haben, und dass Metapedia nicht ihr Standard-Nachschlagewerk ist.

Wenn man den Link schon anklickt, sollte man auf der Seite auch gleich nach "Deutschland" und "Juden" suchen.
Metapedia, gegen das ein Indizierungsverfahren eingeleitet ist, gilt als rechtsextremistisch.

An die Redaktion: ist es im Sinne der Zeit, das Forum mit solchem Müll zu füttern?

"Ich fühle mich sehr deutsch"

Ich schäme mich für Deutschland.

Spätestens seit dem der Sozialrassismus der Apologeten der "Neuen Mitte" mit der Agenda 2010 und der schwarzen Pädagogik ihres strafenden Sozialstaates sein Gift in dieses Land gegossen hat, schäme ich mich, ein Deutscher zu sein.

Sarrazin ist da nur ein kleiner Tropfen, der in einer großen trüben Suppe schwimmt.

Der Anteil von Vererbung und Erwerb an der Intelligenz ist übrigens keineswegs wissenschaftlich geklärt. Die Befürworter der einen oder anderen Seite bepflastern sich mit Studien und das Pendel schwingt im Dekadenrhythmus. Wer es ganz sicher weiß, hat mit Sicherheit Unrecht.

Intelligenz ist aber vor allem eine Definitionsfrage. "Die Intelligenz" gibt es also gar nicht. So wie ich sie verstehe, zeugen die Thesen des Herrn Sarrazin von einer eher unterdurchschnittlichen Intelligenz.

Für die Bundesbank und seine Statistiken sollte es jedoch reichen.

Gene oder Umwelt - eine irrelevante Diskussion

Für die These, das es bei uns ein bestimmtes, integrationsunfähiges und -unwilliges Einwanderungsmilieu gibt, ist eine Differenzierung der möglichen Ursachen als genetisch einerseits und umweltbedingt andererseits ziemlich irrelevant - und die Diskussion darüber eine Scheindiskussion. Wissen wir doch, dass auch der Einfluss der sogenannten Umwelt (wie der des genetischen Erbes) auf die Individuen in erster Linie von dem Milieu geprägt wird, in dem diese aufwachsen und leben.

Welchen vernünftigen Grund gibt es eigentlich, unregulierte Zuwanderung von Menschen dieses Milieus in unsere Gesellschaft gut zu heißen?

Gene vs. Zufall

So einfach ist das nicht. Wäre dem so, dass Gene der Umwelt übergeordnet sind, da sie diese bedingten, dann würden wir in einer Welt des genetischen Determinismus leben, d.h. dass alles durch die Gene vorherbestimmt wäre. Wir würden dann in einer Art biocalvinistischen Welt leben, als dumpfe Aktoren eines Gen-Skripts in einer globalen Theaterbühne. Wenn Sie mit solch einem Naturalismus auffahren, dann frage ich mich, wie Sie da bloß das große Chaos einbauen, Zufälle wie Erdbeben, Wirbelstürme, ein außer Kontrolle geratenes Auto, die sehr wohl unser Leben beeinflussen können, ohne dass eine genetische Prädisposition uns dazu bestimmt haben möge.

Allein die Möglichkeit, dass heutzutage Lebewesen geklont werden können, müsste Sie doch stutzig machen. Könnte dieser Akteur, der nach einem genetischen Programm handelt, dann angemessen auf seine Umwelt reagieren, wenn sein Skript eigentlich auf 25 Jahre zuvor eingestellt sei? Wohl kaum.

Ich hoffe, mit meiner Überziehung fällt Ihnen die Stumpfheit des Gedanken auf, das Milieu sei allein genetisch bedingt.

Gene sind der Bauplan unserer Körper, nicht das Baumaterial, nicht der Aufwand, und schon gar nicht seine Bewohner.

Warum machen "die Medien" kostenlose Werbung für Herrn S. ?

Warum bekommt Herr S. für sein Buch(?) eine derart große Werbebasis von den Medien kostenlos zur Verfügung gestellt (Bild/Spiegel) ?

Die Zeit hat es nicht nötig für diesen Mann Publicity zu machen. Und wenn diese und andere Medien sich daran halten würden, Herrn S. einfach nicht zu erwähnen, so wäre auch der mediale Aufschrei viel kleiner.

Ohne diese Plattform würde sein Buch in der Versenkung verschwinden bzw. wäre niemals daraus hervorgekrochen.