Die russischen Atomanlagen sind durch die Waldbrände noch immer in Gefahr. Laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax kamen während Löscharbeiten an der Atom-Forschungsanlage von Sarow ein 22-jähriger und ein 27-jähriger Soldat ums Leben. Auch den Bewohnern in der Nähe der Atomanlage von Sneschinsk im Ural und der Wiederaufbereitungsanlage Majak in der Region Tscheljabinsk bereiten die nahen Brände Sorgen.

Das Katastrophenschutzministerium berichtete, in den vergangen 24 Stunden seien 247 neue Brände ausgebrochen. 238 bestehende Feuer seien gelöscht. An 557 Orten brennt es weiterhin. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP schwindet allmählich die Kohlenmonoxidkonzentration in Moskaus Luft. Deren Wert war vor wenigen Tagen noch sechsmal so hoch wie erlaubt. Mittlerweile ist er auf das 1,4-Fache gesunken. Aber auch das ist noch insbesondere für Kinder und Alte ausgesprochen gesundheitsschädlich.

Wie die bulgarische Nachrichtenagentur novonite meldet, haben sich daher Bulgariens Ministerpräsident Bojko Borissow und Russlands Premier Wladimir Putin geeinigt, etwa 10.000 Kinder und circa 1600 ältere Erwachsene nach Bulgarien auszufliegen. Viele lungenkranke Kinder sollen dort in Ferienlagern der russischen Pioniere am Schwarzen Meer unterkommen.

Russlands Premier hat am selben Tag den Bürgermeister von Moskau, Juri Lushkow, zu sich bestellt. Während des Treffens warf Lushkow den Verwaltungen im Moskauer Umland vor, sie hätten es versäumt, Maßnahmen zur Brandverhütung umzusetzen. "Unsere Gesellschaft stellt sich die Frage, ob die Brände in diesem Umfang ausschließlich natürlich verursacht wurden. Wir werden Gremien schaffen müssen, die dieser Frage nachgehen."

Oppositionelle kritisieren das Krisenmanagement der Regierung. In einer Pressemitteilung äußerte Sergej Udalzow, der Führer der Oppositionsbewegung Linke Front: "Man hätte längst klimatisierte Stätten wie Sporthallen, Kinos und Einkaufszentren öffentlich machen müssen, um den Bewohnern ein wenig Erholung zu bieten. Nichts dergleichen ist geschehen." Auch Udalzow kritisiert das Krisenmanagement des Moskauer Bürgermeisters. "Während Lushkow in den Urlaub reiste, ließ er seine Beamten vorgaukeln, man habe die Situation unter Kontrolle. Dabei sind Leichenhallen und Friedhöfe schon lange überlastet." Zurzeit sterben in Moskau etwa doppelt so viele Menschen wie im Durchschnitt.