11. September 2001 Engelsfedern in New York

Die ZEIT-ONLINE-Mitarbeiterin Susanne Hegenscheidt war ganz nah dabei, als die Flugzeuge ins World Trade Center rasten. Ein Erlebnisbericht vom 11. September 2001

New York City, 11. September 2001, nach den Anschlägen auf das World Trade Center. Während immer mehr Feuerwehrleute in Richtung der Twin Towers eilen, verlassen geschockte Geschäftsleute Downtown Manhattan

New York City, 11. September 2001, nach den Anschlägen auf das World Trade Center. Während immer mehr Feuerwehrleute in Richtung der Twin Towers eilen, verlassen geschockte Geschäftsleute Downtown Manhattan

Der Septembermorgen war strahlend schön. Keine Wolke störte den Himmel. Die Sonne briet die Stadt seit Wochen in einer trockenen Hitze. Bereits morgens um 8 Uhr zeigte das Thermometer umgerechnet mehr als 20 Grad Celsius an, bis 35 Grad waren vorausgesagt. Es war ein heißer Spätsommer in New York.

Am Abend zuvor waren wir von einem Kurztrip aus Kanada zurückgekommen. Ich hatte das erste Mal das Gefühl, wirklich "nach Hause" zu kommen. Die Twin Towers grüßten mich beim Landeanflug auf Newark durch das Fenster des Flugzeugs wie zwei alte Bekannte. Manhattan wartete auf uns.

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Erst Ende Juli war ich zu meinem kanadischen Freund nach New York gezogen und hatte anfangs Schwierigkeiten, mich in dieser Riesenstadt einzuleben. Big Apple kannte ich bereits aus vielen beruflichen und privaten Besuchen, spätestens nach drei Monaten war ich jedoch immer wieder ins beschauliche Europa zurückgekehrt. Richtig in New York zu leben, war eine ganz andere Herausforderung.

Wir wohnten in Downtown Manhattan, am Südende des Broadways, gleich neben Manhattans ältester Kirche, der Trinity Church, am Kopfende der Wall Street. Unser Appartement im 15. Stock lag ostwärts zur Kirche hin. Von allen Fenstern hatte man einen herrlichen Blick auf das World Trade Center nur ein, zwei Blocks entfernt. Vorne der Südtower mit seiner Aussichtsplattform, dahinter ein Streifen des Nordtowers.

11. September 2001
Die Anschläge auf das World Trade Center in New York. Eine Fotostrecke

Die Anschläge auf das World Trade Center in New York. Eine Fotostrecke

Am Dienstag, dem 11. September 2001 verließ mein Freund das Appartement um 8.40 Uhr, um zur Arbeit nach Midtown zu fahren. Ich selbst hatte gerade meinen Job bei einer amerikanischen Internetfirma verloren, die der New-Economy-Krise zum Opfer gefallen war. Statt ins Büro ging ich jeden Morgen ins World Trade Center, um mir eine deutsche Zeitung zu kaufen und einen Kaffee zu trinken.

Ich stehe im Schlafzimmer direkt neben dem Fenster, als ich das Geräusch eines heranrasenden Flugzeugs höre. Es kommt näher und näher und wird immer lauter. Der fliegt ja viel zu tief!, denke ich. Bei all den hohen Gebäuden! Was macht der hier? Ein unglaublicher, ohrenbetäubender Knall folgt, ich reiße mit einem Ruck die Jalousie hoch.

Hinter dem Südtower sehe ich eine riesige Explosion aus dem Streifen des Nordtowers herausschlagen. Ich starre zu der kolossalen Rauchwolke hinüber, die sich über dem World Trade Center bildet. Ich denke an all die Menschen in den Büros, die gerade anfangen zu arbeiten, die Leute im Flugzeug. Wie konnte das passieren? Ein schreckliches Unglück!

Ich hole meine Kamera und fange an zu fotografieren. Von überall her höre ich Sirenen und sehe die Wagen der Feuerwehr und New Yorker Polizei angerast kommen. Es ist ein Höllenlärm! Auf dem Broadway bleiben die Menschen stehen und schauen zum Nordturm hoch.

Unruhig laufe ich durch die Wohnung. Ich fotografiere hier und da, drüben verbrennen die Menschen. Etwas dagegen tun kann ich nicht. Das ist ein elendes Gefühl. Das schlimmste von allen. Also auf die Straße! Vielleicht kann ich doch irgendwas tun, hoffe ich. Unten sind die meisten Leute irritiert, viele scheint das beginnende Chaos um sie herum nur zu ärgern. Der brennende Tower gibt ein bizarres Bild ab. 

Leser-Kommentare
    • nepidd
    • 11.09.2010 um 14:10 Uhr

    wie man darüber denkt, was nach dem 11. September geworden ist, ab alle Reaktionen und Aktionen der USA korrekt waren - wenn man in New York steht und sich Ground Zero ansieht, überkommt einen immer ein Schauer...
    http://nepidd.wordpress.c...

  1. Der Schreibstil trifft ins Herz. Die Wunden werden niemals heilen.

  2. Vielen Dank für den bewegenden, berührenden, Augenzeugenbericht.

    "Der Anblick ist entsetzlich. Ich fange still an zu beten."

    Alles Leben ist sehr zerbrechlich.

    Wenn Trauma und Schmerz ihre lähmende und rächende Macht verlieren, liegt eine große Chance darin, vernünftiger und menschlicher zu werden. Vielleicht für die Generation danach.

    9/11 wird in späteren Generationen als ein Wendepunkt für viele und vieles in die Geschichtsbücher eingehen.

    Hoffentlich als Wendepunkt für eine vernünftigere und menschlichere Welt. Bis dahin aber ist noch viel Geduld und Ausdauer nötigt.

  3. Auch ich möchte mich für den bewegenden Bericht bedanken. Bitte gestatten Sie mir aber auch eine Anmerkung. Auf Seite 4 schreiben Sie folgendes:

    "Ein paar Arbeiter am South Street Seaport haben einen Fernseher auf ihren Pick-up gestellt und schauen sich die Berichterstattungen von CNN an. Ich sehe das erste Mal Bilder der in das World Trade Centers rasenden Flugzeuge."

    "DIE" Flugzeuge?

    Der Einschlag des Flugzeuges in den zweiten Turm war natürlich life zu sehen, weil alle Kameras nach dem ersten Anschlag auf das World Trade Center gerichtet waren. Der Einschlag des ersten Flugzeuges wurde aber nur zufällig durch ein einziges Amateurvideo festgehalten, was zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht bekannt war. Ich möchte keine Haarspalterei betreiben, aber ironischerweise behauptete auch George W. Bush, er hätte BEIDE Einschläge im Fernsehen gesehen - was später korrigiert werden musste, da es schlechthin unmöglich war.

    Ich bin sicher kein "Verschwörungstheoretiker", aber wer sich für etwas mehr Hintergrundinformationen interessiert, den wird diese Dokumentation sehr interessieren:

    Englisch: http://www.youtube.com/wa...
    Deutsch: http://www.youtube.com/wa...

    Neben vielen anderen Themen wird hier auch ausführlich behandelt, warum es eigentlich unmöglich war, dass die Türme nur aufgrund der Flugzeugeinschläge einstürzten - ein Punkt, den Sie als Architektentochter ebenfalls merkwürdig fanden.

  4. Danals hatte ich gerade eine TV-Karte in einen PC eingebaut, den Programmsuchlauf beendet und dann auf NTV geschaltet. Da brannte eben der erste Turm.

    Später war bei NTV ein kurzer Film mit dem Anflug des zweiten Fliegers zu sehen. Ich weiß noch genau, wie ich gestaunt habe, dass der Pilot kurz vor dem Einschlag das Flugzeug schiefgelegt hat, so dass der rechte Flügel hoch und der linke nach unten ging. Das war ein Profi dachte ich zuerst, bis mir später klar wurde, dass das auf keinen Fall echt gewesen sein konnte.

    Später wurde dieses Filmchen nie mehr gezeigt und ich war mir schon am Abend ziemlich sicher, dass es sich um eine Inszenierung handelte. Zwei Flugzeuge, die drei Türme fachmännisch senkrecht in Fallgeschwindigkeit wie Sprengexperten einsinken lassen, und was sollen wie sonst noch alles glauben?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Richtig, es sind drei Türme eingestürzt, das scheinen viele nicht zu wissen. "Building number 7" stürzte ebenfalls ein.
    Interessant, dass BBC hellseherische Fähigkeiten bewies. LIFE im Fernsehen wurde berichtet, dass dieses Gebäude eingstürzt sei - während es im Hintergrund noch steht.

    http://www.youtube.com/wa...

    Richtig, es sind drei Türme eingestürzt, das scheinen viele nicht zu wissen. "Building number 7" stürzte ebenfalls ein.
    Interessant, dass BBC hellseherische Fähigkeiten bewies. LIFE im Fernsehen wurde berichtet, dass dieses Gebäude eingstürzt sei - während es im Hintergrund noch steht.

    http://www.youtube.com/wa...

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