Shell-Jugendstudie Gespaltene Jugend

Die deutsche Jugend ist laut der neuen Shell-Studie fleißig, leistungsorientiert und familienverbunden. Aber sie zerfällt zunehmend in Gewinner und Verlierer.

Was bewegt die Jugend von heute? Die neue Shell-Jugendstudie zeigt: Jugendliche schreiben mehr denn je Leistung und Bildung groß, um sich gegen unsichere Zukunftsperspektiven zu wappnen. Außerdem orientieren sie sich stark an ihrer Familie. Gestützt auf den emotionalen Rückhalt der Eltern und die eigenen Bildungserfolge blicken die allermeisten Jugendlichen trotz Wirtschaftskrise und unsicheren Zukunftsaussichten erstaunlich optimistisch nach vorn.

Der Bielefelder Soziologe Mathias Albert, der gemeinsam mit anderen Jugendforschern für die Studie mehr als 2500 Jugendliche im Alter zwischen 12 und 25 Jahren befragt hat, weiß aber auch: Wer diese Voraussetzungen nicht hat, der bleibt schon als junger Mensch abgeschlagen hinter den anderen zurück. "Die soziale Kluft wird größer", betonte er bei der Vorstellung der Studie am Dienstag in Berlin. So ist ein Ergebnis der Befragung, dass Jugendliche aus sozial schwachen Verhältnissen ihre eigene Zukunft deutlich weniger positiv einschätzen als ihre sonstigen Altersgenossen.

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Als sozial schwach definieren die Autoren der Shell-Studie Jugendliche, die wenig gebildet sind und wenig Einkommen haben. Oftmals habe diese Gruppe gar keinen Schulabschluss und sei arbeitslos, heißt es in der Studie. Schüler aus sozial schwachen Verhältnissen gehen zudem überdurchschnittlich oft davon aus, dass sie den Schulabschluss nicht schaffen werden.

Die aktuelle Shell-Studie betont in diesem Zusammenhang, dass die "Bildungswelten" der Jugendlichen immer weiter auseinanderdriften. Die meisten jungen Menschen wüssten um die "Schlüsselrolle der Bildung für das weitere Leben." Doch nicht alle könnten im deutschen Schul- und Berufssystem mithalten. Nur vier von zehn Jugendlichen aus der unteren Schicht glauben demnach daran, dass sich ihre beruflichen Wünsche erfüllen werden bei allen befragten Jugendlichen sind es hingegen 70 Prozent.

Laut der Shell-Studie vertreiben sich vor allem jüngere männliche Jugendliche aus sozial benachteiligten Verhältnissen ihre Zeit mit Computerspielen während ihre Altersgenossen lesen oder sich im Internet über soziale Netzwerke wie Facebook oder StudiVZ verknüpfen. Für die Shell-Studie wurden auch längere Einzelinterviews mit ausgewählten Jugendlichen geführt. Darin zeigte sich, dass manche Jugendliche sich durch Computerspielen oder Fernsehen dem enormen Druck entziehen, der auf ihnen lastet. Sie geben einfach auf, schmeißen die Schule hin und ziehen sich zurück.

Die sozialen Unterschiede zeigen sich in der Studie auch beim politischen Interesse der Jugendlichen. Dieses liegt zwar weiterhin auf sehr niedrigem Niveau, verzeichnet aber offenbar eine Tendenz nach oben: Mehr als jeder Dritte (37 Prozent) gibt laut der Studie an, politisch interessiert zu sein. 2002 waren es noch 30 Prozent der Befragten. Sechs von zehn Jugendlichen sind eigenen Angaben zufolge zufrieden mit der deutschen Demokratie. Arbeitslose Jugendliche äußern sich indes oftmals gegensätzlich – ein Phänomen, das die Forscher bereits aus früheren Studien kennen. Die Distanzierung von der Demokratie habe immerhin in dieser Schicht nicht zugenommen, heißt es.

Leser-Kommentare
    • CM
    • 14.09.2010 um 19:20 Uhr

    Unsere letzten Regierungen haben es nicht verhindert, die derzeitige fördert es: die Spaltung der Gesellschaft in reich und gebildet und arm und dumm.

    Bildung hat eigentlich wenig mit dem Elternhaus zu tun, denn die Schulen und Universitäten sollten allen gleichermaßen offenstehen, und jeder sollte nach Kräften gefördert werden, seine Begabungen zu entwickeln. Aber das Gegenteil wird gemacht: Kinder von Hartz-IV-Empfängern und Kinder mit "Migrationshintergrund" werden benachteiligt und ausgegrenzt.

    Wer kann schon etwas für sein Elternhaus oder seinen Namen?

    Und wieso wird im aufgeklärten 21. Jahrhundert in einer der bedeutendsten Industrienationen immer noch mit der wichtigsten Ressource der Zukunft, dem Wissen und Können unserer Kinder, so schlecht umgegangen?

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    Bildung hat sehr viel mit dem Elternhaus zu tun. Dieses entscheidet maßgeblich über die Chancen der Kinder für einen in jeder Hinsicht erfolgreichen Lebensweg. Aufgabe des Bildungssystems muss es daher auch sein, die von bestimmten Elternhäusern ausgehende Benachteiligung ihrer Kinder so gut es geht auszugleichen.

    Die immer wieder eingeforderten Kindertagesstätten und Ganztagsschulen - auch Vorschulen, die sehr früh speziell die Sprachfähigkeit entwickeln - sind dafür wohl die wirksamsten Instrumente.

    Zum Einfluss des Elternhauses ein wissenschaftliches Zitat:
    "Extreme Unterschiede in der Qualität elterlicher Entwicklungsmilieus stabilisieren eine solche Schichtung [gemeint: Aufteilung in Unterschicht - Oberschicht]: Für die Vereinigten Staaten konnten Betty Hart und Todd Risley feststellen, dass dreijährige Kinder aus "Welfare"-Familien von ihren Eltern etwa zehn Millionen Wörter gehört haben, gleichalte Kinder aus "Professional"-Familien von ihren Eltern aber schon dreißig Millionen Wörter. Manche Eltern schienen kaum mit ihren Kindern zu sprechen. Ausschlaggebend für Intelligenz- und Sprachentwicklung der Kinder war hier nicht so sehr die Schichtzugehörigkeit oder Ethnie, sondern die Erziehungsqualität und insbesondere das Sprechverhalten der Eltern, was, und das darf nicht ausgeschlossen werden, genetisch mitbeeinflusst ist. (Aus: http://m.faz.net/Rub9B432...)

    • xpol
    • 14.09.2010 um 21:59 Uhr

    ... der Studie entsprechen meinen Beobachtungen im Umfeld meiner eigenen Kinder.

    Ich halte den Einfluss der familiären Umgebung für absolut ausschlaggebend.
    Dass die Bildungseinrichtungen jedem offen stehen, bedeutet da wenig. Die Jugendlichen müssen auch auf die Idee kommen, sie zu nutzen, was ja unzweifelhaft unkomfortable Begleiterscheinungen hat.
    Die von frühester Kindheit an beobachtete Berufstätigkeit der Eltern in qualifizierten Berufen macht Schule und Ausbildung zu Selbstverständlichkeiten der Lebensgestaltung.

    Wer in anderen Verhältnissen aufwächst, muss eine bewusste Entscheidung gegen die Lebensform seines Umfelds treffen. Dass nicht alle das schaffen, ist bei der Grösse einer solchen Leistung wenig verwunderlich.

    ...den Einfluss des familiären Umfeldes auf die kognitiven Fähigkeiten nicht unterschätzen. Die von den Eltern verwendeten Wörter, die Art der geführten Gespräche, das Können der Geschwister, die materiellen Anregungsbedingungen im Elternhaus... all das kann (oder könnte) sich ebenso förderlich oder eben ungünstig auf die kognitive Entwicklung auswirken. Gerade das macht es ja, über die vielen anderen Gründe hinaus, erst recht so schwierig, die soziale Mobilität in Sachen Bildung zu erhöhen.

    Bildung hat sehr viel mit dem Elternhaus zu tun. Dieses entscheidet maßgeblich über die Chancen der Kinder für einen in jeder Hinsicht erfolgreichen Lebensweg. Aufgabe des Bildungssystems muss es daher auch sein, die von bestimmten Elternhäusern ausgehende Benachteiligung ihrer Kinder so gut es geht auszugleichen.

    Die immer wieder eingeforderten Kindertagesstätten und Ganztagsschulen - auch Vorschulen, die sehr früh speziell die Sprachfähigkeit entwickeln - sind dafür wohl die wirksamsten Instrumente.

    Zum Einfluss des Elternhauses ein wissenschaftliches Zitat:
    "Extreme Unterschiede in der Qualität elterlicher Entwicklungsmilieus stabilisieren eine solche Schichtung [gemeint: Aufteilung in Unterschicht - Oberschicht]: Für die Vereinigten Staaten konnten Betty Hart und Todd Risley feststellen, dass dreijährige Kinder aus "Welfare"-Familien von ihren Eltern etwa zehn Millionen Wörter gehört haben, gleichalte Kinder aus "Professional"-Familien von ihren Eltern aber schon dreißig Millionen Wörter. Manche Eltern schienen kaum mit ihren Kindern zu sprechen. Ausschlaggebend für Intelligenz- und Sprachentwicklung der Kinder war hier nicht so sehr die Schichtzugehörigkeit oder Ethnie, sondern die Erziehungsqualität und insbesondere das Sprechverhalten der Eltern, was, und das darf nicht ausgeschlossen werden, genetisch mitbeeinflusst ist. (Aus: http://m.faz.net/Rub9B432...)

    • xpol
    • 14.09.2010 um 21:59 Uhr

    ... der Studie entsprechen meinen Beobachtungen im Umfeld meiner eigenen Kinder.

    Ich halte den Einfluss der familiären Umgebung für absolut ausschlaggebend.
    Dass die Bildungseinrichtungen jedem offen stehen, bedeutet da wenig. Die Jugendlichen müssen auch auf die Idee kommen, sie zu nutzen, was ja unzweifelhaft unkomfortable Begleiterscheinungen hat.
    Die von frühester Kindheit an beobachtete Berufstätigkeit der Eltern in qualifizierten Berufen macht Schule und Ausbildung zu Selbstverständlichkeiten der Lebensgestaltung.

    Wer in anderen Verhältnissen aufwächst, muss eine bewusste Entscheidung gegen die Lebensform seines Umfelds treffen. Dass nicht alle das schaffen, ist bei der Grösse einer solchen Leistung wenig verwunderlich.

    ...den Einfluss des familiären Umfeldes auf die kognitiven Fähigkeiten nicht unterschätzen. Die von den Eltern verwendeten Wörter, die Art der geführten Gespräche, das Können der Geschwister, die materiellen Anregungsbedingungen im Elternhaus... all das kann (oder könnte) sich ebenso förderlich oder eben ungünstig auf die kognitive Entwicklung auswirken. Gerade das macht es ja, über die vielen anderen Gründe hinaus, erst recht so schwierig, die soziale Mobilität in Sachen Bildung zu erhöhen.

    • Ploetz
    • 14.09.2010 um 19:59 Uhr

    Kann man Befragungen und deren Auswertung im Vergleich zu physischen und psychischen Untersuchungen auf die gleiche Stufe stellen, was den Wahrheitsgehalt angeht?
    Es ist ein Unterschied, ob die Ursachen für Handlungsweisen ausgewertet werden - oder die subjektiv schon bewerteten Auswirkungen.
    Die Wahrscheinlichkeit für Fehler bei wissenschaftlichen, ursächlichen Untersuchungen, basierend auf schlichten Fakten ist jedenfalls allein durch die spezifisch dafür ausgebildeten und zahlenmäßig kleinere Gruppe an Analysten gering.
    Ganz im Gegensatz zur Auswertung von Befragungen, welche schon zwei subjektive Einschnittspunkte haben: Fehler bei der Erstellung und Analyse der Befragungen und Fehler bei der Beantwortung durch die Zielgruppe.

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    • CM
    • 14.09.2010 um 20:46 Uhr

    Die PISA-Studien haben ja dasselbe ergeben: die Benachteiligung von Kindern aus den "falschen" Familien hat System.

    So berechtigt Ihre Kritik an den subjektiven "Einschnittspunkten" unter vielen Umständen auch sein mag - wie wollen Sie die Einstellungen von Menschen anders untersuchen, als sie schlicht zu fragen?
    Oder missverstehe ich Sie und sie halten den Erkenntniswert sozialwissenschaftlicher Untersuchen generell für zweifelhaft oder gering?

    • CM
    • 14.09.2010 um 20:46 Uhr

    Die PISA-Studien haben ja dasselbe ergeben: die Benachteiligung von Kindern aus den "falschen" Familien hat System.

    So berechtigt Ihre Kritik an den subjektiven "Einschnittspunkten" unter vielen Umständen auch sein mag - wie wollen Sie die Einstellungen von Menschen anders untersuchen, als sie schlicht zu fragen?
    Oder missverstehe ich Sie und sie halten den Erkenntniswert sozialwissenschaftlicher Untersuchen generell für zweifelhaft oder gering?

  1. Wie kann man Erfolg messen? Diese Frag würde mich sehr interessieren. Sind es nur analytisch-logische Parameter mit der man Erfolg bzw. auch Intelligenz von Schülern bzw. Menschen misst oder fließen auch Soziale Kompetenzen hinein. Was ist der Anteil bzw. Beitrag von erfolgreichen Migranten? Hier nur ein beispiel für erfolgreiche Migranten http://www.aggromigrant.c... Wichtig natürlich auch zu beachten ist der Zusammenspiel von Analytischen Fähigkeiten und sozialer Kompetenz.

  2. Wieso nicht gleich Asoziale nennen, wie man das im 3.Reich auch gemacht hat?

  3. hat ein solides Fundament und ist gespalten
    teilt sich in Gewinner und Verlierer
    seltsame Studie

  4. Bildung hat sehr viel mit dem Elternhaus zu tun. Dieses entscheidet maßgeblich über die Chancen der Kinder für einen in jeder Hinsicht erfolgreichen Lebensweg. Aufgabe des Bildungssystems muss es daher auch sein, die von bestimmten Elternhäusern ausgehende Benachteiligung ihrer Kinder so gut es geht auszugleichen.

    Die immer wieder eingeforderten Kindertagesstätten und Ganztagsschulen - auch Vorschulen, die sehr früh speziell die Sprachfähigkeit entwickeln - sind dafür wohl die wirksamsten Instrumente.

    Zum Einfluss des Elternhauses ein wissenschaftliches Zitat:
    "Extreme Unterschiede in der Qualität elterlicher Entwicklungsmilieus stabilisieren eine solche Schichtung [gemeint: Aufteilung in Unterschicht - Oberschicht]: Für die Vereinigten Staaten konnten Betty Hart und Todd Risley feststellen, dass dreijährige Kinder aus "Welfare"-Familien von ihren Eltern etwa zehn Millionen Wörter gehört haben, gleichalte Kinder aus "Professional"-Familien von ihren Eltern aber schon dreißig Millionen Wörter. Manche Eltern schienen kaum mit ihren Kindern zu sprechen. Ausschlaggebend für Intelligenz- und Sprachentwicklung der Kinder war hier nicht so sehr die Schichtzugehörigkeit oder Ethnie, sondern die Erziehungsqualität und insbesondere das Sprechverhalten der Eltern, was, und das darf nicht ausgeschlossen werden, genetisch mitbeeinflusst ist. (Aus: http://m.faz.net/Rub9B432...)

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    • Buh
    • 15.09.2010 um 5:37 Uhr

    ....(nur den genetik-Schlenker ihrer Quelle will ich mal übersehen, der hilft sicher nicht weiter in der Diskussion)

    Ich denke der Staat muss, auch schon aus egoistischen gründen, ein "schwaches" Elternhaus (im sinne von Bildungsfern nicht im Sinne von nicht-liebend) ausgleichen können. Das aht aber auch "idealistische", konservative würdens agen"werteorientierte" Gründe. Denn einer der wichtigsten grundpfeiler einer Fairen Demokratie ist und bleibt die Chancengleicheit. Erst wenn wir es schaffen dass Hekunft und Elternahus, nicht mehr der grund für eine Bildungsnahe karriere sind, können wir uns eine starke Dmeokratie nennen.

    Ein Kind kann nichts für seine eltern.

    • Buh
    • 15.09.2010 um 5:37 Uhr

    ....(nur den genetik-Schlenker ihrer Quelle will ich mal übersehen, der hilft sicher nicht weiter in der Diskussion)

    Ich denke der Staat muss, auch schon aus egoistischen gründen, ein "schwaches" Elternhaus (im sinne von Bildungsfern nicht im Sinne von nicht-liebend) ausgleichen können. Das aht aber auch "idealistische", konservative würdens agen"werteorientierte" Gründe. Denn einer der wichtigsten grundpfeiler einer Fairen Demokratie ist und bleibt die Chancengleicheit. Erst wenn wir es schaffen dass Hekunft und Elternahus, nicht mehr der grund für eine Bildungsnahe karriere sind, können wir uns eine starke Dmeokratie nennen.

    Ein Kind kann nichts für seine eltern.

    • CM
    • 14.09.2010 um 20:46 Uhr

    Die PISA-Studien haben ja dasselbe ergeben: die Benachteiligung von Kindern aus den "falschen" Familien hat System.

    Antwort auf "Befragungen"
  5. Die Leute sind so optimistisch das in NRW die Geburtenzahl auf den tiefsten Stand seit Landesgründung gefallen ist.

    http://www.it.nrw.de/pres...

    Wenn die Jugend schon verinnerlicht hätte was es heißt bis zum siebenundsechzigsten Lebensjahr arbeiten zu müssen ,um etwas von den eingezahlten Rentenbeiträgen zu haben ,hätten die Gesichtsausdrücke sicher etwas nachdenkliches.

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