Loveparade-Unglück Schlammschlacht statt Aufklärung

Sechsstündiges Trauerspiel: Im NRW-Innenausschuss schieben sich Stadt, Veranstalter und Polizei gegenseitig die Schuld für das Loveparade-Unglück zu. Von Lenz Jacobsen

Der Saal E3 im ersten Stock des Düsseldorfer Landtags ist ein holzvertäfelter, kreisrunder Raum, auf den schweren Tischen ist für jeden Platz ein eigenes Mikrophon montiert, der Blick durch die große Fensterfront geht direkt auf den Rhein und die Düsseldorfer Innenstadt. Es ist ein ehrwürdiger Ort, mitten im Herzen der nordrhein-westfälischen Landespolitik. Doch was hier bei der Sitzung des Innenausschusses zur Loveparade-Katastrophe über die Bühne geht, ist alles andere als ehrwürdig.

Die drei Parteien, die gekommen sind, um aufzuklären und Fragen zu beantworten, gehen stattdessen aufeinander los. Die Stadt Duisburg, der Veranstalter und die Polizeiführung bewerfen sich mit Anschuldigungen und Gutachten, schicken Rechtsanwälte gegeneinander ins Juristen-Duell, und haben vor allem ein Ziel: Bloß selbst keinen Treffer einstecken. Der Saal E3 wird Schauplatz eines erschreckenden Kampfes: Jeder gegen jeden, und die Parlamentarier mittendrin als teilweise überforderte, teilweise fassungslose Ringrichter.

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Die traurige Hauptrolle übernimmt, einmal mehr, der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU). Wochenlang hatte er sich nahezu komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, in seinem Rathaus gegen Rücktrittsforderungen und die Wut seiner eigenen Bürger verschanzt.

Nun endlich versucht er einen Befreiungsschlag. Seine wichtigste Waffe liegt schwer vor ihm auf dem Tisch, ein über hundert Seiten dickes Gutachten, dazu zwei weitere dicke Aktenordner mit Dokumenten. Eine Anwaltskanzlei hatte das Gutachten in Sauerlands Auftrag erstellt, und der Oberbürgermeister sagt gleich zu Beginn, man sei dabei "nicht parteiisch" gewesen.

Überhaupt, "ich habe mich nie an Schuldzuweisungen beteiligt und werde das auch nicht tun", sagt Sauerland – dann übergibt er das Wort an seine Anwältin, die direkt aus vollen Rohren Richtung Polizei feuert. Adolf Sauerland lehnt sich in seinem Stuhl zurück und guckt mit unschuldiger Miene in die Luft. Er schickt andere an die Front.

Die Stadt Duisburg ist nicht die einzige Partei, die sich bewaffnet hat: Auch das Innenministerium hat ein dickes Gutachten erstellen lassen und einen Juristen mitgebracht. Und der Veranstalter Lopavent GmbH hatte schon am Wochenende vorgelegt und stundenlanges Videomaterial vom Unglückstag ins Internet gestellt – inklusive eines beinahe propagandistischen Zusammenschnitts, der die Veranstalter quasi von jeder Schuld freispricht. Die Schlammschlacht kann also beginnen.

Sie dreht sich vor allem um die Frage: Wer war für die Sicherheit bei der Loveparade zuständig? Die Polizei, sagt Sauerlands Anwältin Ute Jasper, denn nur die ist dazu überhaupt in der Lage und war auch faktisch vor Ort.

Der Veranstalter und die Stadt, sagt das Innenministerium, denn die hätten das Sicherheitskonzept entwickelt und abgesegnet. Es ist ein für Laien fast unverständlicher Streit um Verwaltungsrecht-Paragraphen und "subsidiäre Zuständigkeiten", die sich die Gutachter hier liefern. Was hängen bleibt: Die Stadt will nicht für die Prüfung des Sicherheitskonzeptes und der darin festgeschriebenen Auflagen zuständig gewesen sein. Das sei Aufgabe der Sicherheitsbehörden, also der Polizei.

Allerdings stellt sich auch heraus: Als es in der Vorbereitungsgruppe, die für die Sicherheit zuständig war und in der auch die Polizei saß, die Kritik an den Sicherheitsmaßnahmen nicht abriss, hat man sich das Sicherheitskonzept einfach vom externen Experten Michael Schreckenberg "absegnen" lassen. Die Sicherheitslage im Tunnel und auf der Rampe, also am Unglücksort, hat die Stadt nicht noch einmal extra überprüft, weil man dort "keine Gefahren vermutete", wie Anwältin Jasper erklärt.

Auch auf Seiten des Veranstalters gibt es keine Spur von Schuldbewusstsein. Rainer Schaller, der Chef der Lopavent GmbH und gleichzeitig Chef der Fitnesskette McFit, ist gar nicht erst erschienen, lässt sich von einem Anwalt vertreten.

Leser-Kommentare
  1. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Es reicht gesunder Menschenverstand, um zu diesem Urteil zu kommen.

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    • TDU
    • 03.09.2010 um 10:44 Uhr

    Interessant. Ein Schuldspruch gemäß inquisitorischer, stalinistischer, Freislerscher und sonstiger autoritäter Urteilsfindung. Heutzutage, unserer aufgeklärten und demokratischen Justiz sei Dank, ohne Gesetzeskraft.

    • TDU
    • 03.09.2010 um 10:44 Uhr

    Interessant. Ein Schuldspruch gemäß inquisitorischer, stalinistischer, Freislerscher und sonstiger autoritäter Urteilsfindung. Heutzutage, unserer aufgeklärten und demokratischen Justiz sei Dank, ohne Gesetzeskraft.

  2. Statt auf die Uhrzeit, die Holzvertäfelung und die Gemütslage einzugehen, wäre es angemessen gewesen, die Fakten zu diskutieren.

    Warum hat der Polizist, der im Container beim Crowdmanager saß, mit seinem FuG 10a (2-m-Handsprechfunkgerät) nicht die Bitte um Gefahrenabwehr um 15:30 weitergegeben? Warum hat diese Weiterleitung innerhalb der Polizei 45 Minuten gedauert? Ist dort genauso geschlampt wurden wie bei Hans-Martin Schleyer, den die polizeiinterne Schlamperei auch das Leben gekostet hat?

    Wer von der Polizei hat die Einkesselung der Opfer im Tunnel angeordnet? Warum hat der Innenminister den Polizeikessel, in dem Menschen zu Tode gedrückt wurden geduldet? Er war ja auch Augenzeuge des Polizeikessels, wie das WDR-Video zeigt.

    War der Polizeikessel im Sicherheitskonzept genehmigt? Wer hat das Abstellen der Polizeifahrzeuge im Tunnel genehmigt, angeordnet und geduldet? Auch hier war Jäger Augenzeuge.

    Dies unsachliche Berichterstattung schützt die Täter und wirft Nebelbomben.

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    ...es ja ausschliesslich auf die Polizei abgesehen zu haben. Das finde ich ebenfalls nicht sachlich.

    Ihre Fragen sind zwar durchaus berechtigt, und ich hätte auch gerne eine Antwort drauf.

    Aber was hat Hans Martin Schleyer damit zu tun? Weil die Polizei vor dreissig Jahren Fehler gemacht hat macht sie immer Fehler?

    Der Innenminister hat immerhin eingeräumt dass es beim Einsatz Fehler gegeben haben könnte.

    Das heisst aber nicht dass Veranstalter und Stadt nicht beim Sicherheitskonzept ein bisschen nachgeholfen und Bedneken bewusst übergangen haben damit die Vernanstaltung auf jeden auf Fall stattfinden kann.

    Dann wären sie mit verantwortlich. Heisst nicht dass es keine Versäumnisse gab.

    Um bei ihrem Beispiel zu bleiben - wenn die Züge aufeinander zu rasen mag der Weichensteller mit Schuld haben - wenn die Züge aber schlecht gewartete Bremsen aufweisen, der Zug heillos überladen ist und eigentlich gar keine Genehmigung für das Fahren auf der Strecke hat gibt es auch noch andere Schuldige.

    Ich denke dass ist auch in Duisburg der Fall.

    Was mich nervt ist dass hier jeder mit Geld für Gutachten um sich schmeisst - wer hat das Gutachten der Stadt Duisburg eigentlich bezahlt? Ich bin Duisburger und weiss wie klamm die Stadt eigentlich ist.

    Man sollte lieber die Staatsanwalt ihre Arbeit machen lassen - ich hoffe darauf dass sie objektiv bleibt. Und sie am Ende feststellen wird das ALLE Seiten Fehler begangen haben.

    • Spez
    • 03.09.2010 um 12:59 Uhr

    Ersteinmal folgendes, bekannt ist noch so gut wie nichts, aber ich hatte auch einmal gehört, das Funkgeräte defekt waren.
    Die eigentlichen Nebelbomben sind jedoch ihre Argumentation, die in etwa den Standpunkt des Veranstalters wiedergeben. Die Gefahrenabwehr die sie fordern, sollte bei einer ordentlichen Veranstaltung nicht vorkommen, da es Aufgabe des Veranstalter ist die Sicherheit auf dem Veranstaltungsgelände zu gewährleisten. Weshalb die Polizeiketten angeordnet wurden kann ich auch nur vermuten, da ich nicht in die Ermittlungen eingebunden bin, aber ich finde meine Vermutung zumindest plausibler, als die des Veranstalters. Schauen sie sich die Videoaufnahmen an, welche vom Veranstaltungsgelände runtergehen (glaube Kamera 4) ab 15.00 an. Auf diesen sehen sie, dass die Lage an der Rampe schon katastrophal war, denn es wurden Absperrgitter weggedrückt und die Leute gehen über die Böschung auf das Veranstaltungsgelände. Die Ketten waren glaube ich ein geschlossenes Maßnahmenpaket zur Sicherung der Lage, in welcher der Veranstalter alle Zugänge zur Loveparade schließen sollte. Dies hat er augenscheinlich nicht getan. Denn die Polizeiketten die den Zugang zur Rampe stoppen sollten wurden weggedrückt. Das Fiasko nahm seinen Lauf, wobei die Polizeikette an der Rampe keine Rolle spielt, da der Abfluss vorher schon nicht funktionierte, da sich die Leute am Beginn der Rampe stauten und sich gegenseitig mit den Leuten blockierten, welche das Gelände verlassen wollten.

    ...es ja ausschliesslich auf die Polizei abgesehen zu haben. Das finde ich ebenfalls nicht sachlich.

    Ihre Fragen sind zwar durchaus berechtigt, und ich hätte auch gerne eine Antwort drauf.

    Aber was hat Hans Martin Schleyer damit zu tun? Weil die Polizei vor dreissig Jahren Fehler gemacht hat macht sie immer Fehler?

    Der Innenminister hat immerhin eingeräumt dass es beim Einsatz Fehler gegeben haben könnte.

    Das heisst aber nicht dass Veranstalter und Stadt nicht beim Sicherheitskonzept ein bisschen nachgeholfen und Bedneken bewusst übergangen haben damit die Vernanstaltung auf jeden auf Fall stattfinden kann.

    Dann wären sie mit verantwortlich. Heisst nicht dass es keine Versäumnisse gab.

    Um bei ihrem Beispiel zu bleiben - wenn die Züge aufeinander zu rasen mag der Weichensteller mit Schuld haben - wenn die Züge aber schlecht gewartete Bremsen aufweisen, der Zug heillos überladen ist und eigentlich gar keine Genehmigung für das Fahren auf der Strecke hat gibt es auch noch andere Schuldige.

    Ich denke dass ist auch in Duisburg der Fall.

    Was mich nervt ist dass hier jeder mit Geld für Gutachten um sich schmeisst - wer hat das Gutachten der Stadt Duisburg eigentlich bezahlt? Ich bin Duisburger und weiss wie klamm die Stadt eigentlich ist.

    Man sollte lieber die Staatsanwalt ihre Arbeit machen lassen - ich hoffe darauf dass sie objektiv bleibt. Und sie am Ende feststellen wird das ALLE Seiten Fehler begangen haben.

    • Spez
    • 03.09.2010 um 12:59 Uhr

    Ersteinmal folgendes, bekannt ist noch so gut wie nichts, aber ich hatte auch einmal gehört, das Funkgeräte defekt waren.
    Die eigentlichen Nebelbomben sind jedoch ihre Argumentation, die in etwa den Standpunkt des Veranstalters wiedergeben. Die Gefahrenabwehr die sie fordern, sollte bei einer ordentlichen Veranstaltung nicht vorkommen, da es Aufgabe des Veranstalter ist die Sicherheit auf dem Veranstaltungsgelände zu gewährleisten. Weshalb die Polizeiketten angeordnet wurden kann ich auch nur vermuten, da ich nicht in die Ermittlungen eingebunden bin, aber ich finde meine Vermutung zumindest plausibler, als die des Veranstalters. Schauen sie sich die Videoaufnahmen an, welche vom Veranstaltungsgelände runtergehen (glaube Kamera 4) ab 15.00 an. Auf diesen sehen sie, dass die Lage an der Rampe schon katastrophal war, denn es wurden Absperrgitter weggedrückt und die Leute gehen über die Böschung auf das Veranstaltungsgelände. Die Ketten waren glaube ich ein geschlossenes Maßnahmenpaket zur Sicherung der Lage, in welcher der Veranstalter alle Zugänge zur Loveparade schließen sollte. Dies hat er augenscheinlich nicht getan. Denn die Polizeiketten die den Zugang zur Rampe stoppen sollten wurden weggedrückt. Das Fiasko nahm seinen Lauf, wobei die Polizeikette an der Rampe keine Rolle spielt, da der Abfluss vorher schon nicht funktionierte, da sich die Leute am Beginn der Rampe stauten und sich gegenseitig mit den Leuten blockierten, welche das Gelände verlassen wollten.

  3. Gibt es keine Schuldigen, dann gibt es nicht mal nachträglich einen Verantwortlichen.
    Handeln ohne Risiko. Erfolge kassieren, Fehler und Versagen weiterleiten.
    Das errinert mich an die Bankenkrise.

    Bei der Loveparade hat es aber Tote gegeben. Verursacht durch Fehler und deren Kombination der drei Parteien Veranstalter, Polizei und Stadt.

    Wenn heute dasselbe Event stattfinden würde, könnte und würde jede einzelne Partei, bereits durch eigene Massnahmen ein wiederholen verhindern.

    Wir ahnen es, Sie alle hätten es verhindern können.

    Sie haben es alle unterlassen.

  4. Ich habe fast 40 Jahre in Duisburg gelebt, kenne das VeranstaltungsGelände und habe mein Vermögen größtenteils mit der Organisation von Großveranstaltungen verdient!
    Ich sollte also wissen, was ich sage!

    Für eine Veranstaltung mit dieser Teilnehmerzahl wäre aufgrund der Zufahrt keine Genehmigung erteilt worden - Punkt!

    VON KEINER STADT DER WELT! Nicht einmal in Somalia oder Peru!

    Großveranstalter (zB.Konzertveranstalter) machen seit jeher einen großen Bogen um diese Stadt - das wollte Herr Sauerland mithilfe des selbstgefälligen Herrn Schaller ändern.
    Die ursprünglich angekündigten 1Mio. Besucher sind ein enormer
    Wirtschaftsfaktor für eine arg gebeutelte Region wie Duisburg.
    Gibt jeder Besucher nur €50,- (Übernachtung, Verpflegung,etc.) aus, so reden wir gerade v on 50 Mio.Euro!
    UND DIE WOLLTE SAUERLAND HABEN! UM JEDEN PREIS! UND DER WAREN 21 TOTE JUNGE MENSCHEN!

    Mit - nennen wir es mal: "Zugeständnissen bezüglich des vereinfachten Ablaufs der Veranstaltung" wurde Herrn Schaller Duisburg als VeranstaltungsOrt schmackhaft gemacht!
    MIR SIND SOLCHE ANGEBOTE NICHT UNBEKANNT! SCHALLER KENNT SIE AUCH! ER HÄTTE ES BESSER WISSEN MÜSSEN!

    BEIDE - SCHALLER UND SAUERLAND - WOLLTEN RIESIGE STÜCKE AUS DEM KUCHEN HABEN - HOFFENTLICH ERSTICKEN SIE JETZT DARAN!

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    "Großveranstalter (zB.Konzertveranstalter) machen seit jeher einen großen Bogen um diese Stadt - das wollte Herr Sauerland mithilfe des selbstgefälligen Herrn Schaller ändern."

    Das ist großer Unsinn und vielleicht geeignet für eine Verschwörungstheorie, um Nebelbomben zu werfen und die Aufklärung der Massentötung zu verhindern. Ich habe in Duisburg viele Jahre Großveranstaltungen mitorganisiert (Rosenmontag in der City mit Leitstelle dreihundert Meter von dem Güterbahnhof), Kinderkarneval in Hamborn, Stadtmarathon, Fussball im Wedaustadion, usw.

    Auch dort gibg es immer um viel Geld, um hundertausende Besucher und viele Gefahrensituation. Auch dort gab es Spinner bei den BOS-Kräften, die das Führungspersonal vom Geschehen absetzen wollten, wie die Polizeiführung, die sich im Hochhaus am Bahnhof vom Geschehen abgesondert hat und der unfähige Innenminister tatenlos zugesehen hat, wie seine Leute die Zuschauer im Tunnel eingekesselt haben, bis diese sich zu Tode drückten.

    Die Einkesselung von Besuchern durch die Polizei auf die Geldgier der Bürgermeisters zurückführen zu wollen, ist grober Unsinn. Der Tod Hans-Martin Schleyers war auch nur einfacher Schlamperei bei der Organisation der Kommunikationsstrukturen bei der Polizei geschuldet und nicht den Wünschen nach "Sozialhygiene" Herolds.

    Wenn zwei Züge auf dem gleichen Gleis zusammen rauschen, fragt man, wer die Weichen gestellt hat und nicht wieviel der verdient, dem die transportierten Güter gehören. Sachlich bleiben.

    "Großveranstalter (zB.Konzertveranstalter) machen seit jeher einen großen Bogen um diese Stadt - das wollte Herr Sauerland mithilfe des selbstgefälligen Herrn Schaller ändern."

    Das ist großer Unsinn und vielleicht geeignet für eine Verschwörungstheorie, um Nebelbomben zu werfen und die Aufklärung der Massentötung zu verhindern. Ich habe in Duisburg viele Jahre Großveranstaltungen mitorganisiert (Rosenmontag in der City mit Leitstelle dreihundert Meter von dem Güterbahnhof), Kinderkarneval in Hamborn, Stadtmarathon, Fussball im Wedaustadion, usw.

    Auch dort gibg es immer um viel Geld, um hundertausende Besucher und viele Gefahrensituation. Auch dort gab es Spinner bei den BOS-Kräften, die das Führungspersonal vom Geschehen absetzen wollten, wie die Polizeiführung, die sich im Hochhaus am Bahnhof vom Geschehen abgesondert hat und der unfähige Innenminister tatenlos zugesehen hat, wie seine Leute die Zuschauer im Tunnel eingekesselt haben, bis diese sich zu Tode drückten.

    Die Einkesselung von Besuchern durch die Polizei auf die Geldgier der Bürgermeisters zurückführen zu wollen, ist grober Unsinn. Der Tod Hans-Martin Schleyers war auch nur einfacher Schlamperei bei der Organisation der Kommunikationsstrukturen bei der Polizei geschuldet und nicht den Wünschen nach "Sozialhygiene" Herolds.

    Wenn zwei Züge auf dem gleichen Gleis zusammen rauschen, fragt man, wer die Weichen gestellt hat und nicht wieviel der verdient, dem die transportierten Güter gehören. Sachlich bleiben.

    • Kris63
    • 03.09.2010 um 9:22 Uhr

    Was in Duisburg abläuft, ist an Schäbigkeit nicht zu überbieten. Man wollte die Loveparade, wollte bekannt werden, wollte Image - das hat man nun. Bekanntheit und Image einer Stadt mit unwürdiger Führung, einer Bühne, auf der eine menschenunwürdige Provinzposse gegeben wird.

    Keiner hat Schuld? Solange nur auf das sture Abarbeiten von Vorschriften bzw. deren vorgeschriebene Aufhebung geschaut wird, mag das vielleicht sogar stimmen. Wenn darauf geschaut wird, wer an diesem Tag wo etwas nicht oder doch getan hat, mögen da viele kleine Schuldige zu finden sein. Die Opfer waren´s ja schon gleich zu Beginn.

    Dabei war die Planung AN SICH der Fehler - so viele Menschen durch diesen Tunnel zu dieser Rampe zu schicken. Da mögen noch so viele Beweisvideos ins Netz gestellt werden, da mögen noch so viele fehlende Funkgeräte, zusammenbrechende Handynetze oder überforderte Ordner genannt werden.

    Verantwortung ist nicht nur an Paragrafen gebunden! Verantwortung beginnt nicht am 24.07. um 17 Uhr! Verantwortung beginnt vorher.!

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    • TDU
    • 03.09.2010 um 10:58 Uhr

    Was wäre denn, wenn man allen Beteiligten offiziell Fahrlässigkeit bescheinigt, und die Schuldfrage als eindeutig nicht zuortbar erklärt. Einen Fonds gründet und daraus die Angehörigen der todesopfer und Verletzten entschädigt.

    Und die Forschung zur Verhinderng zukünftiger Unglücke weiter betreibt. Und ausserdem die Planung und Koordinationsmöglichkeiten bei solchen Anlässen überprüft.

    Welcher Angehörige eines Opfers oder welcher Verletzter würde sich unbeachteter fühlen als jetzt schon?

    Denn diese müssen längst ihre Verluste aufarbeiten und zwar ohne dafür die Aufmerksamkeit der Medien und der Politk zu bekommen.

    • TDU
    • 03.09.2010 um 10:58 Uhr

    Was wäre denn, wenn man allen Beteiligten offiziell Fahrlässigkeit bescheinigt, und die Schuldfrage als eindeutig nicht zuortbar erklärt. Einen Fonds gründet und daraus die Angehörigen der todesopfer und Verletzten entschädigt.

    Und die Forschung zur Verhinderng zukünftiger Unglücke weiter betreibt. Und ausserdem die Planung und Koordinationsmöglichkeiten bei solchen Anlässen überprüft.

    Welcher Angehörige eines Opfers oder welcher Verletzter würde sich unbeachteter fühlen als jetzt schon?

    Denn diese müssen längst ihre Verluste aufarbeiten und zwar ohne dafür die Aufmerksamkeit der Medien und der Politk zu bekommen.

    • Kris63
    • 03.09.2010 um 9:23 Uhr

    "Soll ich meines Bruders Hüter sein?" Ja, verdammt noch eins, Sauerland, Dressler, Rabe, Schaller und wie ihr alle heißt, die ihr an maßgeblichen Stellen zuständig wart: Wie viele Gelegenheiten, "Nein" zu sagen, auch öffentlich, habt ihr verstreichen lassen? Wieviele Bedenken habt ihr ignoriert oder allenfalls auf geduldigem Papier festgehalten? Wie fantasielos wart ihr, um bei den Örtlichkeiten nicht ein ungutes Gefühl bekommen zu haben? Ist keiner auf den Gedanken gekommen, dass alleine die zuvor herrschende enorme Hitzewelle in dem langen Tunnel nach Vorbild der überhitzten ICEs sicher hätte zu Kreislaufversagen führen können? Reichte es euch allen, dass die vorgeschriebene Anzahl von Sanitätern auf Papier festgehalten wurde? Wie blind muss man sein, um dort "keine Gefahren zu vermuten"?

    Und wie ignorant und arrogant, auch noch nach Wochen keine Verantwortung zu erkennen?

  5. Vielleicht lässt sich die Diskussion angemessen auf einer moralischen Ebene führen. Eine Schuldfrage lässt sich daraus nicht ableiten. Das ist vor allem für die Angehörigen schlimm. Tatsächlich darf man nicht erwarten, dass irgend jemand auch nur ein Teilschuld Anerkenntnis abgeben wird, für die er, oder sie dann gerade zu stehen hat. Wirklich bedauerlich und moralisch zutiefst verwerflich, dass zumindest dieser Umstand, nämlich die Frage nach der Regresspflicht der Versicherungen nicht gestellt, oder zugegeben wird. Diese dürften ihre Versicherungsnehmer zur Schadensminimierung angehalten haben und das bedeutet, nur zuzugeben, was eindeutig zu belegen ist. Die Angehörigen werden sehr lange auf Satisfaktion zu warten haben.

  6. ...was es heutzutage heißt, Veranwortung zu übernehmen.
    Schaller und Sauerland machen es vor...

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