Islamdebatte Merkel verurteilt Koranverbrennung
Trotz Kritik und Sicherheitsbedenken: Kurt Westergaard ist mit dem Potsdamer Medienpreis ausgezeichnet worden. In ihrer Laudatio verteidigte Merkel die Pressefreiheit.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Auszeichnung des Mohammed-Karikaturisten
Kurt Westergaard
für eine energische Verteidigung der Pressefreiheit gegen religiöse Fanatiker genutzt. Unter massivem Polizeischutz wurde der 75-jährige Däne Westergaard in Potsdam mit dem Medienpreis M100 für seine Unbeugsamkeit für die Meinungsfreiheit geehrt. Merkel würdigte dies als Hauptrednerin der Veranstaltung. "Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut", sagte die Kanzlerin.
Westergaards Zeichnung zeigt Mohammed mit einer Bombe als Turban. Die Veröffentlichung der Karikatur sowie der von Kollegen war 2005 als Provokation empfunden worden und hatte weltweit gewaltsame Proteste von Muslimen ausgelöst.
Westergaard wird von radikalen Islamisten mit dem Tode bedroht
und steht seit fünf Jahren unter Polizeischutz.
Die europäischen Staaten seien ein Ort, wo es möglich sei, derartige Zeichnungen zu veröffentlichen, sagte Merkel. "Egal, ob wir die Karikaturen geschmackvoll finden oder nicht, ob wir sie für nötig oder hilfreich halten – oder eben nicht." Dies widerspreche keinesfalls der Tatsache, dass Europa auch ein Ort sei, an dem Freiheit und Religion ein hohes Gut seien. Merkel verurteilte in diesem Zusammenhang die Ankündigung radikaler Christen in den USA, den Koran öffentlich zu verbrennen. "Das ist schlicht respektlos. Abstoßend – einfach falsch."
Merkel sprach sich deutlich für Toleranz aus – aber auch für Verantwortung. "Die Arbeit eines Zeichners und die Folgen, die sie haben, sollten uns mahnen, stets sorgsam mit unseren Einordnungen umzugehen", sagte Merkel. Wie heftig Diskussionen oder Massenprotest aber auch sein mögen – dies könne nicht alleiniges Kriterium für die Entscheidung sein.
Sie verwies auch auf die Diskussion um den Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin (SPD). "Das Thema Sarrazin ist aber gerade kein Thema der Gefährdung der Meinungsfreiheit", sagte Merkel. "Sondern es geht darum, welche Folgen ein Buch für einen Autor in einer besonderen wichtigen öffentlich-rechtlichen Institution haben kann oder nicht."
Merkels Auftritt stieß beim Zentralrat der Muslime auf Kritik. "Damit wird nur wieder Öl ins Feuer gegossen", sagte der Zentralratsvorsitzende Ayyub Axel Köhler. Merkel gebe der Islamfeindlichkeit ebenso Nahrung wie Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin, der Volksverhetzung betreibe. Zentralrat-Generalsekretär Aiman Mazyek sagte, Merkel ehre den Karikaturisten, der den Propheten "mit Füßen getreten" habe. Die Auszeichnung Westergaards sei in dieser aufgeladenen Zeit hochproblematisch, sagte Mazyek.
Die Auszeichnung bedeute ihm sehr viel, sagte Westergaard. "Das ist die größte Anerkennung, die ich bekommen habe, und ich glaube, sie ist gut für die Meinungsfreiheit." Der 75-Jährige betonte: "Ich habe kein Problem mit anderen Religionen." Er habe nur ein Problem mit Islamisten und werde immer dafür kämpfen, dass Menschen ihre Religion friedlich leben könnten.
M100 ist eine Initiative der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam im Rahmen der Medienwoche am Rande der Internationalen Funkausstellung (Ifa) in Berlin. Den Medienpreis erhalten europäische Persönlichkeiten, die durch ihr Schaffen Spuren in Europa und der Welt hinterlassen haben. Im vergangenen Jahr erhielt der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) den Preis, im Jahr davor die Franko-Kolumbianerin Ingrid Betancourt, die jahrelang in Kolumbien als Geisel gehalten wurde.
- Datum 09.09.2010 - 07:35 Uhr
- Quelle dpa, AFP, Reuters
- Kommentare 43
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"Merkel verurteilt Koranverbrennung" -- das ist doch derart selbstverständlich, daß es als Titel völlig nichtssagend ist.
Wenn Merkel die Koranverbrennung begrüßen würde -- DAS wäre eine Nachricht.
Offenbar will die ZEIT von der eigentlichen Nachricht ablenken: Merkel verleiht dem bekanntesten "Mohammed-Karikaturisten" einen Preis.
These: Die ZEIT hat schon wieder Angst, die "Gefühle" der Moslems zu verletzen und Anlaß für blutigen Aufruhr zu liefern und versteckt sich lieber hinter gehaltlosem Appeasement.
Zeichen. Dann kann ich demnächst auch sexistische Karrikaturen veröffentlichen.
Zeichen. Dann kann ich demnächst auch sexistische Karrikaturen veröffentlichen.
Bei aller Kritik am Verhalten der Kanzlerin im Fall Sarrazin, würdige ich in diesem Fall das Verhalten und den Mut! Die Kanzlerin geht hier ein hohes Risiko. Hoffen wir, dass nicht wir bei Kurt Westergaard, ein hohes Kopfgeld von diesen Faschisten auf den Tod der Kanzlerin ausgesetzt wird.
Ist es jetzt schon "mutig", daß Frau Merkel Herrn Westergaard einen Preis verleiht. Ganz soweit sind wir doch wohl hoffentlich noch nicht.
....des Preises hingeht ist für sich genommen eine gute Geste. Mit ihrem Verhalten im Fall Sarrazin zusammen genommen setzt es aber ein besonders schlechtes Zeichen. Wo es um die freie Meinungsäußerung gegen Andere geht (Karikatur) findet Merkel das gut. Wo es aber eine Kritik darstellt am eigenen System, tritt sie mit der Ferse drauf oder beißt den Boten weg. Das zeigt die willkürliche Interpretation auf, die jeder Bewertung inne ist und hier staatliches Handeln bestimmt. Das ist als Handlungspaar nicht nur unaufrichtig und falsch. Es ist auch äußerst beunruhigend, dass sie will, dass eine Behörde gegen jemanden vorgeht, der eine ihr unliebe Meinung vertritt.
Morgen schon soviel Komödie. Mutti könnte auch Marcus Junius Brutus heissen.
Welchen Mut zeigt sie denn und welches Risiko geht sie denn ein, das ist doch bloss eine PR Veranstaltung um einen Teil der Sarrazin Anhänger wieder einzufangen. Schaut her ich mache etwas gegen des Islam. Sie hat doch bewiesen, wieviel ihr Presse- und Meinungsfreiheit wert ist,
http://www.spiegel.de/spi...
oder schauen sie mal unter GovWild (http://govwild.hpi-web.de/) da finden sie über alle etwas ausser über Mutti. Zufall glaube ich nicht.
Aber alle Gutmenschen fühlen sich wieder bestätigt, wie tolerant man doch in Europa ist.
Ist es jetzt schon "mutig", daß Frau Merkel Herrn Westergaard einen Preis verleiht. Ganz soweit sind wir doch wohl hoffentlich noch nicht.
....des Preises hingeht ist für sich genommen eine gute Geste. Mit ihrem Verhalten im Fall Sarrazin zusammen genommen setzt es aber ein besonders schlechtes Zeichen. Wo es um die freie Meinungsäußerung gegen Andere geht (Karikatur) findet Merkel das gut. Wo es aber eine Kritik darstellt am eigenen System, tritt sie mit der Ferse drauf oder beißt den Boten weg. Das zeigt die willkürliche Interpretation auf, die jeder Bewertung inne ist und hier staatliches Handeln bestimmt. Das ist als Handlungspaar nicht nur unaufrichtig und falsch. Es ist auch äußerst beunruhigend, dass sie will, dass eine Behörde gegen jemanden vorgeht, der eine ihr unliebe Meinung vertritt.
Morgen schon soviel Komödie. Mutti könnte auch Marcus Junius Brutus heissen.
Welchen Mut zeigt sie denn und welches Risiko geht sie denn ein, das ist doch bloss eine PR Veranstaltung um einen Teil der Sarrazin Anhänger wieder einzufangen. Schaut her ich mache etwas gegen des Islam. Sie hat doch bewiesen, wieviel ihr Presse- und Meinungsfreiheit wert ist,
http://www.spiegel.de/spi...
oder schauen sie mal unter GovWild (http://govwild.hpi-web.de/) da finden sie über alle etwas ausser über Mutti. Zufall glaube ich nicht.
Aber alle Gutmenschen fühlen sich wieder bestätigt, wie tolerant man doch in Europa ist.
Ob die Kanzlerin den Unterschied zwischen Meinungs- oder Religionsfreiheit und der Verunglimpfung von Glaubensinhalten anderer Religionsgemeinschaften auch Muslimen oder gar Islamisten klargemacht hat, darf stark bezweifelt werden.
Und Herr Westergaard ist ein halsstarriger alter Mann. Ermuntert von Preis und Kanzlerin muss er nun auch noch einen draufsatteln und erklären, dass der Islam eine reaktionäre Religion sei. Im ersten Halbjahr sah die Debatte eher so aus, dass der Katholizismus am reaktionärsten ist. (Tendenziell sind natürlich alle Religionen reaktionär!)
Man schaue sich zur Abwechslung einmal an, wie in Ländern wie Malaysia oder Singapur mit der religiösen Balance umgegangen wird. Einfach ist es dort auch nicht, aber die Politik ist deutlich sensibler.
und bestehe auf Meinungsfreiheit auch in Gestalt von Karikatur und Satire.
Und ich halte weiter Künster wie Goethe und Wilhelm Busch hoch, die mit Religionen "unsensibel" umgehen, zum Beispiel Wilhelm Busch mit seiner antiklerikalen Satire "Der heilige Antonius von Padua" oder Goethe mit seiner "Braut von Korinth".
Nicht so halsstarrig, sondern "sensibel" war die dänische Regierung in den dreißiger Jahren mit Hitler-Deutschland umgegangen (was die Nazis nicht vom Einmarsch abgehalten hat) - dazu ein Zitat von Westergaard aus der heutigen FAZ:
"Es bedeutet ja, die Exportchancen zu schmälern. Von denen kam dieselbe Reaktion wie in den dreißiger Jahren, als dänische Zeitungen Karikaturen von Goebbels, Hitler und Göring druckten. Der damalige Außenminister übte dann Druck auf die Redaktion aus und bat mit Hinblick auf den Export, so etwas nicht mehr zu bringen. Also waren die Zeichnungen bald weg."
und bestehe auf Meinungsfreiheit auch in Gestalt von Karikatur und Satire.
Und ich halte weiter Künster wie Goethe und Wilhelm Busch hoch, die mit Religionen "unsensibel" umgehen, zum Beispiel Wilhelm Busch mit seiner antiklerikalen Satire "Der heilige Antonius von Padua" oder Goethe mit seiner "Braut von Korinth".
Nicht so halsstarrig, sondern "sensibel" war die dänische Regierung in den dreißiger Jahren mit Hitler-Deutschland umgegangen (was die Nazis nicht vom Einmarsch abgehalten hat) - dazu ein Zitat von Westergaard aus der heutigen FAZ:
"Es bedeutet ja, die Exportchancen zu schmälern. Von denen kam dieselbe Reaktion wie in den dreißiger Jahren, als dänische Zeitungen Karikaturen von Goebbels, Hitler und Göring druckten. Der damalige Außenminister übte dann Druck auf die Redaktion aus und bat mit Hinblick auf den Export, so etwas nicht mehr zu bringen. Also waren die Zeichnungen bald weg."
Das war schlichtweg der falsche Zeitpunkt, Frau Merkel, Westergaard zu ehren und auf den Segen der Meinungs- und Pressefreiheit hinzuweisen!!!
Mit diesem Argument sieht nämlich die US-Regierung hilflos zu, wie dieser kleine Wichtigtuer Jones auf der Koran-Verbrennung steht, obwohl Petreus und andere Kenner der Lage in Afghanistan und anderen arabischen Ländern vor den Folgen warnen.
Kann das tolle FBI nur tatenlos zusehen, wie dieser Kasperl sich da ins Rampenlicht setzt?
Und Frau Merkel muss exakt zu diesem Zeitpunkt Westergaard ehren!
Man muss Terroristen ja nicht noch besonders auf Deutschland hinweisen, zumal dieser Jones ja seine tolle "Kirche" in Köln gegründet hatte, bevor er wegen unregelmäßigen Finanzen und seelischem Mißbrauch das Feld räumen musste. Deutschland steht also mit im Fadenkreuz.
In München fängt nächste Woche das Oktoberfest an und wir Münchner Bürger sind nicht gerade begeistert über diese Vorgänge.
Das Oktoberfest glich im letzten Jahr aufgrund von Drohungen aus dem islamistischen Milieu einem Belagerungszustand.
happy loser schreibt:
"Und Frau Merkel muss exakt zu diesem Zeitpunkt Westergaard ehren!
Man muss Terroristen ja nicht noch besonders auf Deutschland hinweisen, ... Deutschland steht also mit im Fadenkreuz.
In München fängt nächste Woche das Oktoberfest an und wir Münchner Bürger sind nicht gerade begeistert über diese Vorgänge.
Das Oktoberfest glich im letzten Jahr aufgrund von Drohungen aus dem islamistischen Milieu einem Belagerungszustand."
Gute Satire! Zu Recht prangern Sie die Konsumfixiertheit unserer dekadenten kapitalistischen Gesellschaft an, der panem et circenses über Freiheit gehen!
Interessant, Ihre Gleichsetzung von Karikatur und Bücherverbrennung.
happy loser schreibt:
"Und Frau Merkel muss exakt zu diesem Zeitpunkt Westergaard ehren!
Man muss Terroristen ja nicht noch besonders auf Deutschland hinweisen, ... Deutschland steht also mit im Fadenkreuz.
In München fängt nächste Woche das Oktoberfest an und wir Münchner Bürger sind nicht gerade begeistert über diese Vorgänge.
Das Oktoberfest glich im letzten Jahr aufgrund von Drohungen aus dem islamistischen Milieu einem Belagerungszustand."
Gute Satire! Zu Recht prangern Sie die Konsumfixiertheit unserer dekadenten kapitalistischen Gesellschaft an, der panem et circenses über Freiheit gehen!
Interessant, Ihre Gleichsetzung von Karikatur und Bücherverbrennung.
Diese Ehrung hätte vielleicht auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden sollen. Erst einmal muß man solche Betonköpfe wie diesen unsäglichen Floridaner zurückpfeifen. In früheren Zeiten hätte der mit seiner Handvoll Anhänger keine Aufmerksamkeit bekommen. Leider können sich ja auch solche Spinner per Internet produzieren. Letztenendes blühen solche Fleurs du Mal auf dem Mist, der jahrelang der unter dem einen oder anderen Bush produziert wurde.
(Übrigens ist die Ansicht unter Muslimen sehr verbreitet, daß 9/11 von den Amerikanern selbst verübt worden ist.)
...Hans-Dietrich Genscher, Kurt Westergaard.
Ein Medienpreis für eine einzelne Zeichnung? Glückwunsch! Ich glaube nicht, dass Westergaard sich bei Anfertigung der Karrikatur über sein großes „Verdienste um den Schutz der freien Meinungsäußerung und die Vertiefung der Demokratie in Europa“ bewusst war.
Westergaard steht nun in einer Reihe mit den Namen in meiner der Überschrift, und zwar weil er die Idee hatte, eine historische Mohammed-Darstellung mit einer Bombe als Turban abzuwandeln. Das ist also ein „Verdienste um […] die Vertiefung der Demokratie in Europa sowie [eine] besondere Leistungen um die europäische Verständigung und Kommunikation“?!?
(http://www.m100potsdam.or...)
Ich glaube nicht, dass dies beispielsweise Berlusconi so beeindrucken wird, dass er von nun an die Pressefreiheit in Italien wieder verteidigen, anstatt sie einzuschneiden. Oder dass dies einen positiven Einfluss auf die Pressefreiheit in Staaten mit islamischen Regierungen hat. Davon abgesehen, finde ich Westergaards Zeichnung weder kreativ noch irgendwie interessant, sondern ziemlich banal. Ich könnte sie höchsten verstehen, wenn sie ein Kommentar auf die westliche Islam-Hysterie wäre. Aber sie soll wohl tatsächlich den Islam karikieren.
(Im übrigen schließe ich mich einem meiner Vorkommentatoren an; die Alltags-Überschrift lenkt eindeutig von dem kontroversen Teil des Nachrichteninhaltes ab.)
...die mangelnde Sensibilität für das Thema, zeigt zudem fehlende interkulturelle Kompetenz.
ist für für mich die legitime Antwort auf Jungfraugeburt, Engel, Hölle, Paradies, Wahnvorstellungen Propheten aller Art, die Erde ist 4000 Jahre alt, tibetische Gottkönige, heilige Stühle usw. usw. usw.
ist für für mich die legitime Antwort auf Jungfraugeburt, Engel, Hölle, Paradies, Wahnvorstellungen Propheten aller Art, die Erde ist 4000 Jahre alt, tibetische Gottkönige, heilige Stühle usw. usw. usw.
Nehmen wir mal an, Herr Westergaard künigt an, zum 11.9. neue Karikaturen veröffentlichen zu wollen.
Was würde wohl passieren? Welche Reaktionen wären zu erwarten?
Würde dies Gefühle verletzen? Wäre dies mutig oder respektlos? Wäre es richtig oder falsch? Wäre es abstoßend oder wiederum zu würdigen?
Ist die Grundlage unseres Handelns nun die Verfassung bzw. die Grundrechte und die Rechtslage oder ist sie es nicht?
Mit Verlaub, aber Kanzlerin ist nicht die "Gesinnungs- bzw. Meinungwächterin" des Deutschen Volkes.
Welch Willkür hat hier eigentlich Einzug gehalten?
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