Das Leben danach: "Es ist schon mal einer liegen geblieben"
Ein Jahrzehnt, nachdem zwei Neonazis einen Obdachlosen zu Tode quälten, gehen sie gegensätzliche Wege. Der eine studiert Theologie, der andere schlägt weiter zu.
Am 9. August 1999 wird im niedersächsischen Eschede der 44-jährige Peter Deutschmann von zwei Naziskinheads getötet. Die beiden damals 17 und 18 Jahre alten Täter Johannes K. und Marco Siedbürger gehen mit großer Brutalität vor.
Der Obdachlose Deutschmann, der von der Gemeinde eine Sozialwohnung zugewiesen bekommen hatte, galt in Eschede als "Hippie". Er kannte die Täter schon lange, war mit einem ihrer Väter befreundet und hatte sich schon mehrfach mit ihnen über ihre politischen Ansichten gestritten. Kurz vor der Tat hatte Deutschmann den arbeitslosen Marco Siedbürger und den ein Jahr jüngeren Gymnasiasten Johannes K. aufgefordert, "den Scheiß mit dem Skinhead-Gehabe" zu lassen. In Eschede war bekannt, dass Marco S. schon mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten war und wegen Körperverletzung und neonazistischer Propagandadelikte unter Bewährung stand. Peter Deutschmann bezahlte seine Auseinandersetzung mit dem Naziskinhead-Duo mit dem Leben.
Aus Wut über die Kritik an ihrem neonazistischen Auftreten und Einstellungen verschaffen sich die beiden Täter Zutritt zu Peter Deutschmanns Wohnung, treten und schlagen auf den schlaftrunkenen 44-Jährigen ein, misshandeln ihn mit Glasscherben. Sie zertrümmern seinen Kehlkopf und fügen ihm zahllose Schlag- und Schnittverletzungen zu. Um zu verhindern, dass Deutschmann Hilfe holt, zerschlagen sie das Telefon. Dann verschwinden sie. Das Opfer lassen sie stark blutend und schwer verletzt zurück. Als Nachbarn Stunden später die Hilferufe hören, kommt jede Rettung zu spät. Peter Deutschmann stirbt im Krankenhaus an seinen schweren Verletzungen. Das Landgericht Lüneburg verurteilt im Januar 2000 beide Täter wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung mit Todesfolge zu einer fünfjährigen Jugendstrafe; einen politischen Hintergrund will es nicht erkennen.
Elf Jahre sind seit dem Tod von Peter Deutschmann vergangen. Einer der Täter, Johannes K., trat kürzlich auf einer Veranstaltung vor Konfirmanden in der Hermannsburg auf. Dort beschrieb er seinen Weg in die Neonaziszene und den schwierigen Ausstieg. Den Jugendlichen erzählte er, die Haft sei für ihn "ein Glücksfall" gewesen. Dort sei er religiös geworden. Und weil ihn die Anstaltsleitung in eine Zelle mit migrantischen Mithäftlingen legte, sei er gezwungen gewesen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und habe sich sogar mit einigen seiner Mitgefangenen angefreundet. Heute studiert der 28-Jährige evangelische Theologie und hofft in zwei Jahren als Pastor zu arbeiten. "Ich habe eine zweite Chance bekommen und bin froh, dass sie mir ermöglicht wurde", sagte er vor Kurzem in einem Interview.
Ganz anders verlief das Leben des anderen Täters: Marco Siedbürger vertieft während der Haftzeit seine Kontakte in die niedersächsische Neonaziszene. In der Jugendhaftanstalt Hameln lernt er Marcus Winter kennen, der wegen Entführung und Misshandlung eines jungen Antifa-Aktivisten in Schaumburg einsitzt. Das Duo gründet die "Kerkerkameradschaft Hameln". Über Winter findet Siedbürger nach seiner Haftentlassung leicht den Einstieg in die Szene der militanten Freien Kameradschaften in der Region Weserbergland – und macht fortan überall da mit, wo auch der zwei Jahre ältere Winter aktiv ist. Beispielsweise in der Kameradschaft "Nationale Offensive Schaumburg", die seit Langem als Vorreiter für die militante Kameradschaftsszene in Niedersachsen gilt und deren Website ein Zitat aus Hitlers "Mein Kampf" vorangestellt ist. Siedbürger, der mittlerweile statt Glatze und Springerstiefel schwarzes Basecap, Turnschuhe und Kapuzenjacke trägt, wird schnell zum "Kampfhund der Kameradschaft", sagen Beobachter. Als Beruf gibt der verheiratete Vater zweier Kinder Schlachter an.





"Kurz vor der Tat hatte Deutschmann den arbeitslosen Marco Siedbürger und den ein Jahr jüngeren Gymnasiasten Johannes K. aufgefordert, "den Scheiß mit dem Skinhead-Gehabe" zu lassen. In Eschede war bekannt, dass Marco S. schon mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten war"
Einheitliche Standards bei der Anonymisierung oder deren Unterbleibung wären gut. Ansonsten ein interessanter Artikel.
Die Tritte und Schläge von Faschisten wie den hier genannten sowie deren Folgen sind sinnbildlich zu schnell für die langsame Reaktion unserer demokratisierten Strukturen.
Unbestritten ist die Demokratie die derzeit beste Staatsform. Aber welche zufriedenstellenden Antworten liefert sie auf die Fragen der Opfer?
Oder braucht es einfach nur den Aufstand der Anständigen, den Ruck durch Deutschland?
Die Furcht vor der Selbstoffenbarung ist der größere Gewinn für den Faschisten, als das der Freigeist ihm einfach mitteilt, dass er sich vor seinem Drohpotential fürchtet.
Ich bin kein Befürworter grundsätzlich überall härtere Strafen zu verhängen. Aber bei Wiederholungstätern insbesondere mehrfachen Wiederholungstätern, die gehören für 10 Jahre weggeschlossen.
Wie kann jemand mit so einem Vorstrafenregister wegen Körperverletzung, sogar mit Todesfolge, nach einer nochmaligen Körperverletzung nochmals Bewährung bekommen?
Das gibt es doch gar nicht! Ist es nicht möglich per Gesetz für Wiederholungstäter härtere Strafen zu verhängen?
Ich bestreite grade ein entsprechendes Studium, dort haben wir gelernt, dass im Strafrecht die Höhe der Strafe keine nennenswerte Präventionswirkung hat. Härtere Strafen müssen also nicht unbedingt helfen. Zudem hat man gesehen, dass Knast helfen kann, oder eben alles noch schlimmer machen.
Wichtig sei laut Prof. die Chance entdeckt und bestraft zu werden. Wenn man davon ausgeht, dass der gute Mann Bewährung als "davon gekommen" wertet, wäre eine Gefängnisstrafe vielleicht tatsächlich hilfreich gewesen.
Insgesammt kann und muss man wohl aber feststellen, dass sich über harte und lange Gefängnisstrafen soetwas nicht verhindern lässt. Den Rachegedanken sollte man, auch wenn es schwer fällt, im Strafrecht nicht zulassen.
Bleibt also nur: Geld ausgeben für Resozialisierung und zivile Courage auszugeben, denn ich bin mir fast sicher, hätte der gute Mann bei der Aktion böse auf die Nase bekommen (natürlich im Rahmen der Nothilfe) wäre es mit dem Überlegenheitsgefühl schnell vorbei....
Ich bestreite grade ein entsprechendes Studium, dort haben wir gelernt, dass im Strafrecht die Höhe der Strafe keine nennenswerte Präventionswirkung hat. Härtere Strafen müssen also nicht unbedingt helfen. Zudem hat man gesehen, dass Knast helfen kann, oder eben alles noch schlimmer machen.
Wichtig sei laut Prof. die Chance entdeckt und bestraft zu werden. Wenn man davon ausgeht, dass der gute Mann Bewährung als "davon gekommen" wertet, wäre eine Gefängnisstrafe vielleicht tatsächlich hilfreich gewesen.
Insgesammt kann und muss man wohl aber feststellen, dass sich über harte und lange Gefängnisstrafen soetwas nicht verhindern lässt. Den Rachegedanken sollte man, auch wenn es schwer fällt, im Strafrecht nicht zulassen.
Bleibt also nur: Geld ausgeben für Resozialisierung und zivile Courage auszugeben, denn ich bin mir fast sicher, hätte der gute Mann bei der Aktion böse auf die Nase bekommen (natürlich im Rahmen der Nothilfe) wäre es mit dem Überlegenheitsgefühl schnell vorbei....
Ich bestreite grade ein entsprechendes Studium, dort haben wir gelernt, dass im Strafrecht die Höhe der Strafe keine nennenswerte Präventionswirkung hat. Härtere Strafen müssen also nicht unbedingt helfen. Zudem hat man gesehen, dass Knast helfen kann, oder eben alles noch schlimmer machen.
Wichtig sei laut Prof. die Chance entdeckt und bestraft zu werden. Wenn man davon ausgeht, dass der gute Mann Bewährung als "davon gekommen" wertet, wäre eine Gefängnisstrafe vielleicht tatsächlich hilfreich gewesen.
Insgesammt kann und muss man wohl aber feststellen, dass sich über harte und lange Gefängnisstrafen soetwas nicht verhindern lässt. Den Rachegedanken sollte man, auch wenn es schwer fällt, im Strafrecht nicht zulassen.
Bleibt also nur: Geld ausgeben für Resozialisierung und zivile Courage auszugeben, denn ich bin mir fast sicher, hätte der gute Mann bei der Aktion böse auf die Nase bekommen (natürlich im Rahmen der Nothilfe) wäre es mit dem Überlegenheitsgefühl schnell vorbei....
Der "gute Mann" ist in meinen Augen ein Terrorist. Denn er terrorisiert gezielt bestimmte Mitglieder der Gesellschaft, die ihm ein Dorn im Auge sind. Wahrscheinlich macht eine längere Strafe aus ihm keinen besseren Menschen, aber 10 Jahre im Gefängnis bedeuten 10 Jahre Sicherheit vor ihm für Leute wie Peter Deutschmann und Nicola Keller.
Sie haben ja vollkommen recht, wenn Sie sagen, das von höheren Strafen keine Präventationswirkung ausgeht. Allerdings stellt sich die Sache bei Körperverletzung meiner Meinung nach anders da. Hier torpediert der Täter ganz klar die Zivilgesellschaft und unterminiert das Gewaltmonopol des Stattes durch gezielte Gewaltanwendung und -drohung. Eine Wiedereingliederung ist, anders als bei Mord, Raud o.a. nicht so einfach, da eine Zivilfesellschaft einzelnen Gewalt-Akteuren ausgeliefert ist, da die rechtliche Handhabe sich auf schon begangene Delikte reduziert. Daher denke ich, das Körperverletzung ein besonders schweres Vergehen ist, denn es gefährdet die öffentliche Sicherheit. Wenn Gewalttäter längere Strafen bekommen, dann ist die Gesellschaft auch länger vor ihnen geschützt.
Zivil-Courage wird niemals die Lösung sein. Sie kann auch nicht eingefordert, abgerufen oder ganzen Menschengruppen beigbracht werden.
Wer außerdem meint, Zivil-Courage bestehe darin, sich als normaler Mensch trainierten Schlägern in den Weg zu stellen, der irrt.
Diejenigen, die sich einmischen, sind entweder selbst geübt in Schlägereien oder sie schätzen die Situation falsch ein.
Aus meiner Sicht spricht hier die Justiz zu lasche Urteile. Wichtig wäre jedoch, wenn in der Strafvollzugszeit Resozialisierungsmaßnahmen erfolgen würden. Aber dafür gibt es nicht genügend Geld.
Der "gute Mann" ist in meinen Augen ein Terrorist. Denn er terrorisiert gezielt bestimmte Mitglieder der Gesellschaft, die ihm ein Dorn im Auge sind. Wahrscheinlich macht eine längere Strafe aus ihm keinen besseren Menschen, aber 10 Jahre im Gefängnis bedeuten 10 Jahre Sicherheit vor ihm für Leute wie Peter Deutschmann und Nicola Keller.
Sie haben ja vollkommen recht, wenn Sie sagen, das von höheren Strafen keine Präventationswirkung ausgeht. Allerdings stellt sich die Sache bei Körperverletzung meiner Meinung nach anders da. Hier torpediert der Täter ganz klar die Zivilgesellschaft und unterminiert das Gewaltmonopol des Stattes durch gezielte Gewaltanwendung und -drohung. Eine Wiedereingliederung ist, anders als bei Mord, Raud o.a. nicht so einfach, da eine Zivilfesellschaft einzelnen Gewalt-Akteuren ausgeliefert ist, da die rechtliche Handhabe sich auf schon begangene Delikte reduziert. Daher denke ich, das Körperverletzung ein besonders schweres Vergehen ist, denn es gefährdet die öffentliche Sicherheit. Wenn Gewalttäter längere Strafen bekommen, dann ist die Gesellschaft auch länger vor ihnen geschützt.
Zivil-Courage wird niemals die Lösung sein. Sie kann auch nicht eingefordert, abgerufen oder ganzen Menschengruppen beigbracht werden.
Wer außerdem meint, Zivil-Courage bestehe darin, sich als normaler Mensch trainierten Schlägern in den Weg zu stellen, der irrt.
Diejenigen, die sich einmischen, sind entweder selbst geübt in Schlägereien oder sie schätzen die Situation falsch ein.
Aus meiner Sicht spricht hier die Justiz zu lasche Urteile. Wichtig wäre jedoch, wenn in der Strafvollzugszeit Resozialisierungsmaßnahmen erfolgen würden. Aber dafür gibt es nicht genügend Geld.
Vielen Dank für die Differenzierung! Das ist der erste Zeitungsartikel, den ich lese, in dem nicht pauschal von Skinheads gesprochen wird!
Ich habe einen Oi-Skinhead in meinem Bekanntenkreis und schon des Öfteren erschrockene Blicke geernet, wenn ich von einem Skinhead gesprochen habe. Denn selbst vielen gebildeten Leuten ist nicht klar, dass Skinhead nicht automatisch rechts bzw. Neonazi bedeutet!
Weiter so!
Der "gute Mann" ist in meinen Augen ein Terrorist. Denn er terrorisiert gezielt bestimmte Mitglieder der Gesellschaft, die ihm ein Dorn im Auge sind. Wahrscheinlich macht eine längere Strafe aus ihm keinen besseren Menschen, aber 10 Jahre im Gefängnis bedeuten 10 Jahre Sicherheit vor ihm für Leute wie Peter Deutschmann und Nicola Keller.
Sie haben ja vollkommen recht, wenn Sie sagen, das von höheren Strafen keine Präventationswirkung ausgeht. Allerdings stellt sich die Sache bei Körperverletzung meiner Meinung nach anders da. Hier torpediert der Täter ganz klar die Zivilgesellschaft und unterminiert das Gewaltmonopol des Stattes durch gezielte Gewaltanwendung und -drohung. Eine Wiedereingliederung ist, anders als bei Mord, Raud o.a. nicht so einfach, da eine Zivilfesellschaft einzelnen Gewalt-Akteuren ausgeliefert ist, da die rechtliche Handhabe sich auf schon begangene Delikte reduziert. Daher denke ich, das Körperverletzung ein besonders schweres Vergehen ist, denn es gefährdet die öffentliche Sicherheit. Wenn Gewalttäter längere Strafen bekommen, dann ist die Gesellschaft auch länger vor ihnen geschützt.
Zivil-Courage wird niemals die Lösung sein. Sie kann auch nicht eingefordert, abgerufen oder ganzen Menschengruppen beigbracht werden.
Wer außerdem meint, Zivil-Courage bestehe darin, sich als normaler Mensch trainierten Schlägern in den Weg zu stellen, der irrt.
Diejenigen, die sich einmischen, sind entweder selbst geübt in Schlägereien oder sie schätzen die Situation falsch ein.
Aus meiner Sicht spricht hier die Justiz zu lasche Urteile. Wichtig wäre jedoch, wenn in der Strafvollzugszeit Resozialisierungsmaßnahmen erfolgen würden. Aber dafür gibt es nicht genügend Geld.
eine bessere Sozialpolitik, die weniger auf verfehltes Fordern, als denn auf Fördern setzt.
Denn eines muss man den Rechten ja lassen, sie sind genauso wie unsere Problemmigranten, nur mit anderer Herkunft und entsprechend anderer Jugendsubkultur.
In beiden Fällen wäre weniger Perspektivlosigkeit die richtige Maßnahme.
Aber hier zu Lande wird ja lieber anderen Denkrichtungen gefröhnt und Hetzern ohne Substanz zu abnormalen Buchverkäufen geholfen.
eine bessere Sozialpolitik, die weniger auf verfehltes Fordern, als denn auf Fördern setzt.
Denn eines muss man den Rechten ja lassen, sie sind genauso wie unsere Problemmigranten, nur mit anderer Herkunft und entsprechend anderer Jugendsubkultur.
In beiden Fällen wäre weniger Perspektivlosigkeit die richtige Maßnahme.
Aber hier zu Lande wird ja lieber anderen Denkrichtungen gefröhnt und Hetzern ohne Substanz zu abnormalen Buchverkäufen geholfen.
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