Mit der Veröffentlichung dieser Liste soll versucht werden, den vielen kaum bekannten Opfern ein Gesicht zu geben und öffentlich anzuerkennen, dass sie nicht Opfer eines "normalen" Gewaltverbrechens wurden. Hunderte Lokalzeitungsartikel und Gerichtsurteile wurden dafür gesichtet, monatelang Opferberatungsstellen und Hinterbliebene, Anwälte und Strafverfolger interviewt. Gerichtsurteile mit teilweise mehreren Hundert Seiten wurden analysiert, um die Motivation der Täter herauszufinden.

Klicken Sie auf das Bild, um die interaktive Grafik aufzurufen. Sie zeigt, wo seit 1990 Menschen durch rechts motivierte Täter starben.

In der Liste mit den 156 Todesopfern sind die 99 Toten enthalten, die Tagesspiegel und Frankfurter Rundschau bis 2003 im Rahmen eines Vorgängerprojekts recherchiert hatten. Außerdem kommt ein Fall hinzu, den der Tagesspiegel abweichend von der FR erwähnt hatte, die ihrerseits über ein anderes Todesopfer schrieb. Damit sind bereits insgesamt 100 Todesopfer aufgelistet. Es folgen zehn Tötungsverbrechen, die Tagesspiegel und FR zunächst nur als Verdachtsfälle genannt hatten, die aber nach weiteren Recherchen der jetzt erstellten Liste zuzuordnen sind. Hinzukommen 36 Todesopfer aus neuen Fällen, die Tagesspiegel und ZEIT untersucht haben. Zuletzt wurden die Opfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) bekannt. So ergibt sich die Summe von 156 Todesopfern rechtsmotivierter Gewalt seit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990. Nur 73 der Toten werden bisher von der Bundesregierung offiziell als Todesopfer rechtsmotivierter Gewalt anerkannt.

An die Schicksale der Toten erinnert auch die Wanderausstellung Opfer rechter Gewalt des Vereins Opferperspektive aus Brandenburg sowie die Online-Dokumentationen Wir erinnern an Opfer rechter Gewalt in Sachsen-Anhalt und Todesopfer rechter Gewalt in Brandenburg.