Der 28-jährige Mosambikaner Jorge Gomondai stürzt am 31. März 1991 in Dresden aus einer fahrenden Straßenbahn und zieht sich tödliche Kopfverletzungen zu. Vor Gericht kann nicht geklärt werden, ob der Schlachthofarbeiter von Skinheads aus der Straßenbahn gestoßen wurde oder aus Angst vor der aggressiven Meute aus der Tür sprang. Das Landgericht Dresden verurteilt einen der Beteiligten am 29. Oktober 1993 wegen fahrlässiger Tötung zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren ohne Bewährung. Zwei andere Angeklagte erhalten Bewährungsstrafen von eineinhalb Jahren.
Dieser Fall wird von der Bundesregierung 1993, 1999 und 2009 genannt.

Der 23-jährige Matthias Knabe wird am 8. Mai 1991 bei Gifhorn (Niedersachsen) von fünfzehn Skinheads angegriffen. Anschließend treiben sie den Punk zur Bundesstraße 4. Dort wird er von einem Auto angefahren und erleidet schwere Hirnverletzungen, an denen er am 4. März 1992 stirbt. Das Landgericht Hildesheim verurteilt im November 1992 den 18-jährigen Christian B. wegen Beteiligung an einer Schlägerei und fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Haft. Das Gericht geht davon aus, Matthias Knabe sei vor das Auto gelaufen. Augenzeugen haben aber angegeben, er sei von den Skinheads auf die Straße gestoßen worden.

Am 4. Juni 1991 wird der 39-jährige Obdachlose Helmut Leja in Kästorf (Niedersachsen) von einem 17-jährigen Jugendlichen in einem Waldstück erstochen. Der Angreifer gehört laut Innenministerium der örtlichen Skinheadszene an und bezeichnet Leja als "Abschaum". Am 23. Dezember 1991 verurteilt die 9. Große Strafkammer des Landgerichts Hildesheim den 17-Jährigen zu einer sechsjährigen Jugendstrafe wegen Totschlags. Einen rechten Hintergrund kann die Kammer nicht erkennen.

Der Angolaner Agostinho Comboio wird in der Nacht zum 16. Juni 1991 in Friedrichshafen (Baden-Württemberg) von einem Rechtsextremisten verprügelt und erstochen. Der Täter wird laut Landgericht Ravensburg nach dem Verbrechen in der rechten Szene als "Held von Friedrichshafen" gefeiert. Das Gericht verurteilt den Neonazi wegen Totschlags zu fünf Jahren Haft.
Dieser Fall wird von der Bundesregierung 1993 genannt, 1999 nicht, aber 2009.

Auf einem Spielplatz, der einer rechtsextremen Clique als Treffpunkt dient, wird am Abend des 16. September 1991 in Schwedt (Brandenburg) der Arbeitslose Wolfgang Auch (28) von insgesamt acht rechten Jugendlichen über mehrere Stunden brutal misshandelt. Sechs Tage später stirbt der 28-Jährige im Klinikum Uckermark an schweren inneren Verletzungen, die ihm durch Tritte mit Springerstiefeln und Schläge zugefügt worden waren. In der Verhandlung am Bezirksgericht Frankfurt/Oder im Frühjahr 1993 und in den Vernehmungen gestehen die 14- bis 18-Jährigen Täter freimütig ihre Zugehörigkeit zur rechtsextremen Szene in Schwedt ein. Einer der tatbeteiligten Schüler sagt beispielsweise offen, er "habe etwas gegen Linke, Assis und Ausländer". Im Prozess wird deutlich, dass Wolfgang Auch zunächst als psychisch bzw. geistig Behinderter sowie als Alkoholabhängiger und "Asozialer" gedemütigt und misshandelt wurde. Dann inszenieren die Täter ein Verhör, in dessen Verlauf sie Wolfgang Auch zu seinen politischen Ansichten befragen. Als dieser antwortet, er fände Erich Honecker "gut" und Adolf Hitler "beschissen", hält ihm einer der Täter eine Schreckschusspistole an den Kopf, dann wird Wolfgang Auch so lange geschlagen, bis er seine Antworten ändert. Das Bezirksgericht Frankfurt/Oder verurteilt im März 1993 alle acht Angeklagten u.a. wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu Bewährungsstrafen zwischen acht Monaten und zwei Jahren.
Der Fall wird von der Brandenburger Landesregierung 2015 anerkannt.

Der 27-jährige Samuel Kofi Yeboah aus Ghana verbrennt in der Nacht zum 19. September 1991 in einem Asylbewerberheim in Saarlouis. Unbekannte hatten nachts gegen 3.30 Uhr einen Brandsatz in die Unterkunft geschleudert. Zwei weitere Flüchtlinge aus Nigeria werden verletzt. Der Brandanschlag ist neun Jahre nach der Tat noch nicht aufgeklärt.
Dieser Fall wird von der Bundesregierung 1993, 1999 und 2009 genannt.

Der 30 Jahre alte Gerd Himmstädt stirbt am 3. Dezember 1991 an einer Hirnblutung. Sieben Jugendliche hatten den 30-Jährigen drei Tage zuvor in Hohenselchow (Brandenburg) mit Baseball-Schlägern verprügelt. Das Opfer galt den Rechten als "Automaten-Knacker". Die Täter gehören nach eigenen Angaben "dem harten Kern der rechten Szene an". Das Landgericht Frankfurt (Oder) verurteilt am 27. Oktober 1992 den Haupttäter Sven B. wegen Totschlags zu siebeneinhalb Jahren Haft. Die anderen erhalten Bewährungsstrafen zwischen sechs Monaten und einem Jahr und vier Monaten.
Der Fall wird von der Brandenburger Landesregierung 2015 anerkannt.

Der 29-jährige Timo Kählke wird am 12. Dezember 1991 in Meuro (Brandenburg) bei einem Überfall erschossen. Sowohl der 20 Jahre alte Mörder wie auch die drei Mittäter im Alter zwischen 20 und 29 Jahren gehören zur Wehrsportgruppe I. Werwolf-Jagdeinheit Senftenberg. Die Neonazis wollten Kählkes Auto rauben, weil sie das Fahrzeug für den geplanten Überfall auf ein Spielcasino brauchten. Als Kählke sich wehrt, wird er umgebracht. Das Landgericht Cottbus verurteilt den Haupttäter wegen Mordes zu neun Jahren Jugendstrafe. Die Mittäter erhalten Freiheitsstrafen zwischen drei und 15 Jahren.
Dieser Fall wird von der Bundesregierung 1993 nicht genannt, aber 1999 und 2009.